Samstag, 24. Juni 2017
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Work and Travel-Abenteuer in Australien -
Jobben und Reisen in Tasmanien


WELTBÜRGER-Stipendiatin
Charlotte K. - Australien

Reiseoutfit-Stipendium gestiftet durch:
Zalando

 

Schüleraustausch Costa Rica

Im Mai bin ich nach Tasmanien geflogen. Genauer gesagt nach Launceston. Und zwar, weil ich dort für zwei Wochen eine helpx Familie gefunden habe bei der ich das Prinzip Arbeit gegen Kost und Logie wiederholt habe. Und auch wenn es dort am Anfang technisch gesehen kälter war als in Melbourne kam es mir wärmer vor, weil es nicht mehr so windig war.

 

Die letzten Tage in Melbourne haben wir mit Freunden aus unserem Hostel einen DVD-Abend gestartet, waren für ein Getränk kostenlos Lasertag spielen, haben die Ladies Night ausgenutzt und haben ein tolles Künstlergelände entdeckt, wo vier Künstler aus altem, ungenutztem Industriegelände einen tollen Platz für Austellungen, ein kleines Cafe, Freilichtkino und eine Bühne für Livemusik aufgebaut haben.

 

Wir sind 6 Kilometer oder so mit der Straßenbahn zum St Kilda Beach gefahren und haben abends mit tollem Sonnenuntergang am Pier die Pinguine gesehen, die zu den Felsen geschwommen kamen.

 

Am Tag der Abreise bin ich morgens mit dem Bus zum Flughafen gefahren und wurde beim Einchecken netterweise auf einen Notausgangsplatz mit viel Beinfreiheit gesetzt. Vom Flug habe ich absolut nichts mitbekommen, da ich schon vor dem Abheben eingeschlafen bin und erst beim Landeanflug eineinhalb Stunden später aufgewacht bin. Als ich dann aus dem Fenster geschaut habe, habe ich eine einzelne kleine Landebahn im grünen Nirgendwo unter uns gesehen und geschmunzelt, was für ein süßer kleiner Flughafen das sein mag. Eine Minute später sind wir dann eine große Schleife geflogen und auf besagter Landebahn aufgesetzt.

 

Nachdem ich meinen Rucksack vom Gepäckband geholt habe (eins von zweien in Launceston) habe ich nach einem weißen Hyundai in der zweiten Autoreihe Ausschau gehalten und dort Sallyanna zum ersten Mal getroffen. Nach einer Stunde Fahrt aus Launceston raus habe ich auch Noel kennengelernt.

 

Die beiden sind super nett und wohnen noch weiter im Nirgendwo in einem schönen kleinen Bungalow am Ufer eines Flussarms. Das Haus ist richtig gemütlich und der Garten riesig, wobei ein Großteil davon Wald und Buschland ist und ein gutes Stück Rasen ums Haus herum als Buschfeuer- und Waldbrandschutz dient. Das war auch der Hauptteil meiner Arbeit dort: Gartenarbeit, Büsche und Rosen schneiden, Pflanzen und Blumen einpflanzen, Äste absägen und ganz viel Laub und Äste zusammensammeln, harken und verbrennen, da besonders die Eukalyptusblätter viel Öl enthalten und der perfekte Nährboden für Feuer sind. Ach ja und Sitzrasenmäher fahren macht noch mehr Spaß als erwartet.

 

Im Garten habe ich außerdem alle Beete mit zehn Kubikmetern angeliefertem Mulch aufgefüllt, die Beete neu eingerahmt, den Schuppen leer geräumt, aufgeräumt und zur Hälfte mit Feuerholz vollgestapelt und einen umgekippten Baum zersägt.

 

Sallyanna und Noel sind tolle Menschen und haben viel zu erzählen und viel erlebt. Sie ist Ärztin, in Deutschland geboren (sie kann aber kein Deutsch), in Holland aufgewachsen und hat für Ärzte ohne Grenzen in Asien und für die UN gearbeitet und er kommt aus Australien und ist Elektriker speziell im Bergbaubereich und sie haben sich vor zehn Jahren in Vietnam kennengelernt und sind nach Tasmanien gezogen. Ich werde extrem lecker bekocht und die Einrichtung vom Haus ist super gemütlich! Die Arbeit draußen ist zwar anstrengend aber macht Spaß.

 

An einem Tag war auf einmal das Wasser leer. Ja, leer. Es gibt nämlich keine Wasserleitungen bis da hin weil das ja komplett im Nirgendwo ist. Deshalb haben die einen 25000 Liter Wassertank mit gefiltertem Regenwasser, welches offensichtlich alle war. Der zweite Tank musste wohl gesäubert werden, daher war der keine große Hilfe und ich habe, während die beiden bei einem Arzttermin waren, den Wassertanker erwartet, der uns 11000 Liter Wasser in den Tank gefüllt hat.

 

An einem freien Tag bin ich durch den Cataract Gorge gewandert mit tollen Felsenlandschaften, wo überall Eidechsen ihr Sonnenbad genießen und es schöne Wasserfälle und Seen mit schwarzen Schwänen gibt. Außerdem habe ich dort zum ersten Mal ein Pfauenrad von hinten gesehen. Die Pfauenrufe sind vielleicht laut.

 

Ein anderes Mal waren wir im Trowunna Sanctuary, ein Tierpark für gerettete Tiere, die entweder verletzt oder als Waisen dahingebracht wurden. Das war richtig beeindruckend, die Leute arbeiten alle ehrenamtlich da und die Tiere sind toll. Ich habe nicht nur den ersten lebendigen Wombat gesehen (die Straßen sind voll mit toten Tieren), sondern ich durfte auch einen auf den Arm nehmen…24 Kilo schwer, total süß und gemächlich und mit einer Knochenplatte im Rücken, an die wohl schon einige Autos glauben mussten. Die Kängurus dort laufen frei herum und sind teilweise echt zahm und lassen sich streicheln. Die Population der tasmanischen Teufel ist wohl die größte weiltweit (bzw innerhalb von Tasmanien, ausserhalb gibt es die nur in drei oder vier Zoos) und es wird weiter versucht die Teufel zu zuechten, da 80 Prozent der Tiere an einem ansteckenden Krebs, der hauptsächlich das Gesicht befällt, gestorben sind. Gefüttert werden die Teufel mit totgefahrenen Tieren von der Straße, als ich da war gab es Opossum. Mit einer Lebenserwartung von 5 Jahren ist die Zucht wohl ziemlich schwierig aber wir konnten zwei Nachwuchsexemplare in Form von Waisen, die dort mit der Flasche großgezogen werden, bestaunen.

 

Die Bücher-, Musik- und Filmsammlung des helpx Ehepaars ist riesig und ich bin in den Genuß von tollen Filmen gekommen…zwei waren wahre Begebenheiten, einmal ein Hund der im den Siebzigern durch Western Australia getrampt ist und den Noel tatsächlich einmal mitgenommen hat und erst später rausgefunden hat, dass sein Passagier so berühmt war (Red Dog) und einen Film über den Umgang mit den Aboriginies bzw den Halbaboriginies früher, der teilweise aber ganz schön traurig ist (Rabbit-proof Fence).

 

Zum Abschied waren wir im Seahorse World Aquarium, wo es bestimmt mehr als zehntausend Seepferdchen gibt. Dort werden Seepferdchen quasi an einem Ort gezüchtet, erforscht und ausgestellt. Ich hatte das Glück, eine Tour mit fünf Leuten zu erwischen, die richtig klasse war. Ich konnte Babyseepferdchen mit seamonkeys füttern, ein Seepferdchen, Seeigel, Seestern und einen Mann in der Mupfel in die Hand nehmen und eine 50 jährige halbausgewachsene Krabbe anfassen, die riesig war und mit der rechten Schere die Kraft von über einer Tonne hat.


Die männlichen Seepferdchen können hunderte Jungen in ihrem Beutel austragen. Und es wurde erzählt, dass Findet Nemo nicht ganz realistisch sei, da es bei Clownfischen wohl immer ein Weibchen als Führer in der Gruppe gibt und wenn dieses stirbt ein Männchen aus der Gruppe das Geschlecht wechselt, das heißt Nemos Vater hätte, biologisch korrekt, als Nemos Mutter gestorben ist, die neue Mutter werden müssen.

 

Nach der helpx Zeit bin ich nach Launceston umgesiedelt und habe zu meinem Glück ein super tolles Hostel gefunden, das Arthouse! Es ist zwar ein wenig abgelegen, auf der anderen Seite des Tamar River als die Innenstadt aber super gemütlich und mit netten Leuten. Von dort aus habe ich mich nach einem Job umgesehen und bin dafür durch die gesamte Stadt gelaufen, habe überall gefragt ob jemand gesucht wird und Lebensläufe verteilt.

 

Zusätzlich habe ich im Hostel schon für accommodation gearbeitet, also ich mache die Küche sauber dafür, dass ich da wohnen kann. Während den drei, vier Tagen erfolgloser Jobsuche habe ich Blut gespendet und das RSA gemacht, das responsible service of alcohol certificate, das man braucht um Alkohol ausschenken zu dürfen, also für jede Kellnerstelle.

 

Danach ging es auf einmal ganz schnell. Ich sollte in einem Restaurant und in einem Klamottenladen probearbeiten und war auf einmal doppelt eingestellt und voll ausgelastet. Hauptsächlich arbeite ich im Klamottenladen Routleys Menswear…meistens von 9.30 bis 17 mit einer halben Stunde Mittagspause. Die Leute da sind super spannend und die Arbeit auch. Ein paar von unseren Anzügen werden im Laden fotogeshootet, kommen auf den roten Teppich in Sydney oder werden von einem Tour de France-Gewinner 2013 getragen, dem ich auch die Hand geschüttelt habe. Es gibt auch peinliche Momente, wie z.B. als ich meinem Chef Kaffeebohnen und nicht Kaffee geholt habe, weil ich in den falschen Laden gegangen bin und der Besitzer meinte, dass mein Chef dort immer Bohnen für seine Frau kauft. Ups. Da es 20 Minuten bis dahin zu laufen sind, habe ich mir dann online ein gebrauchtes Fahrrad ersteigert. In Tasmanien gibt es sogar Helmpflicht.

 

Und zwei bis drei Abende arbeite ich im Restaurant Sails oder dem dazugehörigen Veranstaltungshaus. Dort hatten wir schon eine Outlaws Motorradgang Hochzeit, Firmenfeiern und jede Menge anderer Events zu meistern. Im Verlauf des Abends bin ich meistens nur noch für das Essen zuständig (3 Teller tragen zu können ist auch praktisch, wenn ich mein Essen im Hostel an den Tisch trage), weil ich einfach nichts mehr verstehe wenn die Gäste total betrunken Getränke bestellen.


Der Manager dort ist total nett und gibt mir manchmal übriggebliebenes Essem vom tollen Buffet mit, womit ich dann das halbe Hostel ernähren kann. Sonntags mache ich im Hostel das Housekeeping - also Betten und Ähnliches für steuerfreies Bargeld. Da wir von 24 bis 90 Gästen schon alles hatten, ist die Küche unterschiedlich dreckig und die Betten zu machen unterschiedlich anstrengend.

Abends wird im Hostel eigentlich immer zusammen gekocht, gegessen, gespielt, was getrunken, Filme geschaut und gequatscht oder am Wochende abends weggegangen. Mit der Zeit kenne ich auch alle die länger dort sind, aber etwas unternommen wird auch mit den Leuten, die nur auf der Durchreise da sind.

 

Mit zwei Leuten bin ich an einem freien Tag mit einem geliehenen Auto zur Wineglass Bay gefahren. Nach zwei Stunden und tausend Schafen sind wir zum Nationalpark gekommen und nach einem kleinen Verfahrer am Parkplatz geladet. Wir sind dann eineinhalb Stunden über eine Hügelkette bis zum Strand gelaufen und genau als wir angekommen sind, ist die Sonne rausgekommen und wir haben sogar gebadet. Die Bucht ist wunderschön, bzw eigentlich sind es zwei die von beiden Seiten in die Halbinsel hineinragen.


Auf dem Parkplatz waren die frechsten Wallabies überhaupt… Leider haben wir auf dem Rückweg auch ein oder zwei überfahren, und das obwohl wir vorsichtig waren - aber es gibt soo viele, die neben der Straße sind und manche hüpfen dann in die falsche Richtung weg. Vor einem Wombat konnten wir zum Glück bremsen…mit dessen Knochenplatten im Rücken will ich auch ehrlich keine Bekanntschaft machen.


Den Taiwanesen George haben wir auf dem Rückweg in einem tollen Hostel in Bicheno abgesetzt, wo er in Zukunft Pinguintouren geben wird. Er ist Lehrer in Taiwan gewesen und reist jetzt schon seit einem Jahr und will zu Hause ein Projekt für umweltfreundliche Häuser auf die Beine stellen.

 

Mit 4 anderen Menschen sind wir in einem uralten Auto, was grade so die Berge gepackt hat, zum Cradle Mountain und dem ihn umgebenden Nationalpark gefahren. Ein Ire, ein Holländer und zwei Deutsche. Das war absolut wunderschön! Wir waren zu spät um mit dem Auto reinzufahren und sind dann mit dem kostenlosen Shuttlebus bis zum Startpunkt am See gefahren. Es war zwar echt wesentlich kühler als erwartet so hoch oben, aber wir hatten richtig Glück weil es genau in der Minute als wir zurück waren angefangen hat aus Eimern zu regnen. Wir hatten nur noch 2 Stunden bis der letzte Bus zurückfährt und haben uns aber trotzdem für den 3 Stunden Walk entschieden, der am Wombatsee vorbei hinauf auf den Marion Lookout führt und teilweise so steil ist, dass neben dem Weg Stahlketten zum hochziehen befestigt waren. Obwohl die anderen mich zwischendurch ein wenig abgehängt haben, hat sich der Weg auf jeden Fall gelohnt, denn die Aussicht ist einsame Spitze! Wir haben den ganzen Weg dann tatsächlich in 2 Stunden geschafft und konnten noch an einer Hütte am See picknicken.


Nach 6 Wochen im Arthouse muss man Grant und Pete, die an der Rezeption arbeiten einfach mögen. Anscheinend beruht das auf Gegenseitigkeit, denn Pete hat mir und einem anderen angeboten seinen Ute bzw Pickuptruck auszuleihen. Dazu haben wir natürlich nicht nein gesagt und sind über einen 4 Stunden Umweg zum Lake Saint Claire gefahren. Allerdings musste ich die ganze Zeit fahren, weil der Amerikaner, mit dem ich unterwegs war, nur Automatik fahren kann. Der Overlandtrack ist wohl die berühmteste Wanderstrecke in Tasmanien, wenn nicht sogar ganz Australien und Cradle Mountain ist der Start- und Lake Saint Claire der Endpunkt davon. Martin, den wir zwei Wochen vorher in Launceston kennengelernt haben und der krasse Comics zeichnet, arbeitet da jetzt in einem Restaurant in der Bar und war überrascht, dass wir ihn besucht haben. Beim Rundweg um den See hatten wir kein Glück ein Schnabeltier zu sehen, aber sonst habe ich alle exklusiven, tasmanischen Tiere mittlerwile sehen können. Am gleichen Tag ist auch Ryan, ein Taiwanese, am See angekommen und wir sind dann alle nach Martins Schicht in einen Pub gefahren. Es war echt komisch mit zwei Leuten auf der Ladefläche zu fahren, aber ich hab alle sicher nach Hause gebracht.

 

Da ich unbedingt noch mehr von Australien sehen will und das mit dem Geldverdienen nicht so schnell ging wie erwartet, will ich noch ein bis zwei Monate dranhängen um die berühmte Ostküste mit dem Great Barrier Reef, Korallen, Regenwald, Krokodile, Strand und die Oper von Sydney zu sehen.

 

Meine beiden Jobs habe ich gekündigt und werde noch eine Woche durch Tasmanien reisen, an der Bay of Fire vorbei und von Hobart an die Ostküste fliegen, wo ich einige Leute endlich wiedersehe, die ich auf der Reise getroffen habe.