Dienstag, 22. August 2017
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Mein Austauschjahr in Ohio -
Schulsystem, Gastfamilienleben, Homecoming

 

Erster Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Jessica G.


Stipendium vermittelt durch:
Carl Duisberg Centren



Schüleraustausch USA



 

Vor knapp 3 Monaten hat für mich die wahrscheinlich größte Erfahrung meines bisherigen Lebens am Hannover Flughafen begonnen. Ich habe mich von meiner Familie verabschiedet, um mich auf etwas völlig Neues einzulassen: Ein High School Jahr in den Vereinigten Staaten von Amerika.

 

Schon in der Zeit vor meiner Abreise, aber auch beim Abschied von meiner Familie und der anschließenden Reise sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen: Ich war immer etwas besorgt darüber, wie es sein wird, das erste Mal ohne meine Eltern zu reisen oder ohne sie zurecht zu kommen. Ich habe oft von anderen Austauschschülern gehört, wie toll ein Auslandsjahr ist und wie gut sie sich mit ihren Gastfamilien verstanden haben. Ich habe mich dann immer gefragt, was passieren wird, wenn es bei mir nicht so ist. Wenn meine Gastfamilie unfreundlich ist oder ich einfach nicht klarkomme. Um es vorab schon einmal kurz zusammenzufassen:  Meine Zweifel haben sich zum Glück nicht bestätigt!

 

Nach dem Flug von Hannover über Frankfurt und Newark nach Dayton, Ohio, wurde ich sehr herzlich von meiner Familie am Flughafen empfangen. Meine Gastfamilie besteht aus meiner  Gastmutter, meinem Gastvater und meiner 18-jährigen Gastschwester. Da ich zu der Zeit schon fast 24 Stunden auf den Beinen und auch sehr müde war, war es für mich in diesem Moment relativ schwer zu verstehen, was sie mir erzählt haben. Nach der sehr netten Begrüßung sind wir dann ca. 1 Stunde nach Greenville, Ohio gefahren, einer kleinen Stadt mit etwa 13.000 Einwohnern, in deren Nähe ich nun seit 3 Monaten lebe.

 

Der erste positive Eindruck am Flughafen hat nicht getäuscht: Meine Familie hier ist wirklich klasse! Ich komme sehr gut mit ihnen zurecht, auch wenn ich persönlich anfangs noch ein wenig Zeit gebraucht habe, um richtig aufzutauen. Aber mit dem nötigen Willen und Überzeugung lebt man sich hier schnell ein. Man sollte sich aktiv bemühen, sich in die Familie einzubringen, am Familienleben teilzunehmen und sich an bestehende Regeln zu halten, dann wird einem auch von Seiten der Gastfamilie das Einleben leicht gemacht. Und man kann tatsächlich ohne seine Eltern zurechtkommen, wenn man auch mal Dinge selber organisiert, die zu Hause die Eltern übernommen haben.

 

 

Mein neues Zuhause ist sehr ländlich gelegen. Man benötigt ca. 10 min. mit dem Auto, um nach Greenville zu fahren, wo sich meine High School befindet. Die nächstgrößere Stadt ist Dayton mit knapp 150 000 Einwohnern, wie bereits erwähnt ca. 1 Stunde von Greenville entfernt, und Columbus, die Hauptstadt des Bundesstaates Ohio, mit gut 800 000 Einwohnern, ca. 2 Autostunden entfernt. Zu meiner neuen Familie gehören auch noch 2 Hunde und eine Katze und eine 23-jährige Gastschwester, die aber bereits verheiratet ist und nicht mehr zu Hause lebt.

 

Schon am zweiten Tag habe ich ein paar Freunde meiner Gastschwester kennengelernt, die genauso wie ich Fußball spielen. Fußball spielen hat mir immer sehr viel Spaß gemacht und ich war froh, dass ich dies auch als Sportkurs in der High School wählen konnte. Ich bin Mitte August angereist und hatte noch 3 Wochen Ferien, aber glücklicherweise hat bereits in den Ferien das Fußballtraining begonnen, an dem auch meine Gastschwester und ihre Freundinnen teilnahmen. Daher kannte ich bei meinem ersten Fußballtraining schon ein paar Mädchen und konnte darüber hinaus schon vor Schulbeginn weitere Freundschaften schließen.

 

In der 2. Woche nach meiner Ankunft in Greenville fand die „Great Darke County Fair“ statt. Die Fair ist eine Art Jahrmarkt/Volksfest/Kirmes. Es gibt dort Fahrgeschäfte, Ausstellungen, Essensstände, Pferderennen, verschiedene Tiere und andere Dinge, die man z.B. für Haus und Garten erwerben konnte. Dies hat alles auf den sogenannten Fairgrounds stattgefunden, einer großen, freien Fläche am Rande der Stadt. Die Fair dauerte 1 Woche und bot u.a. auch ein Open Air Konzert. Meine Gastfamilie und ich waren fast jeden Tag auf der Fair, um die vielen interessante Sachen und auch das leckere Essen wie z.B. Deep Fried Oreos (frittierte Oreos) zu genießen. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

 

 

Eine Woche später hat auch schon die Schule begonnen. Da meine Gastschwester als Senior noch die Abschlussklasse der High School besucht, kann sie mich immer mit dem Auto zur  Schule mitnehmen. Meine Kurse hatte ich bereits 1 Woche vor Schulbeginn mit meinen Gasteltern in der Schule gewählt.

 

Ich hatte mir meinen ersten Tag in der High School eindeutig schlimmer vorgestellt. Ich bin jemand, der sich über alles Gedanken macht und alles vorab genau durchdacht haben muss. Daher war ich mir zuerst unsicher, was ich am ersten Tag machen und wie ich mich verhalten soll. Mir wurde beim Erstellen meines Stundenplans bereits gesagt, dass ich mich am ersten Tag zum sogenannten Homeroom begeben muss, was auch gleich morgens in der Schule nochmals per Lautsprecher angesagt wurde. Der Homeroom ist ein Klassenraum, wo man generell sämtliche Formalitäten erledigt, wichtige Unterlagen erhält oder Ähnliches (in Deutschland erledigen das die jeweiligen Klassenlehrer).  Im Gegensatz zu Deutschland haben die Fachlehrer hier an der High School ihre festen Räume, so dass man als Schüler nach jeder Stunde den Raum wechseln muss und zum jeweiligen Lehrer geht.  Während der Lunch Pause habe ich ein paar Mädchen, die ich schon vom Fußball kannte und die auch in meiner Spanisch Klasse sind, gefragt, ob ich bei ihnen sitzen kann, was natürlich kein Problem war. Das hat wieder gezeigt, dass man auf die Leute zugehen muss, auch wenn es für mich ein wenig Überwindung gekostet hat, aber ich wurde in der Regel wirklich immer sehr offen und freundlich aufgenommen. Im Großen und Ganzen verlief mein erster Tag ganz gut, auch wenn ich manchmal aufgrund sprachlicher Verständigungsprobleme verschiedene Aufgabenstellungen nicht verstanden habe. Die Lehrer waren aber jederzeit bereit zu helfen und haben immer wieder Unterstützung angeboten. 

Ich musste mich erst einmal mit dem Schulsystem hier zurecht finden, da man hier jeden Tag die gleichen Stunden in der gleichen zeitlichen Abfolge hat, was in Deutschland ja komplett anders organisiert ist. Ich habe mir meinen Stundenplan bis auf 2 Fächer selbst aussuchen dürfen:
Im Moment habe ich

 

- Civics

- US History

- Geometry

- Spanish 3

- Lunch

- Studio Art

- Study Hall (eine Art Selbststudium)

- English 10


US History und English musste ich wählen, da es verpflichtend von meiner Austausch-Organisation vorgeschrieben ist. Anfangs hatte ich statt Civics Biologie, aber die Themen waren mir weitgehend aus Deutschland bekannt. In Civics lernt man viel über Demokratie, die Zivilgesellschaft und Staatsbürgerkunde und ich fand es spannend, dieses Thema aus amerikanischer Sicht zu behandeln. Geometry und Spanish sind teilweise sehr leicht, da ich das meiste davon ebenfalls bereits in Deutschland im Unterricht hatte. Zudem behandeln die Lehrer auch teilweise ein und dasselbe Thema über einen längeren Zeitraum, so dass es mich manchmal nach einer Zeit langweilt. Beim Vergleich der Anforderungen der High School und meines Gymnasiums in Deutschland muss man ganz offen sagen, dass das Gymnasium ein wesentlich höheres Niveau hat und der Unterricht an der High School wesentlich entspannter abläuft. An meiner Schule gibt es nur die Jahrgangsstufen 9-12, wobei jede Jahrgangsstufe einen eigenen Namen hat: 9.Klasse – Freshmen, 10.Klasse – Sophomore, 11.Klasse – Junior und 12.Klasse – Senior.

 

Mitte September hat Heather, meine ISE Representative, alle Austauschschüler, die sie betreut, zu einem Herbstfest eingeladen, bei dem alle ein Gericht aus ihrem Heimatland mitbringen sollten. Ich habe eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte gemacht, die erstaunlicherweise wirklich gut geschmeckt hat. Jedoch hatten meine Gastmutter und ich Probleme, alle Zutaten zu bekommen, da z.B. Vanillezucker und eingelegte Kirschen hier nicht in jedem Geschäft erhältlich sind. Das Herbstfest war eine sehr schöne Idee, da ich nur die Austauschschüler von meiner Schule kannte und so nun noch die anderen kennenlernen konnte, die in der Nähe von Greenville untergebracht sind. Insgesamt waren wir 10 Austauschschüler mit Familien.

 

Freunde Schüleraustausch USA

 

Ein für die meisten amerikanischen Schüler „wichtiges“ Ereignis ist Homecoming. Es gibt die Homecoming Week und den Homecoming Dance, der üblicherweise an einem Samstag stattfindet. In der Homecoming Week gab es jeden Tag ein anderes Thema. Bei uns waren die Themen: Hat Day, #TBT, USA Day, Class Colors (Freshmen: Pink, Sophomores: Gelb, Juniors: Blau und Seniors: Grün) und zu guter Letzt Green/White (die Farben unserer Schule). An jedem Tag gab es nach der Schule auch verschiedene Aktivitäten, wie z.B. Challenges und Spiele, an denen ich aber aufgrund meines Fußballtrainings nicht teilnehmen konnte. Am Donnerstag war dann die Homecoming Parade, die im Wesentlichen aus verschiedenen Paradewagen bestand, z.B. für die verschiedenen Schuljahrgänge, für die Footballspieler, Cheerleader und noch viele mehr. Am Anfang der Parade ist der Homecoming Court. Das sind die Personen, die zur Wahl zum Homecoming King bzw. zur Queen stehen. Die Parade endete an der Schule, wo dann zunächst der Homecoming King gekrönt wurde. Anschließend fand das Powderpuff Spiel statt, das eine Art Football für Mädchen ist. Allein schon das Zugucken hat viel Spaß gemacht. Am Freitag fand nach der Schule eine Pep Assembly statt: Alle Schüler sind in die Sporthalle gegangen, die Schul-Band spielte und die Cheerleader haben einige Cheers gemacht.

 

Homecoming

 

Am Abend war dann das Homecoming Football Spiel, wo dann auch die Homecoming Queen gekrönt wurde. Die Stimmung bei Football Spielen ist grundsätzlich klasse und es macht sehr viele Spaß dorthin zu gehen. Am Samstag fand dann der Homecoming Dance statt, bei dem sich alle in Schale schmeißen. Teilweise tragen die Mädchen extreme high heels, andere aber auch Vans oder Converse. Für die Mädchen ist ein Kleid ein Muss, die Jungs tragen Anzüge. Ich war mit meiner Gastschwester und ein paar anderen Leuten unterwegs. Wir haben zuerst an unterschiedlichen Locations Fotos gemacht und sind anschließend Essen gegangen. Danach ging es auf zur Schule. Der Tanz fand in der Sporthalle statt und dauerte 3 Stunden. Da in der Schule keine Musik mit Schimpfwörtern gespielt werden darf, wurden viele angesagte Lieder nicht gespielt. Das nächste große Ereignis dieser Art ist dann die Prom –der Abschlussball- kurz vor Schuljahresende, was nochmals eine Steigerung zum Homecoming Dance sein soll.

 

Am Donnerstag vor Halloween gab es eine Halloween Parade Downtown, die zwar recht kurz, aber dennoch ganz nett anzuschauen war. Nach der Parade sind die kleinen Kinder zu den Geschäften in Downtown gegangen und haben dort Süßigkeiten bekommen. Ich bin auch einer Halloween Tradition gefolgt und habe einen Batman Kürbis geschnitzt, was viel Spaß gemacht hat und mir auch wirklich gut gelungen ist. Inzwischen ist er aber leider zusammengeschrumpft und nicht mehr so ansehnlich.

 

Halloween USA



Grundsätzlich kann ich sagen, dass die ersten 3 Monate eine sehr spannende, aufregende Zeit waren, in der ich viel Neues kennengelernt habe und mich an viele neue Situationen gewöhnen musste. Ich freue mich sehr auf die kommende Zeit und die vielen schönen Ereignisse, die ich hier sicher noch erleben werde!

 

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Frau Nadia Weller von CDC und Heather Brown von ISE bedanken für die fortwährende tolle Betreuung in Deutschland und in den USA. Der größte Dank gilt natürlich meiner Familie in Deutschland und meiner Gastfamilie in Ohio, die mir hier ein spannendes Austauschjahr ermöglichen, in dem ich so viele Dinge kennenlernen und neue Erfahrungen machen darf!

 

USA Sonnenuntergang