Sonntag, 22. Oktober 2017
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Erfahrungen im Auslandsjahr USA
Warum das letzte Jahr das beste meines Lebens war

 

Abschlussbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Loreen F. - USA
Stipendium gestiftet durch:
MAP Munich Academic Program GmbH



Schüleraustausch USA



Genau heute, am 24. August, habe ich vor einem Jahr meine große Reise angetreten. Ich kann es immer noch nicht glauben, denn wenn ich zurück an diesen Tag denke, schießen einfach wieder die ganzen Emotionen und Gedanken hoch.
Ich hatte schon von Anfang an meine Freunde und Familie vermisst, obwohl ich sie eben erst verlassen hatte.  Doch zur selben Zeit war ich total aufgeregt und gespannt wie es alles sein wird.


Und nun, sitze ich hier zu Hause, in Deutschland. In ein paar Wochen geht die Schule wieder los und Normalität kehrt wieder ein. Irgendwie ein ziemlich ungewohntes Gefühl, da in den letzten zwei Jahren meines Lebens nicht wirklich viel normal war.
Meine erste Woche in Amerika habe ich auf der Dutchess County Fair verbracht und genau diese findet momentan wieder statt. Ich stehe in sehr gutem Kontakt zu meinen Gasteltern und wenn sie mir Bilder von der Fair schicken, wünschte ich sofort wieder da sein zu können.

 

Der Abschied

 

Als ich mit meinen Gasteltern am Flughafen angekommen war, konnte ich die Tränen nicht mehr unterdrücken und wollte zu dem Zeitpunkt nicht gehen, obwohl ich mich doch ziemlich auf Deutschland gefreut hatte. Am Münchner Flughafen angekommen, wurde ich von einem Freund meiner Eltern begrüßt und er hat mich zu meinem nächsten Gate gebracht, was ich ziemlich schön fand, das hatte mich die Aufregung ein bisschen vergessen lassen. Der Flug von München nach Berlin war an sich nur eine knappe Stunde, aber er kam mir unendlich lang vor. Als ich bei der Gepäckannahme auf meine Koffer gewartet habe, konnte ich schon meine Familie und Freunde sehen. Natürlich kamen meine Koffer zu allerletzt. Kaum war ich aus dem Sicherheitsbereich raus, wurde ich schon von meinem Freund umarmt und da hat es in meinem Kopf ´klick´ gemacht: Ich bin wieder zurück!!
Wir sind dann zusammen nach Hause gefahren, was auch noch mal eine Stunde gedauert hat. Ich hab es im Flugzeug nicht geschafft zu schlafen und war dementsprechend sehr müde. Als ich aus dem Auto ausstieg, ging die Garage auf und in ihr standen alle. Also Freunde, Familie, Nachbarn. Ich war total überrascht und sprachlos. Da ich davon ausging, dass wir einen ganz ruhigen Abend zu fünft haben werden. Aber so war auch gut!

 

Wie soll man ein unglaubliches Jahr in einem Satz zusammenfassen?

 

Jeder hat mich gefragt wie es war… und diese Frage mag ich überhaupt nicht, denn wie soll man darauf antworten?! Ich war ein ganzes Jahr weg und dann soll ich das in Kurzform zusammenfassen?! Einfach unmöglich!
Da es unter der Woche war, sind alle relativ früh gegangen, was für mich hieß, dass ich früh schlafen gehen konnte. Entgegen meiner Erwartungen hatte ich auch keinen Jetlag und so hat es sich für mich schon nach nur ein paar Tagen zurück angefühlt, als ob ich nie weg gewesen wäre.
In meinen Gedanken erlebe ich gerade mein ganzes Auslandsjahr noch einmal, was ein komisches Gefühl ist. Heute vor einem Jahr konnte ich es nicht fassen, dass es endlich soweit ist und jetzt kann ich es nicht fassen, dass es schon zu Ende ist.


Ich hätte es nicht gedacht, aber ich hab schon wieder Fernweh. Ich vermisse vor allem Amerika, New York. Ich habe in diesem einen Jahr so viele Sachen gesehen, bin so viel gereist und hab unzählig viele neue tolle Menschen kennengelernt. Das alles kann mir niemand mehr nehmen und das ist auch alles nur mir passiert, kaum eine andere Person kann sich in meine Lage versetzten und das schlimme für mich ist einfach, dass ich das alles nie wieder erleben werde. Ich kann zwar wieder dahin reisen, meine Gastfamilie besuchen und so weiter. Aber es wird sich nie wieder so anfühlen wie es sich noch vor ein paar Monaten angefühlt hat.
So ein Auslandsjahr ist einfach eine einzigartige und einmalige Erfahrung, die ich für immer in meinem Herzen tragen werde.
Ich kann es einfach kaum noch abwarten eh ich wieder da bin. Meinen Eltern zeigen kann, wo ich zur Schule gegangen bin, oder wie ich gelebt habe. Bis sie meine Gasteltern kennenlernen. Zu Weihnachten habe ich meinen Gasteltern eine Karte geschenkt, in der ich sie zu mir nach Deutschland eingeladen habe. Nächstes Jahr werden sie dann her kommen und es gibt so viele Sachen, die ich ihnen zeigen möchte, dass ich gar nicht weiß, wie wir das alles in nur ein paar Wochen schaffen sollen.


Was ich noch sehr schätze, sind meine Bekanntschaften mit den anderen Austauschschülern, die ich kennengelernt habe. Ich frage mich, ob ich sie jemals wieder sehen werde. Überhaupt, wen werde ich generell wiedersehen? Alle meine Freunde gehen jetzt aufs College, das heißt wenn ich irgendwann mal wieder rüber fliege, wird wahrscheinlich kaum einer da sein.
Alles, was mit dem Auslandsjahr zu tun hat, ist auch automatisch mit Ungewissheit verbunden. Was ziemlich nervenraubend ist.

 

Time of my Life

 

Ich weiß auch, dass ich mich sehr glücklich schätzen kann. Denn ich hatte eine unglaublich liebe und herzliche Gastfamilie, die mich direkt wie ihre eigene Tochter behandelt hat. Hauptsächlich wegen ihnen ist mein Auslandsjahr so verlaufen wie es verlaufen ist. Sie haben mir immer geholfen und haben mir sehr viel vom Land gezeigt. Außerdem haben sie mir in mehreren Hinsichten meine größten Träume erfüllt, die ich hatte. Zum einen wäre das Jahr ohne sie wohl kaum möglich gewesen und zum anderen haben sie mir zu meinem Geburtstag einen Helikopterflug geschenkt. Wofür ich ihnen mein Leben lang nie genug danken kann.
Ich bin eigentlich jedem dankbar, der mir geholfen hat, das zu machen. Zum einen meinen Eltern, die mich immer unterstützt haben und alles dafür gaben, mir das zu ermöglichen. Außerdem meinem Freund und meinen Freunden, die mir immer beistanden, wenn ich mal ein Tief hatte. Denn es war ein ständiges Auf und Ab, obwohl ich zu jedem Zeitpunkt glücklich war.


In dem Jahr habe ich sehr viel gelernt. Und das nicht nur im sprachlichen. Ich bin viel selbstbewusster geworden, obwohl ich der Meinung war, dass ich das schon immer war. Meine Gastschwester hatte eine psychische Behinderung, womit ich mich erst einmal auseinandersetzten musste. Es hat aber ziemlich gut geklappt und so hab ich auch in den Ferien zwei Wochen in einem Behindertenheim gearbeitet und kam super gut mit den Kindern klar. Was vor dem Auslandsjahr bestimmt nicht so gewesen wäre.
Generell ist in diesem einen Jahr so viel passiert, was ich mir vorher niemals zu wünschen gewagt habe. Und auch wenn ich hunderte Kilometer von allem, was mir vertraut war, entfernt war und bei total fremden Menschen ins Haus gezogen bin, habe ich mich zu keinem Zeitpunkt alleine gefühlt.

 

Nutze deine Chance


Trotz der an sich perfekten Situation, gab es Momente, wo ich einfach schreckliches Heimweh bekommen habe. An besonderen Tagen ist es am schlimmsten. In der einen Sekunde ist alles perfekt und in der anderen kamen mir einfach die Tränen und alles was ich wollte war, nach Hause zu fahren. Meine Eltern zu umarmen und einfach unter meinen Freunden sein. Ein weiterer schwerer Punkt für mich war, von meinen Freunden Videos, Fotos usw. zu bekommen und zu wissen, dass man normalerweise dabei gewesen wäre. Stattdessen sitzt man in dem Moment vielleicht in der Schule oder auf der Couch und man steigert sich da echt rein.
Das Beste ist einfach, sich damit abzufinden und sich zu beschäftigen. Man muss aus allem das Beste machen und auf keinen Fall Trübsal blasen. Denn auch wenn man es sich in diesem Moment nicht sehr bewusst ist. Viele Menschen wünschten sich in genau deiner Situation zu sein. Ein Auslandsjahr ist für viele überhaupt nicht machbar. Genau deswegen sollte man es extra genießen. Selbst ein langweiliger Fernsehabend kann zu etwas ganz Besonderem werden, wenn man es nicht mehr hat.


Viele Leute sagen immer, dass dieses Auslandsjahr das beste Jahr ihres Lebens war. Und selbst wenn ich es während meines Aufenthalts nicht gedacht hätte, sage ich jetzt im Rückblick, doch, es war das beste Jahr meines Lebens. Das aufregendste, lehrreichste, und einzigartigste Jahr, das ich jemals erlebt haben werde.
Ich werde es immer in Erinnerung behalten genauso wie jede einzelne Person, die ich kennengelernt habe und jeden einzelnen Atemzug, den ich getätigt habe.
Ich schätze alles und jeden viel mehr, jetzt wo ich wieder zurück bin. Denn erst wenn man es nicht mehr hat, weiß man was einem fehlt.
Ich empfehle jedem, der mal darüber nachgedacht hat solch ein Jahr zu machen, es auch zu tun. Denn das ist nur für sich und niemand anderen. Man kann selber Entscheidungen treffen und was passiert und was nicht, liegt ganz alleine in den eigenen Händen.

 

Loreen Friedrich