Dienstag, 22. August 2017
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Auslandsjahr an der Harmony High School:
Von Ziegenshows und anderen Feierlichkeiten

Zweiter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat
Leo Jacques-Ferhat C.
Stipendium gestiftet durch:
MAP Munich Academic Program GmbH



Schüleraustausch USA



Weihnachten und Silvester bei der Gastfamilie

 

In der Vorweihnachtszeit ging ich mit meiner Gastmutter, Mary Ellen, des Öfteren Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie einkaufen. Da die Vorbereitungen nicht wie in Deutschland ablaufen, beschränkte ich mich mehr darauf anderen Menschen eine Freude zu machen. Ich engagierte mich im „Best Buddies Club“, wo wir eine Party für körperlich oder geistig beeinträchtigte Schüler der Schule vorbereiteten, die am vorletzten Schultag stattfand.
Am letzten Sonntag vor Weihnachten half ich mit Freunden in der Gemeinde, um der Kirche bei der Essensausgabe für ein Festival zu helfen, wobei ich nette Bekanntschaften mit anderen Schülern von meiner Schule machte. Dann stand endlich der Tag, auf den meine Gastfamilie hin gefiebert hatte, vor der Tür. Mary Ellen klopfte am Weihnachtsmorgen an meine Tür und bat mich, ihr bei der Essensvorbereitung zu helfen. Als alle Gäste in unserem Haus erschienen waren, aßen wir gemeinsam und genossen netten „small talk“ miteinander, bis auch der letzte Gast sich wieder auf den Weg nach Hause machte.

 

Traditionell werden Geschenke bei meiner Gastfamilie am Abend des ersten Weihnachtstages geöffnet, wobei die gesamte kleine Familie unter einem völlig überladenen Weihnachtsbaum die Bescherung genießt. Persönlich erwartete ich keine Vielzahl an Geschenken, da ich derselben Meinung wie meine Familie in Deutschland bin, nämlich dass der wesentliche Kernpunkt verloren ginge, wenn die Geschenke zu sehr im Mittelpunkt stehen: Die Geburt Jesu Christi. Jedoch wurde ich von meiner Gastfamilie sehr reich beschenkt, worüber ich mich auch sehr freute. Dennoch war es mir etwas unangenehm, da jeder von mir nur ein kleines Geschenk erhalten hatte. Der Zweite Weihnachtstag war der erste Tag in meinem Aufenthalt, an dem wir keine Arbeit auf der Farm hatten.

 

In den Winterferien ging ich auf eine Party, die mein Betreuer ausrichtete, wobei ich auf viele bekannte Gesichter traf. Peter aus Ungarn begrüßte mich recht herzlich, da wir schon engen Kontakt aus der Schule hatten. Er ist der Gastsohn von meiner "local cordinator" Babara. Im Verlaufe des Abends wurden wir immer mehr und kamen am Ende auf etwa 15 Austauschschüler. Als der letzte eintraf, konnten Mary Ellen und Babara mit Kennenlernspielen und einem kleinen Geschenkeaustausch alle unterhalten. An diesem Abend fiel mir besonders ein Junge aus Brasilen auf, sein Name ist Fernando. Fernando war erst in der vorherigen Woche mit seiner Gastfamilie aus Georgia nach Florida umgezogen und fühlte sich nach seiner ersten Woche in Florida eigentlich sehr wohl. Einen Tag vor Neujahr sprach Mary Ellen dann aber die Problematik an, dass Fernando unglücklich in der Schule sei, da er aufgrund seiner Herkunft ausgegrenzt würde. Mary Ellen wollte ihm gerne helfen und notfalls in unserem Haushalt unterbringen. Das Thema wurde dann aber erstmal vom anstehenden Neujahrsfest verdrängt. Wir holten zwei Austauschschüler ab, Jasna aus Napanee und Dasha aus der Ukraine.Zuerst gingen wir gemeinsam shoppen, dann verbrachten wir den Silvesterabend zusammen.


Die große Erwartung von Feuerwerk und Partys wurde nicht erfüllt und wir starteten, wie die meisten anderen Gastfamilien, Silvester vor dem Fernseher mit dem Countdown von New York ins neue Jahr. Mit einer herzlichen gegenseitigen Umarmung endete der Abend und wir gingen eine halben Stunde nach Mitternacht ins Bett. Schon sechs Stunden vorher hatte ich das Vergnügen meinem Bruder, meinen Eltern und auch meiner Freundin ein frohes neues Jahr wünschen zu können. In dieser Nacht fiel mir das Schlafen relativ schwer, zum einen da dieser Tag anders war als das Silvester, welches ich achtzehn Jahre mit meiner Familie verbracht hatte, und zum anderen wegen meiner Gedanken an meine Freundin und meine Familie. Ich dachte daran, wie deren Silvester ohne mich verlief. Obwohl mir klar war, dass alle zu dieser Zeit schlafen würden daheim, fragte ich mich dennoch, was die einzelnen Personen gerade machten.

 

Teilnahme an Farmwettbewerben


Zwei Tage später entschied ich mich, die Weihnachtsbeleuchtung, die ich vor vier Wochen am Haus angebracht hatte, wieder ab zu nehmen. Die Schule begann eine Woche nach Neujahr und startete sehr entspannt. Ein Freund erklärte mir das amerikanische Schulsystem als recht einfach: „Solange die Hausaufgaben vorliegen und der Kopf während des Unterrichtes nicht auf dem Tisch liegt, wird man die Klasse bestehen.“ Diese Haltung einiger Klassenkameraden konnte ich allerdings nicht teilen. Als ich meine "Report Card" von meinem Lehrer dann eine Woche später erhielt, war ich sehr zufrieden. In allen Fächern schnitt ich durchschnittlich mit A und B ab. Ende Januar erwartete mich aber nicht nur das Lächeln des Lehrers, sondern auch das dicke Grinsen einer Ziege, denn wir bereiteten uns auf die erste von drei Ziegenshows vor. Die erste und wahrscheinlich aufregendste Ziegenshow war die South Florida goat show. Mit der Hilfe von Timothy, dem Sohn meiner Gastmutter, ging die Arbeit leicht von der Hand. Er weiß durch jahrelange Erfahrung genau welcher Schritt wann erledigt werden muss. Als wir das Gelände der Ziegen-Show erreichten, fiel mir als erstes die riesige Arena auf, welche die Ziegengehege von der Zuschauertribüne trennte. Wir hatten insgesamt 13 Ziegen, die nach Rasse und Alter in vier von fünf Gehegen untergebracht wurden. Damit die Ziegen sich nicht unwohl fühlten und sich vor allem keine Krankheitserreger einholten, brachten wir Plastikplanen an den Wänden der Gehege an. In dem übergebliebenen Gehege verbrachten Timothy und ich zwei amüsante Nächte. Die Frage von Besuchern “What kind of goat is that?“, trieb Timothy nach dem zehnten Mal in den Wahnsinn, besonders wenn ich sie mit „That´s a new breed!“ beantwortete.


Der erste Showtag startete um 7 Uhr mit einem gemütlichen gemeinsamen Frühstück. Die youth show ist für Jugendliche, die sich in einem Klub engagieren, wie zum Beispiel Future Farmer of America (FFA), was von vielen Schulen als Unterrichtsfach angeboten wird. Meine Gastmutter organisierte für mich die Möglichkeit mich im 4H Klub zu integrieren, da die Mitgliedschaft in einer gemeinnützigen Organisation Voraussetzung für die Teilnahme und die Präsentation eines Tieres ist. Der 4H Klub ist eine ehrenamtliche Organisation für Leute, die privat Tiere besitzen und bietet somit ein großes Netzwerk für Bauern.
Als die Kampfrichter eine Stunde später eintrafen, startete der offizielle Teil der Show. Mit der Nationalhymne wurde der Wettbewerb feierlich eröffnet, während alle Personen zur Flagge gewandt standen und mitsangen. Kurz bevor meine erste Ziege rausspazierte um eher mich zu präsentieren als umgekehrt, erklärte mir Mary Ellen die Grundlagen für eine erfolgreiche Platzierung. Natürlich sah ich mir die Aussteller, die sich zu dem Zeitpunkt im Ring befanden, genau an, um mir gegebenenfalls etwas abzuschauen und einen guten Eindruck für die Jury zu hinterlassen.


Die Ziege leistete in der Open Show einen großartigen Job. Wir erhielten den ersten Platz, wobei die ersten acht sich diesen teilten. Meine Ziege und ich gingen stolz als Sieger aus dem Ring. Die Open Show unterscheidet sich von allen anderen Shows, da hierbei nicht nach der Rasse der Ziege unterschieden wird, wie bei allen anderen Wettbewerben üblich.
Nachdem Mary Ellen die erste Ziegenshow mit mir gemeistert hatte, fing auch schon die Vorbereitung der nächsten Show an. Meine Gastmutter wollte gerne weitere Unterstützung haben, nämlich Fernando. Er sei sehr unglücklich auf seiner aktuellen Schule und Mary Ellen fragte, ob es ein Problem für mich sei, ihn bei uns aufzunehmen. Ein Hamburger überlegt bei so einer Fragestellung nicht lange und antwortet, es sei kein Problem.


Drei Tage später schaute mich ein glücklicher junger Mann an, den ich von der Feier im Dezember wieder erkannte. Anfang Februar gingen wir gemeinsam zur nächsten goat show, welche nun alle Tiere aus Florida umfasste. Ich lernte Schüler von Miami bis Tallahassee kennen. Direkt neben der Ziegenscheune waren im nächsten Gebäude die Bullen und Schafe untergebracht, wo ich in meiner Freizeit oft vorbeischaute.
Fernando scheint zwar genau das Gegenteil von mir zu sein, was unsere Gastmutter des häufigeren erwähnt. Dennoch verstehen wir uns sehr gut und helfen uns gegenseitig bei den Aufgaben auf der Farm. Die Tage im Februar verflogen schnell und es stand die nächste Ziegenshow vor der Tür. Im Rückblick empfinde ich diese Show als die beste. Wir luden den Ziegenanhänger mit nur neun Ziegen, da die anderen trächtig waren. Die Anreise dauerte nur eine halbe Stunde, was im Vergleich zu den vorherigen Shows eine große Erleichterung für uns und die Ziegen im stickigen Anhänger war. Die Möglichkeit, abends nach Hause fahren zu können, um in seinem eigenem Bett zu schlafen, machte es neben der Begegnung einer Austauschülerin von Deutschland zur besten Show. Maren, welche ihr Auslandsjahr in Georgia verbringt, erzählte mir von großartigen Erfahrung und Berichten von anderen Ziegenshows in unterschiedlichen Staaten von Amerika. Da ihre Gastfamilie gerne vereist und sie die Tiere nicht alleine lassen können, besucht die Familie andere Ziegenshows im gesamten Staatsgebiet.


Jetzt sind schon mehr als zwei Drittel meiner Zeit in den USA vorbei, aber ich bin mir sicher, dass noch viele tolle Erfahrungen in den Vereinigten Staaten auf mich warten und bin gespannt, welche Herausforderungen als nächstes gemeistert werden müssen.