Samstag, 24. Juni 2017
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Schüleraustausch USA -

Abenteuer Amerika

Zweiter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Gina G. - USA

Stipendium gestiftet durch:
Experiment e.V.

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

Ich kann es mir kaum vorstellen, dass schon fast ein halbes Jahr meines Austauschjahres in den USA vorbei ist. Sechs Monate im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sechs Monate, die ich bereits mit meiner Gastfamilie verbracht habe, sechs Monate voller Höhen und Tiefen, bestimmt von Verzweiflung bis zu erlebnisreichen und unvergesslichen Momenten. Meine Zeit hier ist schneller verflogen, als ich es je für möglich gehalten hätte. Mir ist klar geworden, dass ein Auslandsjahr kein Jahr im Leben ist, sondern ein Leben in einem Jahr. Alles ist komplett verschieden, als ich es von meinem gewöhnlichen Alltag in Deutschland gewohnt bin - die Sprache, die High School, das Essen usw. 

 

Gastfamilie USA

 

Seit meinem letzten Bericht über mein Auslandsjahr in den Staaten sind drei Monate vergangen, über alles was während dieser Zeit geschehen ist, werde ich euch heute berichten. Jeden vierten Donnerstag im November wird in den USA Thanksgiving gefeiert. Hintergrund dieses Festes ist ein gemeinsames Fest der Pilgrim Väter mit den Indianern im Jahr 1621. Im Grunde wird sehr viel gegessen und an die Geschichte Amerikas gedacht. Zudem wird viel über kleine Dinge gesprochen, für die man dankbar ist und die einem im Leben geholfen haben. 

 

Ich persönlich möchte mich bei allen bedanken, die dieses Jahr möglich gemacht haben, vor allem bei meiner Familie und Freunden sowie bei meiner Gastfamilie. Thanksgiving ist eine amerikanische Tradition, auf die ich mich seit meiner Ankunft gefreut habe. Traditionell für diesen Feiertag hat meine Gastmutter Tiffany Truthahn und Schinken gekocht. Außerdem gab es verschiedene Salate, Bananenpudding, Kuchen, Bohnen und vieles mehr. Da Thanksgiving ein besonderes Ereignis ist, haben wir in der Schule Ferien bekommen. Meine Gastfamilie hat daraufhin eine Reise nach Nashville geplant. Auch wenn die Autofahrt 11 Stunden in Anspruch nahm, hat es sich definitiv gelohnt. Ich persönlich bin ein Fan von Country (und Pop) Musik und habe mich somit sehr auf die Stadt, in der Country Musik seinen Ursprung fand, gefreut. Am ersten Tag haben wir das "Capitol" besucht, in der die Politik des Bundesstaates Tennessee geregelt wird. Wir bekamen eine Führung durch das Gebäude und ich habe die Chance genutzt, ein bisschen mehr über die Politik der USA zu lernen. In den weiteren Tagen sind wir in den Zoo gegangen, haben Familienfotos für die Weihnachtpostkarten geschossen und ein berühmtes Konzerthaus „The Ryman“ besucht.


Am Mittwoch stand der „Hall of Fame“ auf dem Programm. Alle bekannten Sänger wurden dort geehrt und durch Staturen und Fotos ausgestellt. Einer dieser berühmten Sänger ist Brenda Lee ("Rockin' around the Christmas Tree"), die an diesem Abend einen Auftritt hatte. Während ihrer Performance hat sie das Publikum gefragt, ob jemand Lust hätte, mit ihr zu singen. Meine Gastmutter Tiffany hat daraufhin sofort meinen Arm gehoben und auch nach mehreren "Stoooopppp" nicht heruntergenommen. Nach einem lauten Ruf meines Gastvaters „Sie ist aus Deutschland!“, war es offiziell: Ich musste auf die Bühne. Auch wenn ich anfangs nicht sonderlich begeistert war, bin ich im Nachhinein dankbar. Es war eine tolle Erfahrung, die ich für immer in Erinnerung behalten werde.

 

Der anschließende Monat Dezember war voller anstehender Ereignisse. Ein ganz besonderes war das Weihnachtskonzert des Chores sowie die "Winter-Comedy-Show", in der ich die Chance hatte, mitwirken zu dürfen. Wochen vorher begannen die Übungen, Wiederholungen und stundenlangen Vorbereitungen. Am Tag des Konzerts hat aber zum Glück alles geklappt. Da ich im höheren Chor eingestuft worden bin, konnte ich sogar ein langes, schwarzes Kleid mit Perlenkette-und Ohrringen tragen. Einige der vorgesungenen Lieder waren: "Silver-Bells", "Carol the Bells" und "Baby it's cold outside". Da ich die Gelegenheit nur einmal im Leben habe, habe ich mich getraut, ein Solo vorzusingen. Auch wenn es ein paar Nerven gekostet hat, war es trotzdem eine schöne Erfahrung.


Schon einen Tag später fand die Winter-Comedy statt. Dazu musste ich vorsprechen, wurde aber zum Glück ausgewählt. Meine Rollen waren u.a. eine Dienerin im Restaurant, eine Schülerin und Shakespeares Tochter. Zudem war es meine Aufgabe, auf Deutsch zu sprechen. Noch nie habe ich so viele verwirrte Gesichter gesehen, aber allein der Anblick war es wert. Am Ende der Show sind wir alle mit dem High School Musical Song "We're all in this together" vorgetreten und haben reichlich Applaus erhalten. Ich habe noch nie zuvor an einem Theaterstück mitgewirkt, dennoch haben sich alle Vorbereitungen gelohnt. Als kleine Erinnerung haben alle einen Award erhalten, meiner trug den Namen: "Was hat sie gesagt!?".

 

Meine Gasteltern sind begeisterte Reisende und ich bin ihnen sehr dankbar, dass sie mich zu einigen sehenswerten Orten mitnehmen. Am letzten Freitag vor den zweiwöchigen Winterferien ging es mit dem Flugzeug nach Jackson Hole, Wyoming. Ganz in der Nähe befindet sich der Yellowstone National Park mit vielen tollen Naturspektakeln, die den Ort für Touristen sehr beliebt machen. Früh am Morgen um 3 Uhr sind wir mit dem Auto nach Houston gefahren. Von dort aus ging es mit dem Flugzeug Richtung Denver, Colorado. Auch wenn wir an diesem Flughafen recht lange warten mussten, wurde unsere Freude auf den bevorstehenden Urlaub nicht gemildert. Um gut für den kommenden Schnee ausgerüstet zu sein, haben meine Gasteltern und ich unsere dicken Winterschuhe angezogen. Tiffany und ich hatten die gleichen Schuhe in der selben Schuhgröße. Nach einer Weile haben wir bemerkt, dass die Schuhe ein bisschen merkwürdig zusammen aussehen. Der Grund dafür war, dass Tiffany zwei rechte Schuhe und ich zwei linke getragen habe. Wir lachten und lachten und lachten, sodass die restliche Zeit "wie im Fluge" verging. Die letzte Station war Jackson Hole, Wyoming und schon während der Landung konnte man sehen, dass es an Schnee definitiv nicht mangelte. Die Temperaturen waren extrem niedrig und eine komplette Umstellung von dem immer warmen bis milden Texas Wetter.

 

Yellowstone Schüleraustausch USA


Die ersten vier Tage haben wir mit Skiern verbracht, wobei der erste Tag ganz für die Skischule geplant war. Auch wenn ich so ziemlich jedes Jahr in Deutschland Ski gefahren bin, musste ich mich erst einmal wieder an die Skier unter meinen Füßen gewöhnen. Es hat definitiv Spaß gemacht und es war gut, neben all dem amerikanischen Essen, eine sportliche Abwechslung zu haben. Am fünften Tag sind wir mit einem Schneemobil durch den Yellowstone National Park gefahren. Ich habe zum ersten Mal einen Geysir gesehen, sämtliche gefärbte Gewässer und auf einem Schneemobil gesessen. Auch wenn ich es selbst nicht fahren durfte, war es super, sich zurückzulehnen und die Natur zu genießen.


In den nächsten Tagen sind wir durch die Innenstadt geschlendert, haben Souvenirs gekauft und Fotos geschossen. Die Stadt war umgeben von Weihnachtslichtern und hat die bevorstehende Weihnachtszeit perfekt eingeläutet. Um die Zeit komplett auszunutzen, haben wir am letzten Tag das Bären-und Wolfen Center in Montana besucht. Auf unserer Reise dorthin, haben wir Idaho, Wyoming und Montana durchquert. Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich werde die gesamte Reise niemals vergessen. Die Landschaft ist atemberaubend und wunderschön, ein tolles Urlaubsziel im Winter, als auch im Sommer.


Da wir zu Weihnachten in Wyoming waren, hat meine Gastfamilie diesen Feiertag auf Silvester verschoben. Im Grunde genommen, ist es dem deutschen Weihnachten sehr ähnlich, hier wird allerdings am Morgen gefeiert und jeder bekommt einen "Stiefel" (vergleichbar mit dem Nikolaus). Am Silvestertag haben wir heiße Schokolade getrunken, Filme geguckt sowie den Countdown von New York. Meine Gastschwester Breann und ich haben Musik gehört, während mein Gastbruder mit seinen Cousins gespielt hat. Leider habe ich an diesem Abend nur wenige Feuerwerke sehen können. Da meine Gastfamilie in einer Nachbarschaft lebt, ist es verboten, Silvesterknaller zu nutzen. Nach nur wenigen Stunden Schlaf, hieß es am nächsten Morgen: AUFSTEHEN! Mein Gastbruder Brian kam voller Enthusiasmus in mein Zimmer gerannt, denn komischerweise befand sich ein ganzer Berg voller Geschenke unter dem hübsch geschmückten Weihnachtsbaum. Von meiner Gastfamilie habe ich ein Pandora Armband mit vier Anhängern bekommen: einer USA Flagge, einem Herz, einem Elch mit einem Jackson Hole Zeichen in der Hand sowie meinen Anfangsbuchstaben G. Außerdem habe ich eine Decke, Socken, eine Kette, iTunes Karten usw. erhalten. Das Geschenk meiner Familie an meine Gastfamilie war eine Kuckucksuhr. Mein persönliches Geschenk war eine Fotodecke für meine Gastmutter sowie einige weitere Geschenke für die gesamte Familie. Sie haben sich total gefreut und meine Familie war ziemlich erleichtert, dass es ihnen gefallen hat. An diesem Tag sind wir noch ins Kino gegangen und haben den Rest des Tages gemütlich ausklingen lassen.     

   

Weihnachten USA Weihnachtsbaum USA

                                                                         

In den USA gibt es übrigens eine Tradition, die aus zwei Elfen besteht, die jeden Tag ihre Position und Tätigkeit ändern. Die Namen unserer beiden Elfen waren „Elfie“ und „Pfefferminz“.

 

Während der Weihnachtszeit habe ich außerdem einige weitere Austauschschüler aus Deutschland, Frankreich und Spanien, die in meiner Region leben, getroffen. Bei einer Weihnachtsfeier konnten wir die Gelegenheit nutzen, mehr über andere Kulturen zu lernen, gemeinsam zu wichteln und uns über das Leben in den USA auszutauschen.

 

Anfang Januar stand ein ganz besonderer Trip an, denn es ging mit dem Chor nach Houston zum Miami Heat gegen Houston Rockets Basketballspiel. Es ist immer noch ziemlich unglaubwürdig und absolut atemberaubend, dass der Lumberton High School Chor die Chance hatte, die Nationalhymne bei diesem riesigen Spiel zu singen! Es war ziemlich aufregend und sogar Schauspieler Channing Tatum (Dear John),  war als Zuschauer im Publikum anwesend. Bevor es aber zur eigentlichen Aufgabe ging, hatten wir Zeit zum Shoppen in der Houston Galleria für ganze 5 Stunden! Die Galleria ist ein sehr großes Einkaufszentrum mit Schlittschuhbahn und vielen Shops im Inneren u.a. vielen "reichen" Louis Vuitton, Chanel usw. Der Tag hätte nicht besser sein können und wir hatten jede Menge Spaß.


In den anschließenden Wochen bin ich mit Freunden zum Konzert und ins Restaurant gegangen, habe Geburtstage gefeiert, den amerikanischen Superbowl erlebt sowie den Valentinstag. Seit dem letzten Monat bin ich auch im Tennisteam meiner High School. Selbst wenn ich es noch nie zuvor gespielt habe, vertraue ich auf den Spruch: „Übung macht den Meister.“ In den letzten drei Monaten ist einiges passiert. Mir persönlich ist klar geworden, dass es Zeit braucht, Beziehungen zu Gastfamilie und Freunden aufzubauen, das Warten sich aber dennoch früher oder später auszahlt.

 

Lumberton, 20.Februar.2015                                                                                                                                          

 

Gina Göring