Dienstag, 22. August 2017
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Das Land der weißen Wolke


Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat: 
Katharina S. - Neuseeland

Stipendium gestiftet durch:
Study Nelson


Neuseeland: Das Land der weißen Wolke. Jedes Mal, wenn ich an das halbe Jahr in Neuseeland zurück denke, bekomme ich Fernweh. Zu gerne würde ich noch einmal den weiten Flug auf mich nehmen, um alle meine Freunde wieder zu treffen, um noch mehr vom Land zu sehen. Die Zeit ging einfach viel zu schnell vorbei. Kaum hatte ich mich richtig eingelebt, musste ich auch schon wieder zurück nach Deutschland.

Aber von vorne: Warum Neuseeland? Die Frage habe ich immer wieder gestellt bekommen. Eine genaue Antwort weiß ich nicht, aber ich kann es ja mal versuchen: Ich wollte auf jeden Fall in ein englischsprachiges Land. Daher reduzierte sich die Auswahl schon mal gewaltig. England war mir nicht weit weg genug, denn ich dachte mir, wenn schon weg, dann richtig und zwar so weit, dass man nicht innerhalb von ein paar Stunden wieder bei seiner Familie in Deutschland sein kann. Ich hatte Lust auf etwas Neues und da ich in Amerika schon zweimal war, kam das für mich auch nicht mehr in Frage. Irgendwann standen nur noch Australien oder Neuseeland zur Auswahl. Die Entscheidung fiel mir schwer, aber im Endeffekt habe ich mich dann für Neuseeland entschieden, da die Landschaft dort um einiges schöner ist und ich mich dort auch schon nach Organisationen umgeschaut hatte, die mir auf dem ersten Blick schon ganz gut gefallen haben.

Natürlich gibt es sehr viel über meinen Aufenthalt zu erzählen und ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll.

Schließlich habe ich mich entschieden, nach Nelson (im Norden der Südinsel Neuseelands) zu gehen und dort das Nelson College for Girls zu besuchen. Jeden Morgen bin ich 20 Minuten in Uniform zur Schule gelaufen. Stichwort Schuluniform: Damit konnte ich mich an Anfang überhaupt nicht anfreunden. Ich habe mich unglaublich schrecklich darin gefühlt. Aber das hat sich ganz schnell geändert. Nachdem ich den Rock ein wenig kürzer genäht hatte, was in meiner Schule so üblich ist, war es nur noch halb so schlimm. Trotzdem bin ich in den ersten Tagen nicht gerne mit meiner Uniform durch die Stadt gelaufen. Aber da dort alle so herumlaufen, ist das überhaupt kein Problem und keiner würde auf die Idee kommen, dich deshalb schräg anzugucken. Außerdem ist die Schuluniform vom Nelson College gar nicht mal so schlecht, weiße Bluse und ein blau-karierter Rock.

In der Schule wird sehr auf Tradition geachtet und somit wird die Uniform auch sehr streng kontrolliert. Keine Ketten, Armbänder usw. Mit der Zeit fand ich es überhaupt nicht mehr schlimm, eine Uniform zu tragen und mittlerweile finde ich sogar, dass die Uniform sehr praktisch ist. Ich hätte kein Problem damit, in Deutschland auch eine zu tragen, denn morgens braucht man nicht mehr stundenlang vor dem Kleiderschrank zu stehen, um zu gucken, was man anziehen soll, wodurch man ein paar Minuten länger im Bett bleiben kann.

Die ersten Tage auf dem College waren sehr verwirrend, da ich ständig nach meinen Räumen fragen musste und die englische Sprache noch so ungewohnt war. Einige Lehrer konnte ich anfangs nur mit Mühe verstehen, was sich aber mit jedem Tag, den ich in der Schule war, verbessert hat und am Ende war das kein Problem mehr. Zweimal in der Woche hatten wir Assembly. Die ganze Schule trifft sich dann in der großen Halle und es wird gesungen und wichtige Ereignisse werden besprochen.

Das Nelson College for Girls ist eine sehr gut ausgestattete Schule. Die Computerräume, von denen es nicht wenige gibt, sind alle auf dem neusten Stand und auch im naturwissenschaftlichen Bereich mangelt es an nichts. Was ich außerdem sehr gut fand war, dass die Schule immer erst um kurz vor 9 Uhr anfing.

Für mich war es eine einmalige Erfahrung, mal auf eine reine Mädchenschule zu gehen, da die Atmosphäre doch eine andere ist, als auf einer gemischten Schule. Einige Unterrichtsfächer hatten wir auch mit dem Nelson College for Boys zusammen. Doch ich gehe trotzdem lieber auf eine Schule für Mädchen und Jungen.



Auf das College gehen viele asiatische Schülerinnen, die auch zum Studieren in Neuseeland bleiben. Ich habe jetzt Freundschaften über die ganze Welt verteilt. Mit mir zusammen sind noch 13 andere deutsche Gastschüler auf das Nelson College gegangen. Das sind zwar nicht so viele wie an anderen Schulen, aber trotzdem muss man sehr darauf achten, dass man nicht Deutsch untereinander spricht, was zwar sehr einfach, aber nicht der Sinn des  Aufenthaltes ist und auch sehr unhöflich sein kann.

Daher haben wir Deutschen uns zum Beispiel in den Pausen nie zusammengesetzt und hatten alle unsere eigenen Freundeskreise und da ich das einzige deutsche Mädchen in Year 13 war, hatte ich außer in Englisch auch keinen Unterricht mit anderen Deutschen zusammen. Trotzdem ist es ganz gut, wenn man seine Eindrücke mit jemandem teilen kann, der sich genau in der gleichen Situation befindet wie man selbst. Darum habe ich mich auch öfters zum Kaffee getroffen, um einfach mal zu reden.

Am Anfang war es recht schwer, zwischen die Neuseeländer zu kommen, denn außer an den Wochenenden haben wir uns nur selten getroffen, was  aber vielleicht auch daran liegt, dass in Year 13 die Schüler alle kurz vor ihrem Abschluss stehen und daher viel lernen müssen. Mit meinen Freunden habe ich auch immer noch Kontakt.

Man sagt, dass die Neuseeländer alle sehr offen sind, was ich in Teilen bestätigen kann. Je älter die Menschen sind, desto offener sind sie zu einem. In der Schule habe ich den Unterschied zu den Deutschen eigentlich nicht bemerkt. Doch wenn man mit Erwachsenem zusammen war, war die Stimmung doch immer etwas lockerer als in Deutschland. Insgesamt ist das Leben in Neuseeland nicht so streng. Man geht auch mal in Trainingshose in die Stadt und läuft eigentlich den ganzen Sommer barfuß herum.

An das Leben in einer Gastfamilie habe ich mich sehr schnell gewöhnt, was aber am Anfang nicht so einfach war. Da der Lebensstandard in Neuseeland nicht so hoch ist und das Haus auch schon etwas älter war, habe ich mich die ersten Tage sehr unwohl gefühlt. So viele Eindrücke auf einmal waren dann doch ein bisschen viel. Auch an die Spinnen und andere Krabbeltiere musste ich mich erst mal gewöhnen. Aber jetzt macht es mir nichts mehr aus, wenn ich beim Duschen eine Spinne sehe.

Mit meiner Gastfamilie habe ich mich sehr gut versanden. Ich konnte mit ihnen über alles reden und sie haben sich wie meine richtigen Eltern um mich gekümmert. Das heißt auch, dass sie aufgepasst haben, dass ich nachts nicht alleine im Dunkeln nach Hause gehe.


Manchmal haben wir kleine Wanderungen unternommen und ich war mit meiner Familie für ein Wochenende in der Golden Bay und habe dort mit ihnen Urlaub gemacht. Mit meiner Gastschwester habe ich mich auch gut verstanden. Doch sie war sehr oft nicht zu Hause, da sie Unterwasser Hockey spielt und daher oft in Wellington oder Auckland war. Meine Familie hat lecker gekocht und ich habe ihnen oft dabei geholfen. Einige Male habe ich auch für sie gekocht, worüber sie sich sehr gefreut haben.


Die ersten Wochen war ich ziemlich müde. Ich weiß nicht, ob das an dem Jetlag gelegen hat oder es einfach daran lag, dass alles noch so neu war und es Kraft kostet, die ganzen Eindrücke zu verarbeiten. Es ist außerdem sehr anstrengend, auf einmal die ganze Zeit eine andere Sprache zu sprechen und man muss sich bei jedem Gespräch ungeheuer darauf konzentrieren, was der andere sagt und was du antworten möchtest, wenn man noch nicht in Englisch denkt. Doch mit jedem Tag wurde das leichter und irgendwann kam der Zeitpunkt, wo ich nicht mehr alles wörtlich übersetzen musste und auch auf Englisch geträumt habe.

Nachmittags um 3.15 Uhr war die Schule zu Ende. Ich konnte danach sozusagen machen, was ich wollte. Meistens war ich mit ein paar Leuten in der Stadt. Um 6 Uhr musste ich mich spätestens bei meiner Familie melden und sagen, wo ich bin. Aber meistens war ich schon vorher zu Hause. Punkt 7 Uhr gab es immer Essen.


Dreimal die Woche bin ich nach dem Essen zum Turnen gegangen, wo ich viele Leute kennen gelernt habe und sehr viel gelernt habe. Am Anfang, als es abends noch hell war, bin ich dort mit dem Fahrrad hingefahren. Später wollten mich meine Eltern lieber bringen, da ich nicht alleine im Dunkeln die Strecke fahren sollte, was ich sehr nett fand.

Da das Study Nelson Büro direkt in der Stadt ist, konnten wir immer vorbeikommen, wann wir wollten. Es gab Zeiten, da waren wir sehr oft dort. Und dann gab es Wochen, wo wir gar nicht da waren. Wenn es Probleme gab, konnten wir uns immer melden, was Sicherheit gegeben hat. Dadurch hat man sich auch nicht alleine auf der anderen Seite der Welt gefühlt.

Der Aufenthalt war ein sehr aufregendes Ereignis in meinem Leben, das mich geprägt hat und das ich nie vergessen werde. Ich bin ein ganzes Stück selbstständiger geworden. Das meiste, worum ich vorher meine Eltern gebeten habe, mache ich jetzt selber. Ich finde es viel einfacher, mich mit fremden Menschen zu unterhalten und mich, in für mich neuen Situationen, durchzusetzen.

Was mir der Aufenthalt schulisch gebracht hat, weiß ich noch nicht so genau, da die Schule erst gerade wieder angefangen hat. Aber mein Englisch hat sich um einiges verbessert, was sich wahrscheinlich auch auf meinen Notenschnitt auswirken wird.

Katharina (aus Münster)