Sonntag, 22. Oktober 2017
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10 Monate Schüleraustausch USA
High School - Weihnachten - Talentshow

 

WELTBÜRGER-Stipendiat: 
Dominik M. - USA


Stifter:
TREFF-International Education e.V.

 

 

Schüleraustausch USA

 

Mir scheint es wie letzte Woche, als ich in Amerika angekommen bin. Die Zeit ging so schnell herum, und jetzt ist mein Auslandsjahr schon vorbei. Ich habe das bisher beste Jahr meines Lebens in Seattle verbracht, nachdem ich schon fest daran geglaubt hatte, dass ich in Deutschland zurück bleiben müsste. Meine Bewerbung schickte ich im Dezember 2010 ab, aber es dauerte bis zum neunten September, bis sich eine Gastfamilie für mich fand. Zwei Tage später flog ich voller Erwartungen in die USA und hatte gar keine Zeit mich einzuleben, da die Ferien auf meiner High School schon vorbei waren. Nach einem Tag ‘Eingewöhnungszeit’ ging ich in die Schule und war überrascht, wie groß die Schule ist. Nach der ersten Schulwoche hatte ich schon genug von Amerika und wollte nach Hause. Obwohl der Anfang schwer war, kämpfte ich mich durch. Die größte Hilfe dabei war der Sport. Durch den Sport lernte ich meine ersten Freunde kennen und hatte nach der Schule etwas zu tun.


Neben der Schule und dem Sport durfte die Familie aber auch nicht zu kurz kommen. Meine Gastfamilie bestand aus je einem zwei-, neun- und zwölfjährigen Gastbruder sowie den Eltern. Durch die Kinder waren wir jedoch etwas eingeschränkt in dem, was wir machen konnten, und so verbrachte ich mehr Zeit mit meinen Freunden. Ich fuhr mit meiner Gastfamilie ein paar Mal nach Seattle, ging fischen und zu Baseball-, Basketball- und Fußballspielen von meinen Gastbrüdern und  zu Profispielen.

 

Nach den ersten aufregenden Wochen kam der Alltag, der bei mir von Sport und Freunden geprägt war. Morgens stand ich um 6.40 Uhr auf, und die Schule begann um 7.30 Uhr. Um 2 Uhr war Schulschluss. Im ersten Halbjahr war mein Stundenplan:

 

1. US History
2. English 3
3. Sports Medicine
4. Math
5. Physics
6. French 4

 

Im zweiten Halbjahr hatte ich dann Weight Training anstatt Sports Medicine. Nach der Schule musste ich zum Fußballtraining, das um 2.30 Uhr anfing und bis 4 Uhr ging. Ich hatte jeden Tag Training und zwei Spiele pro Woche, was heißt, dass ich sehr beschäftigt war. Zum Glück gab es auch einige Pausen zwischen der High School Saison und der Club Saison. Abends machte ich dann meistens Hausaufgaben, die jedoch nicht sehr schwer waren, oder traf mich mit meinen Freunden. An den Wochenenden ging ich mit Freunden Bowlen, spielte noch mehr Fußball, ging abends zum Strand für Lagerfeuer oder besuchten  einfach jemandem, um rumzuhängen.

 

Nach zweieinhalb Monaten kamen die Weihnachtsferien, in denen ich viel Zeit mit Freunden und Familie verbrachte. Jedoch hat mich das nicht von meinem Heimweh abgelenkt, und wie mir auf Vorbereitungstreffen schon gesagt wurde, ist Weihnachten die schwerste Zeit. Es war das erste Mal, dass ich diesen Tag nicht mit meiner deutschen Familie verbracht habe und ich vermisste sie. Auch vermisste ich die deutschen Weihnachtsmärkte und das Drumherum. Überraschenderweise waren meine Gedanken an Deutschland an Heilig Abend jedoch weg, da es einfach überwältigend und interessant war, wie Amerikaner Weihnachten feiern. Es gab ein riesiges Abendessen und die Bescherung dauerte auch viel länger als in Deutschland. Als ich dann endlich im Bett lag war ich froh, dass meine Kuckucksuhr gut angekommen war und freute mich schon auf den nächsten Morgen. Es gab ein Frühstück mit Pancakes und French Toast und noch mal ein kleines Geschenk. Bei mir war es ein Buch.

 

Bald darauf fing die Schule wieder an und schon war die Schule wieder vorbei. Nach nur einer Woche in der Schule hatten wir eine ganze Woche frei, weil Schnee gefallen war. Das hieß eine volle Woche Schlitten fahren, Schneeballschlachten und mit einem Tee, Kaffee oder einer heißen Schokolade vor dem Kamin sitzen.

 

Mit dem Halbjahreszeugnis erhielt ich auch eine Einladung zu einer Veranstalltung, bei der mehr als 80 Austauschschüler aus dem Großraum von Seattle eingeladen waren. Mitte März fuhr meine Gastmutter mich zu der 40 Minuten entfernten High School, die auf einer Insel in einem See direkt hinter Seattle lag. Dort hatte ich die besten drei Tage meines Auslandsaufenthaltes. Zusammen mit 60 anderen Austauschschülern und den Gastfamilien für den Aufenthalt dort waren die Tage eine tolle Erfahrung und es war sehr unterhaltsam.


Am ersten Abend (Donnerstag) gab es etwas zu essen, wir machten eine Art Speeddating wobei man sich kennen lernen sollte, und studierten einen Flashmob für den nächsten Tag ein. Am Freitag ging jeder Austauschschüler mit seinem ‘Gastbruder’ zur Schule. Dort lernte ich einige Leute kennen, mit denen ich heute noch Kontakt habe. Nach der Schule musste jeder Teilnehmer ein Gericht aus seinem Land zubereiten. Bei mir war es eine Torte, die so gut aussah, dass jeder direkt beim Nachtisch anfangen wollte. Um ca.6 Uhr gab es dann ein Banquete mit den zubereiteten Speisen und jeder aß viel zu viel. Danach gingen wir zu einem Lacrosse Spiel der Schule, um Zeit bis zu dem folgenden Tanz zu vertreiben. Diese Tänze sind eigentlich mehr wie eine Disko und es machte sehr viel Spaß. Um Mitternacht ging dann jeder nach Hause und einige Gruppen fuhren noch nach Seattle. Der nächste Morgen war wieder gefüllt von Essensmöglichkeiten. Meine dortige Gastfamilie machte Pancakes und mein Gastbruder und ich aßen je 15 Pancakes. Danach fuhren wir zur Schule zu Workshops und eine abschließende Talentshow. Davor gab es jedoch Brunch für uns, und danach durften wir selber Essen aus Persien und vielen anderen Ländern/Regionen zubereiten.


Die Talentshow machte auch sehr viel Spaß, es waren sogar einige gute Aufführungen dabei. Das Fest war eine gute Möglichkeit für mich und andere Austauschschüler eine andere Schule, andere Austauschschüler und neue Freunde kennen zu lernen. Jetzt habe ich Freunde und Bekannte auf der ganzen Welt verteilt. Ich lernte einen Pakistaner, Inder, Brasilianer, Franzosen, usw. kennen und auch einen Italiener mit dem ich mich noch 7 oder 8 Mal in den USA traf. Um ca. ein Uhr mittags ging es dann zurück zu meiner eigentlichen Gastfamilie.


Mit der Zeit ging dann auch mein Austauschjahr zu Ende und ich versuchte so viel Zeit wie möglich mit meinem besten Freund und meiner Gastfamilie zu verbringen. Ende Juni kam dann meine richtige Familie an und ich brachte meine Schwester am letzten Schultag mit zur Schule. Nach einer Woche voller Sightseeing und schwerer Abschiede stieg ich dann in ein Flugzeug, das mich und meine Familie nach LA bringen sollte. Drei Wochen im Südwesten der USA und eine Woche in Houston später landete ich schließlich nach zehneinhalb Monaten wieder in Deutschland.

 

Jetzt sitze ich hier und soll einen Erfahrungsbericht schreiben…
Ich weiß noch, dass ich dachte, jeder Austauschschüler sei nach seinem Auslandsaufenthalt so etwas wie ein Spezialist oder so, aber jetzt merke ich, wie ich mich geirrt habe. Das einzige, was ich sicher sagen kann, ist, dass ein Auslandsaufenthalt das Beste ist, was mir passieren konnte. Auch wenn ich mich nicht total verändert habe, bin ich doch merklich anders geworden. Meine Offenheit und mein Mut zu Neuem überrascht mich immer wieder, und manchmal frage ich mich selbst warum ich etwas nicht viel früher probiert habe. Dies ist aber nicht das Ergebnis von nur positiven Erfahrungen. Jedem, der ein Jahr ins Ausland will, sollte klar sein, dass das Leben in dem Gastland nicht nur einfach ist. Das Meiste lernte ich aus meinen schlechten Erfahrungen, und ich lernte auch, dass ich die guten Zeiten genießen und ausnutzen muss, denn mir haben die guten Zeiten geholfen, die schlechten zu überstehen.


Ein Austausch ist nur das, was man aus ihm macht, und deshalb sollte jeder neue Austauschschüler offen für neues sein und einfach sein Bestes geben, um mit neuen Situationen umzugehen. Wenn man glaubt, dass man es schafft, wird man durch das Jahr, das am Anfang so lang scheint, schneller als man glaubt durchkommen und sich am Ende wundern, wo die Zeit nur geblieben ist.