Dienstag, 24. Oktober 2017
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Schüleraustausch USA -

„Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“

Erster Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Gina G. - USA

Stipendium gestiftet durch:
Experiment e.V.

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

„Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“.
Mit diesen Worten begann ich vor knapp einem halben Jahr meine Bewerbung für das Weltbürgerstipendium. Schon immer war es mein größter Traum, ein Jahr in den USA zu verbringen, die Kultur hautnah zu erleben und eine zweite Familie auf der anderen Seite der Erdkugel zu gewinnen. Das Stipendium sowie die Unterstützung meiner Familie hat mir diese Chance ermöglicht und ich bin unendlich dankbar dafür.


Ein Auslandsjahr ist einmalig, doch bevor das Abenteuer beginnt, sollte alles gut geplant und organisiert sein. Experiment e.V. ist eine sehr gute Organisation, die ich aus eigener Erfahrung jedem weiter empfehlen kann. Das Vorbereitungsseminar vom 12.-15 Juni in Bad Kissingen gab mir die Möglichkeit, andere Austauschschüler kennenzulernen und mehr über das Leben in den USA zu erfahren. Zudem wurden uns wichtige Tipps und Hinweise mitgeteilt, um uns den Start des Jahres zu erleichtern. Ich werde diese vier Tage für immer in Erinnerung behalten, da sie mich mit fremden Leuten zusammengebracht haben, die nun meine Freunde sind und mit denen ich Erfahrungen im Ausland teilen kann. Ein Jahr in einem fremden Land mit fremden Menschen leben und eine fremde Sprache sprechen, erfordert einerseits viel Vorbereitung, aber auch viel Geduld. Nach der Zusage für das Stipendium bekam ich alle Unterlagen für den weiteren Verlauf der Gastfamiliensuche zugeschickt. Nachdem Zettel um Zettel ausgefüllt wurde, Meinungen von Lehrern und Ärzten eingeholt wurden, begann das lange Zittern. Wo in den USA werde ich das nächste Schuljahr verbringen? Ist es eine ganze Familie oder eine einzige Person? Was macht meine Gastfamilie am liebsten in ihrer Freizeit? All diese Fragen stellte ich mir und manchmal war das Warten unerträglich, aber es hat sich zum Glück gelohnt.


Am 21. Juni 2014 bekam ich die lang ersehnte Nachricht. Völlig unerwartet öffnete ich meinen Facebook-Account und es lagen zwei neue Freundschaftsanfragen aus den USA vor. Schon einen Tag später bekam ich die Bestätigungsmail von Experiment e.V. und meiner Gastfamilie zugeschickt. Noch nie zuvor war ich so aufgeregt und konnte meine Begeisterung kaum in Grenzen halten. Das lange Warten hatte ein Ende und die Vorbereitungen konnten beginnen.


Aus den Unterlagen konnte ich entnehmen, dass meine Gastfamilie in Lumberton, im Südosten von Texas, lebt. Da ich kein Fan kalter Temperaturen bin, konnte ich mich mit der Vorstellung, ganzjährig Sommer zu haben, sehr gut anfreunden. In den nächsten zehn Monaten werde ich hauptsächlich mit vier Personen zusammenleben: meiner Gastmutter Tiffany, meinem Gastvater Kevin, meiner 14-jährigen Gastschwester Breann und meinem 10-jJährigen Gastbruder Brian. Ich habe mich wahnsinnig über diese Mittelung gefreut und auch sofort versucht, Kontakt zu ihnen aufzubauen. Schon nach dem ersten Telefonat habe ich herausgefunden, dass meine Gasteltern momentan in Europa sind und schon in ein paar Tagen nach Deutschland kommen wollen. Meine Familie hat daraufhin sofort die Initiative ergriffen und sich an dem besagten Datum auf den Weg nach Köln begeben. Auch wenn mein Bauchgefühl aus Nervosität und Aufregung bestand, habe ich mich sehr auf das bevorstehende Treffen gefreut. In Köln angekommen, hat sich herausgestellt, dass die anfängliche Angst völlig unbegründet war. Meine Gasteltern waren mir und meinen Eltern schon von der ersten Sekunde an sehr sympathisch und ich bin ihnen sehr dankbar, mich als Austauschschülerin ausgewählt und aufgenommen zu haben.

 

Die restlichen 2 Monate vergingen und so langsam rückte der Abschied zu meiner Familie näher. Am 19. August war es dann endlich soweit. Mit einem fröhlichen und einem traurigen Auge stieg ich in das Flugzeug am Flughafen Berlin Tegel. Auch wenn der Abschied schwer fiel, habe ich mich auf das kommende Jahr gefreut. Natürlich war ich nicht die einzige, der es so erging. Während des Gruppenfluges konnte ich mich sehr gut mit anderen Austauschschülern über Träume, Erwartungen und Ängste in Bezug auf das kommende Auslandsjahr austauschen.


Kurz vor der Landung stieg die Nervosität noch einmal abrupt an und ich konnte den Moment, meine Gastfamilie zu treffen, kaum noch abwarten. Der Empfang war sehr herzlich und mit viel Gepäck, einem großen Schild mit den Buchstaben „Welcome Gina“ und mir als fünfte Person im Auto ging es Richtung „neues Zuhause“.

 

Schüleraustausch USA


Am ersten Tag bin ich mit meiner Gastmutter und meiner Gastschwester im nahgelegenen Supermarkt "Walmart" gewesen. Alles ist viel größer als bei uns, von der Milchpackung bis zu den Schulmaterialien. So hat man hier zum Beispiel die Möglichkeit 45 Bleistifte im Pack zu kaufen. Nach dem Einkaufen sind wir wieder nach Hause gefahren und haben Lasagne zubereitet. Anschließend habe ich zusammen mit meiner Gastmutter Tiffany, meinen kleinen Gastbruder Brian beim Teakwondo beobachtet. Am Abend haben Breann, Brian und ich die Wii ausprobiert und High School Musical Songs nachgesungen sowie zu verschiedenen Hits getanzt. Am nächsten Tag fand die "Freshmen Orientation" statt. In der High School sind die Stufen nach Namen unterteilt (Freshmen=9.Klasse, Sophomore=10.Klasse, Junior=11.Klasse und Senior=12.Klasse). Meine Gastschwester ist ein "Freshmen" und speziell für diese Jahrgangsstufe fand an diesem Tag die Besichtigung statt. Obwohl ich eigentlich älter bin, konnte ich daran teilnehmen und hatte die Möglichkeit, die High School schon vor Schulbeginn kennenzulernen und neue Freunde zu finden. Am dritten Tag bin ich mit meiner Gastfamilie und den Nachbarn in ein mexikanisches Restaurant gefahren. Ich habe noch nie zuvor mexikanisches Essen probiert, also war ich sehr überrascht, was mich wohl erwarten wird. Ich hatte Fajitas zum Mittag, eine Art gefüllte Teigrolle. Es war sehr, sehr lecker und ein Essen der etwas anderen Art. An diesem Tag habe ich auch die Nominierung für die "IcebucketChallenge" bekommen und diese noch am selben Tag ausgeführt. Dabei muss man sich einen Eimer mit kaltem Wasser und Eiswürfeln über den Kopf kippen lassen bzw. bei einer Weigerung spenden. Am Abend haben wir noch den Film "Rio2" zusammen mit Breanns Freundin gesehen. Den vierten Tag verbrachte ich mit meiner Gastfamilie in einer amerikanischen Mall. Es hat Spaß gemacht, shoppen zu gehen. Die Preise sind wirklich ein bisschen günstiger, so habe ich mir z.B. gute Schuhe für umgerechnet 8 Euro gekauft. Am nächsten Morgen sind wir schon recht früh aufgestanden, denn es ging in die Kirche. Diese sind in den USA komplett gegensätzlich zu denen, die wir in Deutschland haben. Die Kirche in Lumberton ist ein modernes Gebäude, was im Inneren einer Konzerthalle ähnelt. Statt Orgel und co. gab es dort eine Band mit E-Gitarren, Keyboard, Sängern, Schlagzeug und anderen Instrumenten sowie Lichteffekten und einer Cafeteria. Die Songs waren sehr gefühlvoll und gingen teilweise echt unter die Haut. Nach dem Kirchenbesuch hat mich meine Gastfamilie zur Pediküre eingeladen. Es war eine neue Erfahrung für mich, in einem Massagestuhl zu sitzen und sich nebenbei die Nägel lackieren zu lassen. Am Ende des Tages sind tolle Ergebnisse entstanden, die sich wirklich zeigen lassen konnten.


Die erste Woche in den USA war im Allgemeinen sehr erlebnisreich, bis der Ernst der Schule wieder begann. Dieses Mal war der erste Schultag allerdings ein bisschen anders, als ich es von meiner deutschen Schule gewohnt bin: Gelbe Schulbusse, Schließfächer und Wasserhähne im Schulgebäude. Die amerikanische High School zu sehen, war sehr aufregend und ich werde diesen Tag sicherlich nie wieder vergessen. Alle Schüler waren hilfsbereit und ich konnte jederzeit Fragen stellen, vor allem wenn es darum ging, den richtigen Weg zum nächsten Klassenraum zu finden.


Die Schule ist nicht wirklich wie man sie aus Filmen kennt. Es gib nicht diese extreme Einteilung von Gruppen wie z.B. Cheerleadern, Footballplayer, Nerds etc. Trotzdem unterscheidet sie sich sehr von unserer alltäglichen deutschen Schule. Es gibt hier keine Klassen, sondern Kurse. Alle Schüler in einem Kurs sind unterschiedlichen Alters; so kann es z.B. vorkommen, dass Zwölftklässler und Neuntklässler den gleichen Unterricht mitverfolgen. Des Weiteren hat man hier auch keine Frühstückspause, dafür aber eine einstündige Mittagspause, auch bekannt als "Lunch". In meiner Schule habe ich jeden Tag den gleichen Stundenplan. Dieser besteht aus den Fächern: Englisch 2, Journalismus, Chor, US History, Sport, Mathe 2 und Biologie. Es war am Anfang ziemlich ungewohnt und auch ein bisschen langweilig, keine Stundenplanänderung während der Woche zu haben, mittlerweile habe ich mich aber schon daran gewöhnt.


In jedem Fach wurde ich entweder von der Lehrerin vorgestellt oder habe mich selbst vorgestellt. Meist kam die Antwort: "You're from Germany? That's awesome!"


Mittlerweile bin ich schon seit drei Monaten in den USA und der gewöhnliche Alltag hat sich bereits eingespielt. Eine meiner Lieblingsaktivitäten ist das Besuchen von Footballspielen zusammen mit meiner Gastfamilie. Ein ganz besonderes Spiel war das College Footballgame LSU gegen Kentucky am 18. Oktober 2014 in Baton Rouge, Louisiana. Ich habe noch nie zuvor so viele Menschen in einem Stadion gesehen. Es war beeindruckend, mit wie viel Leidenschaft alle Fans hinter ihrem Team standen.

 

High School Sport USA

 

Besonders herausstechend waren die Band und das Colorguardteam, welche die Stimmung zusätzlich steigerten. Ein weiterer toller Ausflug war der Trip zum Renaissance Festival in der Nähe von Houston mit dem Chor. Trotz regnerischen Wetters wurden alle Gebäude nach dieser Zeitepoche geschmückt, Mitarbeiter und Gäste haben sich verkleidet und Souvenirs wurden reichlich gekauft.  


Halloween in den USA war viel größer, als wir es in Deutschland kennen. Häuser wurden mit gruseliger Deko ausgestattet und an Süßigkeiten hat es nicht gemangelt. Bei einer Halloween-Party einer Freundin konnte ich Halloween noch einmal auf andere Art und Weise erleben. Alle Gäste hatten kreative Kostüme, die mich teilweise wirklich erstaunt haben.


„Under the Big Top“ war das Motto des 2014 erstmalig stattfindenden Homecoming Dance. Es war wie man es aus Filmen kennt und ich wurde sogar überraschenderweise mit Schokolade gefragt. Gemeinsam mit meiner Gastschwester und ihrem Date sind wir zunächst zur Bowlinghalle gefahren, anschließend zum Restaurant und letztendlich zur Schule, um den Abend ausklingen zu lassen. Homecoming hätte im Allgemeinen nicht besser sein können und es war so, wie ich es mir immer vorgestellt habe.

 

High School USA


Vor ca. einer Woche habe ich auch meinen 17. Geburtstag in den USA gefeiert. Im Moment bin ich gerade in Nashville mit meiner Gastfamilie. Die Stadt ist wunderschön und ich bin besonders beeindruckt von der Country Musik. Morgen findet Thanksgiving statt und somit ein weiteres tolles Ereignis, das ich dieses Jahr miterleben darf.


Die ersten drei Monate waren sehr aufregend. Ich habe so viel gesehen und dazugelernt, was ich für immer in Erinnerung behalten werde. Auch wenn die Zeit zwischen Geburtstag und Weihnachten am schwersten ist, bin ich sicher, dass auch diese Phase eines Tages ein Ende findet.


Im Allgemeinen bin ich froh, die Chance eines Auslandsjahres wahrgenommen zu haben.


Gina G.,
November 2014