Donnerstag, 24. August 2017
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Mein Auslandsjahr in den USA -
Schulalltag, Lacrosse, Halloween u.v.m

Erster Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Helena K. - USA
Stipendium gestiftet durch:
weltweiser

 

Schüleraustausch Costa Rica

 

"Was zur Hölle mach ich hier?", war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf geschossen ist, als ich durch die Sicherheitskontrolle am Berliner Flughafen gegangen bin. Ich drehte meinen Kopf um, winkte zum letzten mal meinen Freunden und meiner Familie zu und verließ sie somit für ein Jahr, um dem Abenteuer meines Lebens entgegen zu treten: meinem Auslandsjahr in den USA.

 

High School   USA Austausch  

 

Über ein Jahr habe ich mich darauf vorbereitet und plötzlich war dieser Moment da. Der erste Flug, den ich antrat ging nach Frankfurt am Main um die restlichen Xplore-Auslandsjahrschüler aus ganz Deutschland zu treffen, um gemeinsam in die Stadt, die niemals schläft: New York, zu fliegen. Auch wenn wir insgesamt elf Stunden geflogen sind, verging die Zeit wie im "Flug". Auch wenn das halbe Flugzeug mit Jugendlichen besetzt war, war es erstaunlich still. Jeder hat versucht zu verarbeiten, was für ein tolles Erlebnis gerade begonnen hat und alle waren erschöpft, denn wie es sich in späteren Gesprächen herausgestellt hat, verliefen unsere letzten Tage in Deutschland ziemlich gleich, in Chaos und Stress. Was soll man denn auch anderes erwarten, wenn man versucht, sein ganzes Leben in ein Koffer zu packen.


Ich persönlich hatte Glück, da ich mein Abflugdatum und meine Gastfamilie zwei Wochen vor der Abreise wusste, doch viele haben es erst durch einen Anruf 24 Stunden davor erfahren. Wir sind im Newark Flughafen in New Jersey gelandet und von dort aus sind wir ins Double Tree Hotel gefahren, wo wir als erstes mit einem schönen amerikanischen Dinner begrüßt wurden. Ich weiß nicht, was ich gegessen habe, aber ich erinnere mich noch an die schrecklichen Bauchkrämpfe, die mich in der Nacht gequält haben. Doch für Krankheiten war keine Zeit, schließlich war ich in New York. An unserem ersten Tag wurden wir leider bis Mittag mit Vorträgen über all die Regeln gequält und uns wurden unvorteilhafte blaue T-Shirts ausgeteilt. Doch mit diesem neuen einheitlichen Kleidungsstück konnten wir alle die Sightseeing Tour beginnen. Die nächsten Tagen waren eine unvergessliche Zeit. Das war mein erstes Mal in New York und es war unfassbar. Wir waren auf dem Empire State Building, am Times Square, im Central Park, am Ground Zero, doch was mich am meisten begeistert hat, war die Freundlichkeit und die Gelassenheit der Bewohner. Ich würde jedem empfehlen, wenigstens einmal im Leben nach New York zu fahren.

 

New York   Einführungsseminar New York   Empire State Building

 

Skyline New York

 

 

Doch auch wenn meine Anfangszeit so schön war, konnte ich kaum erwarten, mein eigentliches Auslandsjahr bei meiner Gastfamilie zu beginnen. Darauf musste ich nicht lange warten, da ich am 1. August in den Flieger von Newark nach Indianapolis gestiegen bin, um die Familie Bowden kennen zu lernen. An dieser Stelle würde ich gerne über meine Gastfamilie berichten. Am besten kann ich mich an den Moment erinnern, als ich erfahren habe, dass ich bei den Bowdens leben werde. Es war in den Sommerferien zwei Wochen vor meinem Abflug. Ich konnte nicht schlafen und war auf Facebook unterwegs, als ich auf einmal eine Freundschaftsanfrage von einer gewissen Gabrielle Ransom bekam. Nicht viel ahnend schrieb ich sie an und fragte wer sie sei. Als Antwort bekam ich: "Hi, ich bin Gabbie und du wirst das nächste Jahr bei mir und meiner Familie leben." Das war alles, was sie schrieb und dann ließ sie mich über zwei Tage auf die Folter spannen, ohne auf irgendeine meiner weiteren Fragen, die ich ihr gestellt habe, zu antworten. In diesen zwei Tagen war ich mir sicher, dass ich nach Florida komme, da alle ihre Bilder auf Facebook dort aufgenommen worden waren. Wie sich später herausgestellt hat, waren das alles Urlaubsbilder. Aber schließlich bekam ich eine Mappe von Xplore zugeschickt, wo ich alle Informationen sehen konnte. Ich las erstmal, dass ich nach Indiana/Bloomington komme und als Junior auf die Bloomington Highschool South gehen werde.

 

Begrüßung Schüleraustuasch USA   Gastfamilie USA   Gastfamilie Schüleraustausch USA   Familie USA High School Year

 

Dann kam der spannende Teil, der Haushalt. Es war ein kleiner Schock: Im Haushalt lebten fünf Kinder und ich würde das sechste sein. Das beängstigte mich sehr, da meine einzige Schwester 20 Jahre älter ist als ich und ich nie mit einem anderen Kind in einem Haushalt gelebt habe. Es würde eine große Umstellung für mich bedeuten. Ich erfuhr, dass meine Gastmutter Tisa Bowden in dem Indiana College im Bereich Geologie arbeitet und mein Gastvater Craig Bowden Golfequipment vermarktet. Beide sind seit zwei Jahren verheiratet, haben keine gemeinsamen Kinder, aber dafür Kinder aus vorherigen Ehen. Tisa hat drei Kinder. Lizzie, 20, arbeitet bei der Tagespflege, Gabbie, 17, ist ein Senior auf der gleichen Highschool wie ich und dann Noah, 11, ist in der 5. Klasse. Craig hat zwei Töchter, Quinley, 9, in der 4. Klasse und Kiren, 6, in der 1. Klasse. Es wurde auch gesagt, dass ich bei dieser Familie nur für zwei Monate bleiben könnte und mir dann eine andere Gastfamlie zugeteilt werden würde. Das wich sehr von meinen Erwartungen ab, aber ich war positiv eingestellt.

 

Es war einer der glücklichsten Momente. Nach meinem Flug, der wegen Turbulenzen drei Stunden Verspätung hatte, war ich völlig fertig und versuchte, mich am Flughafen Indianapolis zurecht zu finden. Auf einmal umarmten mich fremde Personen und ich hörte: "Welcome to the family". Es wurde gleich ein Bild von mir und der Familie aufgenommen und auf Facebook hochgeladen. Am gleichen Abend habe ich mir die Kommentare durchgelesen, der Pastor unserer Kirche schrieb "Welcome to Bloomington Helena! You may not know it yet, but you won the host family lottery ticket". Wenn ich nach 4 Monaten darauf zurückblicke kann ich ihm nur zustimmen, ich und die Bowdens passen wie die Faust aufs Auge. Aus diesem Grund wurde auch entschieden, dass ich auf keinen Fall nach zwei Monaten in eine andere Familie ziehen sollte. Das Haus, in dem wir leben, ist größer als ich es gewohnt bin, sodass ich in der ersten Woche Probleme hatte, alles und alle gleich zu finden. Mir wurde auch erklärt, dass meist nicht alle Kinder zur gleichen Zeit im Haus sind, da sie jeweils bei dem anderen Elternteil die Hälfte der Woche verbringen. Also gibt es Tage, wo bis zu neun Leute im Haus leben, doch auch Tage wo nur Gabbie, Tisa und ich zu Hause sind.

 

In der ersten Woche hat auch bei uns eine andere Austauschschülerin aus Deutschland gewohnt, da ihre Gastfamilie im Urlaub war. Es war schön jemanden bei meiner Seite zu haben, der genauso wenig Ahnung wie ich hatte. Ich kann mich an jeden einzelnen Augenblick der ersten Woche erinnern, am besten an den ersten Schultag. Die Schule ist mit ihren 2700 Schülern um 2000 Schüler größer, als die Schulen, die ich aus Berlin kenne. Doch nicht die Größe war es, die mir am meisten zu schaffen gemacht hat, es waren die Schließfächer. Man darf tatsächlich seinen Rucksack aus Sicherheitsgründen nicht mit in den Klassenraum nehmen. Das war natürlich ein Problem, da man nach jeder Stunde den Klassenraum wechseln musste und dazu nur fünf Minuten hatte. Es war natürlich unvorteilhaft, wenn man das mit dem Schließfach nicht ganz so raus hatte und sich immer noch in der Schule verlief. Doch abgesehen von meinen kleinen Anfangsschwierigkeiten, verlief alles gut. Meine Fächer für das erste Trimester waren: Nutrition & Wellness, US History, Biology, English und Theatre Arts. Es war ein Stundenplan, der mir genügend Zeit für außerschulische Aktivitäten ließ. So konnte ich mich in verschieden Clubs, wie Habitat for Humanity, Best Buddies, Improve Club und Proud involvieren. Auch wenn in der ersten Woche alles doch so spannend war, wurde es nach kurzer Zeit fast zur Routine und ich passte mich schnell an. Ich kann beinahe mit geschlossenen Augen durchs ganze Haus laufen und mich an keiner Kante stoßen, mein Schließfach öffne ich ohne darüber nachzudenken und auch die große Menge der Schüler macht mir nichts mehr aus.


Alles, was mir am Anfang so schwierig oder neu erschien, wurde mit der Zeit zur Gewohnheit. In den letzten vier Monaten habe ich mir in Bloomington Indiana ein zweites zu Hause geschaffen. Ich werde von den Nachbarn gegrüßt, in der Kirche gefragt, ob ich die Kinder am kommenden Sonntag unterrichten will. Auch werde ich morgens von meinem Lacrosse-Couch mit Nachrichten geweckt, die mich daran erinnern, joggen zu gehen und meine Gastfamilie hat sich als eine der verständnisvollsten und liebevollsten Truppe, die mir je begegnet ist, erwiesen.


Wie ich schon erwähnt habe, waren die ersten paar Wochen natürlich sehr aufregend, doch nun lebe ich einfach ein normales Teenager-Leben, in dem es auch unspektakuläre Tage gibt, an die ich mich wahrscheinlich nie wieder erinnern werde. Doch es gab paar Ereignisse, die sich besonders in mein Gedächtnis eingebrannt haben.

 

Miley Cirus Freundinnen High School USA

 

Ich war erst eine Woche in Bloomington, als mich meine Gastschwester Gabbie mit auf ein Miley-Cyrus-Konzert genommen hat. Wir sind dafür nach Kentucky gefahren und hatten eine unvergessliche Nacht. Eine Woche später sind wir mit der ganzen Familie zum Footballspiel gegangen. Ich habe über 2 Monate und 7 Footballspiele gebraucht, um die Regeln zu verstehen. Es war aber auch ein tolles Erlebnis nur die reine Atmosphäre der Fans zu sehen.

 

Football USA

 

Austauschjahr USA Freundinnen USA

 

Ich habe auch einige Theaterstücke, während ich hier bin, besucht. Am besten kann ich mich an das Musical "1776" erinnern. Jetzt weiß ich, wieso der 4. Juli in den USA so groß gefeiert wird. Mein erstes ganztägiges Lacrosse-Training wird wohl auch nie wieder mein Gedächtnis verlassen, ich habe wohl noch nie so viele Schmerzen in meinem Körper gespürt, wie an diesem Tag. Ich habe auch nie so gut geschlafen. Ich bin froh, ein Teil von so einem tollen Team zu sein.

 

Lacrosse USA

 

Im September gab es dann den Homecoming-Ball. In unserer Schule war Homecoming nicht eine Priorität, denn alle warteten nur auf den großen Prom Ball, also waren auf den Ball überwiegend neue und jüngere Schüler. Es hat trotzdem Spaß gemacht, sich chic zu machen und mit Freunden zu tanzen.

 

Homecoming Ball   Abschlussball USA   Homecoming

 

So wie ich dieses Jahr Halloween erlebt habe, werde ich es wohl nie wieder! Es stimmt wirklich, dass Amerika ganz verrückt nach diesem Fest ist. Ich war auf insgesamt sechs Feiern mit drei verschiedenen Kostümen. Das einzig Negative war, dass ich auf der letzten Feier von einem Auto angefahren wurde, aber außer einem verstauchten Fuß ist nichts weiter passiert.

 

Halloween

 

Für Thanksgiving sind wir mit der Familie und unserem Camper nacht Tennessee in die Smoky Mountains gefahren. Wir hatten ein wundervolles Thanksgivingmahl im Camper mit einem Truthahn, der am Lagerfeuer zubereitet wurde. Die nächsten Tage haben wir viel Familiäres unternommen. Wir waren sogar zusammen am Black Friday shoppen, etwas was mir sehr gefallen hat.

 

Nun bereiten wir uns auf die Weihnachtszeit vor und ich kann es kaum erwarten, mein erstes amerikanisches Weihnachten zu erleben, wenn man die Geschenke erst morgens am ersten Weihnachtstag aufmachen darf. Ich habe auch ein neues Trimester mit neuen Fächern begonnen: Ansprache halten (Speech), Soziologie, Mathematik, Psychologie und Chor. Dieses Trimester gefällt mir besser, als das letzte, da ich mir meine Fächer selbst aussuchen konnte. Wenn ich meine Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, zusammenfasse, kann ich nur sagen, dass ein Auslandsjahr ein großartiges Erlebnis ist. Man lernt, wie man sich den Herausforderungen im Leben anpassen kann, wie man mit schwierigen Situationen umgehen sollte.


Wenn nicht immer alles den eigenen Erwartungen entspricht, man entdeckt neue Seiten an sich selbst, manchmal völlig unerwartet. Die USA sind ein toller Ort und nicht so oberflächlich, wie einige denken mögen. Es gibt viele Eigenschaften, woran sich Deutschland Beispiel nehmen könnte, wie die Freundlichkeit und die Gemeinschaft. Am meisten beeindruckt mich der Teamgeist der Schule. Natürlich spielt das Essen in den USA eine sehr große Rolle. Es stimmt, dass es unzählige Fastfood-Restaurants gibt, aber wenn man aufpasst, was und wie man isst, kann das Essen gesund sein und köstlich schmecken.

 

Pancakes   Fast Food USA   Fast Food   USA Schüleraustausch Essen

 

Ich bin seit 4 Monaten in Bloomington und bin immer mehr überzeugt, dass ein Auslandsjahr zu absolvieren, bisher die beste Entscheidung meines Lebens war.


Helena