Mittwoch, 28. Juni 2017
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Mein High-School-Jahr
Leben in den USA

 

Dritter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat
Nico W. - USA


Stipendium vermittelt durch:

Carl Duisberg Centren

Schüleraustausch USA



Intro

Nach zehn Monaten in den USA bin ich wieder zurück nach Deutschland gereist. In den letzten Monaten in den USA ist noch viel passiert und viele Freundschaften haben sich stark entwickelt. Der letzte Bericht beschreibt meine letzten Erfahrungen und Erlebnisse sowie meine Rückkehr.


Manager des Baseball Teams

Von März bis Juli war ich der Manager des Baseball Teams in der East Central High School. Ich hatte viele gute Freunde in dem Team und wollte beim Training und den Spielen dabei sein. Mitspielen wollte ich aber nicht, da ich mich nicht dafür verpflichten wollte. Ich hatte Angst, dass, wenn es mir keinen Spaß machen würde, ich dann jeden Nachmittag damit meine Zeit verbringen müsste. Es hat sich aber herausgestellt, dass es wirklich sehr lustig war und ich es ein bisschen bereue, dass ich nicht mitgespielt habe. Wir hatten immer eine gute und witzige Zeit beim Training, bei den Busfahrten und den Spielen.

 

Baseball High School USA

Mit zwei Freunden bei einem Baseball-Spiel: Eagles strong!


Videos

Schon seit vielen Jahren mache ich Videos mit Freunden und Geschwistern und habe einen YouTube Kanal, wo ich die meisten Videos veröffentliche. Erst in den letzten Monaten in USA habe ich auch angefangen, Videos mit Freunden zu drehen. Innerhalb der letzten zwei Monate haben wir mehr als zehn Videos gedreht und ich habe die Nachbearbeitung gemacht. Die Videos sind alle auf meinem YouTube Kanal hier zu sehen und haben jeweils eine Länge von drei bis fünf Minuten.
Mitte Mai war eine Kunstausstellung an unserer Schule und in der Kategorie Video bin ich mit zwei Videos angetreten. Von insgesamt neun Videos habe ich die ersten beiden Plätze belegt.

 

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Country Spaß

Generell gibt es auf dem Land wie in Minnesota nicht besonders viele Freizeitattraktionen. Fahrrad fährt hier keiner. Baden gehen kann man erst im Juli oder August, weil das Wasser sonst noch zu kalt ist und es gibt auch nicht viele saubere Seen. Es gibt aber ein paar wirklich coole Spaßaktionen, für die gerne die Wochenenden verplant werden. Ich rede hier von Quadfahren, Jetskiing, Wakeboarding, Wasserskiing und Speedboatfahren. Die meisten Amerikaner in Minnesota haben ein Quad. Manche besitzen noch ein Boot oder Jetski, mit denen der Sommer dann richtig Spaß macht.
Ein Freund hatte eine Geburtstagsparty im Mai und einige Freunde und ich waren eingeladen. Er feierte in Wisconsin in dem Ferienhaus seiner Familie, das direkt am See lag. Dort hatten wir fünf Quads, zwei Jetskis, und ein Speedboat. Das Wetter war zwar nicht super, den Spaß haben wir uns allerdings nicht verderben lassen. Von morgens bis mittags waren wir mit den Quads unterwegs und am Nachmittag mit den Jetskis und dem Speedboat. Ein Freund und ich sind am nächsten Morgen um fünf Uhr aufgestanden, um die Jetskis auf dem ruhigen und freien See zu fahren. Es war grandios und wir hatten eine Menge Spaß. Ich habe ein Video zu dem Wochenende gemacht. Dies ist hier zu sehen.

 

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Prom

Aus vielen amerikanischen Filmen habe ich schon vom Prom gehört. Das ist der berühmte Abschlussball für die Seniors. Ich hatte eine Freundin gefragt, ob sie mit mir dort hin gehen würde und sie sagte zu. Daraufhin habe ich mir einen Smoking für 130$ für den formalen Ball ausgeliehen. Das hat jeder Junge so gemacht. Die Mädchen haben sich alle ein teures Kleid gekauft und sich sehr aufgebrezelt. Erst hatten wir Fotoshootings an einem Fluss und später hatten wir einen Lauf in der Schule, bei dem viele Freunde und Bekannte zum Zuschauen gekommen sind. Dort wurde auch der Prom-King und die Prom-Queen bekanntgegeben. Der Prom-King war ich. Für den Abend hatten wir uns einen Partyraum gemietet und einen DJ bestellt. Der Abend war sehr lustig und wir haben viel getanzt.

 

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Graduation

Den klassischen amerikanischen Highschool Abschluss machte ich hier auch, mit Hut und Umhang. Den Hut haben wir nach der Zeremonie und Zeugnisvergabe in die Luft geworfen, so wie man es aus den Filmen kennt.
Ein paar Tage nach der Abschlusszeremonie gaben ein Freund und ich zusammen unsere Abschlussparty (Graduation Party). Normalerweise laden die Schüler mehr als dreihundert Leute ein. Wir haben unsere Party relativ klein gehalten und nur hundert eingeladen. Am Abend gab es dann ein Lagerfeuer.

 

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Graduation High School Abschlussfeier


Macklemore & Ryan Lewis Konzert

Am 8. Juni gaben Macklemore und Ryan Lewis ein Konzert in Minneapolis, zu dem drei Freunde und ich Tickets kauften. Wir hatten Stehplätze und somit die Möglichkeit, direkt vor der Bühne zu stehen. Also waren wir schon drei Stunden vor dem Konzertbeginn in der Halle, um unter den ersten vierzig Leuten zu sein. Wir standen ganz vorne und hatten viel Spaß. Das Konzert war klasse. Der beste Teil kommt aber erst noch: Vor dem Konzert kamen ein paar Manager mit einem Lautsprecher, auf dem sie einen Song von Macklemore abspielten. Sie fragten nach Leuten, die bei einem Tanzbattle mitmachen würden. Meine Freunde schubsten mich in den Kreis und ich zeigte meine besten Moves. Das Battle hatten ein Mädchen und ich gewonnen und wir bekamen daraufhin ein spezielles Armband, um später auf der Bühne tanzen zu können. Bei dem Song “Dance Off” hat uns dann Macklemore auf die Bühne gerufen und wir bekamen jeweils zwanzig Sekunden Zeit für ein Tanzbattle. Wir tanzten vor sechstausend Leuten. Das war wirklich ein Highlight meines Aufenthalts in den USA, das ich niemals vergessen werde. Mein Freund Ryan hat das gefilmt. Das Video ist hier auf Youtube zu sehen.

 

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Familie und Freunde

Das Verhältnis zu meiner Gastfamilie veränderte sich seit dem letzten Bericht nicht mehr. Meistens fühlte ich mich wohl und manchmal fühlte es sich sogar so an, als ob es wirklich meine zweite Familie ist. In einigen anderen Situationen war dies aber nicht der Fall. Sie konnten meine Entscheidungen und Aktionen nicht immer nachvollziehen.
Dagegen wurde die Beziehung zu meinen Freunden immer enger. Ich würde nicht sagen, dass sie am Ende meines Aufenthalts netter zu mir waren, sondern, dass sie mich mehr respektiert haben und offener zu mir waren. Sie erkannten meine Talente und redeten mit mir über alles. Es brauchte eben eine Weile, um eine Freundschaft aufzubauen. Gerade in den letzten zwei Monaten unternahm ich sehr viel mit meinen Freunden und wir hatten viele verrückte Ideen. Diese Zeit habe ich sehr genossen.

 

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“Amerikaner sind oberflächlich"

Das Klischee, dass Amerikaner oberflächlicher sind, ist meiner Meinung nach teilweise richtig. Doch kann ich auch bestätigen, dass viele Amerikaner willkommensfreundlicher sind als die meisten Deutschen. Sie fragen andauernd, wie es einem geht (“How are you?”) und begrüßen Leute, die man so gut wie gar nicht kennt. Auf das “How are you?” erwarten sie allerdings nichts anderes als “Good”, “Well” oder “Awesome”. Es ist mehr eine rhetorische Frage, da es im Endeffekt die Amerikaner nicht mehr als die Deutschen interessiert, wie es dem Menschen, dem man begegnet, geht. Intensive und tiefgründige Gespräche gab es weniger als in meiner Familie und mit meinen Freunden in Deutschland.


Seattle

Die letzten zwei Wochen meines USA-Aufenthalts verbrachte ich in Seattle bei meinem Großonkel. Dort habe ich den anderen Teil Amerikas gesehen: Das Großstadtleben. Dinge, die ich in Minnesota vermisst hatte, habe ich in Seattle erlebt. Die Möglichkeit, in wenigen Minuten Freunde zu besuchen, mit dem Bus ins Stadtzentrum zu kommen und um die Straßenecke zu fahren, um etwas einzukaufen, hatte ich erst wieder in Seattle. Später möchte ich, egal ob in Deutschland oder Amerika, nicht so auf dem Land leben, sondern zumindest in einer Kleinstadt. Das Video, das ich in Seattle gemacht habe, ist hier zu sehen.

 

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Zurück in Deutschland

Auf dem Flug zurück nach Deutschland unterhielt ich mich mit einem Russen, der in Seattle lebt. Er flog in den Osten, um bei Hilfsorganisationen für arme Menschen für ein paar Wochen zu arbeiten. Aus dem stundenlangen Gespräch nahm ich einiges mit und bin sehr froh, ihn getroffen zu haben.
In Frankfurt am Flughafen hieß mich meine Familie mit einem großen Plakat willkommen. Mit dem Titel “10 Months Flashback”  habe ich ein Video gemacht, das die besten Momente meines Aufenthalts zeigt. Ebenso habe ich den Flug und das Willkommenheißen durch meine Familie am Flughafen gefilmt. Das Video ist hier zu sehen.

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Ich habe versucht mich mit meinen besten Freunden aus Deutschland, mit denen ich in USA den Kontakt gehalten hatte, so schnell wie möglich zu treffen. Am Schultag nach dem Wochenende, an dem ich zurück gekommen bin, besuchte ich meine alte Schule, um meine amerikanischen Zeugnisse dem Sekretariat zu übergeben und alte Klassenfreunde zu sehen.
Da ich kein Social Media Fan bin, ist es schwierig, mit der amerikanischen Gastfamilie und den Freunden in Kontakt zu bleiben; ich gebe aber mein Bestes. Mit vielen Freunde schrieb ich bereits und mit der Gastfamilie werde ich bald einen Termin vereinbaren, an dem ich mit ihnen videotelefonieren werde.


Im Nachhinein fühlt es sich so an, als ob die Zeit in USA wie ein zweites Leben für mich war. Ich nehme zwar die Erfahrungen, die ich in USA gemacht habe, mit in mein weiteres Leben, jedoch habe ich empfunden, dass mein deutsches Leben für zehn Monate pausierte. Jetzt drücke ich wieder auf Play.
Wenn mich jemand fragt, ob ich es wieder machen würde, bin ich zwiegespalten. Ohne die gemachte Erfahrung in Minnesota würde ich es wieder tun. Doch da ich nun die Erfahrung schon gemacht habe, würde ich nicht noch ein Mal für ein Jahr an den gleichen Ort und zur gleichen Familie gehen. Grundsätzlich kann ich jedem ein Aufenthaltsjahr in den USA empfehlen. Ich bereue nichts und profitiere viel von dieser Möglichkeit, die ich als Herausforderung angenommen habe.