Dienstag, 22. August 2017
Herzlich Willkommen bei Weltbürger-Stipendien!

Du befindest dich hier: weltbuerger-stipendien.de » WELTBÜRGER-Stipendiaten » Leo Jacques-Ferhat C. (USA)

Auslandsjahr an der Harmony High School:
Frühling in Florida - Die letzten Monate in den USA

Dritter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat
Leo Jacques-Ferhat C.
Stipendium gestiftet durch:
MAP Munich Academic Program GmbH



Schüleraustausch USA



Ein Auslandsjahr zeichnet sich durch die kulturelle sowie sprachliche Erweiterung des Horizontes eines Individuums aus. Im Rückblick auf den Aufenthalt in den Vereinigten Staaten stellt sich die Frage „Cui bono?“, aus dem Lateinischen für „wem zum Vorteil?“.


Spring break


Der März stand vor der Tür und mit ihm eine ganze Reihe Ereignisse. Normalerweise verbringe ich meine Märzferien mit meiner Familie beim Skilaufen. Das sollte jedoch nicht nur an den geographischen Verhältnissen in Florida scheitern sondern auch an den klimatischen Bedingungen. Im Schulkalender meiner High School ist im März „Spring break“ eingetragen, wo die Schüler für eine Woche von der Schule befreit sind. Eine Woche zuvor kam meine Freundin Elizabeth an, um mich für zwei Wochen zu besuchen. Da die erste Woche noch Schule war, konnten wir nicht viel unternehmen. Sobald die Schulglocke aber am letzten Schultag läutete, um die tobenden Schüler zu entlassen,  begann für Elizabeth und mich eine abenteuerreiche Woche.
Am Samstag gingen wir bei Sonnenschein mit Jay (dem Ehemann von meiner Gastschwester Michelle) im türkisblauen Ozean und bei flachem Wellengang angeln. Damit gehörten wir zu den 6% Amerikanern, die angeln und jagen gehen. Wir alle genossen die ruhige Atmosphäre am nordatlantischen Ozean. Zu Hause am Zaun warteten dann auch schon die Ziegen auf uns, wobei das Verhalten für sich sprach, da noch keiner sie gemolken hatte.

 

Leider stellte sich im letzten Drittel meines Aufenthalts heraus, dass mein Gastbruder Fernando sich in seinem neuen Umfeld nicht wohlfühlte. Er vermied den Kontakt mit den restlichen Familienmitgliedern, obwohl er gerne mit auf Veranstaltungen ging.

Mit Elizabeth machte ich einen Ausflug nach Disneyland, was für sie ein Highlight war. Als Elizabeth am Freitag die Vereinigten Staaten wieder verließ, um nach Deutschland zurückzukehren, fiel uns beiden der Abschied nicht schwer, da uns bewusst war, dass es von diesem Tag an nur noch 100 Tage bis zum Wiedersehen wären.

Schüleraustausch USA



Im Vorgespräch zum Auslandsaufenthalt wurde meinen Eltern und mir ein „Smiley Diagramm“ erklärt, es handelt sich um eine Parabelähnliche Funktion, welche die durchschnittlichen Emotionen eines Austauschschülers widerspiegelt. Ich hatte diese eher als irrelevant abgetan, da ich entschlossen war, jeden Tag mit einem Lächeln zu beginnen. Zusammenfassend entsprachen dann doch einige Phasen der Realität. Mit dem Ende des Besuches von Elizabeth war es auch gleichzeitig das Ende meiner letzten Ferien bis zu meinem Abflug, wobei es einen Schultag frei gab, den „Memorial Day“ in den zweieinhalb Monaten bis zum „D-Day“.


Nach einer Woche fand ich zurück in meinen Alltag und führte diesen auch mit Begeisterung fort. Ich konnte wieder in meine Laufschuhe schlüpfen! Wieder im Running Team unterwegs zu sein und gegen andere Schulen anzutreten, blies jede Sorge fort und brachte einzig den Ehrgeiz und Stolz des Teams hervor.

Running Team



Besuch von zu Hause

 

Mit großer Hitze klopfte der April an. Und mit ihm kam auch ein weiterer Gast zu Besuch! Mein Bruder Carl nutzte seine freie Zeit als Student, um seinen kleinen Bruder im „Sunshine State“ für zwei Wochen zu besuchen.


Während seines Aufenthalts konnte er den Familienkonflikt mit Fernando mit verfolgen, da dieser sich endgültig nicht mehr wohlfühlte. Nach nicht einmal drei Monaten verließ Fernando auch diese Gastfamilie. Carl und ich wünschten ihm einen weiteren schönen Aufenthalt in den USA.

Am Wochenende war Jay so nett, uns beide mit dem Boot auf den Ozean mitzunehmen, um bei Sonnenschein zu angeln. Leider waren die Fische an diesem Tag nicht hungrig genug, um sich an einen von unseren Haken locken zu lassen. Die Zeit auf dem Boot ließ gleichzeitig Erinnerung wach werden, denn in der Grundschule besuchten mein Bruder und ich zusammen die Segelschule. Jays Boot hingegen hat einen starken Motor, welcher den Ozean zu einer Rennstrecke machte und meterhohe Wellen hinter sich ließ. Kenter-Übungen wurden an diesem Tag nicht ausgeführt, was uns Hamburgern aber nicht den Spaß verdarb.


Die Zeit mit Carl verging genauso schnell wie mit Elizabeth. Mit einem festen und zuversichtlichen Handschlag gingen wir beide wieder unserer Wege, mit dem Wissen, dass wir uns in nur 50 Tagen wiedersehen würden.
Die großen Laufwettbewerbe zwischen den Schulen fanden größtenteils im Mai statt. Die Laufstrecke hat sich von der Langdistanz zu einem maximalen 1.800 Meter-Lauf entwickelt. Gleichzeitig hat sich auch die Konkurrenz verringert. Es blieben nur noch die drei besten Läufer aus jeder Schule.

 

Besuch von zu Hause



Running Team und Abschlussprüfungen

 

Trainer Debra hat mich und zwei weitere Mitschüler in die 1.800 Meter Kategorie eingetragen, da keiner von uns mit den hervorragenden Zeiten unserer Kameraden im 200 Meter Sprint mithalten konnte. Insgesamt ergab sich in dieser Disziplin eine durchschnittliche Leistung im Vergleich zu den anderen Läufern.


Trotzdem schrie das Team während des Zieleinlaufes als wäre man grade dabei, den ersten Platz zu ergattern. Der Schwerpunkt des Unterrichts hingegen wurde bereits auf die Endklausuren gelegt, die überwiegend in der letzten Schulwoche absolviert wurden. Wir starteten mit den Übungstests der Schule in den Juli.


Dennoch stärkte der Juli meine Wertschätzung des deutschen Schulsystems durch den starken Individualismus, den Freiheitsgedanken sowie Initiativen der Schülerschaft und der Vielfallt des Schulalltages.
Das Sprichwort: „Wer schreibt, der bleibt“ würde in das amerikanische Modell gut hineinpassen. Die Abschlussklausur macht für jeden Schüler 20-25% der Gesamtnote aus. Diese Regelung schlägt sich deutlich in der Verteilung der Motivation des Lehrkörpers im Jahr nieder.

 

Laufwettbewerb



In ausgelassener harmonischer Stimmung ging ich in die viertägige Woche. Am Montag gab es eine Einleitung für die folgenden Tage. Die normale Dauer jedes Unterrichtsfachs wurde verkürzt, damit ausreichend Zeit für die Klausuren in der siebten Stunde war. In der siebten Stunde erwartete mich dann mein Physiklehrer, der nun sämtliche Regeln erklärte, um dann den Test auszuhändigen. Zu meinem Erstaunen handelte es sich bei allen Endklausuren um Multiple Choice Fragebögen. Von Dienstag bis Donnerstag gingen nur noch Schüler zur Schule, die einen „End Test“ schreiben mussten.


Nach den Tests gingen alle Austauschschüler in das Wochenende. Bei einer CCI-Exchange Orientation bei dem jeweiligen Local Coordinator trafen wir uns wieder. Mein Local Coordinator, Babara, fragte mich, wie es mir ergangen sei seit unserer letzten Begegnung im Winter. Im Gespräch kamen wir dann auf die unterschiedlichen Erlebnisse und sie erzählte mir von ihren Erfahrungen aus über zehn Jahren als Local Coordinator. Auf der Orientierung traf ich auch meinen italienischen Freund Alexsandro wieder. Wir beide wollen uns in diesem Winter zum Skilaufen in Österreich treffen.

 

Abschied nach 10 Monaten

 

Nach dem Wochenende blieben mir nur noch drei Tage in den USA. Um mich bei meiner Gastfamilie zu bedanken, lud ich sie in deren Lieblingsrestaurant ein. Der vorletzte Tag blieb nur, um das Zimmer zu reinigen und die Koffer zu packen und die restliche Zeit noch mit der Familie zu genießen. Um 9:00 Uhr des Abreisetages erwartete mich eine Überraschung von Mary Ellen. Wir fuhren zum Kennedy Space Center, um eine Rakete beim Startvorgang zu beobachten. Ich habe bisher nur Raketen in Dokumentationen gesehen und habe beim Start erst die enorme Kraft wahrgenommen. Sie erzählte mir auf dem Weg zum Flughafen, dass ihr Haus vibrierte als einmal eine Besatzung aus dem Weltraum zurückkam.

Raketenstart



Während mich an einem Ende der Welt eine Familie verabschiedete, wartete am anderen Ende meine Familie sehnsüchtig auf ein Wiedersehen.

In Hamburg begrüßten mich bei Sonnenschein bekannte fröhliche Gesichter und alle schlossen mich herzlich in ihre Arme. Meine Familie bemühte sich sehr, mit mir wieder in den Alltag zu finden und empfahl mir, die restliche Zeit bis zu den Ferien wieder in die Schule zu gehen. Das machte ich und traf viele alte Freunde wieder. Es erleichterte mir die Wiedereingewöhnung ganz immens.
Zu Hause freuten sich meine Hunde anscheinend über meine Rückkehr am meisten. Ich wurde niedergeschmissen und von mehreren Hundenasen abgeschleckt.

 

Abschied von der Gastfamilie



In den 10 Monaten in Amerika habe ich folgendes auf jeden Fall gelernt:
„Allwissend bin ich nicht, doch vieles ist mir bewusst geworden“ (Faust).