Sonntag, 17. Dezember 2017
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Meine Reisen durch Mexiko

 

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Felisa M.
Stipendium gestiftet durch:
Carl Duisberg Centren



Schüleraustausch USA



Mit meinen beiden Koffern in der Hand habe ich mich vor einem Monat auf den Weg zu einem Abenteuer nach New Mexico, Rio Rancho begeben; mit dem Ziel nicht nur mit Gepäck, sondern auch mit reichlichen Erfahrungen und unvergesslichen Erinnerungen nach Hause zurückzukehren.


Vor einem Jahr hätte ich mir nie vorstellen können Monate ohne meine Familie und meinen Freunden in einer völlig fremden Umgebung zu leben. Doch aus einem kleinen, flüchtigen Gedanken entwickelte sich der große Wunsch für ein Auslandsjahr, um meine Sprachkenntnisse aufzubessern, eine neue Lebensweise kennenzulernen und internationale Kontakte zu knüpfen.


Vorbereitungen


Das etwa halbe Jahr Vorbereitung meines Auslandsaufenthaltes war ein anstrengender Prozess; ich musste viele Dokumente ausfüllen und mich um verschiedene Angelegenheiten kümmern, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. An einem Seminarwochenende wurden wir sehr gut auf das Auslandsjahr vorbereitet. Wir haben unter anderem gelernt, auf was wir uns einstellen müssen oder wie wir uns in gewissen Situationen verhalten sollen. Außerdem konnten wir uns mit anderen auseinandersetzen, denen das gleiche Abenteuer bevorsteht. Je näher die Zeit heranrückte, desto greifbarer wurde mein Traum, desto höher schlug mein Herz. In den letzten Tagen in Deutschland wirbelten tausend Gedanken in meinem Kopf: „Wie werde ich mich mit meiner Gastfamilie verstehen?“ „Was, wenn ich keinen Anschluss an meine Schulkameraden finde?“  „Wie werde ich mit meinen Sprachfähigkeiten zurechtkommen?“ Aber all die Sorgen und Ängste wurden von einem anderen Gefühl überwogen: Vorfreude!

 


Flug und Ankunft


Am 13. August war es soweit: Ich sollte mit einem Zwischenstopp in Atlanta nach New Mexico fliegen. Zu meinem Erstaunen war ich in der Anwesenheit meiner Familie, die mich zum Flughafen begleitet hatte, überhaupt nicht aufgeregt. Erst als ich mich im Flugzeug über den Wolken befand und wusste, dass ich nun auf mich alleine gestellt war, fing ich an nervös zu werden. Obwohl ich auf dem Weg nach Atlanta mit meiner Sitznachbarin nett plauderte, war mein Flug dennoch unangenehm, da mich starke Bauchschmerzen plagten. Als ich nach meinem zweiten Flug nachts müde an meinem Zielflugzeug in Albuquerque ankam, wurde ich herzlich von meiner Gastfamilie mit einem süßen Willkommensplakat, einer kleinen Geschenketüte und festen Umarmungen  empfangen, sodass ich mich direkt wohl fühlte und sich all meine Sorgen auflösten.

 


Meine Gastfamilie


Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter, meinem Gastvater, meinen zwei Gastbrüdern, die bereits aus dem Haus ausgezogen sind, meiner Gastschwester aus Brasilien und dem Haushund Kicker. Meine Gastmutter arbeitet als Koordinatorin der Partnerorganisation von Carl-Duisberg, weshalb die Familie schon mehrere Austauschschüler/innen aufgenommen hat. Meine Gastschwester, mit der ich mich auf Anhieb sehr gut verstand, ist gleich alt und wir besuchen auch dieselbe High School. Es ist schön eine Person im Haus zu haben, die das gleiche Abenteuer durchläuft und mit der man sich über Alles austauschen kann. Zudem lerne ich dadurch nicht nur etwas über die amerikanische Kultur und Lebensweise, sondern auch über die brasilianische.

 


Erster Tag in den USA


Am ersten Tag in den USA führte meine Gastmutter mich und meine Gastschwester in unsere neue High School ein, wo für uns gleich am nächsten Tag der Unterricht beginnen sollte. Vor der Schule trafen wir auf zwei weitere Austauschschülerinnen aus Spanien, die ebenso von der Austauschorganisation meiner Gastmutter betreut werden. Wir alle waren sehr aufgeregt und beeindruckt von dem gigantischen Schulgebäude, das sich hinter uns erstreckte.

 

Die High School wird von etwa 3000 Schüler/innen besucht, mehr als das Dreifache von meiner Schule in Deutschland. Sie verfügt dementsprechend über eine beträchtliche Anzahl an Klassen- und Fachräumen, einer riesigen Sporthalle und Mensa sowie einem weitläufigen Football-Feld, wie wir auf der kleinen Führungstour staunend erfuhren. Anschließend aßen wir zusammen mit unseren Gastfamilien Pizza und lernten uns besser kennen. Die Tatsache, dass ich nun drei Mädchen auf meiner High School kannte, nahm mir etwas die Angst vor dem ersten Schultag.

 

Cleveland Highschool

 


Erster Schultag


Die Nacht vor dem Schulbeginn hatte ich einen unruhigen Schlaf, teils wegen der Aufregung teils wegen der tausend Gedanken, die mir durch den Kopf schossen und mich nicht in Ruhe ließen. Am Morgen standen meine Gastschwester und ich pünktlich auf, um mit dem Schulbus etwa 20 Minuten zur High School zu fahren. Jedoch hatten wir uns mit der Fahrzeit vertan und standen eine halbe Stunde zu früh an der Haltestelle. Nichtsdestotrotz lief der Rest meines Schultages wie am Schnürchen und ich hatte mir umsonst Sorgen gemacht. Mithilfe einer Abbildung aller Räume, meines Stundenplans und freundlichen Schulkameraden konnte ich es vermeiden, mich auf dem weitläufigen Campus zu verlaufen. Auch bereiteten mir meine Englischkenntnisse  keine Schwierigkeiten, sodass ich dem Unterricht problemlos folgen konnte.

 

Das einzige Problem war meine Unsicherheit und Scheu Leute anzusprechen und mich vorzustellen. Das ist aber menschlich und vollkommen normal für den ersten Schultag, wenn man sich in einer völlig ungewohnten Umgebung befindet, in der nicht die Muttersprache gesprochen wird und tausend neue Eindrücke auf einem runterprasseln. Als die Schulklingel die Lunch-Pause anläutete, war ich froh meine Gastschwester unter all den fremden Gesichtern zu entdecken. Am Ende des Tages war ich zwar  erschöpft, freute mich dennoch auf den nächsten Schultag und war ambitioniert, neue Freundschaften zu schließen.

 


Amerikanische High Schools


Anders als in Deutschland müssen die Schüler von Raum zu Raum wechseln, da jede/r einzelne Lehrer/in seinen/ihren eigenen Klassenraum besitzt, den sie nach ihrem Geschmack und der Fachrichtung persönlich gestalten können. Ein weiterer Unterschied ist, dass wir jeden Tag den gleichen Stundenplan verfolgen und jede/r Schüler/in insgesamt sieben Fächer belegt. Darunter fallen vier Pflichtfächer, die in meinem Fall Pre AP Algebra 2, US History, Englisch und Biologie sind. Die restlichen drei Fächer sind Wahlfächer, wobei man bei der Wahl keine Einschränkungen hat und frei nach Geschmack, Interesse und Vorliebe aussuchen kann.

 

Ich habe mich für Chor, Pottery and Sculpture und Pilates entschieden, wodurch ich mein musikalisches, künstlerisches und sportliches Interesse gedeckt habe. Wegen der Wahlfächer habe ich nicht nur Unterricht mit Schülern der 11. Klasse, sondern auch mit Freshmen (9. Klasse), Sophomores (10. Klasse) und Seniors (12. Klasse). Die gemischten Kurse bieten mir die Möglichkeit, immer wieder neue Menschen kennenzulernen und Freundschaften mit Schülern aller Jahrgänge zu knüpfen.


Der Schulstoff auf meiner High School ist definitiv einfacher als der Lehrplan im deutschen Schulsystem fordert, was aber nicht bedeutet, dass man sich die ganze Zeit ausruhen kann. Jede Woche werden regelmäßig Tests, Quizze und Examen geschrieben und Hausaufgaben eingesammelt, kontrolliert und benotet. Alle Punkte werden dann im Notensystem eingetragen und online hochgeladen, sodass die Schüler stets ihren Notenstand überprüfen können. Dies treibt die Schüler dazu an, immerzu im Unterricht aufzupassen und die Schul- bzw. Hausaufgaben sorgfältig zu erledigen.


Die Schule beginnt morgens um 7:20 Uhr und endet um 14:30 Uhr, mit Ausnahme von Mittwoch, an dem der Unterricht bis 13:40 Uhr dauert. Nach Schulschluss werden zahlreiche Aktivitäten angeboten, an denen man teilnehmen kann, wie zum Beispiel Acting, Speech and Debate, Science Olympiad und diverse Sportclubs. Der Beitritt in einigen Sportteams erfordert das Absolvieren der Try-outs, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist und die Sportteams auf Wettkämpfe trainiert werden. Beliebte Sportarten an meiner Schule sind Football, Soccer, Basketball, Volleyball und Cheerleadern.

 

Für mich stand von vornherein fest, dass ich mich einem Sportteam anschließen möchte, da ich mich gerne körperlich aktiv halte und den Teamgeist liebe. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich für Volleyball, weil ich auch in Deutschland Mitglied eines Volleyballvereins bin und positive Rückmeldungen über das Sportteam erhalten hatte. Vorab musste ich jedoch verschiedene Dokumente ausfüllen und mich medizinisch untersuchen lassen, was zu einer Verzögerung von einem Monat führte. Trotz meines späten Beitritts nahmen mich alle Volleyballspielerinnen sofort herzlich auf.

 

Wegen meines Verzugs sind mir meine Teammitglieder jedoch um vier Wochen Training voraus, was mich noch mehr anspornt, mein Bestes zu geben und konzentriert und diszipliniert zu trainieren. Der Sport nimmt tatsächlich einen Großteil meiner Freizeit ein, da ich ihn nahezu jeden Schultag, mit Ausnahme der Wettkampftage, von 17:00 Uhr bis 19:30 Uhr ausübe. Jeden Abend falle ich müde ins Bett, da das Training sehr intensiv und anstrengend ist. Bei Wettkämpfen lastet Druck auf den Volleyballspielerinnen, da sie die Coaches, das Team und sich nicht mit ihren Leistungen enttäuschen wollen. Aber gerade durch dieses intensive Training und das Teilen von Tief-und Höhepunkten wächst man zu einer Großfamilie zusammen.


Sport wird an meiner High School großgeschrieben und alle Schüler/innen verbindet ein starker Schoolspirit. Gerade läuft die Football-Season und dementsprechend finden Games statt, die man definitiv nicht verpassen sollte! Am Tag eines großen Football-Games gibt es kürzere Unterrichtsstunden und die Schule endet mit einer Pep-Rally, einer großen Versammlung. Diese findet in der Sporthalle statt, in der alle Schüler nach Abteilung der Jahrgänge sitzen. Die Pep-Rally wird mit der Nationalhymne eröffnet und mit lautstarkem Bejubeln angeführt. Die Jahrgänge treten in kleinen Spielen gegeneinander an oder Lehrer und Schüler duellieren sich.

 

Cheerleader- und Tanzteams performen erlernte Choreographien, alle Sportteams werden angekündigt und bejubelt  und das Programm wird vom Chor und der Marchband musikalisch begleitet. Ich freue mich immer auf dieses keine Highlight am Ende des Schultages, da die Atmosphäre großartig ist.


Am Abend wird das Schulstadion mit einer großen Menschenmenge gefüllt, die sich das Spiel ansieht. Wenn ich ehrlich bin, verfolge ich das Football-Game die meiste Zeit nicht, sondern nutze die Gelegenheit um neue Menschen kennenzulernen und oder mit meinen Freunden zu plaudern. Während des Spiels bleibe ich nie auf einem festen Platz sitzen, sondern ziehe durch die Menge zu verschiedenen Freundesgruppen. Wegen dem Schoolspirit und die ausgelassene Stimmung habe ich immer sehr viel Spaß. Nach dem Spiel fahren die meisten Jugendlichen noch zu einer bestimmten Pizzeria, um dort den Abend ausklingen zu lassen.

 


Erlebnisse/Aktivitäten


Das Wochenende ist üblicherweise mit Aktivitäten gefüllt, daher ist mir nie langweilig. Am ersten Samstag nach meiner Ankunft ging ich mit meiner Gastfamilie und Gastschwester erst zum  Einkaufen und anschließend nachmittags zu der Hochzeit von sehr guten Freunden meiner Gastfamilie.  Wir blieben dort bis spät in die Nacht hinein, wobei wir uns die Bäuche mit der Hochzeitstorte und anderen Leckereien füllten und uns die Füße müde tanzten.

 

Am Sonntagmorgen besuchte ich zum ersten Mal die Kirche meiner Gastfamilie, die sich doch sehr von katholischen Kirchen in Deutschland unterscheidet. Die Messe findet im Saal eines Gebäudes statt, der an den Wänden mit religiösen Zitaten und Postern versehen ist und in dem Holzbänke hintereinander gereiht sind. Im Saal befindet sich eine Bühne, auf der Keyboard, Bassgitarren und Schlagzeug aufgestellt sind, da eine Band die Kirchenlieder live spielt. Die Anwesenden können anhand von Songtexten, die auf eine Leinwand projiziert werden, mitsingen.

 

Nach einigen Einführungsliedern wird jeder von dem Pastor, der Alltagskleidung trägt, begrüßt und willkommen geheißen. Nachdem er von einem Podest auf der Bühne die neusten Nachrichten mit Bezug auf Kirche, Gott und Religion vorgetragen hat, fängt er mit der Tageslektion an, die einer PowerPoint-Präsentation gleicht. Er überbringt Lebensweisheiten, erzählt religiöse und historische Geschichten und nimmt dabei Stellung zur Bibel. Die Messe wird dann nach anderthalb Stunden mit einem finalen Lied abgeschlossen. Auch die anwesenden Personen verhalten sich während dem Gottesdienst anders als in Deutschland: Sie sind emotional, recken die Hände in die Höhe, um Gott zu empfangen, applaudieren laut und stimmen dem Pastor mit Rufen zu. Auf jeden Fall finde ich die Unterschiede sehr interessant und bin froh, diese Erfahrung machen zu können.


Nach der Messe fuhr ich mit anderen Austauschschülerinnen, mit denen ich mich während meiner ersten Schulwoche befreundet hatte, zur Mall, um zu shoppen. Am darauffolgenden Freitag sah ich mir das erste Football-Game an und fuhr danach zu meiner Freundin, um dort zu übernachten. Da meine Gastmutter, wie oben erwähnt, die örtliche Koordinatorin der Partnerorganisation ist, fand das erste Orientierungstreffen für Austauschschüler bei uns zu Hause statt. Nachdem wir uns alle einander vorgestellt hatten, setzen wir uns in einen Diskussionskreis und meine Gastmutter besprach mit uns die Regeln und Erwartungen. Die Austauschüler konnten ihr Fragen stellen oder sich mit Problemen an sie wenden. Zwischendurch bestellten wir Pizza und lernten uns beim Essen näher kennen. An diesem Nachmittag habe ich Kontakte mit einem französischen, einem taiwanischen und zwei deutschen Jungen sowie mit zwei spanischen und einem deutschen Mädchen geknüpft.


Meine Gastschwester und ich nehmen uns gewöhnlich am Sonntag Zeit für die Gastfamilie. Wir gehen gemeinsam zur Kirche, essen entweder daheim oder in einem Restaurant zu Mittag, spielen Gemeinschaftsspiele, besuchen Verwandtschaft oder unternehmen Ausflüge.


An einem Wochenende am Samstag hatte ich Geburtstag. Meine Gasteltern schenkten mir in der Woche davor von Sonntag bis Freitag jeden Tag eine süße Kleinigkeit, um meine Geburtstagswoche zu zelebrieren. An meinem eigentlichen Geburtstag fuhr ich zuerst mit meiner Gastfamilie am Vormittag zum Brunchen in ein Restaurant und dann mit Freunden in einen Freizeitpark. Am Abend feierte ich eine Übernachtungsparty, und es wurde traditionell Geburtstagskuchen gegessen und Geschenke ausgepackt.


Am nächsten Tag fuhren meine Gastfamilie, zwei meiner Freunde und ich auf einem Road Trip in die Berge zu den Hot Springs, das sind heiße Quellen. Dort konnten wir eine Stunde in drei natürlichen Quellen mit heißem Wasser entspannen und die wunderschöne Aussicht auf die Berglandschaft genießen. Nach dem Mittagessen hielten wir auf der Heimkehr noch an einigen anderen Orten wie an einer Schlucht und einem beeindruckenden Gebirgszug an.

 

Roadtrip Hot Springs


Den Freitag darauf verbrachte ich damit, in einer etwas weiter entfernen Einkaufsmall mit meinen Freunden nach einem Kleid für Homecoming zu suchen. Am Samstagabend wurde ich zur ersten Geburtstagsfeier eingeladen, auf der ich viele neue Leute auch von anderen Schulen kennenlernte.


Am nächsten Montag begann die Homecoming-Woche, in der man sich an jedem Schultag zu einem bestimmten Motto verkleiden konnte: Montag = Marvel Monday, Dienstag = Fantasy Fiction, Mittwoch = Sports Movie Star, Donnerstag = Famous Person, Freitag = Spirit Day. Zusätzlich wurden in den Lunch-Pausen lustige Spiele gespielt, Fotos vor einer zum Motto passenden Leinwand geschossen und die Musiklautsprecher laut aufgedreht.


Am Dienstag der Woche wurden meine Gastschwester und ich früher von der Schule befreit, um zur State Fair zu fahren. State Fairs sind jährliche Veranstaltungen, die einem Volksfest bzw. einem Jahrmarkt ähneln und auf denen landwirtschaftliche Produkte ausgestellt werden, die gegeneinander in Wettbewerben antreten. Zur Feier des Geburtstages meines 96-jährigen Gastgroßvaters sahen wir uns am Abend zusätzlich ein Rodeo an.


Am Donnerstag wurden die Homecoming-Queen und der Homecoming-King gekrönt, die aus etwa 60 Bewerbern von der Schule gewählt wurden. Am Freitag wurden dann während der Pep-Rally die Personen mit den besten Kostümen aufgerufen und mit Preisen belohnt. Ursprünglich plante ich, mit Freunden in die Mall zu gehen und anschließend zum Football-Game zu fahren, das den krönenden Abschluss der Homecoming-Woche darstellen sollte. Jedoch fühlte ich mich am Nachmittag sehr schlecht, sodass ich vorzeitig nach Hause ging, um mich auszuruhen. Natürlich war ich traurig, einer der größten Spiele zu verpassen, jedoch wollte ich mich auskurieren, um fit für den Homecoming-Ball zu sein, was mir wichtiger erschien. Ich war sehr aufgeregt, da ich den Homecoming-Ball definitiv zu einer der besten High-School Erlebnissen zählte.


Nachdem meine Gastschwester und ich uns fertig gemacht hatten, schossen meine Gasteltern einige Fotos und fuhren uns dann zu einem Restaurant, wo wir mit unseren Freunden verabredet waren. Nach dem Essen kamen wir schließlich um acht Uhr an der Schule an, wo sich schon eine große Menschentraube durch den Eingang drängelte. Die Tanzfläche war draußen unter einem großen Zelt aufgebaut und wurde von bunten Lichtern beleuchtet. Meine Freunde und ich schlängelten uns durch die überfüllte Fläche nach vorne, wo der DJ am Mischpult die Lieder auflegte.

 

Homecoming

 

In der ersten Stunde hatten wir riesigen Spaß und die Stimmung war mehr als großartig, obwohl man von allen Seiten geschubst wurde. Leider meinte es das Wetter nicht gut mit uns und aufgrund eines Gewitters wurde die Tanzfläche evakuiert und wir wurden in der Sporthalle untergebracht. Auch wenn dort Musik lief konnte die große und hell beleuchtete Sporthalle nicht die magische Atmosphäre herstellen wie draußen auf der engen Tanzfläche. Nach einer Weile ließ das Unwetter etwas nach, und wir durften wieder die Tanzfläche betreten, aber nach etwa 20 Minuten verschlechterte sich das Wetter wieder und der Ball wurde vorzeitig abgebrochen. Ich war schon etwas enttäuscht, wusste aber natürlich, dass der Mensch über die Wetterlage keine Macht ausüben kann.


Nach dem Abbruch fuhren wir zum Haus einer Freundin, um bei ihr zu übernachten, wo die Familie uns mit einer Menü-Karte voller leckerer Snacks überraschte. Wir tauschten uns über die Ereignisse auf dem Ball aus und schliefen dann müde ein.
 

 

Eingewöhnungsphase


Die ersten Tage fühlten sich wie ein Traum an, denn ich konnte nicht realisieren, dass ich mich tatsächlich in den USA befand! Ich hatte das Gefühl, als wäre es gestern, dass ich den Beschluss für ein Auslandsjahr gefasst hatte. In der ersten Woche sog ich so viele neue Eindrücke und Erfahrungen auf, dass ich am Ende des Tages den Eindruck hatte, dass ich sie gar nicht alle im Kopf verarbeiten konnte. Heimweh hatte ich nicht, da ich mich sofort in der neuen Umgebung wohl fühlte und die ganze Aufregung den Gedanken an mein Zuhause in Deutschland verdrängte.

 

Ich musste mich völlig an die neuen Lebensumstände und die neue Alltagsroutine gewöhnen, was ich einigermaßen gut hinbekommen habe. Das habe ich nicht wenig den tollen Menschen zu verdanken, die mir das Einleben erleichtert haben. In der Anfangsphase besprach ich mit meiner Gastfamilie alle Erwartungen und Regeln, die Unklarheiten vermeiden und  ein harmonisches Zusammenleben erzielen sollten. Was die Hausarbeit betrifft, sind meine Gastschwester und ich ein eingespieltes Team. Wir teilen uns die Arbeit, das heißt das Spülen, das Waschen von Schmutzwäsche, das Aufräumen und das Putzen, wodurch sie viel schneller erledigt ist und manchmal sogar Spaß macht!

 

In der Schule habe ich mich anfangs etwas verloren gefühlt, aber nach einiger Zeit hatte ich gute Freunde gefunden, mich in der Schulroutine eingefunden und den Überblick über das große Schulgebäude gewonnen. An manchen Tagen vermisse ich natürlich mein Heimatland oder ich ertappe mich dabei, wie ich alles mit Deutschland vergleiche, aber dann rufe ich mir in Erinnerung, was für ein unglaubliches Erlebnis ich gerade durchlebe.

 


Abschlusswort


Abschließend möchte ich an alle zukünftigen Austauschschülern appellieren, niemals die Geduld zu verlieren! Früher oder später wird der Zeitpunkt kommen, wo ihr merkt: Ich bin angekommen. Ich habe mich eingelebt. Ich fühle mich wie Zuhause. Gebt niemals auf und lasst euch nicht die wunderbare Zeit  von traurigen Gedanken verderben. Geht auf die Menschen zu, zeigt Interesse an ihrer Kultur und erzählt ihnen von eurer Heimat.  Wenn ihr euch an Problemen oder gewissen Schwierigkeiten stört, redet offen darüber mit eurer Gastfamilie, Freunden oder Bezugspartnern. Eine klare Aussprache hilft, sich in die Situation des anderen zu versetzen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Wie sich das Auslandsjahr entwickelt, hängt letztlich von eurer Einstellung ab.