Mittwoch, 28. Juni 2017
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Australien:

  Erfahrungsbericht von Michelle B.

Stifter:
GLS Sprachenzentrum




Wie alles begann:

„Wie bitte, wo willst du hin? Nach Australien?“ – „Ja, wieso nicht?“  „Meinst du nicht, dass das ein bisschen zu weit weg ist? Ich meine, Frankreich wäre doch auch nicht schlecht.“ –„Ich will Englisch sprechen und kein Französisch.“ – „Dann geh doch nach England...“ So ungefähr fing mein erstes Gespräch mit meiner Mutter an, als ich ihr eröffnete, dass ich gerne nach Australien möchte. Seit Jahren weiß ich, dass ich einmal in der elften Klasse ins Ausland gehen möchte. Da mein Bruder mit seinem Auslandsaufenthalt in England so positive Erfahrungen gemacht hat, hat mich das nur noch bestärkt. Da ich aber meine eigenen Erfahrungen machen wollte, also ein anderes Land, als mein Bruder kennen lernen wollte, fiel England somit weg. Ich habe mich durch unzählige Broschüren und Internetseiten durchgearbeitet bis ich auf Australien stieß. Und ich kann euch versichern, wenn ihr einmal von der Idee angesteckt seid nach Australien zu gehen, werdet ihr sie nie wieder los.

Das Abenteuer beginnt:

Nach der Anmeldung, dem Interview und dem informativen Vorbereitungstreffen von GLS ging es auch plötzlich ganz schnell los. Die Aufregung wuchs und da saß ich schon im Auto zum Flughafen. Der Abschied war natürlich schwer. Plötzlich realisierte ich, dass ich meine ganzen Freunde und meine Familie für ein halbes Jahr nicht mehr sehen werde. Da ich einen Gruppenflug hatte, war immer jemand da, der die gleichen Sorgen oder Erwartungen hatte. Der Flug war dann auch besser als gedacht und als ich meine Koordinatorin am Flughafen getroffen habe, war die Müdigkeit und Anspannung wie verflogen.

Dann ging es auch schon auf zu der Familie, bei der ich ein halbes Jahr verbringen sollte. Bevor ich geflogen bin, habe ich E-Mails geschrieben und mit ihnen telefoniert. Obwohl sie super nett klangen, meine Gastmutter sogar meiner Mutter geschrieben hat, um sie zu beruhigen, dass ich dort sicher vor Fluten sei, hat man sich natürlich trotzdem gefragt: Werde ich mit meinen Gasteltern zurecht kommen? Besonders, werde ich mit drei jüngeren Gastbrüdern zurecht kommen? Oder werde ich das Essen mögen, ist das Haus sauber, wie sind sie eingerichtet? Werde ich mich da wohl fühlen. Ich meine, man nimmt sich ja vor, offen für alles zu sein, aber so viel Mühe man sich auch gibt, es kann ja immer sein, dass man sich trotzdem nicht wohl fühlt. Zum Glück wusste ich schon sofort bei meiner Ankunft, dass es mir nicht schwer fallen würde dort für eine längere Zeit zu leben. Ich kam mir vor wie im Paradies. Alles war grün, bunte Vögel und riesige Schmetterlinge flogen ums Haus und überall zwitscherte es und roch nach Sommerurlaub.
Man muss dazu sagen, dass meine Gastfamilie in einer Art Baumhaus gewohnt hat, von wo aus man einen unglaublich schönen Ausblick auf die Umgebung hatte.





Die ersten Tage vergingen wie im Flug. Gastgeschenke wurden ausgepackt, eine kleine Rundfahrt durch Brisbane unternommen, die Schuluniform besorgt und nicht zu vergessen, ich wurde vor etlichen Spinnen, Schlangen und sonstigen Gefahren gewarnt. Da wir noch ein paar Tage Ferien hatten, sind wir für ein Wochenende zu dem Heimatort von meiner Gastmutter gefahren. Ihre Schwester, bei der wir übernachtet hatten, lebte so richtig in der australian countryside, so wie man es sich vorstellt.



Und dann ging die Schule los...

Ich, natürlich total nervös, aber wie ihr euch schon denken könnt, völlig unbegründet. In den ersten Tagen wurde uns erstmal diese riesige Schule gezeigt. Anfangs war ich  erstmal komplett orientierungslos. Dann wurden noch Schulkalender verteilt und Fächer gewählt. Ich hatte Mathe B, Englisch, GOALS (Gap Outdoor and Leadership Studies), Musik, Kunst und Home Economics.


Leider waren bei mir die ersten Wochen in der Schule ziemlich chaotisch, weil sich Probleme mit einem neuen System für Stundenpläne einstellten. Aber zum Glück habe ich schon ein paar Leute kennen gelernt, sodass es nicht allzu langweilig war, wenn ich mal wieder nur in der Schule rum saß.

Richtige Freunde finden: klingt einfach, ist es aber leider nicht. Obwohl ich Glück hatte, und nur zwei andere Deutsche an der Schule waren, waren die Australier nicht wirklich interessiert an neuen Austauschschülern. Bei mir war zusätzlich noch das Problem, dass der Altersunterschied von zwei Jahren sich deutlich bemerkbar gemacht hatte. Aber keine Angst, wenn man offen ist und versucht, so viel es geht mitzureden und Fragen stellt, findet jeder ganz tolle neue Freunde. Meine beste Freundin war eine Japanerin, die zuvor schon drei Jahre in Kanada gelebt hatte und die eine Freundin fürs Leben geworden ist. Durch sie kriege ich jetzt noch alles mit, was am anderen Ende der Welt alles passiert. ;) Nachdem die Wochen des Schulchaos sich gelegt hatten, gewöhnte ich mich relativ schnell an den australischen Alltag. Ich schrieb meine ersten assignments. Ich frage mich jetzt noch, wie ich es geschafft habe, plötzlich Texte mit über 1000 Wörter zu schreiben. Am Ende hatte ich dann auch noch meine ersten Examen, wovor ich echt aufgeregt war. War aber glücklicherweise gar nicht so schlimm, wie gedacht.

Osterferien = Halbzeit....was? Jetzt schon? Das kann doch nicht sein? Hilfe, wo ist die Zeit geblieben?!

Meine Zeit in Australien war bereits halb um. Aber zum Glück hatte ich eine Reise vor mir, die mich all diese Gedanken schnell vergessen ließen: Es ging nach Sydney!


Ich muss sagen, diese Stadt ist einfach nur beeindruckend. Die sechs Tage, die ich mit einer organisierten Tour da war, waren die besten Tage meines Australien-Aufenthaltes. Ich war am berühmten Bondi Beach, bin bei Sonnenuntergang, mit der Fähre in den Hafen eingefahren, bin unzählige Male um das Opera House gegangen und durfte schließlich noch die wunderschönen Ausblicke auf die Blue Mountains bewundern.


Wir hatten eine super tolle Gruppe, sodass es noch mehr Spaß gemacht hat und man abends zusammen im Hostel gekocht und noch zahlreiche Filme geguckt hat.


Als ich nach meinem Sydney-Ausflug wieder in Brisbane gelandet bin, hatte ich richtig das Gefühl, nach Hause zu kommen. Da hab ich dann gemerkt, wie sehr ich mich in Brisbane verliebt habe, wie viel Glück ich mit meiner Gastfamilie hatte und wie sehr ich meine Freunde und die Schule vermissen werde, wenn ich wieder in Deutschland bin. Ich nahm mir also fortan an vor, jeden Tag auszunutzen und bis in die letzte Sekunde zu genießen. Den Rest der Ferien, war ich fast jeden Tag unterwegs. Ich war mit meinen Freunden in der Modern Art Gallery, habe eine Tour mit der city cat auf dem Brisbane River gemacht und habe mit meiner Gastfamilie mit Eiersuche und Picknick Ostern gefeiert.




Mit dem Ende der Osterferien, begann nun der zweite Term an der Gap State High School. Während des zweiten Terms fielen mir die assigments immer leichter, ich habe eigentlich nichts mehr aus Deutschland vermisst und habe mich vollkommen zuhause gefühlt. Die Schule fing jeden Tag um 8.45 Uhr an und endete um 15.00 Uhr. Ich trug selbstverständlich jeden Tag brav meine Uniform und konnte mir schon gar nicht mehr vorstellen, irgendwann keine mehr tragen zu müssen. Um ehrlich zu sein, ist sie wirklich sehr hilfreich, man fühlt sich sofort zur neuen Schule zugehörig und man hat einfach morgens nicht das lästige Problem, sich zu überlegen, was man anzieht. Ansonsten kann man zur Schule noch sagen, dass sie einfach tausendmal besser ist als meine Schule hier in Deutschland. Dort waren die Lehrer organisiert, man hat Unterstützung von jedem Lehrer bekommen und von der Ausstattung in Kunst und Musik, kann man hier nur von träumen. Nach der Schulzeit habe ich viel mit meiner Gastfamilie gemacht. Zum Beispiel habe ich meiner Gastmutter beim Kochen geholfen, mit meinen süßen Gastbrüdern Spiele gespielt oder mit meinem Gastvater die aktuellen Rugby-Spiele verfolgt. Am Wochenende hatten meine Gastbrüder dann auch immer jeweils ein Rugby Spiel, wo ich auch häufiger mitgekommen bin und dann überraschenderweise ab und zu ein berühmter, australischer Rugby-Spieler vorbeikam. Zum Ende des Terms hatte ich dann noch die Gelegenheit, zu einem echten rugby match ins Stadion zu gehen. Es war eine unglaublich tolle Atmosphäre und als dann unser Team noch in der letzten Minute gewonnen hatte, war der Tag perfekt.

In meiner restlichen Freizeit habe ich natürlich viel mit meinen Freunden unternommen. Oft waren wir in Brisbane shoppen, oder wir sind einfach ins Kino gegangen. Häufig haben wir in South Bank auf den Wiesen entspannt und uns die Sonne aufs Gesicht scheinen lassen. Aber aufgepasst! Wenn man seine Sonnencreme vergessen hatte, bekam man doch schnell einen schmerzlichen Sonnenbrand.

An einem meiner letzten Wochenenden bin für ein Wochenende nach Noosa, an die wunderschöne sunny coast gefahren, um eine Freundin zu besuchen. Es war so ganz anders als da wo ich gewohnt habe, aber genauso wunderschön. Danach wurden in der Schule noch die letzten Examen geschrieben und schließlich gab es den traurigen Abschied in der Schule.

Nach dem Schulende hatte ich noch eine Woche. Ich genoss die letzten Tage mit meiner Gastfamilie und meinen Freunden. Schweren Herzens musste aber auch ich irgendwann wieder die Koffer packen und die wichtigsten Erinnerungen gut verstauen. Dann kam auch schon meine Familie aus Deutschland und es hieß ein zweites mal Abschied nehmen.  Wir sind dann noch an der Küste von Queensland nach Cairns gereist. Dies ermöglichte mir noch viel mehr schöne Eindrücke von Australien mitzunehmen.

Ich würde es immer wieder machen. Ich vermisse mein Leben in Australien und werde versuchen, so schnell es geht wieder dorthin zu reisen.

Cya! Eure Michelle



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