Donnerstag, 14. Dezember 2017
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WELTBÜRGER-Stipendiat: 
Dominik M. - USA

Stifter:
TREFF-International Education e.V.


Erfahrungsbericht

Viele Leute haben mich in den vergangenen Monaten gefragt, warum ich nach Amerika wollte. Was soll man darauf antworten? Meinen Horizont erweitern, eine neue Kultur kennen lernen, oder war ich einfach gelangweilt? Diese Antworten hören sich langweilig an und sind auch nicht wirklich wahr. Was wohl am besten zutrifft ist, dass ich mir selber beweisen wollte, dass ich es schaffen kann. Ein Jahr in Amerika an einer High School und ohne die alten Freunde. Letztendlich bin ich aber nur ein normaler Junge, der sich das Leben schwerer macht als es ist.



Meine Geschichte beginnt im Oktober 2010 in Frankfurt. Ich hatte mein erstes Interview mit einem Mitarbeiter einer Austauschorganisation. Es wurde in Englisch und in Deutsch geführt. Vor dem Interview hatte ich Angst, da ich dachte, dass mein Englisch nicht ausreichend sei. Im Nachhinein betrachtet war meine Angst jedoch völlig unbegründet, da ich ohne Probleme bestanden habe und mein Interviewer mich für ein Auslandsjahr empfahl. Obwohl ich bei meiner ersten Organisation angenommen wurde, schaute ich mich weiter um. Ich machte noch zwei Interviews bei anderen Organisationen. Beide verliefen gut, und am Ende entschloss ich mich für Treff, da Treff eine kleinere Organisation ist und ich bei Problemen gute Hilfe erwartete. Diese Hoffnungen bewahrheiteten sich auch. Jeder Mitarbeiter bei Treff kennt mich und ich bekomme jederzeit gute Hilfe.

Meine Bewerbung hatte ich im Dezember abgeschickt, und sie wurde im Februar in Amerika freigegeben. Die Papiere für mein Visum waren auch schon unterwegs. Das einzige, was noch fehlte, war eine Gastfamilie... Ich wartete auf den Anruf von Treff, dass eine Familie mich ausgewählt hätte. Im Mai vereinbarte ich einen Termin im Amerikanischen Konsulat, und obwohl ich vor Aufregung fast gestorben wäre, bekam ich mein Visum. Der Rest des Schuljahres verging schnell. Die Sommerferien, in denen meine Familie und ich Urlaub in Griechenland machten, kamen und gingen.  Wir bereiteten uns auf einen schnellen Abflug vor, da es schon August war, obwohl ich immer noch auf eine Gastfamilie wartete. Schließlich bekam ich den langersehnten Anruf doch noch - am Freitag, den 9. September, mehr als eine Woche nach der eigentlichen Deadline für Austauschschüler und lange, nachdem ich die Hoffnungen auf ein komplettes Jahr in Amerika aufgegeben hatte.
Für mich persönlich war es eine Erlösung, endlich zu wissen, ob ich ein Jahr meines Lebens im Ausland verbringen werde oder nicht. Nun hatte ich auch Gewissheit, wohin es geht und zu wem ich komme. Also rief ich meinen Gastvater Jason an, und wir redeten ca. 30 Minuten miteinander. Das Gespräch verlief gut, er war nett und gab mir noch ein paar Tipps. Das Wichtigste aber war, dass er mir einen Teil meiner Angst nahm.
Am Morgen  des 12. September –3 Tage später- war dann auch schon mein Abflug. Ich wachte auf und hatte ein Kribbeln im Bauch und fragte mich, wie es sich anfühlt, seine Familie zurückzulassen. Ich war so aufgeregt und ich hoffte, dass mein Flug gut verlaufen würde. Geplant war, dass ich in New York zwischenlande und dann weiter nach Seattle fliege, wo ich von meiner neuen Familie abgeholt werden sollte. Und schon stand auch der Abschied von meiner Familie an. Erinnern kann ich mich eigentlich nicht an viel. Ich dachte immer, dass die Geschichten, in denen die Personen die Ereignisse wie in Trance erlebten, nicht wahr sind, aber jetzt weiß ich, was diese Personen meinten. Ich war ungefähr 20 Stunden unterwegs, bis ich endlich in meinem neuen Zuhause ankam, es fühlte sich aber viel kürzer an. Der Abschied am Flughafen von meiner Familie war schnell vorbei. Ich war traurig, freute mich aber auch schon auf das, was vor mir lag. Den letzten Moment, an dem ich meine Familie zum letzten Mal sah, werde ich nie vergessen. Ab diesem Zeitpunkt war ich auf mich alleine gestellt. Nach acht Stunden Flug bis New York bekam ich die Nachricht, dass ich meinen Anschlussflug verpasst habe. Sie buchten einen späteren Flug, und meine Ankunftszeit in Seattle verschob sich um drei Stunden. Um 21 Uhr wartete ich auf mein Gepäck, als ich meine Familie auf Zeit zum ersten Mal sah. Es war ein wenig merkwürdig, die Leute zu sehen, mit denen man für zehn Monate zusammen leben wird, die man aber noch gar nicht kennt. Nach 30 Minuten Fahrt bogen wir in die Einfahrt meines neuen Heims ein und meine drei Gastbrüder zeigten mir erst einmal das Haus. Ich aß noch schnell etwas und fiel dann müde und erschöpft, aber überglücklich in mein Bett. Ich war in Amerika angekommen!!
Gleich am nächsten Morgen musste ich in die Schule gehen, um mit meinem Counselor über meinen Stundenplan zu sprechen:

1. Period         US History

2. Period         English 3

3. Period         Intro Sports Medicine

4. Period         Pre-Calculus

5. Period         Physics

6. Period         French 4



Mir wurde gesagt, dass ich einige schwere Fächer hätte, jedoch sind diese Fächer nach deutschen Maßstäben relativ einfach. In Deutschland werde ich mit der 12. Klasse weitermachen, da ich noch G9 bin und so die Möglichkeit habe, mit meinen Freunden weiter dieselben Kurse zu besuchen.

Mein erster Schultag war zwei Tage nach meiner Ankunft. In den ersten Tagen war ich überglücklich und alles war neu und aufregend. In der Zeit direkt nach der Ankunft lernt man ziemlich viele Leute kennen. Alle kommen auf einen zu, wollen reden und wollen einen kennenlernen. Aber wie auf dem Vorbereitungstreffen gesagt, hielten diese Gefühle nicht sehr lange. Man vermisst seine Freunde, die Familie und ich vermisste sogar die deutsche Schule. Das einzige, was mir wirklich half, war Sport. Da ich erst nach Beginn des Schuljahres ankam, blieb mir nur noch die Möglichkeit, Sport in einem Fußball-Club oder in einem anderen Club zu machen. Ich fing mit Fußball an. Da die Amerikaner Fußball nicht wirklich ernst nehmen, war ich so ziemlich der beste Spieler. Obwohl wir Spieler von verschiedenen High Schools sind, habe ich in dem Team meinen besten Freund getroffen. Ich würde jedem empfehlen Sport zu machen, da es der beste Weg ist Freunde zu finden.




Nach und nach kam ich in der Schule besser zurecht und ich lernte noch mehr Freunde kennen. Meine Klassen liefen gut und ich kam mit der Sprache immer besser zurecht. Normalerweise ist das Schulenglisch, das man in Deutschland lernt, ausreichend. Ich hätte nie gedacht, dass mein Englisch gut sei, und ich hätte auch fast eine 4 im letzten Zeugnis bekommen. Hier in Amerika wurde mir aber gesagt, dass mein Englisch besser sei als das der meisten Austauschschüler.
Ich freute mich jeden Tag auf das Training, und mit der Zeit wurden einige meiner Teammitglieder gute Freunde. Auch heute noch mache ich viel mit diesen Leuten, auch wenn die Fallseason schon lange vorbei ist. Meine Familie unternimmt viel mit mir, wir fuhren nach Seattle, in die Berge und mein Gastvater und ich gingen unter anderem auch mal in eine Bar oder einfach in die Berge zum Schießen.

Nach einigen Wochen gewöhnt man sich an das amerikanische Leben und die amerikanische Schule. Am Wochenende unternehmen meine Freunde und ich normalerweise viel, wir gehen ins Kino, hängen in einem Park herum oder gehen einfach zum Sportplatz und kicken ein bisschen. Die Zeit vergeht wie im Flug und man merkt gar nicht, dass man schon die Hälfte des Aufenthalts hinter sich gebracht hat. Man vergisst sein Leben in Deutschland und man denkt weniger und weniger an seine Familie zu Hause. Die einzige Zeit, in der ich wieder Heimweh bekam, war die Zeit um Weihnachten und Neujahr.





Ich denke, es ist für jeden Austauschschüler das erste Mal, dass er an besonderen Feiertagen ohne seine Familie ist, und für mich war diese Erfahrung sehr besonders, da ich dies noch nie erlebt habe. Alles in allem wird mir mein Austauschjahr sehr helfen. Ich bin sehr viel offener geworden und mir fällt es leichter, auf Leute zuzugehen und mich mit Leuten zu unterhalten. Außerdem habe ich meine Familie und meine Freunde in Deutschland schätzen gelernt. Jetzt weiß ich, wem ich vertrauen kann und auf welche Freunde ich wirklich zählen kann.

Ich kann jedem, der über ein Auslandsjahr nachdenkt, nur empfehlen, es zu machen. Man lernt viele neue, nette Leute kennen, man lernt sich selber besser kennen und es ist eine tolle Erfahrung. Und obwohl man sich das Leben nicht einfacher macht, macht es einfach nur Spaß, zur High School zu gehen und das amerikanische Leben kennenzulernen.

Dominik Mester im Februar 2012 aus Mill Creek bei Seattle