Sonntag, 19. Mai 2019
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Schüleraustausch in New Mexico - Silvester, Prom und ein Trip nach Kalifornien

 

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Felisa M.
Stipendium gestiftet durch:
Carl Duisberg Centren



Schüleraustausch USA



Sommer letzten Jahres habe ich mich, angetrieben von Abenteuerlust und Wissbegierde, in den Flieger nach New Mexico gesetzt und damit ein neues Kapitel in meinem Leben aufgeschlagen. Neun Monate voller bereichernder Erfahrungen und unvergesslicher Erlebnisse sind wie ein Zeitraffer an mir vorbeigerauscht. Vor gut zwei Wochen bin ich wieder in Deutschland gelandet, wurde von all meinen Liebsten herzlich empfangen, habe mich in meinem kuscheligen Bett vom Jetlag auskuriert, das leckere japanische Abendessen meines Vaters genossen und am Tisch von meinem Auslandsjahr erzählt. Alles blieb eigentlich beim Alten und meine wohl bekannte Umgebung hatte sich nicht verändert. Jedoch hatte ich mich über das Jahr verändert, denn ich hatte mich einer anderen Lebensweise und Kultur angepasst und zusätzlich eine neue Alltagsroutine aufgenommen, sodass sich alte Angewohnheiten zunächst „fremd“ anfühlten; der Rückkehreffekt vom Kulturschock. Aber spulen wir erst einmal einige Monate zurück…

 



Rutsch in das Jahr 2018


Das Neue Jahr 2018 hätte nicht besser anfangen können: Ich stieß mit meinen engsten Freunden auf den Jahreswechsel an und besiegelte somit einen guten Rutsch in den 1. Januar. Diesen verbrachte ich mit meiner Gastfamilie und zwei weiteren Freundinnen in einem Trampolinpark, nachdem wir ausgiebig gebruncht hatten. In derselben Woche fuhren meine Gastmutter, meine Gastschwester, zwei unserer guten Freunde und ich in die Berge, um dort über das Wochenende in der Schneelandschaft zu snowboarden.

 

Schüleraustausch New Mexico

 

Anders als meine Gastschwester, die eine fortgeschrittene Snowboarderin ist, hatte ich diesen Sport noch nie probiert und brannte darauf, die Hügel auf dem Board hinunterzurutschen, vorausgesetzt man schaffte es die Balance zu halten oder gar auf dem Board zu stehen, was sich bei meinen ersten Versuchen als recht schwierig erwies. Nachdem ich einigermaßen das Gleichgewicht gefunden und auch die Snowboardtechnik erlernt hatte, hatte ich einen Heidenspaß und forderte mich bei jedem Hügel selbst heraus. Zum Glück blieben wir über Nacht in einem Hotel nahe dem Ski Resort, sodass ich auch am nächsten Tag meine neu erlernten Fahrkünste unter Beweis stellen konnte.



Mein Schulleben



Wieder in der Schule zurück, hatte sich meine Schulroutine nicht sonderlich geändert, außer dass meine fünfzehnjährige Gastschwester mich zur High School fuhr und ich nicht mehr den Schulbus nehmen musste. Ja, ihr habt richtig gehört, in Amerika kann man schon als fünfzehnjähriger Teenager einen Führerschein erwerben… verrückt, nicht wahr? Zudem hatte ich meinen Chor-Kurs abgewählt und mich dafür zu Beginn des neuen Semesters bei einer Kunstklasse eingeschrieben.

 

Schulalltag Schüleraustausch USA

 

Inzwischen hatte ich es mir zur Gewohnheit gemacht, mindestens einmal pro Woche mit meinem besten Freund die Hausaufgaben in einem Café zu erledigen. Dabei half er mir zum Beispiel bei meinen Englischaufsätzen, und ich stand ihm bei Algebra Problemen zur Seite. Auch als mein Geschichtslehrer ein Konstruktionsprojekt einführte, bei dem wir ein Modell von einem historischen Gebäude erstellen sollten, reichte er mir handwerklich die Hand. Ich suchte mir das Brandenburger Tor als Vorlage aus und ohne meinen besten Freund hätte ich es bestimmt zeitlich nicht geschafft.

 

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Anfang Februar trat ich dem Tennisteam meiner High School bei, denn ich vermisste den Sport seitdem die Volleyball-Saison im Winter zu Ende gegangen war. Ich hatte noch nie Tennis gespielt, bin aber stets offen für neue Sportarten und Herausforderungen. Drei Mal die Woche trainierten wir zwei Stunden auf den schuleigenen Tennisplätzen, sei es bei drückender Hitze oder bei stürmischem Regen. Aber all die Zeit und Energie, die ich in das intensive Training steckte, zahlten sich aus, denn zum einen machte mir dieser Ballsport wirklich Spaß, und zum anderen knüpfte ich viele neue Freundschaften mit meinen Teammitgliedern.

 

Zwei Wochen nachdem ich einen Tennisschläger zum ersten Mal in der Hand gehalten hatte, trat ich schon in einem Tennisturnier gegen Spielerinnen anderer Schulen an; mein erster Wettkampf, dem noch viele weitere folgten. Viel zu schnell neigte sich die Tennis Season dem Ende zu, worüber ich sehr traurig war, denn als Team waren wir wie eine Großfamilie zusammengewachsen. Des Weiteren hatte ich gerade angefangen, deutliche Fortschritte vorzuzeigen, dank der hilfreichen Tipps meiner tollen Coaches. Anlässlich der erfolgreichen Saison lud unser Head Coach alle Spieler zu einem Vergnügungspark ein, wo wir unter anderem Lasertag und Minigolf spielten oder Autoscooter fuhren. 



Familienleben



Sowohl meine Gastmutter, als auch mein Gastvater arbeiteten unter der Woche von früh morgens bis spät abends, sodass sich Familienaktivitäten auf das Wochenende beschränkten. Kurz bevor ich schlafen ging, trafen meine Gasteltern gewöhnlich zu Hause ein, sodass wir uns fast immer nur in der Küche versammelten, um uns über tägliche Ereignisse auszutauschen oder uns auf dem Fernseher eine Serie anzuschauen.

 

Gastfamilie USA

 

Aufgrund ihrer langen Arbeitszeiten kam ich ihnen öfters bei Haushaltspflichten entgegen und übernahm zum Beispiel das Staubsaugen, Spülen oder Putzen des Hauses. Dadurch, dass ich mir mein Abendessen meistens selbst zubereitete, besserte ich zudem meine Kochkünste auf und setzte mich mehr mit dem Thema „Gesunde Ernährung“ auseinander. Das ein oder andere Male packte ich ein deutsches Rezept aus und kochte etwas für die ganze Familie.

 

Manchmal bekamen wir am Wochenende Besuch von Verwandten meiner Gastfamilie, wie von meinen drei weiteren Gastgeschwistern, die jedoch schon erwachsen sind und an einem anderen Ort leben. Nicht selten passte ich auf die kleinen Zwillingsnichten meiner Gastschwester auf, die ich schnell in mein Herz schloss. Sie haben sogar ihren Hamster nach mir benannt!

 


Meine Freizeit


Nach der Schule unternahm ich fast jeden Tag etwas mit meinen Freunden oder meiner Gastschwester; Eislaufen, Kino, Schwimmen, Bowling, Essen gehen und Übernachtungspartys standen ganz oben auf der Aktivitätenliste. Meine Gastschwester integrierte mich in ihren Freundeskreis, wodurch ich binnen kurzer Zeit sehr viele neue Leute kennenlernte. Einige meiner Freunde besuchten jede Woche einmal eine von der Kirche organisierte Jugendgruppe, bekannt als „Young Life“, welche oft ein lustiges Unterhaltungsprogramm anbot. Einige Male habe ich mich ihren Veranstaltungen angeschlossen, wie einer 80er- Jahre Rollerskatefeier oder einer Dinnerparty, wobei wir gemeinsam Gerichte aus aller Welt zubereiteten.

 

Schüleraustausch USA Auslandsjahr Auslandsjahr New Mexico Rollerskate

 

An einem Freitagabend fuhren meine Gastschwester, drei weitere Freunde und ich nach Santa Fe zu „Meow Wolf“, einem Erlebnismuseum mit dem Fokus auf Interaktivität, erzählende und interaktive Kunst - eine wirklich kreative und spaßige Einrichtung. An einem anderen Tag überraschten meine Gasteltern meine Gastschwester und mich mit Eintrittskarten für eine Pferdeshow, bei dem verschiedene Kunststücke präsentiert wurden. Vor allem meiner Gastschwester gefiel die Vorstellung, da sie selber voltigiert und sogar ein eigenes Pferd besitzt. An einigen Tagen hielten wir uns den ganzen Nachmittag auf dem Reiterhof meiner Gastschwester auf, streichelten und fütterten die Tiere oder spazierten den Reitweg entlang. Das sind nur einige Beispiele von all den schönen Sachen, die ich in Amerika erleben durfte.



Prom


Der Abschlussball, auch bekannt als Prom, stellt wohl für fast jede/n amerikanischen elf- und zwölf Klässler/in das Highlight des Schuljahres dar. Dementsprechend kalkuliert man schon Wochen vorher die Vorbereitungszeit mit ein, die verschiedene Punkte umfasst, wie das Ballkleid oder den Anzug, Schuhe, Accessoires, ein Date, Friseur- oder Manikür-Termin, Restaurantreservierung, etc. … Im Gegensatz zu manch anderen, die hunderte von Dollar für das perfekte Erscheinungsbild ausgeben, habe ich mich für ein altes, dunkelblaues Ballkleid meiner Gastschwester entschieden und dazu hautfarbene Pumps von meiner Freundin ausgeliehen.

 

USA PROM High School

 

Aufgrund des besonderen Anlasses hat mir meine Gastmutter wunderschönen Haarschmuck und einige Makeup-Produkte gekauft, worüber ich mich sehr freute. Am eigentlichen Prom-Tag war das Haus überfüllt mit acht aufgeregten Mädchen, die sich zusammen für den bevorstehenden Abend zurechtmachten. Meine beste Freundin half mir mit meinen Haaren und meinem Augen Make-up, da sie in dieser Hinsicht sehr viel begabter ist als ich. Als alle mit ihrem Aussehen zufrieden waren, schossen wir gefühlt tausend Gruppen- und Einzelfotos in unserem Garten.

 


Abends holte mich mein Prom Date, ein guter Freund von mir, mit seinem Auto ab und wir fuhren zu einem noblen Hotel, wo der Ball stattfinden sollte. Dem Thema „A Night of Good Fortune“ entsprechend, war der Tanzsaal sehr orientalisch dekoriert, mit hängenden Lampions, Kirschblütenbäumen, bunten Schleiertüchern und Glückskeksen. Zunächst wurde das Dinner serviert, dann der Promkönig und die Promkönigin gekrönt, und danach stürzten alle Richtung Tanzfläche. Gegen Mitternacht verließ ich mit meiner Freundesgruppe den Ball, um in einem Restaurant eine Kleinigkeit zu essen. Anschließend hielten wir uns noch für eine Weile auf drei verschiedenen Aftershow-Partys auf, bevor wir mit müden Füßen den Heimweg antraten.

 



Trip nach Kalifornien


Anfang Mai flog ich für fünf Tage nach Kalifornien, da ich von einer guten Freundin dazu eingeladen wurde, mit ihr und ihrer Familie San Diego zu erkunden. Damit erfüllte sich ein großer Wunsch von mir, denn Kalifornien stand schon immer auf der Liste meiner Traumreiseziele. In der Millionenstadt angekommen, buchten wir zunächst einen Mietwagen, checkten im Hotel ein, und fuhren dann nachmittags zum Mission Beach, um dort am Sandstrand das Meer und die Sonne zu genießen. Abends spazierten wir noch entlang der Promenade, bewunderten die schicken Häuser am Meer und genossen Finger-Food an einem kleinen, niedlichen Stand.

 

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Am nächsten Tag beobachteten wir Seerobben am Meeresufer, begingen eine berühmte Hängebrücke und suchten abends ein mexikanisches Fest auf, bei dem wir die Tanzmenge aufmischten. Den darauffolgenden Tag verbrachten wir damit, in verschiedenen Museen Gemälde und Skulpturen zu besichtigen und knüpften dabei Freundschaft mit einem jungen, einheimischen Kunststudenten. Nach dem Museum folgte ein kurzer Abstecher in einen sehr schönen japanischen Garten und dann in ein großes Einkaufszentrum.

 

Am vorletzten Tag liehen meine Freundin und ich Fahrräder aus und unternahmen eine Radtour entlang dem Strand und dem Hafen. Danach vergnügten wir uns alle in einem Freizeitpark, indem wir uns auf Achterbahnen die Seele aus dem Leib schrien oder Zuckerwatte verzehrten. Nach dem Abendessen trafen wir uns mit dem Studenten aus dem Museum, damit er uns eine ganz persönliche San Diego-Tour geben konnte. Zuerst fuhren wir zu seinen Lieblingsstrandstellen, wobei wir die grünlich leuchtenden Meereswellen bestaunten- ein recht seltenes Phänomen- und eine kleine Musiksession starteten, indem wir Mädchen sangen und er uns auf der Gitarre begleitete. Abschließend steuerten wir den Hafen San Diegos an und schossen lustige Fotos mit den Statuen des USS Midway Museums.

 

Am letzten Morgen nutzten wir noch einmal das sonnige Wetter in Kalifornien, um am Strand Yoga zu üben. Danach schwammen wir ein letztes Mal im Meer, trockneten uns ab und nahmen den Flug zurück nach Albuquerque.

 

 

 Die letzten Tage in Amerika


Zehn Tage vor meiner Abreise nach Deutschland fuhren meine erste Gastfamilie und ich zum Flughafen, um meine Mutter abzuholen, die sich dazu entschlossen hatte, mich in meiner zweiten Heimat zu besuchen. Meine Gasteltern vom ersten Halbjahr hatten großzügiger Weise angeboten, ein Zimmer für meine Mutter in ihrem Zuhause bereitzustellen. Das Beste daran war die Tatsache, dass meine erste Gastfamilie in derselben Straße wohnte wie meine zweite.

 

Am nächsten Tag, dem letzten richtigen Schultag, holte meine Mutter die Erlaubnis ein, mich während der letzten Unterrichtsstunde zu besuchen, sodass ich ihr eine kleine Führung durch das Schulgebäude geben konnte. Später gingen meine Freunde und ich auf zwei Poolpartys, um das Ende des Schuljahres zu zelebrieren. Am folgenden Samstag unternahmen meine Mutter und ich einen Wochenende Trip nach Santa Fe, ein tolles Reiseziel aufgrund unseres beiden Interesses und Vorliebe für Kunst. Über zwei Tage besichtigten wir zahlreiche Kunstgalerien und Ausstellungen, nahmen an einer Stadtrundfahrt teil, aßen mexikanisches Essen, und residierten in einem schönen Hotel, das von amerikanischen Ureinwohnern verwaltet wurde.

 

Am Montag und Dienstag absolvierte ich meine finalen Prüfungen in den Fächern Englisch, Geschichte, Algebra und Biologie, die mir trotz mangelnden Lernens relativ leicht fielen. Zur Feier der abgeschlossenen elften Klasse ging ich mit meinen engsten Freunden Essen und darauf auf eine weitere Poolparty. Am Mittwoch verbrachte ich den Tag mit meiner Mutter und meinen Gasteltern in Taos, einer weiteren künstlerisch inspirierten Stadt New Mexicos, und besuchte eine Indianersiedlung, wo die Stammesmitglieder bewusst auf alles Moderne wie Strom verzichteten.

 

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Die letzten verbleibenden Tage traf ich mich nochmal mit all meinen engsten Freunden und unternahm mit ihnen zum Abschied all unsere Lieblingsaktivitäten. An meinem letzten Abend in Rio Rancho fand ein Familienessen mit sowohl meiner ersten als auch meiner zweiten Gastfamilie in einem traditionellen mexikanischen Restaurant statt. Nach dem Dinner wurden meine Mutter und ich von meinen Gastfamilien in ein Hotel nahe des Flughafens gefahren, wo wir uns von allen verabschiedeten und Besuche in der nahen Zukunft versprachen. Unser Flieger nach Deutschland hob sich früh am nächsten Morgen in die Lüfte; am Fenster erhaschte ich noch ein letztes Mal einen Blick über die schöne Wüsten- und Berglandschaft New Mexicos.
 

 
Abschlussworte

 

Austauschschülerin USA

 


Mein Auslandsjahr war mit Sicherheit eines der besten Jahre meines Lebens und hat mich in so vielen Hinsichten bereichert und gelehrt. Ich plädiere an alle jungen Menschen mit Reiselust und Wissensdurst, einen Studiengang im Ausland in Betracht zu ziehen. Schlussendlich möchte ich mich vom ganzen Herzen bei den Carl Duisberg Centren für die großartige Vorbereitung, die gute Vermittlung und reibungslose Abwicklung meines USA-Aufenthaltes bedanken. Auch möchte ich einen großen Dank an meine Familie und Freunde aussprechen, die mich bei meinem Auslandsprojekt unterstützt haben und trotz der Distanz immer an meiner Seite standen.