Mittwoch, 20. Mńrz 2019
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Unterwegs im Land der Kiwis -
Work & Travel Neuseeland


Erfahrungsbericht

WELTB├ťRGER-Stipendiatin
Christina L. - Neuseeland

Reiseoutfit-Stipendium gestiftet durch:
Zalando

 

Sch├╝leraustausch Costa Rica

 

Hallo liebes Weltb├╝rger-Stipendium-Team,

 

endlich bin ich in meinem Traumland Neuseeland angekommen. Es ist alles noch viel sch├Âner, als ich mir es vorgestellt habe. Die Landschaft ist wahnsinnig beeindruckend, die Leute sind sehr nett und hilfsbereit, das Essen und der Wein sind sehr gut und man erlebt jeden Tag etwas Neues und lernt sehr viele interessante Leute aus der ganzen Welt kennen.


Aber jetzt fang ich mal von vorne an. Am 17. Januar bin ich nach einem 28-st├╝ndigen Flug im Land der Kiwis und Schafe angekommen. Die Einreise gestaltete sich als sehr kompliziert. Ich wurde zwei Stunden vom Zoll aufgehalten, da ich einen Apfel in meiner Tasche hatte. Frisches Obst muss man vor der Anreise n├Ąmlich entweder wegwerfen oder anmelden. Da ich vor lauter Vorfreude und Aufregung endlich angekommen zu sein, meinen Apfel total vergessen hatte, durfte ich erst einmal mit den Zollbeamten diskutieren und musste letztendlich 400 $ Strafe zahlen. Auf die Frage, ob ┬áich den Apfel jetzt essen d├╝rfe, nachdem ich ihn so teuer bezahlen musste, hie├č es nur, ob ich Witze mache. Na gut, das war wohl nicht der beste Start in Neuseeland, aber jetzt konnte es nur besser werden ;).


Endlich im Hostel in Auckland angekommen, galt es den Jetlag zu ├╝berwinden. Die kommenden f├╝nf Tage verbrachte ich dort und erledigte einige organisatorische Dinge, wie zum Beispiel die Er├Âffnung eines neuseel├Ąndischen Bankkontos und die Beantragung einer Steuernummer. Das Sightseeing kam dabei nat├╝rlich auch nicht zu kurz, in f├╝nf Tagen kann man so einiges machen. Vom Skytower, der Queensstreet, dem Hafen, mehreren Stadtparks und Museen bis hin zu Mount Eden, dem h├Âchsten Vulkankegel der Stadt (und gleichzeitig Aussichtspunkt ├╝ber Auckland), habe ich alles gesehen.


Von Waiheke Island kann ich nur schw├Ąrmen. Diese kleine Insel ist 35 F├Ąhrminuten von Auckland entfernt und verspricht sch├Âne Sandstr├Ąnde, felsige Buchten und stylische Weing├╝ter. Hier kann man gut dem Gro├čstadtrummel von Auckland entkommen. Nach dieser 5-t├Ągigen Eingew├Âhnungsphase ging es f├╝r mich weiter auf die Caretakerfarm in Wangateau. Die Farm habe ich ├╝ber die Website www.wwoof.co.nz gefunden. "Wwoofen" (World Wide Oppurtunity on Organic Farms) beziehungsweise als "Wwoofer" arbeiten ist sehr verbreitet in Neuseeland. Hierbei arbeitet man circa vier bis sechs Stunden t├Ąglich auf einer Farm, bekommt als Gegenleistung Verpflegung und Unterkunft kostenlos und erf├Ąhrt einiges ├╝ber den biologischen Anbau. Als ich auf der Farm ankam, war ich sehr schockiert. Das Leben auf so einem neuseel├Ąndischen Bauernhof ist komplett anders als in Deutschland. Als ich die vielen Spinnen sah und erfuhr, dass wir in der Nacht alles Essbare wegr├Ąumen sollten, weil es die M├Ąuse sonst fressen, wollte ich am liebsten wieder abreisen. Was mich dort hielt, waren die Farmbesitzer, die sehr aufgeschlossen, hilfsbereit und nett waren.

 

Mit elf weiteren Wwoofern aus der ganzen Welt (Kanada, Frankreich, USA, Schweden, ├ľsterreich, Holland, Neu Kaledonien) teilte ich mir mein neues Zuhause. Unsere Aufgaben waren unter anderem: H├╝hner f├╝ttern, Unkraut j├Ąten, Garten w├Ąssern, Regale s├Ąubern und streichen, mit den Hunden Gassi gehen und ein Gem├╝sebeet anlegen. Was ich sicherlich nie vergessen werde ist, als wir die 19 H├╝hner, die wir t├Ąglich gef├╝ttert hatten, schlachteten und in den darauffolgenden Tagen zu Abend gegessen haben. Ein weiteres Gro├čprojekt auf der Farm war der Bau eines Lehmofens, das bis jetzt noch nicht abgeschlossen ist und sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Die Farmbesitzerin hatte zudem einen kleinen Laden, in dem jeder von uns jeweils einen Tag in der Woche arbeitete. Nach zwei Wochen wollte ich die Farm verlassen und mir einen Job suchen, um etwas Geld zu verdienen. Als ich dies der Farmbesitzerin mitteilte, stellte sie mich an. Also arbeitete ich in den darauffolgenden Tagen jeweils einen halben Tag als "Wwoofer" und den restlichen Tag als Angestellter.

 

Ich half im Haushalt, k├╝mmerte mich um ihre 90-j├Ąhrige Mutter, erledigte diverse B├╝roarbeiten, man kann sagen ich war "M├Ądchen f├╝r alles". Insgesamt blieb ich dort viereinhalb Wochen. Nach dem anf├Ąnglichen Schock, kann ich im Nachhinein sagen, dass es eine supergute und lehrreiche Zeit war und eine der besten Erfahrungen die ich bis jetzt hier hatte. Ich lernte einiges ├╝ber Land, Leute und deren Lebensgewohnheiten, verbesserte mein Englisch und fand richtig gute Freunde.


Nach dieser Zeit ging es zur├╝ck nach Auckland, zur├╝ck in die Zivilisation (die Farm war im Nirgendwo), wo ich eine Freundin aus Deutschland erwartete, die mich hier besuchte und f├╝r 4 Wochen mit mir reiste. Kurz vor ihrer Ankunft habe ich noch schnell ein Auto gekauft - und mit schnell meine ich innerhalb von einer Stunde. Ich habe das Auto in Auckland auf der Stra├če mit der Aufschrift "for sale" gesehen, mich sofort mit dem Besitzer getroffen, eine Probefahrt gemacht und beschlossen, das Auto zu kaufen. Dann mussten wir nur noch zur Post gehen und das Fahrzeug auf mich ummelden, was 9$ kostet und innerhalb von 10 Minuten geschehen war - unvorstellbar aus deutscher Sicht ;).


Jetzt konnte unser Roadtrip losgehen. Wir starteten von Auckland aus, Richtung Coromandel und schauten uns dort die von Touristen ├╝berf├╝llte Hot Water Beach, wo man bei Ebbe nach Thermalquellen buddeln kann, und die Cathedral Cove mit ihrem gigantischen Steinbogen an. Dann gingÔÇÖs weiter nach Rotorua, der "Schwefelstadt" des Landes. In der Thermalgegend, wo es andauernd nach faulen Eiern riecht, konnten wir uns spr├╝hende Geysire, dampfende Thermalquellen und brodelnde Schlammt├╝mpel anschauen. Wir besuchten das Whakarewarewa Thermal Village, ein lebendiges Maori Dorf inmitten von blubbernden T├╝mpeln, Quarzterrassen und Geysiren. Hier leben die Dorfbewohner immer noch genauso wie ihre Vorfahren vor Jahrhunderten.


Unser n├Ąchster Stopp war in einem sehr netten Hostel in Taupo, am Lake Taupo, dem gr├Â├čtem See Neuseelands, auf dem wir eine Segeltour gemacht haben, um uns das 10 m hohe Maorirelief an der Mine Bay anzuschauen und einfach nur zu relaxen. Am n├Ąchsten Tag ging es n├Ąmlich schon fr├╝h los in den Tongariro National Park, von wo aus das Tongariro Alpine Crossing, eine der sch├Ânsten Tageswan-derungen Neuseelands, beginnt. Leider hatten wir an diesem Tag Pech mit dem Wetter, es regnete, war neblig und sehr kalt. Keine guten Voraussetzungen f├╝r so eine Wanderung. Deswegen konnten wir die Tour an diesem Tag nicht machen und sind direkt nach Napier an der Ostk├╝ste gefahren. Hier hatten wir nur einen kurzen Zwischenstopp, bei dem wir uns die K├╝ste und die Architektur im Art deco Stil anschauten, bevor es weiter nach Wellington ging. In der Hauptstadt des Landes hatten wir wieder strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel und konnten unseren dreit├Ągigen Aufenthalt genie├čen. Mit der Cable Car gingÔÇÖs hinauf zu den Botanischen G├Ąrten, von wo aus man einen super Blick ├╝ber die Stadt hat, zur├╝ck zu Fu├č ├╝ber das Regierungsviertel. Abends haben wir die Cuba Street, Wellingtons Kultstra├če und den Hafen erkundet. Am n├Ąchsten Tag stand ein weiterer Aussichtspunkt, Mount Victoria,┬á auf dem Programm, bevor es schlie├člich nachts um 2 Uhr mit der F├Ąhre nach Picton ging.

 

Unsere Tage auf der S├╝dinsel bestanden haupts├Ąchlich aus Autofahren, da es auf der S├╝dinsel sehr lange und zeitintensive Strecken gibt, um ans Ziel zu kommen. Dennoch hatten wir dort sehr sch├Âne Tage und viel erlebt. Highlights waren: Dolphin Watching Tour in Kaikoura, Weinradeltour durch die Marlborough Sounds, Spaziergang an den Pancake Rocks und zum Abschluss unserer gemeinsamen Reise eine Kajaktour durch den Abel Tasmann National Park.

 

F├╝r meine Freundin ging es dann wieder zur├╝ck nach Deutschland und f├╝r mich zur├╝ck auf die Nordinsel. Mein n├Ąchstes Ziel war eine Brauerei in der N├Ąhe von New Plymouth, also fuhr ich die Westk├╝ste entlang nach Norden und stoppte in Whanganui. Hier hatte ich das Gl├╝ck, kostenlos in einem Hostel ├╝bernachten zu k├Ânnen, oder was hei├čt kostenlos, als Gegenleistung musste ich die Zimmer putzen ;). Dann ging es schlie├člich ├╝ber die Dawson Falls (Wasserfall) und die Hollard Gardens (vergleichbar mit Botanischen G├Ąrten) zu der Brauerei. Mein neues Zuhause war ein alter Wohnwagen, den ich mit 2 Franzosen, die auch dort arbeiteten, teilte. Meine n├Ąchsten Tage bestanden haupts├Ąchlich aus Flaschen etikettieren. Die Belohnung war jede Menge Freibier. Am Wochenende half ich dann im Restaurant der Brauerei aus und war f├╝rs Pizzabacken zust├Ąndig. Das war ganz sch├Ân stressig, als pl├Âtzlich eine Gruppe hungriger Biker angefahren kam.

 

An meinem freien Tag habe ich den Summit Track am Mount Taranaki gemacht, ein 2518 m hoher Vulkankegel, der die Landschaft hier dominiert. Der letzte Ausbruch liegt 350 Jahre zur├╝ck, weshalb die Einheimischen der Meinung sind, ein neuer Ausbruch sei ├╝berf├Ąllig. Wie auch immer, w├Ąhrend meiner Wanderung kam mir jedenfalls keine Lava entgegen. Der Tag war ein Highlight, auch wenn mir jetzt alles weh tut und ich mich vor lauter Muskelkater kaum noch bewegen kann. Bis jetzt habe ich schon viele tolle Sachen erlebt und meine Zeit hier sehr genossen.

Mein Fazit, nach 3 Monaten: Es war die beste Entscheidung nach Neuseeland zu gehen und Work & Travel zu machen. Die Erfahrungen, die ich hier machen konnte, waren alle sehr positiv. Abgesehen von der Apfelgeschichte ;). Mein Plan f├╝r die n├Ąchsten Wochen ist, nochmal ein bisschen Geld zu verdienen, um dann wieder reisen zu k├Ânnen. Geld ausgeben kann man hier n├Ąmlich sehr leicht, es gibt 1000 verschiedene Outdooraktivit├Ąten und man hat die Qual der Wahl. Geld verdienen kann man zwar auch recht einfach, allerdings wird man dabei nicht zum ┬áMillion├Ąr, denn man arbeitet meistens zum Mindestlohn. Aber ein Anfang ist bereits gemacht, ich arbeite momentan in einem kleinen Cafe und bessere mir dadurch meine Reisekasse auf.