Donnerstag, 24. August 2017
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Schüleraustausch USA - Hawaii, Tennis und Prom

Jeder Anfang hat auch ein Ende

Dritter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Gina G. - USA

Stipendium gestiftet durch:
Experiment e.V.

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

Jeder Anfang hat auch ein Ende. Mit diesen Worten möchte ich heute meinen letzten Bericht über mein Auslandsjahr beginnen. 10 Monate ist es her, als ich mich auf die Reise in die USA begeben habe. Damals hatte ich keine Vorstellung davon, was auf mich zukommt und wen ich während dieses Schuljahres kennenlernen würde. Nun bin ich wieder zu Hause und der gewöhnliche Alltag hat sich bereits eingespielt.     

 

Seit meinem letzten Bericht ist sehr viel Zeit vergangen und ich habe während dieser Zeit die Möglichkeit genutzt, weitere Erfahrungen zu sammeln, u.a. auf Hawaii. Anfang des neuen Jahres wurden verschiedene Ausflüge von meiner Organisation angeboten. Die Reise nach Hawaii wurde von „Explore America“ speziell für Austauschschüler angeboten und es gab sofort großes Interesse bei allen. So auch bei mir. 

 

Am Tage des Abfluges konnte ich es kaum noch abwarten und habe mich darauf gefreut, neue Leute kennenzulernen, die Sonne zu genießen und neue Erfahrungen zu sammeln. Zusammen mit 3 anderen Austauschschülern ging es nach der Landung sofort zum Hotel, um den Rest der Gruppe zu treffen. Die Austauschschüler, die uns dort vorgestellt wurden, kamen aus unterschiedlichen Ländern der Welt u.a. aus den Niederlanden, Italien, Spanien, Russland, Taiwan, Brasilien, Österreich, Deutschland und Norwegen. Noch nie zuvor habe ich so viele verschiedene Menschen aller Kulturen an nur einem Ort gesehen.      

 

In den nächsten Tagen sind wir mit einem Bus um die Insel Oahu gefahren, haben uns am Strand gesonnt, sind im Ozean geschnorchelt und haben versucht auf einem Surfboard zu stehen. Zudem haben wir tausende Fotos geschossen, sind zur Spitze eines Vulkanes gewandert, haben Pizza um Mitternacht bestellt, Hula getanzt und Schrimps im "Bubba Gump Shrimp" Restaurant gegessen. Die Gelegenheit war einmalig und wir haben uns geschworen, den Kontakt zueinander aufrecht zu erhalten. Hawaii ist eine wunderschöne Insel, die man wenigstens einmal im Leben gesehen haben muss.        

 

Sofort nachdem ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, hat mich meine Gastfamilie auf einen spontanen Kurztrip nach Fredericksburg, Texas, mitgenommen. Trotz Müdigkeit habe ich mich gefreut, auch einmal eine andere Stadt in Texas sehen zu können.

 

Die Autofahrt hat ungefähr 4 Stunden gedauert, bis wir schließlich unser Reiseziel erreicht hatten. Viele deutsche Einwanderer haben sich in der Vergangenheit in dieser Stadt niedergelassen und ein neues Leben begonnen. Deutsche Wörter und Geschäfte gab es überall zu bestaunen. Am ersten Tag sind wir durch die Stadtpromenade geschlendert und, auch wenn die Stadt in den USA liegt, kam mir alles ziemlich Deutsch vor. Bäckereien mit frischem Schwarzbrot, Dirndl und Lederhosen, Schwarzwälder Torte und Flaggen. Alles war wie zu Hause! Es war super, nach 8 Monaten ein deutsches Jägerschnitzel zu essen und mit Leuten aus dem Heimatland zu sprechen. Am zweiten Tag sind wir auf den "Enchanted Rock" gewandert, einen alten Vulkan. Auch wenn es in der glühenden Hitze ein bisschen anstrengend war, hat es sich gut angefühlt, die Spitze erreicht zu haben. Außerdem habe ich dort zum ersten Mal Kakteen gesehen, die in der freien Natur wachsen. Die Aussicht hat sich definitiv gelohnt und sportliche Aktivitäten sind in Amerika auch nicht allzu schlecht :-P              

 

Um den Tag gut abzuschließen, haben wir Familienfotos in den "Bluebonnets", der Staatsblume von Texas geschossen. Ein typisches Texas "Thing" sind BBQ, Cowboys und Pferde. Während dieses Kurztrips habe ich all diese typischen Dinge miterlebt und gesehen. Kaum zu Hause angekommen, ging es schon an das Ostereierfärben, denn schließlich stand schon am nächsten Tag Ostern vor der Tür. Nachdem alle Eier gefärbt waren, haben meine Gastgeschwistern Breann und Brian und ich ein Spiel gespielt. Jeder musste versuchen, das Ei des anderen zu zerschlagen und dabei so wenig Versuche wie möglich zu nutzen. Witzigerweise hatte ich ein ziemlich hartes Ei gegriffen und auch nachdem der Rest der Eier schon kaputt gewesen war, war meins noch in einwandfreiem Zustand J Schon am nächsten Tag standen drei Osterkörbe auf dem Tisch, einer für Breann, einer für Brian und einer für mich. Ich habe mich total über das süße Geschenk meiner Gastfamilie gefreut. Neben einem Plüschhasen habe ich noch deutsche Schokolade bekommen, die meine Gasteltern heimlich in Fredericksburg gekauft hatten. Da zu Ostern an die Wiederauferstehung Jesus Christus gedacht wird, stand auch ein Kirchenbesuch auf dem Plan. Die Veranstaltung fand an diesem besonderen Tag in einem anderen, viel größeren Gebäude statt und schon beim Eintreten war ich erstaunt von der Menge an Menschen, die gekommen waren. 800 Leute haben mitgesungen, gefeiert und ihren Glauben gestärkt. Die Bühnenshow und auch die Stimmung in der Halle waren einfach unglaublich und eine Erfahrung, die ich nicht zu schnell vergessen werde.                                                                   

 

Eine weitere unvergessliche Erfahrung war es, Tennis gespielt zu haben. Kurz nach Ostern stand das Ende dieser Saison nahe. Während dieser Zeit habe ich mich nicht nur in einen Sport verliebt, den ich vorher noch nie gespielt hatte, sondern auch tolle Freunde gefunden. Gemeinsam sind wir zu verschiedenen Wettkämpfen gefahren und haben uns gegenseitig unterstützt. Auch wenn es traurig war, niemals wieder mit denselben Leuten an Turnieren teilnehmen zu können, haben wir auch nach dem Ende der Saison nie mit dem Tennisspielen aufgehört. Um auch außerhalb des Tennisplatzes Zeit miteinander zu verbringen, sind die Jungs am Ende des Monats April auf die Idee gekommen, alle Mädchen zum Prom einzuladen. Auch ich wurde plötzlich von einem guten Freund gefragt und habe mich sehr über die Einladung efreut. 

 

Schüleraustausch USA Tennis

 

Nachdem ich nun eine Begleitung zum Ball hatte, musste natürlich auch ein Kleid her. Gemeinsam mit meiner Gastschwester habe ich mich durch die Reihen voller Kleider gearbeitet. Die Auswahl war erstaunlich und noch nie zuvor habe ich so viele hübsche Kleider gesehen. Es gab sie in allen Varianten: lang, kurz, mit Steinen oder ohne, als Petticoat oder einfach enganliegend. Auch wenn mir die Entscheidung sehr schwer fiel, habe ich am Ende des Tages ein Kleid gefunden. Die Tage vergingen und der Tag des Prom kam näher und näher. Ich hatte mich schon das ganze Jahr auf diesen Ball gefreut und war gespannt, ob es genauso wie in typisch-amerikanischen Teenagefilmen sein würde. Da ich jede Vorbereitung mitmachen wollte, bin ich am Tag davor mit meinen besten Freunden ins Nagelstudio gegangen. Trotz weniger Stunden Schlaf war ich am nächsten Tag hellwach und mehr als gespannt, was mich erwarten würde. Zunächst bin ich mit meiner Gastmutter Tiffany zum Frisör gefahren. Nachdem meine Haare hochgesteckt waren, ging es an das Make Up. Noch nie zuvor wurde ich von jemandem geschminkt. Da es sich aber um einen besonderen Ball und eine einmalige Erfahrung handelte, habe ich mich dazu entschlossen, jemanden Professionelles diese Aufgabe erledigen zu lassen. Nachdem all das erledigt war, haben wir uns wieder auf den Weg nach Hause begeben. Die restliche Zeit, bis ich abgeholt wurde, habe ich damit verbracht, mein Kleid anzuziehen und mich fertig zu machen. Ein paar Minuten, um Fotos zu schießen, blieben noch übrig, bevor es auf einmal klingelte. Zwei meiner besten Freunde, Cody und meine Begleitung Tristan, standen vor der Tür und wirkten auf den ersten Eindruck genauso aufgeregt wie ich. Nicht nur meine Freunde waren aufgeregt, sondern auch meine Gasteltern. Tiffany konnte es kaum abwarten, mit ihrer neuen Kamera ein paar Erinnerungsfotos zu schießen, vor allem auch, als ich meine Handgelenkcorsage bekommen habe. Dabei handelt es sich um ein Blumengesteck, was man traditionell am Tag des Prom um den Arm trägt. Nachdem jedes Pärchen abgeholt wurde, sind wir bei sonnigen 30 Grad zum Park nach Beaumont TX gefahren, um weitere Fotos zu schießen. Auch wenn alle Absätze der Schuhe nach dem Laufen nicht mehr so hübsch aussahen, hat es wahnsinnig viel Spaß gemacht und auch die Bilder werden in meiner Schatzkiste für immer als Erinnerung aufbewahrt werden. Beim anschließenden Abendessen haben wir uns dazu entschieden, zu einem Italiener zu gehen. Dort hatten wir noch einmal die Möglichkeit, uns gegenseitig auszutauschen und über den kommenden Ball zu sprechen. Unter dem Motto „verzauberter Wald“ fing dieser schon in wenigen Stunden an und war das Highlight des Tages.

 

Prom Schüleraustausch USA

 

Es war ziemlich unglaublich, wie hübsch alle aussahen und wie toll das Gebäude von innen und außen geschmückt war. Der Saal war voller Bäume, Lichter und Kerzen. Den ganzen Abend wurde getanzt und zu verschiedenen Liedern gesungen. Besonders schön fand ich, dass Lieder von einstudierten Gruppentänzen gespielt worden. Auch wenn man den Tanz zu einem bestimmten Song nicht konnte, hat es Spaß gemacht, die gleichen Schritte wie der Vordermann zu setzen. Nach ungefähr vier Stunden war dann leider auch dieser Abend zu Ende. Da zu diesem Zeitpunkt aber noch niemand müde war, ist das gesamte Tennisteam zu dem Haus einer Freundin gefahren. Beim Schwimmen haben wir den Abend ausklingen lassen und sind schließlich wieder zurück nach Hause gefahren. Prom gehört zu meinen schönsten Erfahrungen des Jahres und so wie die Fotos ein Leben lang halten werden, werden dies auch meine Erinnerungen daran. 

 

In den nächsten Tagen habe ich hauptsächlich Zeit mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden verbracht. Außerdem habe ich gelernt zu reiten, habe gesehen, wie chinesisches Essen zubereitet wird und mit dem Chor weitere Lieder einstudiert.  

 

Am 6. Juni fand die Abschlusszeremonie (Graduation) statt. Auch wenn ich leider nicht daran teilnehmen konnte, war es sehr interessant diese amerikanische Tradition mitzuerleben. Im gleichen Gewand wurden die 233 High School Absolventen tüchtig gefeiert und einzeln geehrt. Den Talar und den Hut habe ich mir als Andenken gekauft. Auf diesen Weg kann ich bei meiner eigenen Abifeier die amerikanische Tradition in Deutschland vertreten.

 

Kaum war die Zeremonie zu Ende, ging es zwei Tage später ins Disney World nach Florida mit dem Chor. Das ganze Jahr über haben wir versucht durch Autowäschen, Verkäufe und anderen Vorbereitungen die Reise zu finanzieren. Das Ergebnis hat sich gelohnt und wir haben uns voller Aufregung auf den Weg begeben. Nach Disney World zu fahren war die beste Entscheidung, die der Chor je getroffen hat. Es gab unglaublich viel zu sehen, zu bestaunen und während der gesamten Reise haben wir uns gefühlt, als wenn wir noch einmal in unsere Vergangenheit eingetaucht wären.

 

Zwei Tage nach der Rückkehr, am 16. Juni 2015, ging es dann für mich nach Hause. Die Zeit, die ich in den USA verbracht habe, wird mich ein Leben lang prägen. Ich bin selbständiger geworden, sehe Dinge anders als noch vor einem Jahr, habe mein Englisch verbessert und Erfahrungen gesammelt, die mir keiner mehr nehmen kann. Am wichtigsten ist jedoch, dass ich eine zweite Familie und neue Freunde dazugewonnen habe. Auch wenn ein Auslandsjahr nicht immer einfach ist, lohnt es sich zu kämpfen, denn „wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ .

                                                                                                                                    

Gina G.