Dienstag, 22. August 2017
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Mein Austauschjahr in Ohio -
Basketball, Feiertage, Ausflüge

 

Zweiter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Jessica G.


Stipendium vermittelt durch:
Carl Duisberg Centren



Schüleraustausch USA



 

 

 

Seit meiner Ankunft in Ohio sind nun bereits 6 Monate vergangen. Die Zeit vergeht tatsächlich sehr schnell. Es gibt immer noch Zeiten, da sehnt man sich nach Hause und möchte seine Familie und Freunde möglichst bald wiedersehen. Aber im nächsten Augenblick wird einem bewusst, dass man sich genau das hier immer gewünscht hat und dass man so eine Chance nicht noch einmal bekommt. Ich glaube, es ist jedem klar, dass nicht immer alles nach Plan verläuft oder anders, als man sich es vorgestellt hat. Aber das ist ja auch zu Hause der Fall. Man muss sich an die Situationen anpassen und -wenn etwas nicht funktioniert- einfach eine Alternative überlegen. Man darf auch nicht gleich wieder aufgeben, wenn man etwas nicht so gut kann oder es nicht beim ersten Versuch klappt. Einfach weiterprobieren, bis man es kann.

 

Genauso war es bei mir mit dem Basketballspielen.


Basketball
Ende Oktober hatte die Fußball Saison leider schon wieder aufgehört. Da ich erst Mitte August in Ohio angekommen bin, hatte ich somit nur knapp 2 Monate Fußball an meiner High School. Die Sportkurse an den High Schools sind nach den Jahreszeiten eingeteilt. Es gibt Sportarten, die im Herbst angeboten werden, andere im Winter und wieder andere nur im Frühling. Einerseits hat man so natürlich insgesamt ein größeres Angebot, andererseits ist es auch schade, wenn man eine tolle Mannschaft hat und gerne noch länger die Sportart betrieben hätte. Ich hätte z.B. gerne noch weiter Fußball gespielt, aber dann hätte ich dies in einem Club in einer anderen Stadt machen müssen.


Als die Zeit gekommen war, um sich für einen neuen "Wintersport" entscheiden zu müssen, wusste ich zunächst nicht so recht, was ich machen soll. Ich hatte die Wahl zwischen Basketball, Schwimmen und Bowling. Beim Schwimmen muss man teilweise um 5 Uhr morgens aufstehen, um zum Training zu gehen und da ich nicht wirklich ein Frühaufsteher bin und ich das auch meiner Gastfamilie nicht antun wollte, fiel diese Alternative von vornherein aus. Zum Bowling hatte ich mir sagen lassen, dass man seine eigene Bowlingkugel benötigt, die zudem wohl auch ziemlich teuer ist. Außerdem sehe ich Bowling ehrlich gesagt nicht als richtige Sportart an, da es mit wenig körperlicher Anstrengung verbunden ist. Ich wollte lieber einen Sport wählen, der viel Aktivität erfordert und bei der man Kondition bekommt.

 

Basketball HighSchool USA

Greenville High School Girls Basketball Team

 

Da meine Gastschwester schon seit längerer Zeit Basketball spielt, schlug sie mir vor, dies ebenfalls auszuprobieren, so dass wir gemeinsam mit ihrem Auto zum Training fahren könnten. Ich hatte große Zweifel, ob dies wirklich eine gute Idee war, da ich zuvor noch nie Basketball gespielt habe und die amerikanischen Kinder gewissermaßen mit Basketball aufwachsen. So spielen die meisten Mädchen, die hier an der High School im Basketball-Team sind, seit mindestens 3 Jahren. Ich habe hin- und herüberlegt, mich dann aber 3-4 Tage vor dem ersten Training dafür entschieden, es einfach mal zu probieren, wohlwissend, dass ich die Schlechteste sein würde. Das erste Training war wirklich sehr anstrengend und ich habe schnell gemerkt, dass das Basketball Training hier wesentlich ernster genommen wird als das Fußball Training. Anfangs war es unwahrscheinlich schwer zu verstehen, was ich machen sollte, da ich die ganzen Fachbegriffe überhaupt nicht kannte wie zum Beispiel Wing, Post, Pointguard, Lay-up oder Charge. Genau wie beim Fußball gibt es auch spezifische Bezeichnungen für die verschiedenen Bereiche des Spielfeldes und die kannte ich natürlich ebenfalls nicht. Aber mit der Zeit lernt man ja dazu und mit der Hilfe und Unterstützung von meinen Mannschaftskameradinnen habe ich langsam das ganze Prinzip verstanden.

 

Das Mädchen Basketball Team hat drei verschiedene Mannschaften: Freshmen (9.Klasse), Junior Varsity (JV) und Varsity, wobei Varsity die beste Mannschaft der High School ist. Die meisten Spielerinnen bei uns spielen sowohl in der einen als auch in der anderen Mannschaft, da wir nicht genug Spielerinnen hatten, um jede Mannschaft immer komplett zu besetzen. Obwohl ich eigentlich eine Sophomore (10. Klasse) bin, habe ich im Freshmen Team gespielt, da ich ja noch keinerlei Erfahrung mit Basketball hatte und somit auch nicht gut genug für JV und Varsity war. Training hatten wir 5-mal die Woche jeweils für 2 Stunden und ich wurde mit jedem Training ein kleines bisschen besser. Ich wusste, dass ich nicht wirklich gut gespielt habe, aber hatte trotzdem nur ein einziges Ziel für die ganze Saison: Ich wollte wenigstens einmal einen Punkt machen! Und was soll ich sagen? In unserem allerletzten Spiel der Saison habe ich letztendlich einen 2-Punkte-Wurf geschafft! Wir haben das Spiel zwar insgesamt verloren, aber ich war trotzdem sehr glücklich. Allein dafür hat sich die ganze Sache gelohnt: Nicht gleich entmutigt sein, wenn man etwas nicht besonders gut kann, sondern weitermachen und schlussendlich lohnt es sich in vielen Fällen! Die Basketball Saison ist seit Ende Januar nun leider vorbei, denn entgegen der anfänglichen Zweifel hätte ich doch gerne weitergespielt.

 


Thanksgiving
Am 4. Donnerstag im November wird in den USA Thanksgiving gefeiert. Thanksgiving gilt als einer der wichtigsten Feiertage in den USA und entspricht unserem Erntedankfest. Der Feiertag geht zurück ins Jahr 1621, als die Pilgerväter, die Pilgrims, die erste und sehr erfolgreiche Ernte nach der Besiedlung Neu Englands feierten. Heutzutage gilt Thanksgiving vor allem als Fest der Familie und des Essens und Millionen Amerikaner reisen zu diesem Zweck nach Hause. Am Mittwoch und Freitag hatten wir zusätzlich zu dem eigentlichen Feiertag schulfrei. Alle haben mir immer von Thanksgiving vorgeschwärmt, da sie meinten, es ist ein Feiertag, wo man nur isst …. und damit hatten sie auch Recht. Am Mittwoch hatten wir vormittags ein Thanksgiving Essen bei der Greenville Township Rescue, der lokalen Rettungsstation, wo mein Gastvater der Chief, also der Leiter, ist. Am Donnerstag hatten wir dann ein Thanksgiving Essen hier zu Hause mit der ganzen Familie meiner Gastmutter und am Freitag waren wir dann bei der Familie meines Gastvaters zum Essen eingeladen. Zu jedem Thanksgiving Essen gab es im Großen und Ganzen das Gleiche: Truthahn, Mashed Potatoes (Kartoffelbrei), Corn Casserole (Mais-Auflauf), Green Bean Casserole (Grüne-Bohnen-Auflauf), Gravy (Bratensoße) und noch vieles mehr. Mir hat Thanksgiving gefallen, denn man hat einfach mit der ganzen Familie zusammengesessen, hat sich nett unterhalten und die freien Tage genossen. Der Freitag nach Thanksgiving wird auch "Black Friday" genannt. An dem Tag haben die meisten Geschäfte sehr starke Sales, also Angebote, und man bekommt das meiste für weniger als den halben Preis. Mittlerweile fängt der Black Friday aber schon am Donnerstagabend an und auch wir haben unsere Chance genutzt und sind schon donnerstags zu Walmart gefahren. Es waren unwahrscheinlich viele Menschen dort, die alle auf der Suche nach dem besonderen Schnäppchen waren. Mir wurde erzählt, dass es in den letzten Jahren aufgrund der Menschenmassen teilweise sehr chaotisch ablief und es dieses Jahr schon weitaus organisierter war, da auch die Polizei vor Ort vieles geregelt hat. Alles in allem war meine erste Thanksgiving Erfahrung sehr schön und ich werde sicher immer gern daran zurückdenken.

 

 

New York City

Die amerikanische Partnerorganisation von den Carl Duisberg Centren, ISE, hat im Laufe des Jahres verschiedene Trips angeboten, die kostenpflichtig -also nicht Bestandteil des normalen Austausches- sind. Ich hatte von meinen Eltern die Erlaubnis, auch an einem Holiday Trip teilzunehmen, und hatte mich für New York City entschieden. Der Trip ging von Freitag, den 11. Dezember bis zum darauffolgenden Mittwoch und –um es vorwegzunehmen- es war eine wunderschöne Zeit, die ich dort verbracht habe. An meiner Schule gab es neben mir noch 5 weitere Austauschschüler unterschiedlicher Nationalitäten, von denen zwei leider nur einen halbjährigen Austausch gemacht haben. Die belgische Austauschschülerin an meiner High School, mit der ich mich sehr gut verstanden habe, hatte sich auch entschieden nach New York zu fahren. Leider hatte sie erst kurzfristig die Reise gebucht, so dass wir unterschiedliche Flüge bekommen haben und auch nicht im gleichen Hotelzimmer unterkamen. Allerdings war ich mit zwei anderen Deutschen und einer Spanierin in einem Zimmer, die auch ziemlich nett waren.

 

New York City

NYC Blick vom Empire State Building

 

 

Unsere ganze Gruppe bestand aus ca. 85 Schülern aus der ganzen Welt wie z.B. Neuseeland, Brasilien, Russland, Spanien und vielen mehr. Es war unwahrscheinlich interessant, gleichzeitig mit so vielen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten zu tun zu haben. Wir haben zwar nur 5 Tage miteinander verbracht, aber wir sind als Gruppe eng zusammengewachsen und haben uns alle wirklich gut verstanden. Leider ist es fraglich, ob ich alle von ihnen jemals wiedersehen kann, aber zum Glück haben wir eine WhatsApp-Gruppe gebildet, durch die wir nach wie vor Kontakt halten. Aber es wäre natürlich noch viel schöner, alle persönlich noch einmal zu treffen.

 

New York Schüleraustausch

Auf dem Empire State Building

 

In New York hatten wir ein sehr vielfältiges und abwechslungsreiches Programm, was uns an die ganzen bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Stadt geführt hat, wie z.B. den Central Park, die Grand Central Station, das Empire State Building, den Times Square und noch vieles mehr. Die Stadt ist einfach beeindruckend: Die Straßenschluchten, die Menschenmassen, die Shops… Man fühlt sich da doch ziemlich klein!

 

Schüleraustausch USA

From all over the world …

 

Ich war schon einmal in New York, als ich jünger war, aber auch beim zweiten Mal hat mich die Stadt aufs Neue fasziniert. Ein Highlight unseres Aufenthaltes war auch der Besuch der Broadwayshow Matilda mit tollen Darstellern und einem super Bühnenbild. Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch das Rockefeller Center mit der Eisbahn und dem berühmten riesigen Weihnachtsbaum, was man wirklich einmal gesehen haben sollte. Dort hatten wir auch noch ein schönes Erlebnis, denn das Rockefeller Center gilt als beliebter Platz, um einen Heiratsantrag zu machen und wir konnten tatsächlich live miterleben, wie ein Mann vor seiner Freundin auf die Knie gegangen ist und vor großem Publikum um Ihre Hand angehalten hat. Insgesamt war New York ein besonderes Highlight in meiner bisherigen Zeit in den USA, da die Stadt einfach unglaublich aufregend und vielfältig ist.

 

Nachdem ich aus New York wiedergekommen bin, musste ich noch 2 Tage in die Schule gehen und dann hatten wir auch schon Weihnachtsferien. Nach New York hatte ich eine kurze Phase, wo ich ein bisschen niedergeschlagen war. Ich wollte nicht mehr zur Schule gehen, sondern einfach wieder nach New York und die Zeit zurückdrehen. Ich glaube, es ging auch den anderen ähnlich, denn wir hatten eine so tolle Zeit miteinander verbracht, dass wir die gemeinsamen Tage in New York sicher nie vergessen werden. Aber zum Glück habe ich mich dann auch schnell wieder in den Alltag eingelebt, zumal ich mich ja auch in meiner Gastfamilie und an meiner High School wirklich wohlfühle.

 

Chicago

Schon relativ zu Beginn meines Aufenthaltes hatte ich meinen Gasteltern von unseren Weihnachtsmärkten zu Hause in Deutschland erzählt und sie meinten, dass sie noch nie einen besucht hätten. Meine Gastmutter hat daraufhin gegoogelt und herausgefunden, dass es im November/Dezember für 5 Wochen einen deutschen "Christkindlmarket" in Chicago gibt. Wir haben oft darüber geredet, ob wir es eventuell schaffen könnten, dort hinzufahren, mussten aber noch einige Termine abwarten, da meine Gastmutter hin und wieder auch am Wochenende Dienst hat. Zudem ist Chicago 400 km von unserem Wohnort entfernt, was dann schon eine umfangreichere Planung mit sich zieht.

 

Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien hat meine Gastmutter mir dann erzählt, dass alles geregelt ist und wir tatsächlich am nächsten Tag, den 19. Dezember, spontan für 2 Tage nach Chicago fahren könnten, was mich sehr gefreut hat. Ich muss hinzufügen, dass eine meiner besten Freundinnen aus Deutschland zeitgleich mit mir als Austauschschülerin in der Nähe von Chicago war und ich mir immer schon gedacht hatte, wie schön es wäre, sie dort treffen zu können. Mit dem Einverständnis meiner Gasteltern habe ich dann sofort die Gastmutter meiner Freundin angeschrieben und sie gefragt, ob wir eventuell ein Treffen in Chicago arrangieren könnten, um meine Freundin zu überraschen. Zum Glück fand sie die Idee toll und hat dann auch gleich den genaueren "Plan" mit meiner Gastmutter abgesprochen. Als ich abends mit meiner Freundin per WhatsApp geschrieben habe, musste ich mich sehr zurückhalten, um ihr nichts von unserem Vorhaben zu erzählen.

 

Freunde USA

Treffen mit Gina

 

Wir sind Samstagmorgen aufgebrochen und die Fahrt hat ca. 5 Stunden gedauert. Wir sind gegen Mittag in Chicago angekommen, sind zum Navy Pier gegangen, einer Seebrücke mit Läden, Restaurants und Museen und haben anschließend bei Chicago Pizza and Oven Grinder gegessen, die eine sehr leckere, ganz spezielle Pizza anbieten. Anschließend sind wir ins Hotel gefahren und haben uns mit dem Bruder meines Gastvaters, der in Chicago wohnt, getroffen. Mit ihm sind wir dann auf den Christkindlmarket gegangen und ich muss sagen, man fühlte sich fast wie auf einem deutschen Weihnachtsmarkt.

 

Weihnachtsmarkt Chicago

Auf dem Christkindlmarket in Chicago

 

Die Stände, das Essen und die Getränke waren dem Original schon sehr ähnlich. Der Christkindlmarket war zwar nicht besonders groß, hatte aber eine tolle Atmosphäre. Dann war der Tag auch schon vorbei und ich wurde immer aufgeregter, da wir am Sonntag ja meine Freundin überraschen wollten und zwar im John Hancock Building, dem derzeit achthöchsten Gebäude der USA, in dem sich im 94. Stockwerk die Aussichtsetage befindet.

 

Chicago

Chicago Blick vom John Hancock Tower

 

Vor dem Treffen gingen mir viele Gedanken durch den Kopf: Wie wird meine Freundin reagieren? Wie werde ich auf unser Treffen reagieren? Bekomme ich auf einmal Heimweh? Will ich dann auch nach Hause, denn meine Freundin würde schon im Januar zurückfliegen? Zum verabredeten Zeitpunkt habe ich mich in der Eingangshalle aufgehalten, bis meine Freundin mit ihrer Gastfamilie ankam. Meine Freundin hat erst einmal realisieren müssen, wer da vor ihr steht, und dann haben wir uns einfach nur lange umarmt. Meine Gastmutter hat den Moment des Wiedersehens auf Video aufgenommen, so dass wir dieses Erlebnis auch mit unseren Familien und Freunden teilen konnten. Nachdem wir ca. 2 Stunden zusammen im John Hancock Building verbracht haben, hieß es Abschied nehmen und genau wie bei der Begrüßung mussten wir die eine oder andere Träne verdrücken. Es war einfach schön jemanden, den man sehr gut kennt, nach so langer Zeit wiederzusehen. Zum Glück ist meine Befürchtung nicht eingetroffen, dass ich durch unser Treffen Heimweh bekommen habe! Ich habe einfach die Zeit mit meiner Freundin total genossen und denke noch gern an Chicago zurück.

 

Weihnachten
Die Winterferien waren 2 Wochen lang, in denen wir im Gegensatz zu Deutschland aber trotzdem an unserer High School Basketballtraining und Spiele hatten. Leider hatten wir in der ganzen Ferienzeit kein Schnee, was ich doch ein bisschen schade fand. In den USA ist Heiligabend kein besonderer Tag, sondern es werden normalerweise am 25.12. morgens die Geschenke ausgepackt. Da meine Gastmutter jedoch am 25. Dienst hatte, haben wir einfach schon am 24. gefeiert. Gegen Mittag kamen die Großeltern und meine andere Gastschwester, die nicht mehr zu Hause wohnt, mit ihrem Mann und wir haben gegen 14 Uhr die Geschenke ausgepackt. Bei dieser Gelegenheit habe ich noch von einer Tradition erfahren, die angeblich aus Deutschland kommt: Es wird ein aus Glas hergestellter Weihnachtsbaumschmuck in Form einer Gewürzgurke, der sogenannten "Christmas Pickle", in dem Weihnachtsbaum versteckt und wer diese als erstes findet, bekommt ein extra Geschenk. Leider habe ich die Gurke nicht als erstes gefunden. Die Gewürzgurken-Tradition kannte weder ich noch meine deutsche Familie und anscheinend ist die Herkunft dieser Tradition auch gar nicht eindeutig geklärt. Aber die Amerikaner halten diese für einen typisch deutschen Brauch und meine Gastfamilie war ganz erstaunt, dass ich ihn nicht kannte. Zum Abschluss des Tages sind wir dann noch in die Kirche zum Weihnachts-Gottesdienst gegangen.

 

Weihnachten USA

Mit meiner Gastschwester und meinem Gastvater

 

Am 25. sind wir zu den Großeltern mütterlicherseits hier in Greenville gefahren zum gemeinsamen Weihnachtsessen. Am 26. ging es dann ca. 20 km Richtung Norden zu der Mutter meines Gastvaters, um uns dort mit seinen Brüdern und deren Familien zu treffen und noch einmal Geschenke auszupacken. Da nicht jeder jedem etwas schenken sollte, haben wir schon vor den Feiertagen einen Namen gezogen und für die Person dann ein Geschenk gekauft, gewissermaßen wie Wichteln. Abends war ich dann noch bei der Abschiedsparty meiner Freundin, der belgischen Austauschschülerin, mit der ich auch in New York war. Leider hatte sie nur einen 5-monatigen Austausch absolviert und musste 2 Tage später schon wieder nach Hause fliegen. Es war ein sehr schöner Abend, nur waren wir natürlich alle traurig, dass wir Abschied nehmen mussten. Anfang Januar haben wir dann noch den Urgroßvater besucht und uns dort mit der Familie meiner Gastmutter getroffen, wo wir dann noch einmal Geschenke vom Uropa bekommen haben. In Deutschland bin ich es gewohnt, dass man alle Geschenke Heiligabend bekommt, auch von den Personen, die an dem Abend nicht persönlich dabei sein können. Hier zieht sich das gegenseitige Beschenken über einen längeren Zeitraum hin, aber ich fand es toll, dass man so mit allen Familienmitgliedern gewissermaßen nacheinander und so auch intensiver die Feiertage genießen kann. Alles in allem war das amerikanische Weihnachtsfest eine sehr schöne Erfahrung.

 

Silvester
Silvester bin ich mit meiner Gastschwester zu einer ihrer Freundinnen gefahren, wo wir mit ca. 8 Personen gefeiert haben. Als erstes haben wir Bean Boozled gespielt: Jelly Beans sind Süßwaren in Form von Kidneybohnen, die aus Gelee bestehen umhüllt von verschiedenfarbiger Zuckerkruste. Der Reihe nach dreht man an einem kleinen Rad und muss die Jelly Bean essen, auf die der Pfeil zeigt. Das "Problem" ist nur, dass das Spiel Geleebohnen in acht verschiedenen Farben und sechzehn verschiedenen Geschmacksrichtungen enthält. Daher sehen jeweils zwei Jelly Beans gleich aus, schmecken aber SEHR unterschiedlich. So kann es vorkommen, dass man den Geschmack Stinktierspray oder Dosenhundefutter bekommt, wenn man Glück hat Lakritz, was ich wiederum nicht viel besser finde, oder Schokoladenpudding. Anschließend sind wir noch zu einer Nachbarin gegangen, wo wir dann den Jahreswechsel gefeiert haben. Private Feuerwerke bzw. Knallerei wie in Deutschland üblich sind hier übrigens an Silvester verboten. Feuerwerke gibt es in den USA in großem Stil normalerweise nur am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag. Zu guter Letzt haben wir noch bis in die frühen Morgenstunden Filme geguckt, so dass ich natürlich am nächsten Tag ziemlich müde war. Aber zumindest in dieser Hinsicht unterscheidet sich das amerikanische nicht vom deutschen Silvester.


Kirche

Ich gehe mit meiner Gastfamilie jeden Sonntag in die Evangelisch-methodistische Kirche in Greenville. Der Gottesdienst hier ist viel moderner als in Deutschland, z.B. gibt es eine Band, die grundsätzlich am Anfang des Gottesdienstes Musik spielt. Die Kirche sieht auch sehr modern aus und entspricht wenig dem Bild einer traditionellen Kirche mit Kirchturm, Mosaikfenstern und Glocken, die zu einem bestimmten Zeitpunkt läuten.

 

Greenville Church

Evangelical United Methodist Church Greenville

 

In unserer Kirche hier gibt es eine "Coffee Bar", wo man sich Kaffee, Cappuccino und Lattes mit verschiedenen Flavors, also Geschmacksrichtungen, aussuchen kann, was ich eine prima Idee finde. Meine Gastfamilie ist sehr sozial engagiert, so haben wir schon hin und wieder Samstagabend vor dem Abendgottesdienst Kaffee ausgeschenkt. Im Moment gibt es eine Aktion in der Kirche, die "Pocket Change" genannt wird. Wenn man möchte, kann man sein Kleingeld vor dem Gottesdienst in eine Sammeldose werfen. Da unsere Kirche sehr gut besucht ist und viele Leute diese Möglichkeit nutzen, kommen dort schon nennenswerte Beträge zusammen. Das gesammelte Geld lässt man dann im Rahmen besonderer Aktionen verschiedenen Menschen zukommen. Vor ein paar Wochen hat der Pastor z.B. während eines Gottesdienstes Pizza bestellt und sie auf die Bühne liefern lassen. Dem Pizzaboten hat er dann mithilfe des gesammelten Geldes ein "Trinkgeld" in Höhe von 800 Dollar gegeben! Man kann sich vorstellen, wie sich der Mann über den unerwarteten Geldsegen gefreut hat. Mir gefällt der enge Zusammenhalt und das soziale Engagement hier in der Kirchengemeinde sehr gut, da viele Leute mit anpacken und letztlich einen konkreten guten Zweck unterstützen.


Bei meinem nächsten Bericht werde ich schon wieder in Deutschland sein und ich bin schon sehr gespannt, wie ich mich wieder eingewöhnt habe und wie ich dann doch meine Gastfamilie und meine ganzen neuen Freunde vermissen werden. Aber vorher freue ich mich erst einmal auf die verbleibende Zeit hier in Ohio und werde versuchen, jede Sekunde meines Aufenthaltes zu genießen!
Ein weiteres Mal danke an alle, die mir den Aufenthalt hier ermöglichen und mich unterstützen! Allen voran meine tolle Gastfamilie, meine Familie zu Hause, meine unwahrscheinlich engagierte ISE Betreuerin Heather Brown und Frau Nadia Weller von CDC für die fortwährende Unterstützung!


Jessica G.