Sonntag, 17. Dezember 2017
Herzlich Willkommen bei Weltbürger-Stipendien!

Du befindest dich hier: weltbuerger-stipendien.de » WELTBÜRGER-Stipendiaten » Christina L. (Neuseeland)

Unterwegs im Land der Kiwis -
Work & Travel Neuseeland


Erfahrungsbericht

WELTBÜRGER-Stipendiatin
Christina L. - Neuseeland

Reiseoutfit-Stipendium gestiftet durch:
Zalando

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

Hallo liebes Weltbürger-Stipendium-Team,

 

endlich bin ich in meinem Traumland Neuseeland angekommen. Es ist alles noch viel schöner, als ich mir es vorgestellt habe. Die Landschaft ist wahnsinnig beeindruckend, die Leute sind sehr nett und hilfsbereit, das Essen und der Wein sind sehr gut und man erlebt jeden Tag etwas Neues und lernt sehr viele interessante Leute aus der ganzen Welt kennen.


Aber jetzt fang ich mal von vorne an. Am 17. Januar bin ich nach einem 28-stündigen Flug im Land der Kiwis und Schafe angekommen. Die Einreise gestaltete sich als sehr kompliziert. Ich wurde zwei Stunden vom Zoll aufgehalten, da ich einen Apfel in meiner Tasche hatte. Frisches Obst muss man vor der Anreise nämlich entweder wegwerfen oder anmelden. Da ich vor lauter Vorfreude und Aufregung endlich angekommen zu sein, meinen Apfel total vergessen hatte, durfte ich erst einmal mit den Zollbeamten diskutieren und musste letztendlich 400 $ Strafe zahlen. Auf die Frage, ob  ich den Apfel jetzt essen dürfe, nachdem ich ihn so teuer bezahlen musste, hieß es nur, ob ich Witze mache. Na gut, das war wohl nicht der beste Start in Neuseeland, aber jetzt konnte es nur besser werden ;).


Endlich im Hostel in Auckland angekommen, galt es den Jetlag zu überwinden. Die kommenden fünf Tage verbrachte ich dort und erledigte einige organisatorische Dinge, wie zum Beispiel die Eröffnung eines neuseeländischen Bankkontos und die Beantragung einer Steuernummer. Das Sightseeing kam dabei natürlich auch nicht zu kurz, in fünf Tagen kann man so einiges machen. Vom Skytower, der Queensstreet, dem Hafen, mehreren Stadtparks und Museen bis hin zu Mount Eden, dem höchsten Vulkankegel der Stadt (und gleichzeitig Aussichtspunkt über Auckland), habe ich alles gesehen.


Von Waiheke Island kann ich nur schwärmen. Diese kleine Insel ist 35 Fährminuten von Auckland entfernt und verspricht schöne Sandstrände, felsige Buchten und stylische Weingüter. Hier kann man gut dem Großstadtrummel von Auckland entkommen. Nach dieser 5-tägigen Eingewöhnungsphase ging es für mich weiter auf die Caretakerfarm in Wangateau. Die Farm habe ich über die Website www.wwoof.co.nz gefunden. "Wwoofen" (World Wide Oppurtunity on Organic Farms) beziehungsweise als "Wwoofer" arbeiten ist sehr verbreitet in Neuseeland. Hierbei arbeitet man circa vier bis sechs Stunden täglich auf einer Farm, bekommt als Gegenleistung Verpflegung und Unterkunft kostenlos und erfährt einiges über den biologischen Anbau. Als ich auf der Farm ankam, war ich sehr schockiert. Das Leben auf so einem neuseeländischen Bauernhof ist komplett anders als in Deutschland. Als ich die vielen Spinnen sah und erfuhr, dass wir in der Nacht alles Essbare wegräumen sollten, weil es die Mäuse sonst fressen, wollte ich am liebsten wieder abreisen. Was mich dort hielt, waren die Farmbesitzer, die sehr aufgeschlossen, hilfsbereit und nett waren.

 

Mit elf weiteren Wwoofern aus der ganzen Welt (Kanada, Frankreich, USA, Schweden, Österreich, Holland, Neu Kaledonien) teilte ich mir mein neues Zuhause. Unsere Aufgaben waren unter anderem: Hühner füttern, Unkraut jäten, Garten wässern, Regale säubern und streichen, mit den Hunden Gassi gehen und ein Gemüsebeet anlegen. Was ich sicherlich nie vergessen werde ist, als wir die 19 Hühner, die wir täglich gefüttert hatten, schlachteten und in den darauffolgenden Tagen zu Abend gegessen haben. Ein weiteres Großprojekt auf der Farm war der Bau eines Lehmofens, das bis jetzt noch nicht abgeschlossen ist und sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Farmbesitzerin hatte zudem einen kleinen Laden, in dem jeder von uns jeweils einen Tag in der Woche arbeitete. Nach zwei Wochen wollte ich die Farm verlassen und mir einen Job suchen, um etwas Geld zu verdienen. Als ich dies der Farmbesitzerin mitteilte, stellte sie mich an. Also arbeitete ich in den darauffolgenden Tagen jeweils einen halben Tag als "Wwoofer" und den restlichen Tag als Angestellter.

 

Ich half im Haushalt, kümmerte mich um ihre 90-jährige Mutter, erledigte diverse Büroarbeiten, man kann sagen ich war "Mädchen für alles". Insgesamt blieb ich dort viereinhalb Wochen. Nach dem anfänglichen Schock, kann ich im Nachhinein sagen, dass es eine supergute und lehrreiche Zeit war und eine der besten Erfahrungen die ich bis jetzt hier hatte. Ich lernte einiges über Land, Leute und deren Lebensgewohnheiten, verbesserte mein Englisch und fand richtig gute Freunde.


Nach dieser Zeit ging es zurück nach Auckland, zurück in die Zivilisation (die Farm war im Nirgendwo), wo ich eine Freundin aus Deutschland erwartete, die mich hier besuchte und für 4 Wochen mit mir reiste. Kurz vor ihrer Ankunft habe ich noch schnell ein Auto gekauft - und mit schnell meine ich innerhalb von einer Stunde. Ich habe das Auto in Auckland auf der Straße mit der Aufschrift "for sale" gesehen, mich sofort mit dem Besitzer getroffen, eine Probefahrt gemacht und beschlossen, das Auto zu kaufen. Dann mussten wir nur noch zur Post gehen und das Fahrzeug auf mich ummelden, was 9$ kostet und innerhalb von 10 Minuten geschehen war - unvorstellbar aus deutscher Sicht ;).


Jetzt konnte unser Roadtrip losgehen. Wir starteten von Auckland aus, Richtung Coromandel und schauten uns dort die von Touristen überfüllte Hot Water Beach, wo man bei Ebbe nach Thermalquellen buddeln kann, und die Cathedral Cove mit ihrem gigantischen Steinbogen an. Dann ging’s weiter nach Rotorua, der "Schwefelstadt" des Landes. In der Thermalgegend, wo es andauernd nach faulen Eiern riecht, konnten wir uns sprühende Geysire, dampfende Thermalquellen und brodelnde Schlammtümpel anschauen. Wir besuchten das Whakarewarewa Thermal Village, ein lebendiges Maori Dorf inmitten von blubbernden Tümpeln, Quarzterrassen und Geysiren. Hier leben die Dorfbewohner immer noch genauso wie ihre Vorfahren vor Jahrhunderten.


Unser nächster Stopp war in einem sehr netten Hostel in Taupo, am Lake Taupo, dem größtem See Neuseelands, auf dem wir eine Segeltour gemacht haben, um uns das 10 m hohe Maorirelief an der Mine Bay anzuschauen und einfach nur zu relaxen. Am nächsten Tag ging es nämlich schon früh los in den Tongariro National Park, von wo aus das Tongariro Alpine Crossing, eine der schönsten Tageswan-derungen Neuseelands, beginnt. Leider hatten wir an diesem Tag Pech mit dem Wetter, es regnete, war neblig und sehr kalt. Keine guten Voraussetzungen für so eine Wanderung. Deswegen konnten wir die Tour an diesem Tag nicht machen und sind direkt nach Napier an der Ostküste gefahren. Hier hatten wir nur einen kurzen Zwischenstopp, bei dem wir uns die Küste und die Architektur im Art deco Stil anschauten, bevor es weiter nach Wellington ging. In der Hauptstadt des Landes hatten wir wieder strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel und konnten unseren dreitägigen Aufenthalt genießen. Mit der Cable Car ging’s hinauf zu den Botanischen Gärten, von wo aus man einen super Blick über die Stadt hat, zurück zu Fuß über das Regierungsviertel. Abends haben wir die Cuba Street, Wellingtons Kultstraße und den Hafen erkundet. Am nächsten Tag stand ein weiterer Aussichtspunkt, Mount Victoria,  auf dem Programm, bevor es schließlich nachts um 2 Uhr mit der Fähre nach Picton ging.

 

Unsere Tage auf der Südinsel bestanden hauptsächlich aus Autofahren, da es auf der Südinsel sehr lange und zeitintensive Strecken gibt, um ans Ziel zu kommen. Dennoch hatten wir dort sehr schöne Tage und viel erlebt. Highlights waren: Dolphin Watching Tour in Kaikoura, Weinradeltour durch die Marlborough Sounds, Spaziergang an den Pancake Rocks und zum Abschluss unserer gemeinsamen Reise eine Kajaktour durch den Abel Tasmann National Park.

 

Für meine Freundin ging es dann wieder zurück nach Deutschland und für mich zurück auf die Nordinsel. Mein nächstes Ziel war eine Brauerei in der Nähe von New Plymouth, also fuhr ich die Westküste entlang nach Norden und stoppte in Whanganui. Hier hatte ich das Glück, kostenlos in einem Hostel übernachten zu können, oder was heißt kostenlos, als Gegenleistung musste ich die Zimmer putzen ;). Dann ging es schließlich über die Dawson Falls (Wasserfall) und die Hollard Gardens (vergleichbar mit Botanischen Gärten) zu der Brauerei. Mein neues Zuhause war ein alter Wohnwagen, den ich mit 2 Franzosen, die auch dort arbeiteten, teilte. Meine nächsten Tage bestanden hauptsächlich aus Flaschen etikettieren. Die Belohnung war jede Menge Freibier. Am Wochenende half ich dann im Restaurant der Brauerei aus und war fürs Pizzabacken zuständig. Das war ganz schön stressig, als plötzlich eine Gruppe hungriger Biker angefahren kam.

 

An meinem freien Tag habe ich den Summit Track am Mount Taranaki gemacht, ein 2518 m hoher Vulkankegel, der die Landschaft hier dominiert. Der letzte Ausbruch liegt 350 Jahre zurück, weshalb die Einheimischen der Meinung sind, ein neuer Ausbruch sei überfällig. Wie auch immer, während meiner Wanderung kam mir jedenfalls keine Lava entgegen. Der Tag war ein Highlight, auch wenn mir jetzt alles weh tut und ich mich vor lauter Muskelkater kaum noch bewegen kann. Bis jetzt habe ich schon viele tolle Sachen erlebt und meine Zeit hier sehr genossen.

Mein Fazit, nach 3 Monaten: Es war die beste Entscheidung nach Neuseeland zu gehen und Work & Travel zu machen. Die Erfahrungen, die ich hier machen konnte, waren alle sehr positiv. Abgesehen von der Apfelgeschichte ;). Mein Plan für die nächsten Wochen ist, nochmal ein bisschen Geld zu verdienen, um dann wieder reisen zu können. Geld ausgeben kann man hier nämlich sehr leicht, es gibt 1000 verschiedene Outdooraktivitäten und man hat die Qual der Wahl. Geld verdienen kann man zwar auch recht einfach, allerdings wird man dabei nicht zum  Millionär, denn man arbeitet meistens zum Mindestlohn. Aber ein Anfang ist bereits gemacht, ich arbeite momentan in einem kleinen Cafe und bessere mir dadurch meine Reisekasse auf.