Sonntag, 25. Juni 2017
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Die südafrikanische Küche

 

von
WELTBÜRGER-Stipendiat

Leonel S.


Stipendium gestiftet durch:
GLS Sprachenzentrum



Schüleraustausch Costa Rica





Ich heiße Leonel, bin 17 Jahre alt und habe ein halbes Jahr in Cape Town, Südafrika, als Austauschschüler bei einer Gastfamilie gelebt. In diesem Bericht schreibe ich über die südafrikanische Küche; speziell über die „Cape Malay Kitchen“!

 


Mein Gastvater stammt aus dem so genannten „Bo-Kaap“, einem Viertel in Kapstadt, in dem die Kapmalaien lebten und leben. Meine Gastmutter ist nicht berufstätig und hat deswegen die Zeit, uns mit sehr leckerem südafrikanischem Essen zu bekochen. Kochen generell spielt eine große Rolle in meiner Gastfamilie und weil mich die Ursprünge dieser Küche und der Menschen interessierten und das Essen eins der besten Dinge in meiner Gastfamilie war, beschäftigte ich mich mit diesem Thema.

 


Meine Gastfamilie nennt sich selbst „coloured“, ein Begriff der Menschen beschreibt, die sowohl weiße, als auch schwarze Vorfahren haben. Während der Zeit der Apartheid, der Rassentrennung in Südafrika, wurde diese Bevölkerungsgruppe offiziell so bezeichnet, das ist heute zum Glück nicht mehr der Fall. Trotzdem sprechen viele von sich selbst noch als „Coloureds".
Kapmalaien gehören einer ethnischen Gruppe an, die in Südafrika lebt und von muslimischen Sklaven abstammt. Der Stadtteil Bo-Kaap wurde im 18. Jahrhundert von den Kapmalaien besiedelt, nachdem sie aus der Sklaverei der Holländer entlassen worden waren. Sie stellen heute noch die Mehrheit der Bewohner im Bo-Kaap.
Nachdem der Expeditionsleiter der Niederländischen Ostindien-Kompanie, Jan van Riebeeck, 1652 am Kap landete, wurden in den folgenden Jahrzehnten viele Sklaven aus den holländischen Kolonien im Indischen Ozean nach Südafrika ans Kap gebracht. Mit ihnen kam ihre Kultur, Religion, ihre Sprache und auch ihre kulinarischen Einflüsse. Die Menschen stammten hauptsächlich aus dem heutigen Indonesien und waren die ersten, die den Islam nach Südafrika brachten.


Das Essen, speziell das in Kapstadt, ist demnach von der muslimischen Religion geprägt und beeinflusst. Es gibt zum Beispiel Gerichte, die typisch für den Ramadan sind und während dieser Zeit viel gegessen werden.
Fleisch ist eine der Hauptzutaten in der Kap-Küche. Während der sechs Monate in meiner Gastfamilie, gab es in jedem Gericht, außer zum Frühstück, Fleisch. Lammfleisch, Hühnchen und Rindfleisch sind sehr beliebt. Schweinefleisch wiederum wird nicht oft verwendet, da es im Islam verboten ist.
Die Gerichte an sich können in der Qualität sehr verschieden sein. Manchmal musste ich mit Pizza, die mit Ketchup anstatt Tomatensauce, viel zu viel Käse und Wiener Würstchen belegt war, kämpfen, ein anderes Mal gab es dann ein leckeres Curry mit „Rootis“ (eine Art salzige Eierkuchen), sodass mir das Wasser im Mund zusammenlief. Generell würde ich sagen, dass viele Leute, vor allem die ärmeren, sich keine hochwertigen Zutaten leisten können und auch nicht darauf achten wo sie herkommen und wie sie produziert werden. Die traditionellen Rezepte schmecken meist viel besser als Gerichte aus Europa oder Amerika, wie zum Beispiel Pizza, „Maccaroni and Cheese“ oder Hot Dogs.
Da die Cape Malay-Küche stark von Ländern in Südostasien, wie Indonesien oder Malaysia beeinflusst wird, spielen Gewürze eine wichtige Rolle. Bei Gerichten wie z.B. Curries, sind Gewürze wie Chili, Cayennepfeffer, Koriander, Paprika, Knoblauch, Kreuzkümmel und Ingwer nicht weg zu denken. Die meisten traditionellen Rezepte sind sehr einfach, brauchen aber viel Zeit.

 


Im Vergleich zu Deutschland gibt es viele Familien, bei denen der Mann arbeiten geht, das Geld verdient und die Frau zu Hause bleibt, um sich um Kinder und Haushalt zu kümmern. So auch in meiner Gastfamilie. Meine Gastmutter blieb zu Hause, putzte, machte die Wäsche, ging ins Fitnessstudio und kochte für die Familie. Meine Familie war nicht muslimisch, aber es gab viele traditionelle cape-malayische Gerichte, wie Curries, Bredies (vergleichbar mit einem Eintopf), Biryanies (Reis mit Curry und Lammfleisch) oder Samoosas (frittierte Teigtaschen mit Fleischfüllung).
Außerdem ist „Braii“ sehr berühmt in Südafrika. Es ist die südafrikanische Variante des Grillens und im Sommer sehr beliebt. Der Braii wird meistens schon mitten am Tag begonnen und dann wird der Grill mit Lamm- und Rindfleisch, mit Geflügel oder „Boerewors“ belegt. Boerewors ist eine burische, meist zur Schnecke gerollte Wurst mit Koriander. Außerdem wird Kudu-, Springbock- und Straußenfleisch gegrillt. Dazu gibt es Salate, Maiskolben, ‚Pap‘ (ein Maisbrei) und Kartoffeln. Zum Braii ist ein kühles Bier sehr beliebt.
Obwohl es auch ein paar südafrikanische Biersorten gibt, ist südafrikanischer Wein sehr viel berühmter und beliebter. Weinregionen wie „Groot Constantia“ bei Kapstadt sind weltweit bekannt für ihren guten Wein und infolgedessen wohlhabend und eine große Touristenattraktion. Südafrikas Weine werden in die ganze Welt exportiert.
Eine weitere südafrikanische Spezialität ist das so genannte „Biltong“. Es ist Rindfleisch oder Fleisch verschiedener Wildtiere, das mit Chili, Koriander und anderen Gewürzen eingerieben und dann ein bis zwei Wochen an der Luft getrocknet wird, bis es 40-50% seines Wassergehaltes verloren hat. Früher wurde es traditionell so lange an der Sonne getrocknet, bis es steinhart war. Halbgetrocknetes Biltong wird gerne als Snack nebenbei essen.


Auch „Foodmarkets“ gibt es in Südafrika viele, wie ich sie aus Deutschland noch nicht kannte. An verschiedenen Ständen, oft in einer Halle mit Livemusik, wird Essen angeboten und dann meist frisch zubereitet. Das Sortiment reicht von Burgern und Samoosas über Smoothies, frisch gepressten Säften, Bier und Wein zu Waffeln und Shortbread. Die Foodmarkets befinden sich meist an von Touristen besuchten Orten, wenn man aber authentisch südafrikanisch essen möchte, sucht man sich im besten Fall eine Gastfamilie, lebt mit ihr und „braiit“ mit ihren Freunden.
Ich werde das Essen aus Südafrika in guter Erinnerung behalten und definitiv viele Gerichte, die ich in meinem Gastland kennengelernt habe, für meine Familie, Freunde und mich selbst kochen!