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Meine Reisen durch Mexiko

 

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Carla S.
Stipendium gestiftet durch:
GLS



Schüleraustausch USA



Wie schnell die Zeit vergeht…

 

Wow, das letzte halbe Jahr ist echt wie im Flug vergangen. Vor genau 6 Monaten habe ich mich auf den Weg nach Cancún, Mexiko gemacht, um dort eine unvergessliche, wunderschöne Zeit zu verbringen. Mittlerweile bin ich schon wieder zu Hause in Deutschland und habe mich schon relativ gut wieder eingelebt. In diesem Bericht möchte ich aber gar nicht so viel von meinem Aufenthalt generell schreiben, sondern über die vielen kleinen Reisen, die ich in Mexico unternommen habe und was ich dadurch über die Kultur in Mexiko gelernt habe.

 

Chiapas und San Cristobal

 

Anfangen werde ich mit meiner Reise nach Chiapas/ Tabasco, die ich mit meinem Vater am Ende meines Aufenthaltes als Abschiedsreise für eine Woche unternommen habe. Chiapas ist einer der 31 Bundesstaaten Mexikos im Südosten von Mexiko und grenzt im Süden schon an Guatemala.
Wir flogen zuerst von Cancún nach Tuxtla Gutiérrez, der Hauptstadt von Chiapas. Von da aus sind wir aber direkt mit einem Bus nach San Cristobal de las Casas gefahren, einer kleine Bergstadt auf 2100m Höhe, die ihre Auszeichnung “Pueblo Magico”, also magisches Dorf, mehr als verdient hat. San Cristobal hat mir super gut gefallen, es gab wunderschöne bunte Straßen, einen schönen Dorfplatz und viele gemütliche Cafés.

 

Abends war auf dem Dorfplatz tolle Stimmung, es gab Live-Musik, Clowns und verschiedene Vorstellungen. An dem Abend war vor der Kirche besonders viel los, da vor der Kirche gerade eine “Quinceañera” gefeiert wurde. (Zu diesem wichtigen Bestandteil der lateinamerikanischen Kultur komme ich aber später nochmal.) Außerdem wurden viele handgemachte Produkte verkauft, z.B. Schals und Pullover, denn aufgrund der Höhe war es in San Cristobal abends ziemlich frisch. Diese Sachen werden von den indigenen Bergvölkern um San Cristobal gestrickt und die Verkäuferinnen sprechen auch kaum Spanisch. Anders als man sich das aber vorstellt hat niemand gebettelt und ich habe mich nie unwohl oder unsicher gefühlt.

 

San Cristobal Mexiko San Cristobal

Straßen in San Cristobal

 

Ausflug in den Nationalpark


Am Morgen des nächsten Tages sind wir ca. eine Stunde mit dem Bus in den Cañon de Sumidero, einer beeindruckenden Schlucht mit bis zu 1000 m hoch aufragenden Felswänden gefahren. Dort haben wir bei einer Bootsfahrt nicht nur überwältigende Natur gesehen, sondern auch einige große Krokodile und viele Vögel.  Danach sind wir noch durch den Nationalpark selbst gefahren, um uns das Ganze auch nochmal von oben von verschiedenen Aussichtspunkten anzuschauen. Auf 1000 m Höhe hat sich uns eine beeindruckende Aussicht geboten und die kleinen Boote, in denen wir auch schon zuvor auf dem Fluss des Canon de Sumidero gefahren waren, konnte man kaum noch als solche erkennen.

Mich hat vor allem beeindruckt, dass es in Wirklichkeit eigentlich noch viel schöner war, als auf irgendwelchen Fotos im Internet oder in Reiseführern, was ja nicht immer so ist. Der Ausflug war auf jeden Fall ein tolles Erlebnis, und hat gezeigt, dass Mexiko voll von versteckten Naturschönheiten ist, die man so gar nicht erwarten würde. Abends haben wir dann nochmal die super Stimmung in San Cristobal genossen und haben lecker zu Abend gegessen.

 

Caanon de Sumidero Mexiko Mexiko Canon de Sumidero

Der Cañon de Sumidero


Die Wasserfälle und Ruinen in Palenque

 

Am nächsten Tag sind wir dann ca. 6 Stunden durch die Berge nach Palenque gefahren. Während der Busfahrt hatte man oft tolle Ausblicke und mich hat überrascht, wie viel unberührte Natur sich noch in Chiapas befindet. Entgegen meiner Erwartungen waren die Straßenverhältnisse immer sehr gut und nie unsicher. Daran kann man sehen, dass Vorurteile, die man hat, oft überhaupt nicht stimmen. Palenque ist bekannt für die nahe gelegenen  Ruinen und  Wasserfälle.

 

Die 2 bekanntesten Wasserfälle, Misol-Ha und Cascadas haben wir am darauffolgenden Tag als Tagesausflug besucht. Es war echt wunderschön und da wir in der Nebensaison Mitte Januar dort waren, ziemlich wenig besucht. Außerdem war es auch sehr angenehm, sich bei der Wärme ein bisschen in dem kühlen Wasser abzukühlen. Wieder einmal hat mir das gezeigt, dass Mexiko nicht nur kulturell und historisch, sondern auch in der Natur viel zu bieten hat.

Cascada de MIsolha Mexiko Cascada de Misolha

Cascada de Agua Azul

oben: Cascada de Misolha und unten Cascadas de Agua Azul

 

Am folgenden Tag  haben wir dann die weltberühmten Ruinen von Palenque besucht. Seit 1987 schon ist die vom Tieflanddschungel umgebene Fundstätte UNESCO- Weltkulturerbe. Die Mayastadt wurde ungefähr 300-400 n.Chr. erbaut, aber erst vor weniger als 100 Jahren von Forschern “wiederentdeckt”. Bis dahin war sie quasi im Wald von Bäumen und Pflanzen begraben und noch unerforscht. Dies ist noch in sehr vielen Regionen von Mexiko der Fall. In unberührter Natur sind oft noch hunderte von Ruinen der Mayas/Azteken versteckt. Meiner Meinung nach sind die Ruinen von Palenque von den Maya-Städten, die ich bisher gesehen habe, die schönste und faszinierendste, besonders, da sie so toll in den Regenwald integriert sind. (Super schön ist aber auch Tulum, da es direkt am Meer liegt).

 

Palenque, Mexiko

 

Ruinen von Palenque Nationalpark Palenque
Die Ruinen im archäologischen Park von Palenque

 

Villahermosa


Am nächsten Morgen sind wir dann noch nach Villahermosa gefahren. Villahermosa ist die Hauptstadt des Bundesstaates Tabasco. Tabasco  ist besonders berühmt für seine breiten Flüsse, tiefen Lagunen, die hier ansässige mexikanische Ölindustrie und die Natur, denn mehr als die Hälfte des tropisches Regenwaldes von Mexiko liegen in Tabasco. In der Regenzeit sind in Tabasco mehr als 50% der Fläche von Wasser bedeckt. Wir haben einen schönen Spaziergang an einer der großen Lagunen gemacht und haben mal wieder einige Krokodile (im spanischen heißen die übrigens “cocoDRilos” :)) gesehen.

 

Krokodil

 

Am nächsten Tag war die Woche dann leider auch schon wieder vorbei und wir sind zurück nach Cancún zu meiner Gastfamilie geflogen. Insgesamt war es eine tolle Reise, die ich jedem sofort weiterempfehlen würde, denn man hat einen fantastischen Eindruck in die so verschiedenen Seiten von Mexiko bekommen (Kultur, Geschichte, Natur, Leben…). Das Wetter war auch sehr angenehm und auch deshalb war die Reisezeit Januar eigentlich perfekt.

 

Quinceañeras - der 15. Geburtstag in Mexiko

 

Wie oben schon erwähnt, möchte ich auch noch ein bisschen etwas über die “Quinceañeras” erzählen. Anders als z.B. in den USA wird in Mexiko und vielen  anderen Ländern Lateinamerikas nämlich der 15. Geburtstag von Mädchen oft sehr groß gefeiert. Die Feier ehrt den Übergang der 15-jährigen vom Kind zur Frau. Da so eine große Feier auch mit hohen Kosten verbunden ist, haben viele lateinamerikanische Mädchen die Wahl: soll es eine Quinceañera Feier, eine große Reise oder ein anderes großes Geschenk sein?

 

Die “Fiesta de Quinceañera” ist meist größer, pompöser, bunter, und kitschiger als jeder andere Geburtstag. Für manche bedeutet dieser Tag sogar mehr als die Hochzeit und es wird schon Monate und Jahre vorher dafür geplant und gespart. Die Mädchen tragen märchenhafte Kleider, sind wunderschön geschminkt und frisiert. Traditionell katholisch beginnt das Fest in Mexiko mit einem Dankgottesdienst. Nach der Messe folgt normalerweise ein großes Fest, auf dem getanzt, geredet, gelacht und gegessen wird. In einigen Dörfern dauern die Feste sogar einige Tage. Bei einem Großteil der Feste, soweit bezahlbar, tragen die Mariachis (traditionelle mexikanische Volksmusikanten) mit ihren Rhythmen die gewisse Würze dazu bei. Üblicherweise werden die Feste auch auf Video festgehalten.

 

Piñatas


Ein weiterer Brauch, den auch ich in Mexiko kennengelernt habe, sind “Piñatas”. Eine Piñata ist eine aus Pappe gefertigte und mit Krepppaier umwickelte Figur, die es in fast allen erdenklichen Formen und Farben gibt. Moderne Piñatas haben die Form von Comicfiguren oder anderen wohlbekannten Symbolen. Manche werden sogar dem Aussehen von Politikern nachempfunden, auf die besonders gerne kräftig „geschlagen“ wird.

 

Die traditionelle Piñata ist eine Kugel mit sieben kegelförmigen Spitzen, die die sieben Todsünden und damit das Schlechte symbolisieren. Diese wird mit Früchten, Nüssen und Süßigkeiten gefüllt und dann aufgehängt. Dann wird die Piñata von allen nacheinander mit einem Holzstab zerschlagen. Die Umstehenden singen dabei ein Lied. Ist dieses Lied zu Ende, ist der nächste an der Reihe.

 

Einmal zerschlagen, symbolisieren das herabfallende Obst und die Süßigkeiten den Segen für alle Teilnehmer. Wenn die Piñata zerbricht, rennen alle zu den Süßigkeiten und versuchen, so viele wie möglich zu hamstern. Ursprünglich wurde die Piñata im religiösen Sinne nur an Weihnachten zerschlagen, heute ist an  Kindergeburtstage oder auch auch andere Partys ohne Piñatas gar nicht mehr zu denken. Wir haben im Special-Spanish Unterricht in der Vorweihnachtszeit auch jeder selber eine Piñata gebastelt und sie auch zerschlagen. Es hat viel Spaß gemacht und es sind - meiner Meinung nach - sehr schöne Piñatas geworden :). Piñatas sind auch aus Spanien und anderen spanischsprachigen Ländern bekannt, aber in jedem Land sind natürlich die Traditionen anders.

 

Pinata Pinatabasteln, MexikoPinata, Mexiko

Beim Piñata Basteln/Zerschlagen in der Schule
IAS International American School Cancún

 

Carla Schneider, Februar 2017