Montag, 23. Juli 2018
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10 Staaten in 3 Monaten
Meine erste Zeit in den USA

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat
Felix N.
Stipendium gestiftet durch:
Carl Duisberg Centren



 

Stipendiat Schueleraustausch USA

Teil 2:

 


Nun bin ich schon für 5 Monate in den USA. Wie schnell die Zeit vergeht. In den letzten Monaten ist viel passiert, und ich habe viele neue Erfahrungen gemacht.
Eines der großen Events war Weihnachten und eine große Reise nach Disney World danach. Die Weihnachtszeit beginnt hier unmittelbar nach Thanksgiving mit ganz viel Werbung für alle möglichen Dinge, die man zu Weihnachten schenken oder unternehmen kann. Ab dann fangen die Leute an, ihre Häuser mit den ausgefallensten Sachen zu schmücken. Ein Beispiel ist eine Lichtshow auf einem Haus, die durch Projektoren verschiedene Sachen wie Schneefall oder einen Schlitten projizieren. Andere umhüllen das ganze Haus in Lichterketten oder stellen aufblasbare Figuren in den Vorgarten. Für mich schien es, als wäre das alles ein riesen Wettbewerb zwischen den Hausbesitzern. Wir hatten kleine rote und grüne LED Strahlen, die unser Haus schmückten.

 


Sobald die Weihnachtszeit anfing, merkte man wie der Verkehr zunahm, da jeder irgendetwas einkaufen musste. In dieser Zeit war sogar der Parkplatz von unserer sonst eher weniger besuchten Mall gut gefüllt. Was mich erstaunte, war, dass alle zum Weihnachtsshoppen gegangen sind, aber sich am Ende die Geschenke doch selber gekauft haben.
Als der Dezember vor der Tür stand, haben wir unseren Tannenbaum aufgestellt. Dieser war zwar aus Plastik, aber meine Gastmutter wusste genau, wie man diese Tatsache versteckt. Dann wurden noch weitere Dekorationen aufgestellt oder an die Wand gehangen und Weihnachten konnte kommen.

 


Da wir am 25sten nach Florida aufbrechen wollten, haben wir Weihnachten ein bisschen vorgezogen. Am 23sten kam die ganze Familie zu uns und wir haben Weihnachten wie Amerikaner mit ganz viel Essen gefeiert. Was mir aufgefallen ist, dass alle Geschenke bereits unter dem Baum lagen, sobald sie eingekauft und eingepackt waren. An Weihnachten spielte eine Person den Weihnachtsmann und teilte alle Geschenke aus. Ein weiteres Highlight war, dass wir am 24sten alle zusammen zu einem NFL Spiel gegangen sind, die Cincinnati Bengals gegen die Detroit Lions. Wir (die Bengals) haben sogar in einem knappen Spiel gewonnen. Alles in allem war es eine neue Art Weihnachten zu feiern, die mir aber durchaus sehr gut gefallen hat.

 

Gastfamilie Schüleraustausch

 


Am 25sten ging es dann auch schon mit dem Auto Richtung Orlando, Florida, nach Disney World. Die gesamte Fahrt dauerte insgesamt ca. 18/19 Stunden, aber wir haben eine Pause in der Mitte gemacht. Mit den Meilen, die wir näher nach Florida kamen, merkte man, wie es immer wärmer wurde. In Cincinnati, wo meine Gastfamilie und ich leben, kam gerade eine Kältewelle an und es waren -15 Grad Celsius. In Florida waren es gemütliche 20 Grad. Wir hatten in Disney World das volle Programm mit vier Tagen und besuchten jeden Tag einen anderen Park.

 

Disneyworld Ausflug Schüleraustausch

 

Das war natürlich ganz schön teuer, aber ich kann sagen, dass es sich gelohnt hat. Der Walt-Disney-Park hat vier verschiedene Vergnügungsparks: Magical Kingdom, Animal Kingdom, Epcot und Hollywood Studios. Alle Parks haben verschiedene Themen und ganz viele Achterbahnen. Jeden Abend sind wir essen gegangen und mussten nicht auf den Preis achten, da wir einen Dining Plan von Disney hatten. So konnten wir ein Mal mit den Charakteren aus Cinderella zu Abend essen und ein anderes Mal hatte ich ein sehr feines Stück Ente und mein Gastbruder hatte Schwertfisch.

 

Ausflug Disneyworld Gastfamilie

 


Silvester:

 


Nach unserem Aufenthalt in Florida machten wir uns auch schon wieder auf den Heimweg. Da unsere Schule am 2ten Januar angefangen hat, konnten wir Silvester nicht dort verbringen. Das wäre sicher ein riesen Erlebnis gewesen. Deshalb sind wir am 31sten die ganze Strecke zurück ins kalte Ohio gefahren, wo uns sogar ein bisschen Schnee erwartet hat. Meine Gastfamilie hat mir erklärt, dass Silvester für sie ein ganz normaler Tag sei und sie Neujahr nicht feiern würden.

 

Gastfamilie USA Ohio

 


Mein Englisch:

 


In den 5 Monaten, in denen ich nun schon hier in Ohio bin, finde ich, hat sich mein Englisch sehr verbessert. Inzwischen muss ich gar nicht mehr darüber nachdenken, bevor ich etwas sage. Es funktioniert ganz von alleine. Ich finde, dass ich die Sprache mit der Zeit, die ich hier verbringe, immer fließender sprechen kann. In manchen Situationen, in denen wir bspw. über etwas diskutieren, muss ich ein Wort nachschauen oder es mir erklären lassen, aber das macht keine Umstände. Wenn ich mit neuen Leuten spreche, fällt ihnen oft mein Akzent auf und sie fragen, wo ich herkomme. Viele sind total begeistert, wenn sie hören, dass ich aus Deutschland bin und loben mein Englisch.

 


Lebensstil:

 


Der Lebensstil, den die meisten Leute hier in den Vororten von Cincinnati verfolgen, ist sehr unterschiedlich zu dem was ich gewöhnt bin. Was mir auffällt ist, dass das Internet und der Fernseher sehr wichtige Elemente des Alltags darstellen. Oft wird direkt der Fernseher angeschaltet, wenn man nach Hause kommt und gilt dann als Beschäftigung des restlichen Tages.

 


Die Art zu Essen mag zuerst verlockend klingen, aber meine Gastfamilie isst inzwischen 3-4-mal in der Woche Fast Food von verschiedenen Restaurants. Nach einer Weile vergeht einem dann auch die Lust darauf und man vermisst das leckere gesunde Essen von Zuhause. Aber wenn meine Gastmutter richtig kocht und nicht nur etwas aufwärmt, dann schmeckt es sehr gut. Daher ist meine Meinung über die Essenskultur gespalten und so ein gutes saftiges Steak bringt mich dann doch oft wieder dazu, das Essen sehr gut zu finden.

 


Sehr selten sieht man hier mal jemanden spazieren gehen oder eine Runde mit dem Fahrrad fahren. Hier in den Vororten gibt es leider keine Art von öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich muss jemanden fragen, ob er mich mit dem Auto fahren kann. Zuerst habe ich mir gedacht, ich könnte vielleicht mit dem Fahrrad ein bisschen eigenständiger sein, aber alles hat viel zu große Entfernungen, um dort hin zu radeln. Dazu kommt noch, dass man auf einer Straße fahren müsste, da es meistens keine Bürgersteige gibt. Als ich meinen Gastbruder gefragt habe, warum er kein Fahrrad hat, meinte er, dass er zu alt dafür sei (er ist 16), denn ein Fahrrad ist nur ein Spielzeug für Kleinkinder. In Deutschland habe ich mein Fahrrad benutzt, um alles Mögliche zu erreichen, deshalb war ich von dieser Antwort sehr erstaunt.

 


Schule:

 


Kurz nachdem ich meinen letzten Bericht geschrieben habe, hatten wir unsere Semester Examen in allen Fächern. Das jeweilige Examen behandelt all den Unterrichtsstoff, den wir in dem Halbjahr gelernt haben. Somit muss man alle Unterlagen wieder herausholen, um sich vorzubereiten. Ich finde, dieses System hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass man nur eine Klassenarbeit pro Halbjahr hat. Dies bedeutet, dass man nicht jedes Wochenende mit Lernen verbringen muss, aber dieser eine große Test zählt 20% der Gesamtnote. Zum Glück waren mir viele Themen aus Deutschland schon bekannt. Dies hat es mir deutlich erleichtert. Die Examenswoche war eine verkürzte Woche vor den Weihnachtsferien. Wir hatten mehrere Tests an einem Tag, was es relativ schwierig machte, sich vorzubereiten. Dennoch habe ich sehr gut abgeschnitten. So wie ich es verstanden habe, werden wir am Ende des Schuljahres einen Abschlusstest in jedem Fach schreiben, der alle Themen des gesamten Schuljahres behandelt. Ich bin schon sehr gespannt, wie dies wird.

 


Leben in einer Militärfamilie:

 


Wie ich in meinem ersten Beitrag schon erwähnte, ist meine Gastfamilie eine Militärfamilie. In meinem Fall ist mein Gastvater ein Veteran der Army und der AirForce. Er ist gerade erst 38 geworden, aber trotzdem schon in Rente, da er angeschossen wurde und bleibende Verletzungen hat. Zum Glück hat er das ganze überlebt, auch wenn ihn dieses Ereignis und andere Ereignisse im Kampf schwer beeinflussen. Zu Anfang war mir das alles noch gar nicht so klar, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Sein Tag beginnt immer um 02:30 am Morgen und endet gegen 20 Uhr. Wie er mir erzählt, nimmt er ca. 40 Tabletten pro Tag, die ihm gegen alle möglichen Krankheiten helfen.

 

Als ich von meiner Gastfamilie erfahren habe, wurde mir erklärt, dass er Schaden an seinem Nervensystem und dem Kurzzeitgedächtnis erlitten habe, aber ich konnte mir nicht wirklich vorstellen, wie ihn dies wohl beeinflussen mag. Inzwischen konnte ich mir mein eigenes Bild machen. Durch den Nervenschaden ist es ihm immer sehr warm, und er hat kleine Zuckungen. Da ihm immer warm ist, gefällt ihm der Winter, den wir gerade haben, sehr gut. Was sehr verblüffend ist, dass er sogar bei Minusgraden noch im T-Shirt unterwegs ist und auch gerne mal mit offenem Fenster fährt (natürlich nur, wenn er alleine ist oder wir okay sagen).

 


Ich finde es großartig und unglaublich spannend, in einer Familie zu sein, die einen komplett anderen Lebensstil hat. Ich kann so viel von ihnen lernen und interessante Geschichten hören. Dadurch hat sich auch meine Sichtweise geändert.


Da mein Gastvater dem Land gedient hat, wird ihm sehr viel Respekt und Ehre entgegengebracht. Auf der Straße kommen immer wieder Leute auf ihn zu, die sich bei ihm bedanken.

 


Fazit:

 


Ich bin sehr glücklich, dass ich diese Erfahrung machen kann und kann es nur jedem, der die Möglichkeit hat, weiterempfehlen. Natürlich ist es eine lange Zeit mit Höhen und Tiefen, doch es lohnt sich