Sonntag, 22. Oktober 2017
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Wie schnell die Zeit vergeht...

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat: 
Lorenz P. - Mexiko

Stipendium gestiftet durch:
YFU

 


Wie schnell die Zeit vergeht…

Es war eher eine spontane Entscheidung nach Mexiko zu gehen. Zuerst habe ich mich für die USA beworben, doch dort waren alle Plätze belegt. Aber im Absageschreiben waren Länder angegeben, in denen noch Plätze frei sind. Dadurch, dass die Auswahl nicht sehr groß war und ich Bekannte in Mexiko habe, war die Entscheidung schnell gefallen.
Die ersten Kommentare zu meiner Entscheidung waren nicht gerade sehr positiv: „Warum gerade Mexiko? Da ist es doch gefährlich, der Drogenkrieg und so…!“ Oder auch: „Hast du schon deine kugelsichere Weste eingepackt?“
Nein, ich habe sie nicht eingepackt und nein, ich bin auch nicht lebensmüde!
Ein Jahr voller Erlebnisse! So habe ich es mir gewünscht und der Anfang wurde schon in Deutschland gemacht. Denn es war mein erster Flug und dann gleich ganze 12 Stunden, aber das erste Mal bin ich während des Eincheckens schon ins Schwitzen gekommen. Als mein Handgepäck durchleuchtet wurde und mich der nicht gerade freundliche Herr fragte, ob ich Bücher in meinem Rucksack hätte. Laut und deutlich hatte ich verneint und die Frage: „Und was ist das?“ kam noch unfreundlicher als er schon dreinschaute, während ihm mein Reiseführer, meine zwei Spanischbücher und meine dicke Dokumentenmappe förmlich entgegenflogen. Passieren durfte ich trotzdem.
Auf dem Flug nach Mexiko-Stadt habe ich auch schon eine freundliche Bekanntschaft mit einem Mexikaner gemacht. In Mexiko-Stadt angekommen bin ich meiner Gruppe sofort in den Bus umgestiegen, der uns direkt zum Willkommensseminar nach Cuautla gefahren hat. Nach drei Tagen Einführung ging es dann endlich los! Alleine! Nach dem Einchecken war ich auf mich alleine gestellt, an einem Flughafen und alles auf Spanisch… Aber es hat alles einwandfrei geklappt.
Der Flug nach Zihuatanejo war ein bisschen kürzer als der erste und ging nur 45 Minuten. Als ich ausgestiegen bin, hat es mich fast hingesetzt. 30°C und extreme Schwüle! Der Begriff „schwül“ hat für mich nun eine neue Bedeutung bekommen.
Am Flughafen wurde ich von meiner Gastcousine, meiner sechsjährigen Gastschwester und meinem Gastpapa abgeholt. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, denn mit diesen Menschen werde ich voraussichtlich ein Jahr zusammenleben und fast alles zusammen machen. Der erste Eindruck war auf jeden Fall positiv, denn meine kleine Gastschwester und mein neuer Gastpapa haben mich offen empfangen und ich habe mich sehr schnell wohl gefühlt, auch als wir am Haus angekommen sind und ich meine Gastmama kennen gelernt habe. Und dann habe ich mein Zimmer bekommen. Es ist nicht groß aber ich kann darin leben. Als ich alles ausgepackt habe bin ich wieder ins Wohnzimmer zum Essen gegangen, doch als ich die Tür öffnete sprang mir ein kleines Tier entgegen, von der Größe einer  Ratte, von den Ohren eher eine Katze, aber nein, es war ein Chihuahua. Er heiß Jack, doch alle nennen ihn Jackito, weil er so klein ist. Das war der erste Störfaktor, denn er hat immer gebellt, wenn auch nur die Tür ein bisschen gewackelt hat, also immer. Nach dem Essen bin ich recht bald ins Bett gegangen, da ich sehr erschöpft war von der Reise und allem Drum und Dran.
Zihuatanejo ist eine kleine Stadt mit 60.000 Einwohnern. Das Zentrum gefällt mir sehr doch das Schönste von Zihuatanejo ist der Strand!





Jedoch muss man vor Allem in der Nacht am Strand aufpassen, denn hier sind ab und zu Krokodile unterwegs. Normalerweise sind sie eingezäunt aber irgendwie büchsen sie doch wieder aus. Ich habe auch schon gehört, dass man sie manchmal im Kanal sehen kann. Mich faszinieren diese Tiere!

Nach 2 Wochen in meiner Familie habe ich auch schon die erste kleine Reise gemacht. Zusammen mit meinem Gastvater und meinem Cousin sind wir mit dem Auto nach Acapulco gefahren, denn mein Gastvater hat sich dort um einen Job beworben. Nach 4 Stunden Fahrt sind wir endlich angekommen und Acapulco hat mich gleich mit seiner ganzen Hitze erwartet. Aber auch die Schönheit, der Strand, die Klippen - alles wie im Bilderbuch. Die Klippen auf dem Bild sind sehr bekannt denn hier springen die Weltbekannten Klippenspringer 20 Meter tief ins Meer.




Ein paar Tage später kam mein nächstes Abenteuer: meine neue Schule! Wir haben uns 2 Schulen angeschaut und haben uns dann für Conalep entschieden, da diese näher am Haus war. Noch am selben Tag haben wir auch schon meine Uniform gekauft. Am nächsten Tag bin ich dann um 6 Uhr aufgestanden und war pünktlich um 7 Uhr in der Schule. Der Unterricht beginnt hier offiziell um 7 Uhr, jedoch bis die Lehrer bei den Klassen sind, ist es fast immer 20 Minuten später. Mein erster Freund, den ich hatte, wurde mir so zu sagen von der Schule ausgesucht, denn dieser konnte Englisch und mir so bei meinem Schuleinstieg helfen. Die Klassenkameraden und neuen Freunde kamen dann von selbst. Jetzt verstehe ich mich mit fast allen aus meiner Klasse und auch schon mit vielen außerhalb meiner Klasse sehr gut. Von der Schule her fühle ich mich sehr gut integriert.
Was an meiner Schule jedoch fast jeden Tag vorkommt ist, dass Stunden ausfallen, weil die Lehrer nicht da sind, oder im Moment keine Zeit haben. Manchmal fallen die letzten 2 oder 3 Stunden aus und wir können sehr früh nach Hause gehen. Aber manchmal gehen wir nicht nach Hause, sondern gehen alle zusammen oder einzeln an den Strand und genießen das Leben! Es soll anscheinend unglaublich schnell fett machen aber es ist einfach zu schön, um es sich entgehen zu lassen: essen am Strand in einem der leckeren Restaurants. Gaumenschmaus plus Seelenstreicheln und Chillen ergeben bei mir oft dieses Bild:





Das Mexikanische Essen ist weltbekannt für die leckeren Gerichte und Variationen, aber ich muss zugeben, ich habe in Deutschland nur einmal Mexikanisch gegessen und ich verstehe nicht warum! Ich liebe es! Ich werde oft mit neuen Kombinationen überrascht und mit der Geschmack begeistert mich immer wieder. Und die Mexikaner wissen ihr Essen zuzubereiten, aber immer mit viel Schärfe. Anfangs war das ein großes Problem für mich, aber man gewöhnt sich daran.

Am 20. Oktober war dann mein Geburtstag. Meine Freunde haben  mich am Nachmittag in die Stadt eingeladen zu einem Kaffee. Im Café habe ich dann einen Geburtstagskuchen und ein T-Shirt geschenkt bekommen und natürlich wurde mir auch ein Geburtstagslied gesungen.  Es war ein richtig schöner Nachmittag mit meinen Freunden! Nach dem Café sind wir zusammen an den Strand gegangen und hatten einfach nur Spaß. Eine Anmerkung zum Kuchen: Ich habee noch nie einen solchen Kuchen gegessen und die blaue Farbe der Aufschrift verfärbt nicht nur den Mund, sondern alles Andere was damit in Berührung kommt. 




10 Tage später hatte auch mein Gastbruder Geburtstag und deswegen bin ich zusammen mit meiner Gastmutter per Reisebus nach Morelia gefahren, um ihn 3 Tage zu besuchen. Morelia ist etwas größer als Zihuatanejo und hat 600.000 Einwohner und liegt auf fast 2000 Meter.  Morelia hat ebenfalls eine hübsche Altstadt und außenherum riesige neue Wohngebiete und riesige Einkaufszentren. Dieses Bild wurde in einem der Einkaufszentren gemacht, das erst vor 2 Jahren neu eröffnet wurde.





Momentan bin ich wieder in Zihuatanejo und war auch schon wieder des Öfteren am Strand und genieße meine Zeit hier! Als ich nach Mexiko gekommen bin, konnte ich eigentlich kein Wort Spanisch und jetzt verstehe ich fast Alles und kann mich auch einigermaßen gut ausdrücken. Und auch wenn die Grammatik manchmal meine Freunde zum Lachen bringt, bin doch glücklich darüber, dass ich so viel gelernt habe und natürlich will ich mehr!

Lorenz Pasternack