Dienstag, 24. Oktober 2017
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Schüleraustausch USA -

Schule, Freunde und Weihnachten in Illinois

Erster Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Mari Ann S. - USA

Stipendium gestiftet durch:
Offaehrte Sprachreisen

 

Schüleraustausch USA

 

Ich lebe mittlerweile seit guten 4 Monaten in einem kleinen Staedtchen in Illinois. Ich wuerde diese Versammlung an Haeusern mit 1200 Einwohnern jetzt nicht unbedingt Stadt nennen, aber hier wird alles hier wird eigentlich alles einfach town genannt.


Aber dass so wenige Leute hier wohnen, hat ja nichts damit zu tun, dass es unglaublich cool ist!! Ganz ehrlich, ich fuehle mich richtig wohl hier! Und bisher habe ich noch nichts von einem langweiligen kleinem Dorf mitbekommen, da halt wirklich alles neu und anders ist, beziehungsweise war; denn mittlerweile bin ich angekommen: Ein richtiger Alltag hat sich entwickelt, in dem ich meinen Platz in der Familie, Schule und bei Freunden gefunden habe, aber in dem ich halt auch nicht mehr jeden Morgen begeistert und voller Energie für einen neuen Schultag aufwache.


Morgens bin ich meistens alleine zu Hause. Meine Gastmutter Gina muss frueh aufstehen und arbeiten und mein Gastvater Bobby ist unter der Woche eigentlich nie da, da er Truckfahrer ist. Also mache ich mich fertig fuer die Schule, fruehstuecke und mache mir meine Lunchbox.


In den ersten Tagen bin ich dann mit dem Schulbus zur Schule gefahren. Ja, er war genau so, wie man den immer in den Filmen sieht. Gross und gelb; die „coolen“ High-School-Kids sitzen hinten, vorne die Middle- und Elementary Kinder. Aber mittlerweile fahre ich morgens mit einer Freundin zur Schule. Sie wohnt ganz in meiner Naehe und holt mich jeden Morgen ab. Die Fahrt ist, und darueber bin ich echt gluecklich, weil es mich auch deutlich schlimmer haette treffen koennen, sehr kurz - knapp 7 Minuten, wenn wir noch bei der Tankstelle halten und ein aeusserst gesundes Fruehstueck für meine Freundin kaufen (Donut und Cola).


In der Schule angekommen, bringe ich meine Lunchbox in die Kueche und dann noch so 10 Minuten Zeit bis die Schule um 8:15 Uhr beginnt; ich gehe zu meinem Locker, also das Schliessfach. Da treffe ich Clara, die einzige andere Austauschschuelerin hier und sie ist auch aus Deutschland. Ich bin so gluecklich, dass sie hier ist, weil es ist schon toll, wenn man jemanden hat, der genau das Gleiche erlebt und man die Erfahrungen und Unterschiede besprechen kann. Ich bin mir sicher, dass sie mir extrem geholfen hat, dass ich weder einen Kulturschock hatte noch Heimweh bekommen habe.


Wir werden immer wieder gefragt, ob wir deutsch reden, wenn wir zusammen sind. Am Anfang war das der Fall, aber mittlerweile reden wir eigentlich ausschliesslich Englisch. Apropos Englisch-Deutsch-Reden: Ja, mein Englisch hat sich bereits sehr verbessert und das haben mir auch schon viele Leute hier gesagt, vor allem in der letzten Zeit. Ich merke das natuerlich auch selber, aber wenn einem das andere Leute, Muttersprachler, sagen, macht einen das schon ein bisschen stolz. :)


Weiter in der Schule: Hier ist das Schulsystem ja sehr anders als in Deutschland. Ein grosser Unterschied ist, dass man jeden Tag den gleichen Stundenplan hat. Das klingt vielleicht erst langweilig, ist es aber eigentlich gar nicht! Da ich zu Beginn des Schuljahres noch nicht da war, konnte ich leider meine Schulfaecher nicht selber waehlen, aber meine Gastmutter hat eine ganz gute Auswahl getroffen: Ich hab Chor (sehr cool!), Geometry (sehr einfach und das sagt eine Mathe-Null), Study Hall (da kann man Hausaufgaben machen, in die Buecherei gehen oder die Computer benutzen), U.S. History (mit dem besten Lehrer der ganzen Schule), Englisch (auch sehr einfach, aber macht Spaß), Lunch (ESSEN!!), Earth Science (eigentlich ganz okay, aber nicht so mein Ding), PE (also Sport in einer sehr coolen Sportuniform) und dann Flex (nochmal so etwas aehnliches wie Study Hall). Da wir zwischen den einzelnen Unterrichtsstunden immer nur vier Minuten Mini-Pause haben, beginnen und enden die Stunden zu ganz krummen Zeiten; Schulschluss ist um 15:11 Uhr.


Meine Schule ist sehr klein. Auf der Elementary-, Middle- und High-School sind, wenn es hoch kommt, rund 600 Schueler. Auf der High-School also circa 200. Deshalb sind die Klassen auch sehr klein. In meiner Earth Science Klasse zum Beispiel sind 3 Schueler, was jetzt aber auch nicht normal ist. Im Verhaeltnis ist die Schule hier schon sehr einfach, aber ich moechte ja auch nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen und lernen muessen. Deshalb bin ich eigentlich ganz froh darueber.


Hier in Amerika gibt es zwei große Teile im Leben eines Jugendlichen: Schule und Sport. Schule hab ich ja jetzt schon abgehakt, also jetzt Sport: Das ist echt sehr anders hier! Wenn man in Deutschland Sport macht, ist man vielleicht in einem Verein und geht da zwei- bis dreimal die Woche hin. Hier nicht! Hier macht man Sport jeden Tag nach der Schule für zwei bis drei Stunden, oft auch am Wochenende. Und dann sind die Amerikaner ja sehr wetteifernd (nennt man das so?), also dass sie aus allem und jedem einen Wettbewerb machen.


Ich war zum Beispiel im Cross Country Team (eigentlich nur rennen) und da sind wir ein- bis zweimal die Woche zu Rennen gefahren. Ein Cross Country Rennen besteht darin, dass mehrere Teams von verschiedenen Schulen gegeneinander antreten. Die rennen dann eine bestimmte Strecke, so um die 3 Meilen (knapp 5km), und wer am schnellsten ist, gewinnt halt.


Noch ein Unterschied: Hier wird Sport nur in Saisons gemacht. Cross Country ist nur ein Herbst-Sport, also finden diese besagten Rennen nur im Herbst statt und wenn der Herbst zuende ist, ist Cross Country auch zu Ende. Dann finden in jedem Sport Regional- und Statefinals statt. Also im Cross Country: gute Renner oder gute Teams treten erst in regionalen Wettbewerben an (dahin hat es unser Team geschafft), dann in den Qualifikationen für den Landeswettbewerb (dahin hat es das beste Maedchen und der beste Junge aus unserem Team geschafft) und dann in den Landeswettbewerben (da ist dieses Jahr leider keiner von unserer Schule angetreten).


Im Herbst war neben Cross Country noch Volleyball (das hat die andere Austauschschülerin gemacht; ein bis drei Spiele pro Woche) und dann natürlich Football! Football ist DER Sport an unserer Schule, was wohl daran liegt, dass unser Schulleiter der Football-Coach ist. Jeden Freitag im Herbst war ein Football-Spiel. Da war immer gefühlt die ganze Schule, um das Team zu unterstützen; und ja, auch Cheerleader in Glitzer-Outfits.
Jetzt Im Winter ist gerade Girl’s und Boy’s Basketball und Wrestling Saison. Ich liebe es zu Spielen zu gehen oder zu Wrestling meets. Vor allem wenn sie an anderen Schulen stattfinden, ist das immer voll interessant zu sehen, wie verschieden die Schulen doch sind.


Ich mache im Moment keinen Sport in der Schule. Also habe ich nach der Schule Zeit, mich mit Freunden zu treffen, zu shoppen, einfach nur rumzuhaengen, essen zu gehen oder zu cruisen. Mit dem cruisen hab ich mich noch nicht so ganz abgefunden. Meinem deutschen Okoe-Ich widerstrebt es einfach, mit dem Auto zum Spass rumzufahren, nur um rumzufahren.


Oder, was ich auch noch mit Freunden mache, ist nach Chicago fahren. Okay, das mache ich vielleicht nicht jedes Wochenende, aber zwei Wochen vor Weihnachten war ich mit Clara, der anderen Austauschschuelerin, Olivia, ihrer Schwaegerin und ihrer Mutter auf dem Christkindl Market, einem deutschen Weihnachtsmarkt.


Das war echt eine richtig coole Erfahrung, auch mal das grosse, schnelle und bunte Amerika zu sehen, dass man aus Filmen und Serien “kennt”. Dieser Unterschied zwischen hier, 1.200 Einwohnern, und Chicago, 2.700.000 Einwohnern, ist einfach unglaublich.


Wir sind morgens frueh aufgestanden und ungefaehr 4 Stunden gefahren, haben den Tag in Chicago verbraucht und sind abends wieder zurueck gefahren. Es war ein ultra langer und anstrengender Tag, weil auch noch tausende Weihnachtsshopper unterwegs waren, aber einfach unglaublich nett, dass uns unsere Freundin dazu eingeladen hat!


Noch bevor ich in Chicago war, war Ende November Thanksgiving. Mein Onkel hier hat mir diesen grossen Tag so schoen beschrieben: “Fuer die meisten Amerikaner ist Thanksgiving einfach nur noch eine weitere Entschuldigung den ganzen Tag zu fressen”. Und das hat sich auch bewahrheitet; meine Gasteltern und ich sind morgens zu meinen Grosseltern gefahren (3 Minuten, weil die im Prinzip unsere Nachbarn sind) und haben geholfen zu kochen. Weil wir alle super hungrig waren, haben wir schon um 11 Uhr gegessen und dann sassen wir den ganzen Tag im Wohnzimmer, haben geredet, fernsehen geguckt und natuerlich gegessen! Und das war echt gut! Truthan, Sauerbraten, Kartoffelpueree, hausgemachte Nudeln, Suesskartoffeln, Bohnen, Mais und natuerlich das beste zum Schluss: Apfel-, Pecan-, Kirsch-, Kuerbis- und Aprikosenpie zum Nachtisch.

 

Dann, einen guten Monat spaeter, der naechste grosse Fest-/Fress-Tag: Weihnachten. Das ist in meiner Familie und hier in der Umgebung wirklich DER Tag. Da wird sich das ganze Jahr ueber daraufgefreut, hingearbeitet, geplant und Geschenke besorgt. Ich habe versucht, meine Gastfamilie davon zu ueberzeugen, dass Geschenke echt nicht noetig sind, weil sie mich ja schon die ganze Zeit an der Backe haben, aber da war nichts zu machen…


Am Christmas Eve (der Abend vom 24.12.) mussten meine Eltern leider arbeiten, deshalb habe ich den bei meiner Freundin verbracht und habe ihre Verwandten aus Tennessee kennengelernt, die mich sofort eingeladen haben, sie doch unbedingt mal besuchen zu kommen. Dann am viel wichtigeren Weichnachtsmorgen (also 25.12.) habe ich zuerst mit meinen Eltern und meinem Bruder, der mit seiner Frau und kleinen Tochter ueber die Feiertage zu Besuch war, Geschenke ausgepackt. Dann ging es weiter unter dem Weihnachtsbaum von meinen Grosseltern. So um 13 Uhr war dann endlich die Bescherung zu Ende und wir haben gegessen. Der Rest des Tages war so aehnlich wie Thanksgiving: reden, essen, reden, essen, reden…


Zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich viel mit Freunden unternommen und habe einfach meine Ferien genossen. Am New Years Eve waren ein paar meiner Freunde da und wir haben mit meinen Eltern und meiner Schwaegerin, meinem Bruder und seinem Freund alle zusammen Karten gespielt. Wir hatten sogar Feuerwerk, die meine Gastmutter extra fuer mich gekauft hatte. Der Abend hat echt sehr viel Spass gemacht!

 

Dann, am 6.1.2015 gings wieder zurueck in die Schule. Nicht dass Schule jeden Tag so viele Spass machen wuerde, aber es war schon cool, alle Freunde wieder zu sehen.

 

Seitdem ist eigentlich nicht gross irgendetwas passiert. Da ich wie gesagt im Moment keinen Sport mache, bin ich im Kunstclub und wir streichen gerade die Study Hall neu. Ende des Monats sind Auditions fuer das Schulmusical. Letztes Jahr war es Into The Woods, was wohl ein mega Erfolg war und dieses Jahr ist es Willy Wonka, also Charlie und die Schokoladenfabrik. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mitspielen will, aber ich helfe auf jedenfall, das Buehenbild und Kostueme zu machen. Sonst ist fuer die naechsten Wochen nichts Besonders geplant; normaler amerikanischer genialer Alltag halt, den ich unglaublich doll vermissen werde, wenn ich in ein paar Monaten wieder zurueck nach Deutschland muss.


So, ich hoffe, irgendjemand hat es bis hier hin geschafft und all denjenigen wuensche ich ganz, ganz liebe Gruesse aus dem supermegatollen Illinois!!

Mari Ann