Sonntag, 22. September 2019
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I'm back - Das Zuhause mit anderen Augen sehen

 

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Theresa K.
Stipendium gestiftet durch:
weltweiser



Schüleraustausch USA



 

I'm back!

 


Wow. Mich hat gerade wieder das Murmeltier gegrüßt – ich merke schon, hier in meiner Geburtsstadt ist noch vieles so wie ich es verlassen habe. Komisch ist es, wieder "Zuhause" zu sein.
Seit einem knappen Monat sind ich und meine importierte finnische Zimmerpflanze wieder im Haus meiner Kindheit. Mein Abschied? - Ein emotionaler Tag! Klingt jetzt vielleicht etwas cheesy, aber Finnland hat mein Herz erobert.

 

Meine Freunde und Familie, die Nähe zu Natur und außerdem: der Mensch der ich selbst dort war & geworden bin – mehr Selbstbewusstsein, Offenheit und mit anderen Werten. Es fiel mir schwer, mich von meinem zweiten Leben dort zu verabschieden. Und bis sich die Flugzeugräder vom Asphalt lösten, habe ich noch nicht einmal verstanden, dass das gerade ein Abschied war – nicht für immer, aber zumindest von meinem so liebgewonnen Alltag.

 


Na gut, wollen wir hier mal nicht die Stimmung so runter ziehen. Mir schwirrt doch einiges im Kopf herum, was ich an dieser Stelle kurz los werden möchte. Sagen wir, diese Medaille hier hat faszinierende unmathematische drei Seiten:

 


Mit neuen Augen

 


Meine Heimatstadt ist toll, lebendig, so bunt und vielseitig. Es gibt so viel zu erleben und noch mehr zu bestaunen – doch all das habe ich vorher nur halb gesehen.
Wenn Du ins Ausland gehst, betrittst du die Fremde und hast das Verlangen sie kennen zu lernen. Die Menschen, die Kultur, den Puls der Stadt. Du baust dir dein Leben neu zurecht, nicht so, wie es aus Gewohnheit schon immer war… Nein, ich rede von dem Gefühl ganz bewusst sein Leben zusammen zu puzzeln und durchzuatmen, Dinge zu probieren und auf Menschen zu zugehen - dann wieder zu reflektieren, ob es das richtige ist für dich. Es tut verdammt gut sich einmal von allem zu trennen und darüber hinweg zu schauen was es noch tolles gibt.

 

Erfahrungsbericht Schüleraustausch Finnland weltweiser

 


Und genau das ist es, was ich jetzt auch in meiner "Heimat" mache. Plötzlich entdecke ich kleine Eckgeschäfte und bunte Graffitis die ich vorher irgendwie ausgeblendet habe. Ich treffe mich mit Leuten, die ich vorher kaum kannte und habe den Mut neues zu probieren.

 


Ist das etwa Heimweh?

 


Ich vermisse Finnland. Besonders die letzten 2 Monate. Täglich habe ich Kontakt dorthin, sehne mich nach der Ruhe der Natur und dem Gefühl ein kleines Stückchen freier zu sein. Ohne Frage, das Jahr ist für mich eine Zeit voll mit wertvollen Erinnerungen. Eine so vielseitige Lebenserfahrung:

 


Erfrischend, ich konnte raus aus meinem gewohnten Alltag und tief, sehr tief in eine andere Welt eintauchen

 


Atemberaubend - mir entfährt noch immer ein Raunen, wenn ich an die unbeschreiblichen Naturschauspiele denke

 


Emotional – es war eine ziemliche Achterbahn

 


Abenteuerlich - es kam ständig neues auf mich zu, je tiefer ich mit der Kultur vertraut wurde

 


Traumhaft - dank einer phänomenalen Gastfamilie

 


Befreiend – für mich war es die Chance, endlich auf eigenen Füßen einen Neuanfang zu wagen

 


Anspruchsvoll - ja manchmal mit der Sprache und so… Uff…

 


Kostbar - wegen Milliarden unbezahlbareren Momenten

 


Rasant und überwältigend - Ich blicke zurück und das Jahr fühlt sich vielmehr an wie ein Tag

 


…unvergesslich.

 

Stipendium Finnland Auslandsjahr

 


In einem Jahr kann ja viel passieren…



…oder eben dann auch nicht. Meine Vorstellung vom "wiederkommen" war, zugegeben, eine andere.

 


Stell dir vor, du schwebst noch in deinen Erinnerungen an ein erlebnisreiches Jahr, und strahlst vor Freude, zufrieden mit dir selbst, aufgeregt was wohl kommen mag. Naja und dann biegst du in deiner Straße mit diesen neuen Augen und siehst: dasselbe wie vor einem Jahr. Dann plötzlich steht ein zierliches Mädchen vor dir, hält sich etwas aufgeregt halb die Augen zu, ruft einen Freudenschrei aus und rennt auf dich zu um dich lange und fest zu umarmen. Es war schön meine alten Freunde wieder zu sehen. Ohne eine Sekunde des Zweifelns, sprechen wir mit der selben Vertrautheit wie eh und je… Ja mit meinen Beziehungen ist es auch: dasselbe wie vor einem Jahr.

 


Komisch irgendwie, es hat sich eben fast nichts verändert.

 


Einfach so? Na du traust dich ja was!

 


Noch einen letzten Gedanke an zukünftige Reisende: ich wusste gar nicht, dass es viel Mut braucht in ein Land zu gehen, dessen Sprache man nicht spricht und dessen Leute man nicht kennt. Das habe ich erst gelernt, als ich die Reaktionen auf meine Erzählungen gesehen habe. …Vielleicht ist das auch ganz gut so. 😉 Einfach machen.