Mittwoch, 28. Juni 2017
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Mein Leben in Neuseeland - Teil 2


Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiat: 
Cora Z. - Neuseeland

Stipendium gestiftet durch:
Hausch und Partner GmbH




Mein Leben in Neuseeland Teil 2

Das zweite Halbjahr in Neuseeland war mindestens genauso toll wie das Erste. Am Anfang, das war so Anfang Dezember, war ich aber ziemlich traurig. Ich musste viele Freunde verabschieden, die nur ein halbes Jahr geblieben waren und dann habe ich mir auch vorgestellt nach Hause zu kommen und Weihnachten bei meiner Familie verbringen zu können. Das war aber das einzige Mal, dass ich richtig Heimweh hatte. Ansonsten, bin ich sehr gut klargekommen. Doch der Sommer startete erst und es wurde immer wärmer und schöner. Bei einem halben Jahr in Neuseeland verpasst man mindestens den halben Sommer!


Dezember in Neuseeland: Im Schnee bibbern, Weihnachtsgebäcke essen, Weihnachtseinkäufe erledigen und für Weihnachten schmücken – das kannst du vergessen! Ich hatte nicht das geringste Gefühl von Weihnachten. Es war einfach zu heiß, die Bäume hatten alle Blätter, Blumen blühten, die Strand-Saison begann und man konnte einfach nicht an Schokolade oder Lebkuchen denken! Und dann war auf einmal der 24. und das war auch nichts besonderes, außer dass man eine Socke an der Zimmertür aufhing. Meine Gastmutter hatte mir eine Weihnachts-Socke geschenkt, damit ich auch Geschenke bekommen konnte. Am 25.12. waren alle früh wach und packten ganz aufgeregt die Geschenke aus. Ich hatte einige Pakete von meiner Familie und bekam ein paar kleine Geschenke von meiner Gastfamilie. :) Danach fuhren wir zur Oma und dem Rest der Familie für ein Weihnachtsessen. Um mir ein bisschen mehr Weihnachtsgefühl zu geben, haben wir, anstatt einer Schneeballschlacht, eine Wasserbombenschlacht veranstaltet. Das war richtig lustig. Ich hatte zwar trotzdem kein Weihnachtsgefühl, aber dieses Weihnachten war eine gute neue Erfahrung, die ich nicht missen möchte.
Zwischen Weihnachten und Silvester haben mir meine Gasteltern den Norden Neuseelands gezeigt. Auf einer Segelboot-Tour habe ich das erste Mal wilde Delfine und einen wilden Hammerhai gesehen, ziemlich cool!


Silvester habe ich mit Freunden am 'Mount' Strand verbracht. Dort werden jedes Jahr Bühnen und Essbuden aufgebaut und um null Uhr gibt es Feuerwerk am Strand. Das war das beste Silvester, das ich jemals erlebt habe. Da sind so viele Leute, die einfach Party am Strand machen. :)
Im Januar war ich das erste Mal auf der Südinsel Neuseelands und habe eine Tour für International Students gemacht. 11 Tage mit vielen Sehenswürdigkeiten, Aktivitäten und wundervollen Landschaften. Zum Beispiel war ich Skydiving/Fallschirmspringen. Das ist richtig geil! – Adrenalin-Rausch pur und krasse Aussichten. Dann habe ich ich Wildwasser-Rafting gemacht. Das ist Boot fahren auf einem reißenden Fluss und hat sehr viel Spaß gemacht. Wir durften zwischendurch auch aus dem Boot springen und uns im Wasser flussabwärts treiben lassen. Wir waren auch in einem National Park im Ozean Kajak fahren und haben an einem einsamen Strand gepicknickt. Ich fand ziemlich cool, als wir mit unseren Kajaks gesegelt sind, indem wir eine Plane zwischen 5 Kajaks gespannt und mit unseren Paddel hochgehalten haben. Das war zwar nicht so schnell aber trotzdem lustig. Ich habe die steilste Straße der Welt, einen Gletscher, wilde Robben, lustig geformte Steine und atemberaubende Aussichten auf der ganzen Tour gesehen. Und am Ende  war ich mit wild lebenden Delfinen schwimmen!! :) Wir sind mit einem Boot in Kaikoura raus auf die See gefahren und die Bootscrew hat nach Delfinen geschaut. Als wir welche gefunden hatten, durften wir mit unseren Neoprenanzügen und Schnorchel-Masken ins Wasser springen. Da waren Hunderte Delfine, die einfach um mich und die anderen herum geschwommen und gesprungen sind. Um sie bei Laune zu halten, sollte man Delfin-Geräusche machen, in Kreisen schwimmen, runter tauchen und Augenkontakt mit ihnen aufnehmen. Ich habe es geschafft einen zu berühren, obwohl sie so schnell sind. Es fühlt sich wie nasse Seide an. Die Delfine sind auch eine Weile geblieben, bevor sie weiter geschwommen sind. Das war eine wirklich gute Erfahrung!

In Wellington war unsere Tour dann zu Ende, aber wir konnten noch ein wenig die Hauptstadt besichtigen und ins Te Papa gehen, das nationale Museum. Dort gibt es sehr interessante Beiträge über z.B. Erdbeben und Vulkanausbrüche in Neuseeland. Das tolle an solchen Touren ist, dass man Leute aus der ganzen Welt kennenlernt. Es war nicht leicht sich von allen zu verabschieden. Danach bin ich nach Tauranga zurück geflogen. Wenn man über die Bay of Plenty fliegt kann man sehr viele Kiwi-Frucht-Plantagen sehen. Denn die berühmten neuseeländischen Kiwis kommen aus Tauranga und Umland. Ich habe in diesem Jahr so viele Kiwis wie noch nie gegessen, goldene und grüne. Nach der Haupternte-Zeit (Mai/Juni) bin ich bei Freunden von meiner Gastfamilie auf die Kiwi-Plantage und durfte so viele Kiwis ernten wie ich wollte. :)


Nach den Sommerferien waren in der Schule wieder neue „Internationals“, die für ein halbes oder ganzes Jahr gekommen waren. Es war ein wenig komisch, weil ich all die anderen vom letzten Jahr so vermisste. Aber einige habe ich sehr lieb gewonnen. Mit dem neuen Schuljahr, fingen auch  einige Sportarten an. Also meldete ich mich beim Wasserball-Team an und musste, obwohl ich noch nie gespielt hatte, schon ein Turnier spielen. Aber da ich Schwimmer bin, war nur der Umgang mit dem Ball neu. Nach einigen Spielen nahm mein Team an der Neuseeland-Schul-Meisterschaft (2.Liga) teil und wir kamen nach hartem kämpfen leider nur auf den 4. Platz. Viele Teams spielen echt 'dreckig'. Aber es war eine weitere großartige Erfahrung und ich überlege Wasserball in Deutschland anzufangen.

Ein Wochenende bin ich mit einer guten Freundin und ihrer Gastschwester nach Auckland (größte Stadt Neuseelands in der man am besten shoppen gehen kann). Dort haben wir bei meiner Gastoma geschlafen und sind in den Tierpark und ins Aquarium (Pinguine, Haie und riesige Rochen) gegangen und haben uns vieles mehr angeschaut. Es war schön, dass ich einfach mal etwas anderes sehen und so das Land ein Stückchen besser kennenlernen konnte.


In dem zweiter Term der Schule habe ich angefangen Netball zu lernen. Das ist eine Ballsportart, die vorwiegend auf der südlichen Halbkugel gespielt wird. Ich finde, es ist eine Mischung aus Basketball und Handball mit speziellen Regeln. Offiziell wird sie nur von Frauen gespielt, aber es gibt diverse gemischte oder männliche Team, die nur aus Spaß spielen. Am Anfang wirkt es sehr verwirrend, weil es für jeden Spieler ein bestimmtes Gebiet gibt, indem er sich aufhalten darf. Wenn man gegen Regeln verstößt oder einen Mitspieler mit Ball berührt, bekommt die gegnerische Mannschaft den Ball. Aber es hat mir richtig Spaß gemacht, in meinem Team zu spielen. Am Ende konnte ich es auch mit den Gegnern aufnehmen, die es schon seit Kindheit spielten.
Da unsere Schule so nah am Ozean war, hatten wir in diesem Halbjahr surfen im Sportunterricht. Dort mussten wir lernen, wie man eine Welle bekommt, dann aufsteht und mindestens drei Sekunden auf dem Brett stehen bleibt. Ich hab es ein Glück geschafft und bestanden. :) Es ist gar nicht so einfach, weil man sein Gleichgewicht auf dem wackeligen Brett halten muss.

Auf der Südinsel-Tour hatte ich auch zwei Freunde kennengelernt, die auch in Tauranga lebten. Beide tanzten in ihrer Freizeit Salsa und Zouk bei einem Tanzlehrer, der mehr aus Spaß unterrichtete. Irgendwann überredeten sie mich auch mitzumachen, obwohl ich eigentlich nie vorher getanzt habe. Ich nahm noch eine andere Freundin mit und wir fingen an regelmäßig tanzen zu gehen. Das war mal eine schöne Abwechslung zu meinem ganzen Sport und ich konnte meine Freunde sehen.
Im Mai hatte unsere Schule unseren Schulball. Auf ihn hatten sich alle schon Monate gefreut und vorbereitet: Kleider gekauft, Partner gesucht und was sonst so dazu gehört. Ich hatte das Gefühl, dass ich in einem amerikanischen High School Film gelandet war. Es ist echt schade, dass wir so etwas nicht in Deutschland haben.
Und dann war mein Jahr auch schon fast vorbei. In den letzten zwei Monaten versuchte ich noch so viel wie möglich zu unternehmen. Ich habe jeden Tag so gelebt, wie ich es wollte. Und dann hatte ich nur noch zwei Wochen. An meinem letzten Wochenende habe ich den IELTS (International English Language Testing System) Test absolviert. Ich habe dann ein Zertifikat mit guten Ergebnissen zugeschickt bekommen. :) Damit kann ich mich an englischen Universitäten oder internationale Unternehmen/Firmen bewerben.


Am Abschiedstag ist meine Gastfamilie mit mir ausgegangen und ich habe mich von all meinen Freunden verabschiedet. Dieser Tag geht als schwarzer Tag in meinem Leben ein.
Auf meinem Heimflug habe ich all die lieben Briefe meiner Freunde gelesen und mir ist klar geworden, dass dieses Jahr eines der besten in meinem ganzen Leben war und dass ich nie wieder in mein Leben in Neuseeland zurückkehren kann. Ich kann zwar Freunde und meine Gastfamilie besuchen, aber das wird nicht vergleichbar sein. Ich bin meiner Familie so dankbar, dass sie mich finanziell unterstützt haben und mir dadurch das Jahr ermöglicht haben.

Wieder in Deutschland habe ich meine Familie und meine Freunde wiedergesehen. Es ist toll. Nach einem Jahr alle wieder zu sehen, hat mich sehr gefreut und ich habe alle sehr vermisst. Aber ich möchte auch Veränderung, weil ich mich verändert habe und mich das Jahr sehr geprägt hat. Ich denke oft über alles nach und vermisse Neuseeland ziemlich doll. Doch muss ich es loslassen und als gute Erinnerung speichern. Manchmal finde ich es schade, dass sich hier die Leute kaum verändert haben. Aber ich verstehe es und suche die Veränderung in meinem Leben. Mein Anfang ist ein renoviertes Zimmer! :)

Cora