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Canada - A Land of many Nations

 

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Majbritt Schanze
Stipendium gestiftet durch:
GLS



Schüleraustausch USA



 

Ich bin nun schon seit 3,5 Monaten in Kanadas kleiner Küstenstadt Victoria. Eine Zeit mit vielen neuen Erfahrungen in der ich viel über Kanada, aber auch mich selber gelernt habe. Schon im Erdkundeunterricht in Deutschland wurde Kanada als offenes und multikulturelles Land beschrieben. Kein Stereotyp, sondern Wirklichkeit, das kann ich seitdem ich hier bin bestätigen.


Kanada wurde vor erst 149 Jahren gegründet. Damit kann man das Multikulturelle erklären, denn damals (und auch noch heute) immigrierten Menschen aus den verschiedensten Ländern nach Kanada. Hier wollten sie Geschäfte machen oder einfach ein neues Leben anfangen.
Vor kurzer Zeit erst hatte uns meine Foods Lehrerin, Ms. Michalski, die Geschichte erzählt wie ihre Großeltern nach Kanada ausgewandert sind und hier einen kleinen Laden eröffnet haben.


Wenn ich in die Stadt oder zur Schule gehe, begegne ich jedes Mal vielen Menschen aus den verschiedensten Ländern und Kulturen. Jeder hat hier seine eigene Geschichte, woher er oder seine Familie kommt. Ich persönlich finde das sehr beeindruckend und faszinierend von meinen Freunden zu erfahren woher ihre Vorfahren kommen, da diese dann meistens gleich 5 verschiedene Länder aufzählen können.


Da sich hier viele Nationalitäten vermischen, gibt es in Kanada kaum Ausländerfeindlichkeit. Ich wünschte, in Deutschland wäre das auch so.
Neben dem größten Teil der Bevölkerung, den Einwanderern, gibt es natürlich auch die First Nations, die Ureinwohner Kanadas. Auch wenn es nicht mehr sehr viele der First Nations gibt, sind doch noch in allen Provinzen Stämme vorhanden. Sie haben sehr strenge kulturelle Regeln, üben traditionelle Bräuche und Tänze aus und sprechen zudem eine eigene Sprache, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.

 

Die First Nations und ihre Kultur


Bei meinem Besuch im Royal BC Museum in Downtown Victoria mit meiner japanischen Gastschwester habe ich noch mehr über die First Nations gelernt. Durchschnittlich sind ungefähr 5% der Bevölkerung Kanadas in der Lage die Sprache der First Nations zu sprechen. Auch sonst gab es in dem Museum sehr interessante Informationen über die Lebensweise der Ureinwohner Kanadas. Es wurde zum Beispiel gezeigt, wie die traditionellen Häuser aussahen und wie sie diese gebaut haben. Es war sehr interessant so viel über ihre Kultur zu erfahren und mir vorstellen zu können, wie sie gelebt haben bevor die ersten Boote mit Immigranten kamen. In meiner Gastfamilie habe ich auch Kinder der First Nations kennengelernt. So konnte ich auch etwas von ihrer Kultur und Sprache mitbekommen, wie sie ihre Feste veranstalten und was ihre traditionellen Sportarten und Aktivitäten sind. Eine Aktivität konnten wir sogar durch einen glücklichen Zufall am Goldstream beobachten.


Da im Herbst die Lachse zurück zu ihrem Geburtsort schwimmen um dort ihre Eier abzulegen und danach zu sterben, kommen sie im Oktober den Fluss gegen den Strom hochgeschwommen. Da dies ein sehr beliebtes und berühmtes Ereignis ist, sind wir ebenfalls dorthin gefahren. Wir hatten das Glück First Nations dabei beobachten zu können, wie sie auf ihre traditionelle Weise dort Lachse fischen.
Auch wenn nun nicht mehr viele der Ureinwohner hier leben, sind sie doch immer noch ein großer kultureller Teil de kanadischen Geschichte und werden von jedem geschätzt und respektiert.


Ich persönlich habe in meiner Zeit hier viele nette Menschen kennengelernt. Die meisten Jugendlichen sind sehr gut erzogen und immer sehr höflich und freundlich. Niemand sagt unfreundliche Dinge oder schließt Leute aus. Man fühlt sich einfach viel besser und positiver. Die Großmutter meiner Gastfamilie hatte mir dies auch bestätigt und mir erzählt, dass die Menschen in Kanada einen großen Wert auf gutes Benehmen und Erziehung legen.
Hilfsbereitschaft und soziales Engagement sind in Kanada weit verbreitet. Fast jeder ist im Ehrenamt aktiv.

 

Soziales Engangement


Man merkt einfach, dass jeder sozialer und hilfsbereiter ist. Fast jeder hilft freiwillig in einem Krankenhaus oder einer Schule. Zum Beispiel meine Rudergruppe hilft an einer Grundschule kleinen Kindern Rudern beizubringen. Auch gibt es an unserer Schule eine sehr ausgeprägte Auswahl an Klubs und Vereinen in denen man sich freiwillig engagieren, seine Hobbys ausführen oder einfach in einer Gruppe Spaß haben kann. Viele der Klubs, zum Beispiel der Key Club organisiert regelmäßig soziale Events. So wird diesen Donnerstag in der Nachbarschaft nach Konservendosen gefragt, die dann an arme Familien mit wenig Essen weiter gegeben werden. Das Ziel ist es, über 10.000 Dosen zusammen zu bekommen. Ich finde, dass das eine wirklich tolle Idee und Aktion ist, weil eigentlich jeder Konservendosen im Keller stehen hat, die besser Familien in kritischen Verhältnissen helfen könnten. Deshalb werde ich dann am Donnerstag dabei sein und mithelfen die Dosen in der Nachbarschaft einzusammeln.


Seit einiger Zeit bin ich Teil des Schulchors. Eine Sache, die ich in Deutschland schon immer machen wollte, aber nie wirklich die Zeit gefunden habe. Ich freue mich riesig, mir endlichen diesen Wunsch erfüllt zu haben. Es bringt mir Spaß ein Teil einer so großen Gruppe zu sein und gemeinsam Publikum mit Klängen zu verzaubern. Bis jetzt hatten wir schon vier Auftritte gehabt, unter anderem in der Stadthalle, in dem Theater und auch Flughafen.
Neben den vielen Klubs und der freiwilligen Arbeit, engagieren sich auch viele für ärmere oder obdachlose Menschen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zu spenden oder Dinge für Bedürftige abzugeben. In meiner Schule gibt es zum Beispiel eine Altkleidersammlung. Diese Klamotten werden dann nun zur Winterzeit an die Ärmeren gegeben, so dass niemand in der Kälte frieren muss.


Ein anderes tolles Projekt ist: Kindern, die sonst keine Weihnachtsgeschenke bekommen würden, weil ihre Eltern sie nicht finanzieren können, eine Freude zu machen und ihnen ein Geschenk zu kaufen. Das Ganze funktioniert so, dass an einem großen Tannenbaum in einer der Malls in Victoria kleine selbstbemalte Papierweihnachtsbaumdekoration von bedürftigen Kindern aufgehängt wird. Auf die Rückseite dieser Dekorationen schreiben dann die Kinder oder Jugendliche ihre Weihnachtswünsche. Jeder der möchte, kann sich dann so einen Wunsch aussuchen und ein Geschenk für das Kind kaufen. Freiwillige Helfer überreichen es dann dem Kind.


Meine Gastfamilie sammelt jedes Jahr Geld für diese Aktion und freut sich immer sehr auf das Kaufen und Übergeben der Geschenke. Meine Gastgeschwister haben sogar eine spezielle Spardose, in die sie jeden Monat einen gewissen Teil ihres Taschengeldes für diesen Zweck hineinlegen. Sie stricken auch selbst Schale für Obdachlose, damit diese nicht frieren müssen.


Ich habe einem kleinen Mädchen ihr Weihnachtsgeschenk gekauft und es hat sich wirklich gut angefühlt. Auch wenn es nur eine kleine Sache ist, die man an einem Nachmittag macht, wird es das Kind, dem das Geschenk überreicht wird, sicherlich sehr glücklich machen.


Soziales Denken ist sehr wichtig für die meisten Menschen in meiner Umgebung. So nehmen sehr viele Familien internationale Schüler, wie mich, bei sich zu Hause auf. Alle sind äußerst nett zu uns und in der Schule gibt es sogar extra Ausflüge oder Veranstaltungen nur für Internationale, um ihnen Kanada besser zu zeigen. Wir haben auch eine sehr nette Lehrerin, die uns internationalen Schülern immer hilft, wenn es Probleme geben sollte. So muss man sich wirklich keine Sorgen machen, wenn irgendwo der Schuh mal drückt. Das ist immer ein beruhigendes Gefühl.  


Kanada hat neben Städten noch viel mehr zu bieten, nämlich Natur! So unberührt und weit kann man kaum noch in Europa Natur erleben. Auf Vancouver Island und in British Columbia ist sie besonders facettenreich. In Victoria, zum Beispiel, haben wir einen Regenwald, das Meer, Seen, Berge und ungefähr fünf Stunden weit weg ein Skigebiet. Alles auf einer Insel! Leider hatte es in den letzten 6 Jahren hier in Victoria keinen Schnee gegeben, aber dieses Jahr hat es das erste Mal wieder geschneit und alle haben sich sehr gefreut. Und ich war dabei! Das war wirklich schön.


In den Wäldern auf Vancouver Island gibt es auch viele wilde Tiere. Man kann besonders viele Hasen und Rehe sehen. Auf meinem Schulweg laufen mir das ein oder andere Mal welche vor die Füße. Zuerst erschrickt man sich, wenn ein Reh vor einem steht. Jetzt habe ich mich schon daran gewöhnt und weiß, dass man sie am besten ignoriert.


Die Natur ist für jeden hier sehr wichtig und wird sehr wertgeschätzt. Recycling wird daher umso ernster genommen und man versucht so wenig wie möglich in den normalen Abfall zu werfen, sondern es zu kompostieren oder zu recyceln.


In der Schule sprechen wir in meinem Foods Kurs auch über dieses Thema. Wir lernen, was man für die Umwelt tun kann. Ein Beispiel war, dass man beim Einkauf darauf achten sollte, dass das Produkt von einem lokalen Bauernhof kommt. Im Unterricht stellen Schüler regelmäßig Präsentationen zu diesen Themen vor. Im Moment arbeiten wir an einem Projekt bei dem wir gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vorgehen. Das Ziel ist es, das Projektergebnis nicht nur in unserer Klasse zu lassen, sondern an der gesamten Schule mehr Aufmerksamkeit zu erwecken.  


Insgesamt finde ich, dass es sehr schön ist, dass die meisten Menschen hier in Kanada sehr sozial denken und nicht vergessen, dass man durch kleine Aufmerksamkeiten vielen Menschen eine große Freude bereiten kann. Vor allem zur Weihnachtszeit halten die Kanadier zusammen. Bislang habe ich auf meinem Auslandsaufenthalt sehr viel über Kanada gelernt: über die vielen Kulturen, gute Erziehung, den sozialen Gedanken und natürlich auch über die Natur und die Umwelt. It´s great to be in Canada!