Mittwoch, 28. Juni 2017
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Mein Leben in Neuseeland


Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat: 
Cora Z. - Neuseeland

Stipendium gestiftet durch:
Hausch und Partner GmbH




Der Anfang: Warum trifft man die Entscheidung ins Ausland zu gehen?

Ich habe von vielen gehört, dass es schon immer deren Traum gewesen sei, ins Ausland zu gehen und dass sie es schon mindestens ein ganzes Jahr zuvor geplant hatten. Bei mir war es anders. Ich habe meine Entscheidung eher spontan und auch nur ein halbes Jahr vorher getroffen. Warum? Ich weiß es auch nicht so genau. Ich denke vielleicht, weil ich mitbekommen habe, wie eine gute Freundin von mir ein erfolgreiches Jahr in den USA erlebt hat. Aber wahrscheinlich auch, weil ich eine Veränderung in meinem alten Leben gut gebrauchen konnte. Außerdem wollte ich schon immer mein Englisch verbessern. Auf jeden Fall habe ich dann im Internet zum Thema Schüleraustausch recherchiert. Und so bin ich auf das Weltbürger-Stipendium für Neuseeland gekommen. Ich  habe mich beworben – und es sogar bekommen! :) Noch nie war ich stolzer auf mich selbst als zu diesem Zeitpunkt.
So weit so gut. Die nächsten 6 Monate vergingen rasend schnell mit all den Vorbereitungen und meiner Aufregung. Und doch dachte ich mir manchmal, warum machst du das? Noch ist es nicht zu spät, den Austausch abzusagen! Aber das sind nur kleine Panik-Gedanken. ;) Ich wollte es für mich und auch für alle anderen durchziehen.

Mein Start:
Dann endlich der Tag des Abfluges und des Abschiedes. Ich hatte mich vor diesem Tag ein wenig gefürchtet. Aber dann war es eigentlich nicht so schlimm. Außer der Moment, an dem meine Mama anfing zu weinen, da fing ich auch an. Als ich dann durch die Kontrolle am Flughafen war, fühlte ich mich seltsamerweise relaxed.
Der Flug verging relativ schnell, weil ich die meiste Zeit entweder schlief, Filme anschaute oder mit einer anderen Schülerin aus Berlin redete. Wir waren mit einer unglaublich großen Gruppe von etwa 80 Deutschen unterwegs, die zwischen 3 Wochen bis 1,5 Jahre in Neuseeland bleiben wollten.
In Auckland angekommen, ging es erst mal mit einem großen Bus auf Erkundungstour. Das war der Versuch uns wach zu halten, damit wir nicht so große Probleme mit einem Jetlag bekommen.
Am nächsten Tag wurden wir von einer Gruppe Maoris mit traditionellen Tänzen und Songs  begrüßt. Dann hieß es für jeden, Abflug oder Abfahrt zur 2. Heimatstadt – für mich Tauranga. Auf der Fahrt habe ich lustigerweise tausende von Kühen aber nur vereinzelt Schafe gesehen und war etwas enttäuscht. Aber bei späteren Reisen hat sich das Schaf-Klischee dann doch bestätigt. Auch an andere Eigenheiten Neuseelands musste ich mich zunächst gewöhnen: So hat mich mein Gastvater z.B. von meinem neuen College abgeholt und ich bin zur falschen Seite des Autos gerannt. Mein Gastvater machte mich lachend darauf aufmerksam, dass die Kiwis auf der linken Seite fahren. In meiner Gastfamilie habe ich 4 Gastgeschwister. Der älteste Gastbruder studiert in Auckland, der Zweitälteste geht zur Fachhochschule und der jüngste Bruder geht auf mein College. Meine kleine Gastschwester besucht die Mittelschule. Das Haus, in dem wir leben, ist perfekt gelegen. Ich brauche nur 2 Minuten bis zu einem der schönsten Strände der Welt, 20 Minuten mit dem Bus in Central City, 10 Minuten mit Fahrrad zu unserem 'Mount' und 20 Minuten zu Fuß zu meiner Schule. Was will ich mehr? ;)


Mein erster Schultag
war ziemlich aufregend mit einer Begrüßung vom Schulleiter, Führung durch die große Schule, Fächer wählen und all die neuen Leute. Ich war damals froh mit Deutschen reden zu können, weil mein Englisch noch ziemlich holprig war. In Neuseeland gibt es so tolle verschiedene Fächer: Marine Studies (Meeresbiologie), Hospitality (Kochen), Outdoor Education (Sport/Aktivitäten im Freien), Dance, Drama, Photography, Soft Materials (Nähen), Hart Materials (Handwerken) und noch viel mehr. Natürlich fehlen auch die „normalen Fächer“ wie Mathe und Fremdsprachen nicht. Entschieden habe ich mich für Outdoor Ed, Hospitality, French, Maths, English und Sport. Insgesamt wählt man 6 Fächer. Übrigens ist hier Schuluniform Pflicht.


In den ersten Tagen waren wir neuen 'Internationals' eine Attraktion und wurden nach Namen und Herkunftsländern gefragt. Die meisten Kiwis haben uns dann erzählt, welche Wörter sie in Deutsch kennen. Hierbei handelte es sich in der Regel um „Hallo, Guten Tag, Schlampe, Wie geht es dir,  Hurensohn“. Eine lustige Kombination, wenn man sich vorstellt, dass jemand auf Dich zukommt und sagt: „Guten Tag, Schlampe. Wie geht es dir?“ Aber abgesehen von den oberflächlichen Fragen, war es sehr schwer wirklich gute Kontakte zu knüpfen. Die Neuseeländer sind halt daran gewöhnt, dass International Students kommen und gehen. Dafür habe ich aber verschiedene wundervolle Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt. So kommen meine engsten Freunde, die ich hier in Neuseeland habe, aus Brasilien, Frankreich, Japan, Dänemark, Deutschland und Italien. Für uns hat es den Vorteil, dass wir alle wissen wie es ist ein International Student zu sein. Der Nachteil ist, dass man gutes Englisch eigentlich nur dann lernt, wenn man mit Kiwis spricht. Aber nach und nach lernt man auch die Kiwis im Unterricht kennen und trifft sie dann mal auf einer Party. Dadurch habe ich die Neuseeländer sehr lieb gewonnen.

Schul-Trip:
Die Zeit verging so schnell, weil alles neu und aufregend war und ich viel erlebt habe. Zum Beispiel haben wir in Outdoor Ed ein Wandercamp organisiert. Ich bin eigentlich gar kein Fan vom Wandern, aber das Camp war der beste Schultrip, den ich jemals erlebt habe. Im Unterricht haben wir über die Gefahren beim Wandern geredet und wie man sie vorbeugen kann sowie was man am besten zum Essen mitnimmt. Außerdem haben wir eine Gruppen Koch-Ausrüstung bekommen. Darüber hinaus erhielten wir jeder einen riesigen Wander-Rucksack und mussten unser Gepäck hinein bekommen, mit Schlafsack, Essen und Trinken für 3 Tage! Das war eine echte Herausforderung. In der Wildnis von Coromandel sind wir im strömenden Regen los (in Deutschland wäre es an diesem Punkt schon längst abgesagt worden). Als wir nach 4 Stunden bergauf wandern und völlig durchnässt in unserer Unterkunft ankamen, waren wir ausgekühlt und hungrig. Das Problem war nur, dass es nur eine Wander-Hütte war – kein Herd, kein Licht, kein Handynetz, eine eiskalte Regenwasser-Dusche, ein Plumpsklo, eine einfache Holzhütte. Aber wir waren trotzdem gut gelaunt und haben uns in unsere Schlafsäcke gekuschelt und Karten gespielt bis es dunkel wurde. Am nächsten Tag war glücklicherweise gutes Wetter und wir sind den Berg bis zum Gipfel gegangen. Von dort hatte man einen atemberaubenden Ausblick.



Dann ging es 7 Stunden Berg runter bis zu unserem Fleckchen Wiese, auf dem wir unsere Zelte für die Nacht aufschlugen. Unglücklicherweise bin ich auf dem Weg dorthin gestürzt und habe mir mein Knie blutig geschlagen. Die Narbe bleibt mir als kleines Souvenir ;)). Am Abend haben wir ein Lagerfeuer gemacht und uns mehr und mehr mit der Klasse angefreundet. Am letzten Tag unserer Wanderung mussten wir glücklicherweise nur noch auf flachen Wegen laufen. Wir hatten allerdings alle Muskelkater und Schulterschmerzen von dem schweren Riesen-Rucksack im Gepäck. Der Schulausflug war ein tolles Erlebnis für mich.



Leben in meiner Gastfamilie: Meinen 17. Geburtstag habe ich hier in Neuseeland gefeiert. Anders, aber trotzdem gut. Am Tag bin ich mit Freunden Laser Tag spielen gegangen, was richtig Spaß gemacht hat. Und erst am Abend habe ich meine Geschenke ausgepackt und einen Schokoladen-Kuchen bekommen. :)
Nach etwa 3-4 Monaten habe ich mich erst so richtig eingelebt und mir auch einmal ein Toast gemacht ohne vorher zu fragen. Aber dennoch habe ich immer noch das Gefühl, ein Langzeit-Gast zu sein. Das heißt aber nicht, dass ich meine Gastfamilie nicht mag. Im Gegenteil, meine Beziehung mit meinen Gasteltern wird immer besser und familiärer, aber mit meinen Gastbrüdern konnte ich mich nie wirklich anfreunden. Sie blieben immer für sich und gaben mir keine Chance, ihnen näher zu kommen. Aber meine kleine Gastschwester, die ist süß.


Sport in Neuseeland: Meine Gastfamilie ist sportlich sehr aktiv, so wie ich auch. Durch sie bin ich zum Surf Life Saving gekommen (ähnlich wie DLRG in Deutschland – nur viel besser!). Dadurch, dass Neuseeland so viel Küste hat, gibt es dementsprechend auch viele Vereine. Zunächst habe ich für Wettkämpfe im Schwimmbecken trainiert und bin bei den „North Island Pool Champs“ und „New Zealand Agegroup Champs“ mit geschwommen. Ich habe sogar ziemlich gut abgeschnitten. Dann hat mich mein Trainer überredet mein Lifeguard Award hier zu machen. Dafür muss man erst eine Theorieprüfung und dann eine praktische Prüfung bestehen. Beides habe ich bestanden! :) Mein Trainer war stolz auf mich, weil ich die einzige mit voller Punktzahl war. Wenn man das bestanden hat, hält man ungefähr alle 3 Wochenenden am Strand als Rettungsschwimmer Wache. Das ist ziemlich cool. Dadurch habe ich neue Leute kennengelernt und sehr viel gelernt. Zum Beispiel, wie man ein Quadbike fährt (wird am Strand genutzt, um Patrouille zu fahren), wie man Leute mit einem Rettungsschlauchboot rettet und wie man gefährliche Strömungen erkennt. Ich war auch bei ein paar kleinen Rettungsaktionen dabei, die glücklicherweise alle gut ausgegangen sind.



Rettungsschwimmen ist ein Sport im Meer, bei dem man z.B. gegen andere Vereine auf einem Board paddelt. Ich habe es auch mal ausprobiert, aber es nicht einfach. Das ist auf jeden Fall Spaß und die Leute sind wie eine große Familie. Ich bin hier auch in einem Schwimmverein und trainiere 3 Mal in der Woche jeweils morgens. Meine Trainerin trainiert hauptsächlich Triathleten, Rettungsschwimmer, Ozean- Langstrecken-Schwimmer und Wasserballer. Sie hat mich dazu gebracht, auch einige Oceans swims mit zu schwimmen und einige kleine Triathlon mitzumachen. Auf jeden Fall bin ich nicht unterfordert! Ich liebe es, neue Sachen zu entdecken und zu erleben. Meine Gastmutter ist meine größte Hilfe dabei. Ohne sie hätte ich so viele Sachen nicht machen können. Ich denke, dass ich die perfekte Gastfamilie bekommen habe!
Cora