Dienstag, 19. November 2019
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Mein Sommer in Australien

 

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Jamina L.
Stipendium gestiftet durch:
weltweiser



Schüleraustausch USA



Mein Sommer in Australien

 

 

Es ist April und während in Deutschland der Frühling eingetroffen ist, gehen im australischen Herbst die Temperaturen langsam runter. Auch wenn es an den meisten Tagen trotzdem noch um die 25 Grad Celsius sind, ist der Sommer definitiv vorbei. Ostern naht, der letzte große Feiertag bevor es für mich nach Hause geht. Weihnachten und Neujahr im Hochsommer, aber auch der Sommer im ganzen hier in Down Under waren wirklich tolle Erfahrungen, die ich froh bin gemacht zu haben und mit absoluter Sicherheit niemals vergessen werde.

 

 

Weihnachten im Hochsommer

 

 

Weihnachten in Australien war ziemlich anders als das Weihnachten, was ich aus Deutschland kenne. Natürlich haben wir auch dort nicht immer schneeweiße Weihnachten, aber in der Hitze schwitzen müssen wir auch nicht :). Weihnachten wird hier eigentlich am Morgen des 25. Dezembers, also mitten im Hochsommer gefeiert. Da meine Gastfamilie und ich uns aber morgens am 24. Dezember auf den etwas längeren Weg nach Port Lincoln machen wollten, gab es bei uns Bescherung sogar schon am Abend des 23. Dezembers! Die Bescherung hat mich von all den Traditionen hier am ehesten an das Weihnachten in Deutschland erinnert, weil die Geschenke auch unter einem Weihnachtsbaum lagen und die Bescherung eben am Abend war (der Tannenbaum war aber aus Plastik, wie in den meisten australischen Häusern - mit echten Tannenbäumen ist es in Down Under nicht so).

 

Am 24. Dezember saß ich dann also im Auto auf dem Weg zur Tante, die in dem oben genannten Ort Port Lincoln wohnt. Port Lincoln liegt im Süden South Australia’s und hat etwa 14.000 Einwohner. Der Ort ist direkt am Meer und total schön - und etwas kühler als hier oben im Outback. Am Weihnachtsmorgen sind wir zu weiteren Familienangehörigen ein paar Straßen weiter gefahren, wo die Vorbereitungen für Lunch stattfanden. Alle zusammen saßen wir dann draußen auf der Terrasse, mit Sonnenbrillen und kurzen Hosen, haben zusammen Lunch und Kuchen gegessen und so den 25. Dezember verbracht.

 

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Neujahr

 

Am Tag des 31. Dezembers bin ich abends mit meinem Gastbruder zusammen zu Freunden gefahren. Diese hatten deren Terrasse total schön geschmückt und saßen gemütlich in einer Runde, haben Musik gehört, Tim Tams und Cheezels gegessen und gelacht. Wir haben dann ein Tischtennisturnier veranstaltet, während die Eltern den Grill angemacht haben und das Barbecue vorbereiteten. Die Australier lieben Barbecue und egal wo man auch hingeht, es sieht meistens immer gleich aus: Jemand steht mit seinen australischen Thongs vor dem Grill und brät die Lammwürstchen und die Beef patties, die dann zusammen mit einer Scheibe Toast und Barbecue Sauce genossen werden. Eine richtige typisch australische (und leckere) Tradition, die im Sommer ständig stattfindet.

 

 

Kurz vor Mitternacht haben wir dann Wunderkerzen angezündet und wie wahrscheinlich auf der ganzen Welt die letzten Sekunden von 2018 runter gezählt. 2018, was für ein Jahr! In der Mitte des Jahres begann mein Abenteuer, und jetzt stand ich da, nach 5 Monaten in Australien, und konnte es irgendwie trotzdem noch nicht glauben. All diese Leute um mich rum, die so fremd waren am Anfang, die mich aufgenommen haben in ihre Gruppe und die mittlerweile so unglaublich wichtig geworden waren! Und dann war es 0.00 Uhr und wir haben fröhlich “HAPPY NEW YEAR!!!“  in die Nacht gerufen.

 

Ich habe nach oben geguckt und etwas bemerkt, dass ich an Sylvester noch nie erlebt hatte. Ein stiller und dunkler Nachthimmel. Es war schon nach 0 Uhr und noch kein einziges Feuerwerk hatte ich gesehen oder in der Ferne gehört. Ich war so verwirrt, habe mir dann aber erstmal nichts weiter dazu gedacht und einfach den Abend mit meinen Freunden genossen. Bis ich dann am nächsten Tag wieder daran denken musste und meine Gastmutter auf dem Weg nach Hause einfach fragen musste: Warum gab es kein Feuerwerk? Die Antwort lag eigentlich auf der Hand, ich hatte aber absolut nicht daran gedacht. Hier oben im Outback sind überall Büsche und an jeder Kreuzung hängen Plakate, die daran erinnern sich vor Bushfires zu schützen. Die no fire season hatte im November angefangen und würde noch eine Weile gehen, eben bis der Hochsommer vorbei war. Dass an Neujahr dann keine Raketen gestartet werden dürfen, ist eigentlich selbsterklärend.

 

Ich hatte daran aber gar nicht gedacht, vor allem weil doch jedes Jahr bei uns in Deutschland gezeigt wird, wie Australien bereits vor uns mit riesigen Feuerwerken über dem Opera House das nächste Jahr begrüßt hatte. In großen australischen Städten wie Sydney gibt es auch öffentliche, kontrollierte Feuerwerke. Im Rest des Landes bleibt es dunkel in der Silvesternacht - was irgendwie komisch war, aber letztendlich ist es viel wichtiger, das Jahr mit Menschen zu beginnen, die einem wichtig sind…und immerhin bedeutet das, dass man am nächsten Tag nicht die Straßen von Böllern befreien muss.

 

 

Surfen

 

Dank meines Outdoor Education Kurses kann ich jetzt auch surfen :) Wir sind für drei Tage runter nach Goolwa Beach gefahren, wo der Instructor von KingoSurfing meiner Klasse und mir erklärt hat, warum Goolwa der ideale Ort für Surfanfänger ist. Keine starken RIPs, bis zu 40 Meter weit im Wasser ist es trotzdem noch flach und Weißwasserwellen die perfekt zum Surfen lernen sind. Unsere Gruppe durfte dann nach ein paar Trockenübungen auch endlich ins Wasser.

 

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Am ersten Tag haben wir mit großen Softboards angefangen, die es leichter machen das Gleichgewicht zu halten, am Ende des Camps durften wir dann aber auch richtige Hardboards ausprobieren. Am Anfang war es erstmal schwierig genug, überhaupt die richtige Welle zu bekommen. Die Instructor haben uns aber gut geholfen und uns auch im Wasser immer Tipps gegeben, so dass ich am Ende kaum noch Probleme hatte, eine Welle zu bekommen. Viel schwieriger fand ich das Aufstehen auf dem Board, denn man muss eine bestimmte Reihenfolge von Bewegungen machen, um auf dem Bord aufzustehen, ohne direkt per nose dive oder zur Seite hin weg im Wasser zu landen.

 

Es war wirklich hart und anstrengend, was aber wieder wett gemacht wurde, als ich dann endlich den Dreh raus hatte und für ein paar gute Sekunden auch wirklich auf der Welle gesurft bin! Ich hatte vor dem Camp total Angst, in Australien ins Meer zu gehen, wegen den Haien und Quallen, aber als ich dann wirklich im Wasser war, war alles vergessen und ich habe mich nur noch aufs Surfen konzentriert. Am Ende des Camps hatte ich auch immer noch keinen einzigen Hai gesehen…und die ganze Angst auch irgendwie sowieso vergessen.

 

 

Mein erstes AFL Game im Stadion

 

Im März begann endlich wieder die AFL Season. Ich hatte immer mal wieder ein paar Spiele im Fernsehen gesehen und mich jedes mal geärgert, dass Deutschland Fußball so sehr feiert, anstatt AFL. AFL steht für Australian Football League und weil ich die Regeln nicht wirklich kenne, würde ich einfach sagen, dass ein Haufen Footballspieler sich auf einem riesigen, elliptischen Spielfeld wortwörtlich um einen Football kloppt. Am Ende gewinnt dann die Mannschaft, die den Football öfter durch das aus vier Stäben bestehende Tor kickt.Viel Action auf jeden Fall!

 

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Mein Gastvater ist Fan von den Adelaide Crows und als dann Ende März deren erstes Spiel anstand, bin ich mit meiner Gastfamilie in das Adelaide Oval zum Zugucken gegangen. Ich war zuvor noch nie in einem großen Stadion und fand es so krass, wie viele Menschen da zusammen kamen, um das Spiel zu schauen. Die Atmosphäre war der Wahnsinn, das ist auf keinen Fall damit zu vergleichen, ein Spiel zuhause vom Fernseher aus anzugucken. Nach jedem Tor von den Crows gab es riesigen Applaus und Zurufe. Leider haben die Crows an diesem Tag gegen die Hawks aus Victoria verloren, weswegen mein Gastvater mit einer enttäuschten Miene das Oval am Ende des Spiels verlassen hat - ich musste trotzdem mein Grinsen unterdrücken, weil ich so glücklich war, dass ich endlich ein richtiges AFL Game geguckt habe. Wenn ich jetzt nicht zumindest ein bisschen Australier bin, weiß ich auch nicht :)

 

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