Donnerstag, 18. Juli 2019
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Gastfamilienwechsel und Geburtstag - Mein Schüleraustausch nach Australien

 

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Jamina L.
Stipendium gestiftet durch:
weltweiser



Schüleraustausch USA



 

 

Meine erste Zeit in Australien

 

Seit etwas über drei Monaten bin ich nun schon in Down Under. Es gab definitiv Höhen und Tiefen, von denen ich in meinem Erfahrungsbericht ein bisschen erzähle. Ich denke ich kann sagen, dass ich schon relativ viel erlebt habe hier :)

 

20 Stunden unterwegs nach Down Under

 

Am 06. August 2018 bin ich in Bremen in den Flieger nach Frankfurt gestiegen, der mich nach Hong Kong bringen sollte. Von da aus sollte es weiter nach Sydney ins Soft-Landing-Camp gehen.
Der Abschied von meiner Familie in Deutschland war nicht so schlimm, wie ich davor befürchtet hatte. Meine Mama hat ein bisschen geweint, aber ich erstaunlicherweise gar nicht. Ich war viel zu aufgeregt und habe eigentlich weniger realisiert, dass ich meine Familie jetzt für 10 Monate nicht sehen sollte. Auch auf den längeren Flügen, war mir gar nicht so richtig bewusst, was eigentlich gerade passiert. Zusammen mit den anderen deutschen Austauschschülern hat es sich selbst, als wir im Camp außerhalb von Sydney waren, eher wie ein Klassenausflug angefühlt.

 

Schüleraustausch Astralien Sydney

 

Richtig real wurde es erst, als ich 3 Tage nach der Landung in Sydney meine Gastfamilie am Flughafen in Melbourne umarmt habe. Auf einmal war ich alleine und vollkommen auf mich gestellt, was die Verständigung anging. Ich habe mich trotzdem aber direkt super wohl dort gefühlt und wusste, dass ich in der Familie die 10 Monate meistern könnte.

 

Schüleraustausch Australien Melbourne

 

Der Schulstart

 

Ungefähr eine Woche nach meiner Ankunft in Melbourne ging für mich die Schule los. Ich hab total gespannt meine lilafarbene Schuluniform angezogen und mir gedacht oh Gott, oh Gott, das sieht wirklich komisch aus, so mit Krawatte und Lackschuhen. Sobald ich allerdings in der Schule war, war ich erleichtert, weil alle so rumliefen. Jeder trug das Gleiche. Natürlich haben mich alle angestarrt, weil ich neu war - aber die Schuluniform hat mir irgendwie das Gefühl gegeben, nicht ganz so aufzufallen und irgendwie schon direkt dazu zu gehören.

 

Außerdem waren wirklich alle total hilfreich, sind auf mich zugekommen, haben sich vorgestellt, boten mir an, mich zum nächsten Kurs zu bringen. Das hatte ich wirklich gar nicht erwartet, weil uns vorher immer gesagt wurde, wir sollten auf die Leute zu gehen. Ich hatte mir vorher ganz umsonst so viel Stress gemacht, denn ich hatte Angst, nicht zu wissen, wo ich hingehen musste und alleine dazustehen. Das war aber wie erwähnt absolut nicht so, eher das Gegenteil. Das hat mir den Einstieg in die Schule sehr erleichtert.

 

Gastfamilienwechsel

 

Mit meiner Gastfamilie in Melbourne habe ich mich grundsätzlich sehr gut verstanden, trotzdem habe ich manchmal das Gefühl gehabt, dass irgendwas los ist. Als nach ungefähr 3 oder 4 Wochen sich dann meine Koordinatorin mit meiner Gastmutter und mir an den Tisch gesetzt hat und meine Gastmutter mir erzählte, dass sie krank sei und, wie ich schon bemerkt hatte, keiner meiner Gasteltern so richtig regelmäßig zur Arbeit ging, wurde mir Einiges klar. Mir war dann auch bewusst, was als Nächstes kam: Ein Gastfamilienwechsel.

 

Meine Gastmutter bat meine Koordinatorin darum, nach einer neuen Familie im Umkreis zu suchen, damit wir uns besuchen könnten und auch meine Koordinatorin sagte mir, dass die Organisation alles versuche, um mich auf der Schule zu lassen, da ich so schnell Anschluss gefunden hatte und sie mich da ungern rausreißen würden. Ich war natürlich traurig, dass ich die Familie wechseln musste, weil wir uns wirklich sehr gut verstanden, allerdings dachte ich nicht, dass es allzu schlimm werden könnte, wenn ich auch auf der Schule bliebe und die Familie weiter sehen könnte.

 

Es hat ca. eine Woche gedauert, bis meine Koordinatorin mich anrief und mir von den Neuigkeiten erzählte: Sie hatten eine neue Familie für mich gefunden. Als ich allerdings hörte, dass die neue Familie 3 Stunden nördlich am Murray River wohnte, war ich erstmal baff. In Deutschland war ich auf alles vorbereitet gewesen und mir war es vollkommen egal, ob Stadt oder Land, aber natürlich hatte ich mich gefreut zu hören, dass ich in einem Vorort der riesigen Metropole Melbourne wohnen würde. Noch dazu wurde mir gesagt, ich könnte in der Nähe bleiben, doch jetzt war ich so weit weg!

 

Die neue Schule war zwar auch in Victoria, allerdings mochte ich meine erste Schule sehr und noch dazu wohnte die neue Familie in New South Wales. Was das mit ,,in der Nähe bleiben’’ zu tun hatte, weiß ich immer noch nicht ganz. Aber na gut, dachte ich, wenigstens sehe ich dann etwas mehr von Australien. Und wer kann schon von sich sagen, dass er in seinem Auslandsjahr jeden Morgen auf dem Weg zur Schule von einem Bundesstaat in den Nächsten wechselt?

 

Die Geschichte über die zweite Gastfamilie möchte ich relativ kurz halten, weil es mir dort überhaupt nicht gut ging. Ich habe wirklich jeden Tag geweint und kurzzeitig darüber nachgedacht, alles abzubrechen, was erschreckend ist, da ich seit zwei Jahren darauf gewartet hatte, endlich nach Australien zu kommen!

 

Am Ende lief es darauf hinaus, dass ich in eine Übergangsfamilie gekommen bin, bei der ich zwei Wochen geblieben bin. Auch mit der Familie habe ich mich wieder sehr gut verstanden und meine älteren Gastgeschwister hatten sogar mit meiner Gastmutter zusammen überlegt, ob es irgendwie möglich wäre, dass ich dort die restliche Zeit des Auslandsjahres bleiben könnte. Allerdings hatten sie schon eine finnische Austauschschülerin und ich hätte wieder zu der Schule gehen müssen, wo ich vorher war (und die Gastgeschwister der zweiten Familie gingen auch dort zur Schule), also hieß es abwarten bis zum nächsten Wechsel.


Nach eineinhalb Wochen bekam ich eine Mail von meiner neuen Gastfamilie. Sie leben in South Australia in der Nähe der Stadt Berri am Murray River (mir wurde zwar gesagt, ich würde auf jeden Fall in Victoria wohnen bleiben, aber ich war nicht wirklich überrascht, dass ich jetzt doch wieder in einem anderen Staat wohnen sollte). Sie fuhren extra 7 Stunden, um mich mit dem Auto abzuholen, damit ich nicht nochmal fliegen musste.

 

Die Gegend hier in SA finde ich wirklich am allerbesten, sogar besser als Melbourne (was nur zeigt, dass man auch weit weg von einer Großstadt eine schöne Zeit haben kann!). Hier ist überall der bekannte rote Sandboden, täglich springen Kängurus durch die Gegend und das Klima lässt einen auch nicht vergessen, dass man in Australien ist. Die Schule finde ich ebenfalls besser, als meine erste Schule. Dann habe ich Fächer gewählt, die ich zuhause nicht habe. An der ersten australischen Schule hatte ich die Fächer gewählt, die ich auch in Deutschland habe, damit ich nicht wiederholen muss, wenn ich wieder da bin.

 

Australien Auslandsjahr Gastfamilie

 

Ich kann nur sagen, dass es sich auf jeden Fall lohnt, neue Fächer auszuprobieren, selbst, wenn einem dann das Jahr zuhause nicht angerechnet wird! Ich gehe zweimal die Woche mit meinem Outdoor Education Kurs Kajakfahren, lerne in Independent living, wie man sich darauf vorbereitet, von Zuhause auszuziehen und was man beachten muss und in Food & Hospitality koche ich regelmäßig Muffins, Kekse und Lamingtons (australische Kuchen). Die Schule macht mir hier so unglaublich viel Spaß, dass ich gar nicht so richtig Lust auf 9 Wochen Sommerferien habe. Und das heißt doch was?

 

Mein Geburtstag in Australien

 

Das größte Highlight bis jetzt war mein Geburtstag hier. Am Tag meines Geburtstags sind meine Gastfamilie und ich essen gegangen und ich durfte am Ende die Kerzen auf meinem Geburtstagskuchen auspusten (mein Gastvater sagt, das Rezept für den Kuchen ist sein Geheimnis, aber eigentlich steht es auf der Rückseite einer Kekspackung ;)). Das Schönste war aber, als ich am Sonntag zum Pizzaessen mit einer Freundin verabredet war. Ich hatte sie extra noch gefragt, ob wir nur zu zweit essen gehen würden und sie bestätigte es. Als wir dann die Türen zum Restaurant öffneten, konnte ich gar nicht glauben, dass alle meine Freunde an einem dekorierten Tisch saßen und laut ’’Happy Birthday’’ riefen, als wir reinkamen. Ich habe mich so sehr gefreut, das hatte ich echt gar nicht erwartet! Wir haben gegessen, geredet, gelacht und ich habe an diesem Abend einfach nur gedacht, dass ich am liebsten nicht mehr nach Hause will, so schön fand ich es.


Am Ende des Abends kamen dann die Restaurantmitarbeiter mit einem kunstvollen Schokoladenkuchen rein und alle zusammen haben ein Geburtstagslied gesungen (der Kuchen war übrigens auch genauso lecker, wie er aussah). Das war mein australischer Geburtstag, den ich mit absoluter Sicherheit nicht vergessen werde :)

 

Australien Schüleraustausch Geburtstag

 

Ich denke, mein Auslandsjahr ist an manchen Stellen genau das, wovor viele Austauschschüler Angst haben. Eine Gastfamilie, die leider gar nicht zu einem passt, zu viele Wechsel und das Umziehen in komplett andere Regionen. Es zeigt aber auch, dass es immer nur besser werden kann und man manchmal einfach daran glauben muss, dass sich alles zum Guten wendet. Ich bin hier in SA glücklicher, als in jedem anderen Ort, in dem ich war, habe sowohl, Sydney, Melbourne als auch Adelaide gesehen (Adelaide ist mein Favorit), war in drei verschiedenen Bundesstaaten, hab in der Stadt und auf dem Land gelebt, verstanden, dass nicht alles schlecht ist, nur weil es gerade so aussieht und gelernt, dass ich auch am anderen Ende der Welt Menschen finde, die mich nicht hängen lassen. Und es sind erst etwas über 3 Monate um!