Donnerstag, 24. August 2017
Herzlich Willkommen bei Weltbürger-Stipendien!

Du befindest dich hier: weltbuerger-stipendien.de » WELTBÜRGER-Stipendiaten » Maraiam S.. (Kanada)

Auslandsjahr in Prince George, Kanada
Mein aufregendes Abschlussjahr

 

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Mariam Samimi
Stipendium gestiftet durch:
weltweiser



Schüleraustausch USA



 

Schulleben in der Abschlussklasse: Unsere Fashionshow

 

 

Vor zwei Wochen habe ich Kanada verlassen und bin nun wieder in Berlin angekommen. Bevor ich beschreibe, wie es sich anfühlt, wieder Zuhause zu sein, möchte ich berichten, was ich in den letzten paar Monaten noch in Kanada erlebt habe.

 

 

Da ich unter anderem in der Schule die 12. Klassenstufe besucht habe, durfte ich auch als Austauschschülerin an all den Zeremonien teilnehmen, die das letzte Highschooljahr so mit sich bringt. Das letzte Schuljahr in Kanada ist immer mit sehr viel Spaß verbunden, da es unglaublich viele Events für die Schüler gibt. Im Februar haben wir Schüler eine Fashionshow organisiert. Jeder, der Lust hatte, konnte daran teilnehmen. Uns wurden zwei Läden in Prince George zugeteilt, die uns passende Outfits zusammengestellt haben. Uns standen verschiedenste Kleidungsstücke zur Verfügung: Ballkleider, Anzüge, Sport-, Jagd-, Sommer-, Motorrad-, Wander- und Alltagsklamotten.

Ich habe einmal Sportklamotten und dann noch ein langes, blaues Ballkleid getragen. Mit unseren Partnern musste wir auf dem Laufsteg kreativ sein und für den Fotografen posen. Die ganze Show wurde sehr professionell vorbereitet. Für alle Mädchen wurden Stylisten gebucht, die für schöne Frisuren und unser Make Up verantwortlich waren. Wir alle waren ziemlich aufgeregt, denn wir hatten 500 Zuschauer. Alles ist gut gegangen und es war ein einmaliges Erlebnis für mich. Am Ende sind alle Schüler auf den Laufsteg gerannt und wir haben glücklich in unseren Pyjamas getanzt.

 

 

Fashionshow Schüleraustausch Kanada Modenschau Schüleraustausch kanada

Fashionshow High School Kanada Auslandsjahr

 

 

 

Prom: Abschlussball mit Polarlichtern

 

 

Im Mai hatten wir dann „Prom“, der Abschlussball an der Highschool, den man aus so vielen Filmen kennt. Nicht nur der Ball am Abend ist das aufregende, es ist der ganze Tagesablauf. Schon Monate vorher war dieser Tag ein sehr häufiges Gesprächsthema zwischen den Schülern. Es ist wirklich verrückt, wie viel Geld für diesen Tag ausgegeben wird. Viele Mädchen kaufen sich ein Kleid für $800, das sie wirklich nur einen Tag benutzen. Mir wurde ein Kleid von einer Freundin geborgt, denn sie hatte im vorherigen Jahr ihren Prom. Für zwei Stunden wurden dann Fotos an der Universität in Prince George aufgenommen und alle haben sich gegenseitig bewundert.

Danach bin ich zusammen mit Freunden in einer Limousine durch Prince George gefahren. Wir sind an vielen Orten wie der Mall und einem Frozen Jogurt Laden angehalten und haben Fotos am Fluss aufgenommen. Die Limousine hat uns zum Prom gebracht, der um 19 Uhr begonnen hat. Alles war elegant geschmückt und es gab ein riesiges Buffet, mit allem Leckeren, was man sich vorstellen kann, wie zum Beispiel einem Schokoladen- Springbrunnen, Sushi oder einer Eis Bar.

Um 24 Uhr war der Prom zu Ende, die Nacht aber noch nicht vorbei. Ich habe bei Freunden übernachtet und wir saßen um ein Lagerfeuer. Alles war wie in einem kanadischen Traum, denn wir hatten das große Glück, am Himmel riesige grüne und pinke, tanzende Polarlichter bestaunen zu können.

 

Prom Abschlussball Kanda High School

 

bschlussball Schüleraustausch kanada

 

Abschlussball Prom Kanda Prince George

 

 

 

Graduation: Diplome, fliegende Hüte und Hüpfburgen

 

 

Der endgültige Schulabschluss wird dann traditionell mit der „Graduation“ gefeiert. Das ist eine Zeremonie, in der viele Reden gehalten werden und die Schüler Auszeichnungen und Stipendien bekommen. Familien und Lehrer erscheinen, die alle sehr vornehm angezogen sind. Wir Schüler sahen aus wie in einem Harry Potter Film, mit dem schwarzen Umhang und der Kappe, die an diesem Tag getragen werden. Natürlich gehört auch dazu, am Ende der zweistündigen Zeremonie die Kappe in die Luft zu werfen.

Am Abend hatten wir "Dry Grad". Dafür haben Eltern und Schüler in den letzten Monaten viel vorbereitet und Geld gesammelt, zum Beispiel mit den Einnahmen der Fashionshow. Anstelle einer großen Party, ist Dry Grad die Nacht nach der Zeremonie, in der man unglaublich viel Spaß hat, ohne Alkohol zu trinken. Es hat abends um 23 Uhr begonnen und wir konnten dann um 5 Uhr morgens abgeholt werden. In dem Sportcenter der Universität konnten wir Schüler uns richtig austoben. Es gab Hüpfburgen, Rodeo reiten, Fotoautomaten und noch viele andere Dinge.

Das Highlight der Nacht war ein Hypnotiseur, der für zwei Stunden gekommen ist. Freiwillige konnten sich melden und auf die Bühne kommen. Ich habe mich bereitgestellt und wurde hypnotisiert. Es ist schwer zu beschreiben, wie es sich angefühlt hat. Alle Schüler, die hypnotisiert waren, sind den Anweisungen des Hypnotiseurs gefolgt und haben gemacht, was er gesagt hat. Als ich wieder „aufgewacht“ bin, war ich etwas durcheinander und müde. Später habe ich ein Video gesehen und musste sehr darüber lachen, was wir in Hypnose auf der Bühne vorgeführt haben. Die anderen Schüler hatten wirklich viel Spaß, all unsere peinlichen Dinge anzuschauen.  Es war eine besondere und lustige Erfahrung, aber ich verstehe wirklich nicht, wie Hypnose funktioniert!

 

Graduation Kanada Schüleraustausch Auslandsjahr Graduation Diploma Kanada Schüleraustausch

 

 

 

Vielfältige Fächerwahl: Cafeteria, Badminton und Outdoor Education

 

 

Der Unterricht in meiner kanadischen Schule ist mir leicht gefallen. Die Schüler nehmen die Schule oft nicht sehr ernst. Mir ist aber aufgefallen, dass das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern besser und persönlicher ist, als ich es von Deutschland gewohnt bin. In meiner Schule gab es eine tolle Schulgemeinschaft, jeder kannte jeden. Die Sportteams wurden immer sehr unterstützt und Spiele mitverfolgt. In der Schule wurde man nie nach seinem Aussehen und Kleidung beurteilt. Es war völlig egal, was man zur Schule getragen hat, ob es eine Jogginghose oder ein Schlafanzug war, das was gezählt hat, waren die ganz verschiedenen Persönlichkeiten jedes Einzelnen! In Kanada war Schule für mich verbunden mit einem spaßigen Ort. Im zweiten Semester habe ich Cafeteria, Englisch, Sport und Mathe als Kurse gewählt. In Cafeteria habe ich meine Kochfähigkeiten verbessert, denn wir haben für die Schüler das Mittagessen gekocht.

 

Cafeteria Kochkurs High School Kanada

 

 

Es war eine sehr gute Entscheidung, dass ich Sport gewählt habe, denn durch dieses Fach habe ich sehr viele verschiedene Sportarten ausprobieren können. Wir waren klettern, haben Judo gelernt und sind tauchen gegangen. Der Höhepunkt war eine vier tägige Wanderung am Mount Robson, dem größten Berg der Rocky Mountains. Seit Monaten haben wir uns im Sportunterricht auf diese Wanderung vorbereitet. Wir haben geübt, unsere Zelte aufzubauen, Mahlzeiten vorzubereiten und gelernt, wie man sich verhalten sollte, wenn man einem Bären begegnet. In Vierergruppen haben wir alles geplant, gepackt und das Gewicht untereinander aufgeteilt. Mein Rucksack hat 16 kg gewogen.

Wann immer wir durstig waren, haben wir unsere Flaschen einfach im Flusswasser aufgefüllt. Es war strengstens verboten, Essen mit in die Zelte zu nehmen. Über Nacht haben wir unser Essen in bärensichere Container verschlossen. Die Natur war atemberaubend, wie ich es noch nie gesehen habe! Wir haben einen Gletscher berührt und sind in eine Höhle gekrochen. Wir hatten eine klare Sicht auf den Mount Robson und den davorliegenden, tiefblauen Gletschersee.

An einem Tag haben wir die Grenze von British Columbia nach Alberta überquert. Wir haben riesige Wasserfälle erkundet und waren sogar im Gletscherwasser schwimmen. In den Nächten war es sehr kalt, bis zu -10°C. In den vier Tagen sind wir insgesamt 68 km gelaufen. Dieser Trip war wie in einem kanadischen Traum, nur dass ich die Natur wirklich hautnah erleben konnte!

 

Trekking Kanada Wandern Schüleraustausch

 

Wandern Outdoor Education Kanada Gletschersee Kanda Rocky Mountains

 

Wandern Rocky Mountains Auslandsjahr Kanada

 

 

Im März habe ich angefangen, im Badminton-Team der Schule zu spielen. Der Sport war neu für mich, aber ich hatte von Anfang an Spaß und habe viel gelernt. Mit unserem Team sind wir zu einem Turnier in Kelowna, einer Stadt im Süden British Columbias gefahren und haben uns untereinander sehr gut kennengelernt. In Prince George sind wir dann Meister geworden.

 

 

 

Gastfamilie: Mein Vater ist ein Mountie

 

 

Mit meiner Gastfamilie hatte ich großes Glück! Meine schwedische Gastschwester und ich haben uns sehr befreundet und waren immer füreinander da. Sie hat mir die schwedische Kultur nähergebracht und ich habe ihr meine Traditionen erklärt. Unsere Gasteltern haben uns gut in deren Familie aufgenommen und sich viel Zeit genommen, um Ausflüge mit uns zu unternehmen. Mein Gastvater arbeitet als ein Polizist und ist auch ein Mitglied der Royal Canadian Mountain Police. Man kann die RCMP als die Nationale Polizei Kanadas verstehen. Er hat einen Preis dafür bekommen, dass er seit 25 Jahren für die RCMP arbeitet. Das Outfit dieser Polizisten ist ein Wahrzeichen Kanadas, zu der eine rote Jacke, Handschuhe, Stiefel mit Sporen und ein Bauchgürtel gehört.

 

Gastfamilie kanda Kanda Gastvater

 

 

Kanada: Ein unvergessliches Abenteuer

 

In den letzten 10 Monaten hatte ich die Möglichkeit, mir in einem unbekannten Umfeld ein neues Leben aufzubauen. Es war eine Herausforderung, die ich bewältigt habe und die mich als Mensch positiv verändert hat. Ich denke, dass ich erwachsener geworden bin und sich mein Horizont in vielen Bereichen erweitert hat. In diesem Jahr ist mir noch einmal so klar geworden, wie glücklich es einen macht, Familie und Freunde zu haben. In Kanada habe ich viele Menschen mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten kennengelernt, die mir alle so wichtig geworden sind. Egal, wo auf der Welt man ist, man kann immer Freunde finden.

Sich von dem Haus, der Schule, der Gastfamilie, den Freunden und dem Leben in Prince George im Allgemeinen zu verabschieden, ist mir sehr schwer gefallen. Der Abschied, als ich mich von Berlin auf den Weg nach Kanada gemacht habe, ist mir natürlich auch nicht leicht gefallen, aber ich wusste, dass ich in 10 Monaten zurückkehren werde. Dieses Mal musste ich mein Leben in Prince George zurücklassen und mich für immer von dieser schönen Zeit dort trennen. Doch nun habe ich Freunde in allen Ecken der Welt und eine unvergessliche Zeit hinter mir.

 

 

In Berlin am Flughafen wurde ich sehr laut und aufgeregt von meiner Familie und Freunden in Empfang genommen. Es war komisch, sie alle wieder in den Arm zu nehmen, nachdem wir uns so lange nicht mehr gesehen hatten. Besonders schwer ist es mir gefallen, deutsch zu sprechen. Noch im Flugzeug hatte ich mich mit einer deutschen Stewardess automatisch auf Englisch unterhalten.

Aber nach einigen Tagen habe ich mich daran auch wieder gewöhnt. Bei mir Zuhause in der Wohnung hat sich eigentlich nicht wirklich etwas verändert. Auf einmal hat sich alles angefühlt wie immer, als wäre ich nie weg gewesen und mein Auslandsjahr nur ein Traum. Das wollte ich nicht. Ich hatte mich in den 10 Monaten verändert und mir gewünscht, dass man mir es Zuhause auch ansieht und ich nicht wie genau derselbe Mensch betrachtet werde, den ich „zurückgelassen“ hatte.

Doch dann habe ich mein Leben in Berlin in die Hand genommen und die Atmosphäre des Stadtlebens genossen. Außerdem tat es mir so gut, alles mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichen zu können. Mit meinen kanadischen Freunden und meiner Gastfamilie habe ich viel Kontakt. Meine schwedische Gastschwester und ich planen schon, wann wir uns gegenseitig besuchen können. Dieses Abenteuer in Kanada bringt eigentlich nur noch mehr Abenteuer mit sich, denn mein Fernweh ist geweckt!

 

Willkommen zu Hause Auslandsjahr Schüleraustausch

 

 

Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt für mich. Da mir das Auslandsschuljahr nicht angerechnet wird, werde ich nächstes Schuljahr in die 11. Klassenstufe einsteigen und neue Leute kennenlernen. Ich habe beschlossen, eine neue Sportart anzufangen und mein Zimmer umzuräumen. Mittlerweile bin ich sehr glücklich, wieder Zuhause zu sein und meine Geschichten mit anderen Menschen teilen zu können. Für ein Jahr ins Ausland zu gehen ist eine sehr gute Entscheidung, die ich jedem wirklich weiterempfehlen kann, denn sie prägt einen fürs Leben.

 

 

Herzlichen Dank für die finanzielle Unterstützung an weltweiser, die es mir mit dem Stipendium ermöglicht haben, meinen Traum zu verwirklichen!