Samstag, 24. Juni 2017
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Mein Leben in den USA
Spring Season, Prom und Heimkehr nach Deutschland

 

Dritter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Jessica G. - USA
Stipendium gestiftet durch:
Carl Duisberg Centren



Schüleraustausch USA




Track - Im Leichtathletikteam der Schule


Zu Beginn des Frühjahrs –der Spring Season- musste  man eine neue Sportart wählen und ich habe mich für Track (Leichtathletik) entschieden. Die Wahl fiel mir nicht sehr schwer, da viele meiner Freunde auch dabei waren und wir so noch mehr gemeinsam unternehmen bzw. erleben konnten. Das ganze Track-Team war generell sehr nett. Wir hatten ein sehr großes Team, das aus ca. 120 Schülern bestand.

Von den verschiedenen Track-Disziplinen habe ich Weitsprung und 100 m Sprint gemacht. Training war von Montag bis Freitag direkt nach der Schule für ca. 1 ½ Stunden. Dabei haben wir entweder Krafttraining gemacht, sind laufen gegangen oder haben Sprints absolviert. Das Training war teilweise sehr anstrengend, andererseits hatten wir aber auch immer viel Spaß dabei. Wir hatten regelmäßig Wettkämpfe gegen andere High Schools, teilweise auch mehrere in einer Woche, die oft über einige Stunden andauerten. Die Saison war Mitte Mai dann auch leider schon wieder vorbei, aber ich bin wirklich sehr froh über meine Entscheidung, dem Track Team beigetreten zu sein.

 

Track Sport Schüleraustausch USA

 

Los Angeles - Mit Austausschülern aus aller Welt in Hollywood


Mitte März ging es dann für 5 Tage nach Los Angeles. Dies war wie schon der Trip im Dezember nach New York ein Angebot eines Partnerunternehmens meiner Austauschorganisation. Ich bin an einem Mittwoch schon sehr früh morgens losgeflogen, musste nach einem gut 3-stündigen Flug einmal in Dallas umsteigen und erreichte dann nach weiteren 5 Stunden Flugzeit Los Angeles. Am Flughafen in LA sind dann aus allen Teilen der USA weitere Austauschschüler eingetroffen und wir wurden mit dem hoteleigenen Flughafenshuttle in unsere Unterkunft “La Quinta” gebracht. Ich habe mir dort ein Zimmer mit einer Deutschen und einer Spanierin geteilt. Für jeden Tag unseres Aufenthaltes gab es ein Programm, was uns zu vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt geführt hat.

 

Am ersten Tag haben wir den Knott’s Berry Farm Amusement Park in Buena Park, einem Ort südöstlich von LA, besucht. Der Freizeitpark gilt als einer der ersten Themenparks Amerikas und bietet allein 9 riesige Achterbahnen. Am nächsten Tag war Strand angesagt: Zunächst haben wir dem Manhattan Beach einen kurzen Besuch abgestattet, bevor es dann weiter zum Venice Beach ging. Am Venice Beach habe ich mir gemeinsam mit einigen anderen Austauschschülern ein Fahrrad ausgeliehen und wir haben den berühmten Strand erkundet. Am Nachmittag sind wir dann noch nach Beverly Hills gefahren -inklusive des berühmten Rodeo Drives- und haben den Farmers’ Market besucht, einen sehr bekannten Markt, wo auch viele Stars einkaufen. Abends sind wir in ein Improvisationstheater gegangen, was unwahrscheinlich lustig und unterhaltend war.

 

Los Angeles radtour Schüleraustausch Besuch Los Angeles Schüleraustausch

 

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen von Hollywood, vor allem natürlich des Walk of Fames, wo auch viele Straßenkünstler aufgetreten sind. Unseren letzten Tag haben wir in den Universal Studios verbracht, wo uns auf einmal Kylie Jenner mit ihrem Freund, dem Rapper Tyga, über den Weg gelaufen ist. Beide waren von Security Männern umgeben, so dass wir nur Fotos schießen konnten. Im Großen und Ganzen war der Aufenthalt in Los Angeles wunderschön und ich würde auf jeden Fall gerne nochmal dorthin, da wir nicht alles sehen konnten und es einfach noch so viel zu entdecken gibt.

 

Auf dem Rückflug hatte ich das Glück, dass eine meiner Freundinnen den gleichen Endflughafen hatte und wir gemeinsam fliegen konnten. Leider hatte unser erster Teilflug Verspätung, sodass wir es in Dallas nur knapp zu unserem Anschlussflug geschafft haben -im Gegensatz zu unserem Gepäck! Unsere Koffer haben wir dann einige Tage später wiederbekommen. Ich würde jedem Austauschschüler empfehlen, eine solche Reise mitzumachen, da man dort sehr viel erlebt und auch viele neue Freunde aus der ganzen Welt trifft, die in der gleichen Situation sind wie man selbst. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt, mit denen ich bis heute immer noch in Kontakt stehe.

 

 

Prom - Der Abschlussball


Gegen Ende April stand der sogenannte Prom an. Prom ist der Abschlussball am Ende des High-School-Jahres für die Elft- und Zwölftklässler und gilt als eines der wichtigsten Ereignisse des Schuljahres. Zehntklässler dürfen auf Einladung eines älteren Schülers als Begleitung mit zum Prom und Austauschschüler dürfen generell auch ohne Einladung daran teilnehmen und sogar noch einen Freund oder Freundin mitnehmen. Ich habe meine beste Freundin Maddie gefragt, ob sie mit mir dorthin gehen möchte. Der Prom hat in einer durch die Schule angemieteten Location stattgefunden. Vor dem Prom habe ich mit meiner Freundin und ihrem Bruder, der im Abschlussjahrgang war, noch viele Fotos gemacht und da hatten wir schon eine Menge Spaß.

 

Prom Abschlussball Schüleraustausch Prom Abschlussball USA

 

Gegen halb sechs ging es dann los und bei der Ankunft wurden dann auch noch einmal Bilder von uns gemacht. Danach wurden wir zu unseren Tischen geführt, die wir vorher in der Schule schon reserviert hatten, als wir die Prom Tickets gekauft haben. Zunächst gab es ein Buffet, an dem man sich frei bedienen konnte. Danach wurde erst einmal getanzt, bis es schließlich zur Wahl des Prom Kings und der Prom Queen kam. Dabei durfen die Elft- und Zwölftklässler einen Jungen und ein Mädchen aus der Abschlussklasse wählen, die dann zum König bzw. Königin gekürt wurden. Der Bruder meiner Freundin wurde zum Prom King gewählt und hat -wie auch die Prom Queen- sogar eine Krone bekommen. Darüber haben wir uns natürlich sehr mit ihm gefreut. Danach ging es wieder zum Tanzen über.

 

Zwischendurch konnte man auch an einer Fotostation –der sogenannten Flashbox- Fotos mit Selbstauslöser machen und es kamen wirklich klasse Ergebnisse heraus. Im Großen und Ganzen war der Prom ein super Erlebnis und er hat mir noch besser gefallen als der Homecoming Ball, da alles noch festlicher ist und die Atmosphäre einfach beeindruckend war. Ich würde jedem empfehlen –der die Chance erhält- daran teilzunehmen, denn es ist eine tolle Erfahrung!

 



Graduation - Senior Send Off und feierliche Zeremonie


Da meine Schule allen Austauschschülern -egal welchen Jahrgangs- erlaubt, an der Abschlusszeremonie teilzunehmen, wurden wir in den letzten Wochen auch als Seniors angesehen. Das bedeutete u.a., dass wir die Abschlussprüfungen unseres Jahrgangs 1 Woche vor allen anderen gemacht haben und am Senior Send Off teilnehmen konnten. Das Senior Send Off ist eine Zeremonie in der letzten Schulwoche, bei der sich die ganze Schule in der Sporthalle versammelt und Reden über den Abschlussjahrgang gehalten werden. Es wurde auch eine Diashow gezeigt mit Babybildern und aktuellen Bildern der Zwölftklässler, aber auch von uns Austauschschülern. Es hat sehr viel Spaß gemacht, daran teilhaben und diese besondere Veranstaltung miterleben zu können.

 

Austauschschüler USA

Die Austauschschüler des Drake County School Districts

 

Die Seniors mussten aufgrund der bereits abgelegten Prüfungen die letzte Woche nicht mehr in die Schule gehen, somit hatte ich auch schulfrei. Am letzten offiziellen Schultag hatten wir Graduation Practice, sozusagen eine Übung für die Abschlusszeremonie. Je nach Wetterlage findet die Abschlussfeier entweder in der Sporthalle oder auf dem Footballfeld statt. Daher haben wir den Ablauf der Abschlussfeier für drinnen und für draußen geübt. Leider hat es am Samstag, dem Tag der Graduation, tatsächlich geregnet, sodass die Abschlussfeier in der Sporthalle abgehalten werden musste. Die Zeremonie begann abends gegen halb 7 und wir mussten unsere Cap and Gown tragen: Die Mädchen trugen eine weiße Robe mit entsprechender Mütze, die Jungs eine entsprechende grüne Tracht. Unter der Robe trugen alle Mädchen ein weißes Kleid. Bei der Zeremonie wurden zuerst einige Reden gehalten und der Schulchor ist aufgetreten. Danach wurden wir alle einzeln nach vorn gerufen, um das Diplom bzw. für die Austauschschüler das Zertifikat abzuholen. Insgesamt dauerte die Zeremonie ca. 2 Stunden.

 

Gastfamilie Graduation

 

Danach sind wir noch mit der Familie essen gegangen. Es war wirklich sehr interessant, bei der Abschlusszeremonie dabei sein zu können, denn in Deutschland ist die Entlassung bei weitem nicht so festlich. Allerdings wurde mir zu diesem Zeitpunkt richtig bewusst, dass die Zeit in Amerika jetzt langsam dem Ende entgegen ging. Ich hatte zwar noch 1 Woche Zeit bis zu meinem Rückflug, aber die Schule war offiziell vorbei und meine Gastschwester brach in der darauffolgenden Woche schon zum Basic Training der Army nach South Carolina auf. Erschrocken stellt man fest, wie schnell die Zeit in den USA vorbei gegangen war.

 

 

Goodbye - Abschied von der Gastfamilie


Am 11. Juni ging es dann auch für mich tatsächlich nach Hause. Ich hatte aufgrund diverser Einkäufe doch ein kleines Kofferproblem und musste kurzfristig ein zusätzliches Gepäckstück buchen. Ich wurde von meinen Gasteltern, meinen Gast-Großeltern, meiner älteren  Gastschwester und ihrem Ehemann zum Flughafen gebracht. Wir haben uns noch relativ lange vor der Sicherheitskontrolle aufgehalten, da ich nicht so lange alleine am Gate warten wollte. Als es dann Zeit wurde, durch die Kontrolle zu gehen, hieß es dann wirklich Abschied nehmen. Das Verabschieden fiel mir und meiner Gastfamilie sehr schwer und die eine oder andere Träne wurde vergossen.

 

Es war seltsam daran zu denken, die Menschen zu verlassen, die einen für 10 Monate aufgenommen haben. Zu dem Zeitpunkt weiß man nicht, wann oder ob man sie noch einmal wiedersieht. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, noch einmal dorthin zurückzukehren und alle zu besuchen. Auch haben wir meine Gastfamilie herzlich eingeladen, uns in Deutschland zu besuchen. Hoffentlich klappt das einmal! Mein Flug ging zuerst nach Newark, wo ich mich mit einer Freundin aus Belgien getroffen habe, die ich in LA kennengelernt hatte. Sie war mit ihrer belgischen Familie noch für ein paar Tage in New York und ist am gleichen Tag wie ich Richtung Heimat losgeflogen, so dass wir uns am Flughafen noch einmal sehen konnten.

 

Austauschschülerinnen

 

Das Gefühl, das man auf dem Rückflug verspürt, ist ziemlich zwiespältig, da man sich einerseits gerade noch schweren Herzens von seiner Familie in Amerika verabschiedet hat, andererseits aber weiß, dass man in wenigen Stunden wieder bei seiner richtigen Familie in Deutschland ist. Man fühlt sich ein wenig verloren und weiß nicht so recht, ob die Trauer oder die Freude größer ist.

 


Ankommen - Rückkehr nach Deutschland


Nach weiteren 7 Stunden bin ich dann am nächsten Morgen gegen halb acht in Hamburg angekommen und hatte erstmal große  Probleme, meine ganzen Koffer zu meiner Familie zu bekommen, da ich einen kleinen Trolley als Handgepäck, einen großen Trolley und einen Koffer ohne Rollen hatte. Zum Glück standen genug Gepäckwagen bereit und ich konnte mein Gepäck auf einem von ihnen verstauen. Ich bin dann zum Ankunftsbereich gegangen, wo meine Familie schon auf mich gewartet hat. Ich war sehr glücklich, als ich meine Mutter, meinen Vater und meinen Bruder endlich wiedersehen und sie wieder in die Arme schließen konnte.

 

Nach 1 ½ Stunden Fahrt sind wir dann zu Hause angekommen, wo an der Garage eine große Deutschlandfahne hing, auf der „Welcome Home, Jessy“ stand. Meine Großeltern warteten schon auf der Auffahrt, um mich zu begrüßen. Sie hatten die ganze Zeit intensiv mein Auslandsjahr verfolgt. Wir haben regelmäßig geskypt und sie haben alle meine Flüge auf Flightradar verfolgt. Als ich dann ins Haus gehen wollte, hat meine Mutter darauf bestanden, dass ich durch den Garten gehe, was mich schon ein wenig verwundert hat. Im Garten habe ich dann auf unserer Terrasse meine 10 besten Freundinnen gesehen, die alle selbst gebastelte Willkommensschilder hoch hielten und Kuchen und Muffins gebacken hatten, um mit mir meine Rückkehr zu feiern.

 

Welcome Home Austauschjahr

 

Nachdem ich jede einzelne begrüßt und lange umarmt hatte, haben wir alle gemeinsam in der Sonne gefrühstückt. Es war schön, mal wieder ein  „richtiges“ Brötchen zu essen, da es in den USA eigentlich nur Toast gibt. Aufgrund der Zeitverschiebung und des langen Fluges, auf dem ich nur 1 Stunde geschlafen hatte, war ich eigentlich sehr müde, jedoch habe ich es tatsächlich geschafft, den ganzen Tag wach zu bleiben. Einige meiner Freundinnen sind auch bis abends geblieben und ich habe mit ihnen und meiner Familie viel erzählt und Spaß gehabt. Ich hätte mir meinen ersten Tag zu Hause nicht schöner vorstellen können und habe mich riesig gefreut, als ich alle gleich wiedersehen konnte.

 



Zurück in der Heimat


Da ich keinerlei Jetlag hatte und es mir auch sonst gut ging, bin ich am nächsten Tag für die letzten beiden Stunden in die Schule gegangen, um meine Klasse wiederzusehen. Ich wollte noch in der verbleibenden Zeit vor den Ferien so viel wie möglich mit meinen alten Klassenkameraden verbringen, da ich im neuen Schuljahr in einen anderen Jahrgang kommen würde. Die nächsten Tage bin ich stundenweise immer in die Schule gegangen und habe in der darauffolgenden Woche auch an der Abschlussfahrt meiner Klasse nach Berlin teilgenommen. Wir hatten dort sehr viel Spaß und auch das war eine unvergessliche Zeit. Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich mich vom ersten Moment an wieder sehr wohl gefühlt habe. Ich musste mich nicht wieder eingewöhnen, da es sich angefühlt hat, als wäre ich nur ganz kurz von zu Hause weg gewesen.

 

Was ich am meisten nach meiner Rückkehr genossen habe, ist die Tatsache, dass ich hier wieder absolut unabhängig davon bin, ob mich jemand mit dem Auto irgendwo hinfahren kann. Ich hatte teilweise ein schlechtes Gewissen, da mich meine Gastfamilie oft extra fahren musste, da ich meistens keine Chance hatte, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Ich weiß es ausdrücklich zu schätzen, was meine Gastfamilie auf sich genommen hat, aber es ist hier zu Hause natürlich unkomplizierter, sich aufs Fahrrad zu setzen, mit dem Bus oder Zug zu fahren oder einfach zu Fuß zu gehen, um zum Einkaufen, zu meinen Freunden oder zur Schule zu kommen.

 

Jetzt bin ich nun schon seit 2 ½ Monaten wieder zu Hause und natürlich vermisse ich meine Freunde und Gastfamilie in Amerika. Ich möchte sie unwahrscheinlich gern wieder sehen und denke sehr gern an die Zeit zurück. Ich betrachte das vergangene Jahr als einen Abschnitt in meinem Leben, der mir wahnsinnig viel bedeutet und mich mein ganzen Leben lang begleiten wird. Der Blickwinkel auf viele Dinge hat sich verändert, man setzt auf einmal ganz andere Prioritäten und weiß auch Dinge hier zu Hause zu schätzen, die man vorher als selbstverständlich erachtet hat. Alle, die darüber nachdenken, ein Austauschjahr zu absolvieren, kann ich nur ermutigen, es tatsächlich umzusetzen. Es wird zwar auch schwierige Zeiten geben, aber diese hat man auch hier in Deutschland. Man muss einfach mit ihnen zurechtkommen und nach einiger Zeit ist alles wieder gut!

 

Falgge USA

 

Dank


An dieser Stelle nochmals ein riesengroßer Dank an meine wundervolle Gastfamilie, die mich für 10 Monate aufgenommen und sich um mich gekümmert hat!
Und zum Schluss noch Nadia Weller von CDC und Heather Brown von ISE: Vielen, vielen Dank für die fortwährende engagierte Betreuung während des Programms. Es war gut zu wissen, dass man auch seitens der Organisation super aufgehoben war!