Montag, 21. August 2017
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WELTBÜRGER-Stipendium-Empfänger:

Jugendaustausch Frankfurt a. M. - Tel Aviv, Israel
Projekt "Aus Fremden werden Freunde"

Kommunale Kinder-, Jugend - und Familienhilfe Frankfurt am Main /
Jugendbildungswerk Frankfurt am Main
lnternational Exchanges - Municipality of Tel Aviv-Yafo


Stifter:
weltweiser

Jugendbegegnung

 

Kinder- und Jugendhaus Eckenheim
Das Kinder- und Jugendhaus Eckenheim ist eine Einrichtung der kommunalen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Frankfurt am Main. Ziel unserer Arbeit ist die Gestaltung von umfassenden Präventionsangeboten, die Förderung der positiven Entwicklung von Kindern Teenies und Jugendlichen, die Unterstützung von Familien und die Stärkung des Stadtteils. Dabei setzen wir an den Interessen und Fähigkeiten der Besucher und Familien an und fordern zu einer aktiven Mitgestaltung auf. Offene Angebote, Bildung, schul- und arbeitsweltbezogene  Angebote, Sport, Spiel und kulturelle Veranstaltungen sind unter anderem Angebotsschwerpunkte.

 

Der Hintergrund - gesellschaftliche Situation in Eckenheim (FFM) und Umgebung
Eckenheim liegt im Frankfurter Norden und teilt sich in einen gewachsenen Ortskern und ein Hochhausiedlungsgebiet am nördlichen Rand, im Bereich der Sigmund - Freud - Straße auf. Die Situation in den Familien der Kinder und Jugendlichen ist typisch für alle „sozialen Brennpunkte“ in Frankfurt. So gibt es zum Beispiel eine erhebliche Anzahl von Alleinerziehenden und Arbeitslosen im Stadtteil. Der Stadtteilarbeitskreis Eckenheim stellt regelmäßig eine Unterversorgung bei der Betreuung der Kinder und Jugendlichen fest. Es gibt in Eckenheim ca. 2.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 10 - 20 Jahren. Der Anteil  der unter 18-Jährigen, die Sozialleistungen in Anspruch nehmen müssen, gehört mit zu den höchsten von Frankfurt.

 

Projektleiter
Sven Kube, Diplom-Sozialarbeiter, Initiator und Organisator des Jugendaustausches mit Tel Aviv

 

Das Projekt: Jugendliche aus Frankfurt am Main treffen Jugendliche aus Tel Aviv oder: Wie ein Schimpfwort der Verständigung und Toleranz weichen musste

 

„Du Jude!“,  „Was ne´Judenaktion“, „Juden töten Moslems“, „Juden haben Geld“, „Israel ist das Übel der Welt“ ... Mit diesen als Beleidigung benutzten Begriffen und typischen Zuschreibungen waren wir im Jugendbereich des Kinder - und Jugendhauses Eckenheim konfrontiert. Wie soll man darauf reagieren? Strafenkatalog, belehrende Vorträge oder Hausverbot? Das verändert aber nichts grundlegend und nachhaltig! Was also tun?


Die Auseinandersetzung mit diesem Thema sollte für die Jugendlichen zu etwas Greifbarem werden. Was lag also näher, als einen Jugendaustausch mit unserer Partnerstadt Tel Aviv zu organisieren?
Nach dem Motto: Einfach hinfahren und sich selbst ein Bild machen, die Menschen treffen über die man Urteile hat aber eigentlich nichts weiß - denen man jedes gängige Klischee zuschreibt, die aber letztlich Fremde sind.


Und wer sind denn nun eigentlich diese Jugendlichen? Bildungsfern? Delinquent? Schulabbrecher? Migrantenkinder? Hartz IV-Empfänger? Ja, von allem ist was dabei, aber die Besucher unseres Hauses sind nicht per se alle bildungsfern, delinquent, Schulabbrecher, Migrantenkinder und Hartz IV-Empfänger. Was man aber sagen kann ist, dass sie alle eines gemeinsam haben: ein völlig diffuses und auf Unwissenheit und Vorurteilen basierendes Bild vom Judentum und dem Staat Israel.


Aber wie kriegen wir unsere Jugendlichen dazu, ausgerechnet nach Israel zu fahren und israelische Jugendliche in ihrem Jugendhaus als gute Gastgeber zu empfangen? Erst mal gar nicht. Zu groß waren die inneren und auch äußeren Widerstände, so dass der erste Jugendaustausch 2012 mit zehn Jugendlichen stattfand, die zwar aus dem Stadtteil kamen, aber mit unserem Jugendhaus und deren Besuchern nichts zu tun hatten. Das alles wurde argwöhnisch beobachtet, aber kaum kommentiert - es wurde zugelassen.


Als wir dann aus Israel zurückkamen und unseren Besuch mit einer Bilderausstellung im Jugendbereich dokumentierten, änderte sich sehr schnell die Haltung unserer Besucher. Als sie die Bilder vom Strand von Tel Aviv, vom Toten Meer und von Jerusalem, speziell der Al-Aqsa Moschee sahen, war sehr schnell klar, da wollen wir auch hin!!! Und noch ein anderer Aspekt kam ins Spiel: Das macht ihr nicht nochmal ohne uns!! Und so kam es dann auch. Im Sommer 2013 empfingen unsere Jugendlichen zehn Jugendliche aus Tel Aviv und waren sehr aufmerksame Gastgeber und im Januar 2014 flogen wir mit zehn unserer Jugendlichen nach Tel Aviv, Israel.

 

Was passierte während der gemeinsamen Zeit in Frankfurt und auch in Tel Aviv? Ein Bild und ein Zitat eines unserer Jugendlichen sagen alles und stehen für diesen Austausch: „ Wir haben Leute kennengelernt, die für uns wie Väter und Brüder waren.“ (Farhat Samiri, 17 Jahre, deutscher Staatsbürger, afghanische Wurzeln, Moslem, Schüler einer Gesamtschule und Besucher unseres Jugendhauses)

 

 

Erfahrungsbericht zum Jugendaustausch mit Tel Aviv