Dienstag, 21. Mai 2019
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Kanada, meine zweite Heimat

 

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Helena O.
Stipendium gestiftet durch:
MAP



Schüleraustausch USA



Nun ist schon mehr als die Hälfte meines Auslandsjahres vorbei und um ehrlich zu sein, ist diese Erkenntnis schon etwas schockierend. Es kommt mir wie gestern vor, dass ich in Kanada angekommen bin und meinen ersten Schultag hatte. Bald fängt mein zweites Semester an und ich schaue froh und dankbar auf die vergangenen fünf Monate. Auch wenn sie wie im Fluge an mir vorbeizogen sind, habe ich sie ganz bewusst genossen. Außerdem sind in den letzten Monaten wieder viele neue Dinge passiert, von denen ich Euch im Folgenden gerne berichten möchte.

 

 

Ski, Schlittschuh und eine Menge Schnee

 


In den Monaten November, Dezember und Januar gab es viele unterschiedliche Aktivitäten. In der Schule schrieben wir einige Tests zur Vorbereitung auf die Examen im Januar. Die Wochenenden nutzten wir, um so viel Ski zu fahren wie es nur möglich war. Ich habe Skipässe für die beiden schönen Gebiete “Nakiska” und “Sunshine”. Mit meiner Gastfamilie fahre ich immer nach “Nakiska”. Dort sind die Abfahrten schön lang und nicht zu steil, was sich für meine kleinen Gastgeschwister anbietet. Nichtsdestotrotz gibt es auch ein paar Abfahrten, die man als fortgeschrittener Skifahrer nehmen kann. Von ganz oben hat man außerdem einen atemberaubenden Blick auf die Rocky Mountains. Es macht immer wieder Spaß, dort einige Zeit mit meiner Gastfamilie zu verbringen.

 

Das andere Skigebiet “Sunshine” ist in Banff und sehr weitläufig! Noch nie vorher in meinem Leben war ich in einem solch großen Skigebiet; wenn man auf dem  oberen Teil des Berges fährt, kann man bis nach British Columbia schauen. Das ist wirklich einmalig! Da meine Gastfamilie keine Skipässe für dieses Gebiet besitzt, fahre ich oft mit Freunden oder Nachbarn dorthin. Der Vater einer meiner Freunde war früher Skilehrer, was mir dabei half, meine Fahrkünste weiter zu verbessern. Obwohl ich jetzt schon einige Male dort war, habe ich noch längst nicht alle Abfahrten gesehen. Besonders schön ist es, wenn die Sonne etwas scheint und den Schnee zum Glitzern bringt. Man fühlt sich dann, als wäre man in einer magischen Welt.

 

 

Erfahrungsbericht WELTBÜRGER-Stipendiatin Kanada MAP

 

Es macht außerdem riesigen Spaß, an einem sonnigen Tag auf einem zugefrorenen See Schlittschuh zu laufen. Vor kurzem waren meine Gastfamilie und ich am “Lake Louise”. Dort gibt es ein Hotel, das direkt an den See gebaut wurde. Auf diesem See waren wir dann auch Schlittschuhlaufen. Man musste sich keine Sorgen machen, einzubrechen, da das Eis etwa 90cm dick war. Es war einmalig! Wir konnten uns dort außerdem spektakuläre Eisskulpturen anschauen. Das war das erste Mal, dass ich so etwas gesehen habe; ich war hin und weg. An diesem Tag war es ungewöhnlich warm (nur ein paar Grad unter dem Gefrierpunkt) und sonnig. Im Sommer ist es dort genauso schön wie im Winter. In Canmore gibt es außerdem einen Ort, an dem man Schlittschuhlaufen kann, aber auch “Cross Country Skiing” betreiben kann. Dieser Ort liegt etwas oberhalb des ,,Lake Louise“, weshalb man einen atemberaubenden Blick über Canmore hat.

 

 

Die Vorweihnachtszeit

 


Da ich unter der Woche in der Schule war und mich am Wochenende mit Skifahren ausgetobt habe, verging der November nur so im Fluge. Im Dezember waren dann alle Augen auf Weihnachten gerichtet; mit dem Schokokalender wurden in meiner Gastfamilie gespannt die Tage bis zur Ankunft von Santa Claus gezählt. In diesen Wochen vor Weihnachten hatte ich das Glück, in Canmore den kanadischen Weihnachtszug zu sehen; dabei handelt es sich um einen Zug, der in der Vorweihnachtszeit durch das ganze Land fährt und Geld für gute Zwecke sammelt. Er war mit Lichterketten bestückt und eine Live Band hat darauf gespielt. In dieser Nacht habe ich meine erste Sternschnuppe vom Himmel fallen sehen. Das war unglaublich schön und natürlich habe ich mir etwas gewünscht, was ich allerdings nicht verraten werde, damit es auch in Erfüllung geht.

 

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In der Schule schrieben wir einige Tests und die Lehrer appellierten an uns, in den Weihnachtstagen auch das Lernen nicht zu vergessen. Die Vorfreude auf Weihnachten stieg mit jedem neuen Tag, der verging. Bis zu dem ersehnten Abend musste natürlich auch noch ein Weihnachtsbaum beschafft werden, den wir in den Wäldern Kanadas eigenhändig fällten. Er war zwar nicht so perfekt gewachsen wie ein gekaufter Baum, hatte dafür aber seinen ganz eigenen Charakter. Am selben Tag wurde der Baum dann auch noch mit lauter Weihnachtsmusik geschmückt.


Weihnachten und Silvester in Kanada

 


Am 21. Dezember bekamen wir unsere wohlverdienten Weihnachtsferien. Meine japanische Gastschwester flog über die Ferien zurück nach Japan, um die Feiertage mit ihrer Familie und ihren Freunden zu verbringen. Am 24. Dezember telefonierte ich mit meiner Familie in Deutschland, um ihnen allen fröhliche Weihnachten zu wünschen. Sie hatten mir ein großes Weihnachtspaket mit ein paar Geschenken darin geschickt, es war jedoch lange nicht klar, ob es überhaupt rechtzeitig ankommen würde, da die kanadische Post eine ganze Weile gestreikt hatte. Mein eigentliches Weihnachts-geschenk war es also, dass dieses Paket pünktlich am Weihnachtstag ankam. Am nächsten Morgen weckten mich meine zwei kleinen Gastgeschwister um fünf Uhr morgens, um mir aufgeregt die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum und in den “Stockings” zu zeigen, die Santa vorbeigebracht hatte. Sie durften dann ein paar Geschenke aus den Socken öffnen und anschließend sind wir alle nochmal ins Bett gegangen, da uns fünf Uhr am Morgen dann doch etwas zu früh erschien.

 

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Ein paar Stunden später standen wir alle auf, um Weihnachten zu feiern. Wir hatten ein gemütliches Weihnachtsfrühstück mit anschließendem Geschenke auspacken. Meine Gastfamilie hat mir wirklich tolle Geschenke gemacht, über die ich mich sehr gefreut habe. Am Abend kamen dann Freunde meiner Familie vorbei und haben mit uns zu Abend gegessen. Das Abendessen hier ist ein sehr großes Ereignis und meine Gastmutter gab sich riesige Mühe damit; es war wirklich sehr lecker! Am Abend lernte ich noch eine neue kanadische Tradition kenne: die so genannten Christmas Crackers. Diese haben zwei Enden, an denen man sie mit überkreuzten Händen festhält. Man zählt von drei runter und mit einem Ruck zieht man an den Enden. Mit einem lauten Krach öffnet sich dann der mittlere Teil des Crackers und ein kleines Geschenk fällt heraus. Ich muss aber hinzufügen, dass diese Geschenke eher als Spaß gedacht sind; ich zum Beispiel hatte einen Nagel-Knipser in meinem “Christmas Cracker”.

 


Über die Ferien fuhren meine Gastfamilie und ich dann viel Ski sowie Schlittschuh gingen ins Schwimmbad und hatten eine Menge Spaß. Bald stand dann auch schon Silvester vor der Tür. Wir verbrachten den Abend bei Freunden und gingen am Abend zusammen zu einem kleinen Teich im Zentrum Canmores, der zugefroren war. Dort spielte gegen 20 Uhr eine Live Band und anschließend gab es ein großes Feuerwerk. Wir waren so früh dort, da meine kleinen Gastgeschwister nicht bis Mitternacht aufbleiben konnten. Trotzdem stellte ich mir für Mitternacht den Wecker, um offiziell ins neue Jahr zu rutschen.

 

 

Die Schule geht weiter

 


Am siebten Januar fing dann die Schule wieder an. Unsere Lehrer bereiteten uns auf die “final exams” vor. Zwei Wochen später musste man dann nur noch an den Tagen zur Schule kommen, an denen man eine Arbeit hatte. Da ich meine “Social Studies” Examen schon in der ersten Schulwoche geschrieben hatte, musste ich nur für Mathe zur Schule und hatte die restlichen Tage frei. Die Examen schrieben wir in der Turnhalle, was ungewöhnlich für mich war, weil ich es so aus Deutschland nicht kannte.

 


Mit dem “international program” unserer Schule gingen wir im Januar Schneeschuhwandern. Für mich war es das erste Mal, dass ich mehrere Stunden durch tiefen Schnee wanderte und es machte mir großen Spaß. Es hat die ganze Zeit lang leicht geschneit und so genossen wir die weiße Landschaft um uns herum umso mehr. Auf dem Rückweg trafen wir auf eine Gruppe, die Iglus baute. Wir durften sie uns anschauen und ich war sehr beeindruckt.

 

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Mein zweites Semester startete mit spannenden neuen Fächern. Morgens habe ich Werkunterricht, der mir großen Spaß macht. Ich habe im Rahmen dessen zum Beispiel schon ein Paddel gebaut, auf das ich sehr stolz bin. Darauf folgt der Englisch Unterricht in einer kleinen Gruppe von zehn Schülern, wodurch eine angenehme Lernatmosphäre entsteht. Nach der Mittagspause geht mein Tag dann mit Landwirtschafts-Unterricht weiter; da es momentan leider noch etwas zu kalt ist, um draußen gärtnern zu können, arbeiten wir erst einmal sämtliche theoretische Themen ab. Meine letzte Stunde ist Psychologie, bei Weitem mein Lieblingsfach! Wir lernen unglaublich viel und mein Lehrer gestaltet den Unterricht immer sehr interessant.

 

 

Am 9. März war mein 18. Geburtstag, den ich mit meiner Gastfamilie und Freunden verbrachte. Es war ein wunderschöner Tag und meine Gastfamilie organisierte sogar eine Party für mich, auf der wir bis spät in die Nacht tanzten.


Es war eine neue und wertvolle Erfahrung, die ich niemals vergessen werde.

 

 

Bald steht bei mir noch Hundeschlitten-fahren an, worauf ich mich wirklich freue! Meine Zeit in Kanada vergeht so schnell, dass ich eigentlich gar nicht glauben möchte, dass es schon März ist und damit mehr als die Hälfte meines Auslandsjahres vorbei ist! Ich bin doch gerade erst angekommen. Dennoch genieße ich jeden einzelnen Tag in vollen Zügen. Ich bin mir sicher, dass der Abschied sehr schwer fallen wird, aber ich weiß, dass ich immer wieder zurückkommen kann. Ich habe hier viele Freunde gefunden, die ich für mein Leben behalten werde. Außerdem wird meine Familie in Deutschland auf mich warten und ich freue mich, sie wieder in die Arme nehmen zu können!

 

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