Dienstag, 17. September 2019
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Mein zweites zu Hause in Finnland - Von wilden Wäldern und tanzendem Nordlicht

 

Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Theresa K.
Stipendium gestiftet durch:
weltweiser



Schüleraustausch USA



 

Was bisher geschah….

 

- Das könnten die ersten Worte eines langen Romans sein. Ein Roman mit Texten über Heimat und Fremde, Neuanfang und Reiselust und so Vieles mehr – eben mein Auslandsjahr in Finnland.
Noch im Flugzeug habe ich mich immer wieder gefragt was in aller Welt ich hier eigentlich gerade mache – lebt es sich im alten vertrauten doch eigentlich am entspanntesten. Doch ehe ich mich versah, stolperte ich schon mit meinem grauen Rucksack in die Willkommenshalle des finnischen Flughafens und sogleich kam eine freundliche Frau mit ausgestreckten Armen auf mich zugelaufen.

 

 

Zweites Zuhause

 

Eine ganze Wand voll mit Postern, in der Ecke ein Klavier und darüber Gemälde der finnischen Natur. –Das ist es also, mein zweites Zuhause. Ich wohne mit meinen Gasteltern in einem kleinen Ort in der Nähe von Lahti, der würdiger Besitzer einer „Bibliothek“ und eines Kiosks ist, umgeben von stillen Seen und Wäldern.

 

Auslandsjahr Stipendium weltweiser

 


Wir verbrachten das erste Wochenende auf der Insel meines Gastvaters. – Ja, richtig gelesen, mein Gastvater hat eine eigene Inselgruppe mit Sommerhaus in Mäntyharju. Und so überwältigte mich gleich in den ersten Tagen die volle Schönheit der finnischen Natur. Ich sah wie die Wellen elegante Linien auf der Seeoberfläche bildeten, wie sich das Abendrot im Wasser spiegelte, und am Horizont noch immer die Nebelschwaden wie Finger nach der Wärme des Ufers langten. Ein anmutiger Anblick und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich die Ruhe und Zeit des Sommerhauses genießen konnte.

 

 

Schule

 

Dann kam der Montag – mein erster Schultag. Automatisch richteten sich sämtliche Augenpaare auf mich, als ich das Klassenzimmer betrat. Keiner sagte etwas - dann doch, aber nicht zu mir. Damals habe ich mir wahllos ein nettes Gesicht ausgesucht, und das Mädchen angesprochen. Es dauerte keine fünf Sekunden und ich erlebte das Klischee (die Finnen seien zurückhaltender) hautnah. Faszinierend. Das mit dem Smalltalk zu Beginn hatte ich mir ein wenig anders vorgestellt. Trotzdem finde ich bis zum Ende der Stunde einige nette Leute, mit denen ich mich auch nach der Schule treffe.
Ich habe mich lange gefragt, wie es sein wird, irgendwo anzukommen, wo keiner meinen Namen kennt. Wenn man neu entscheiden kann, wer man sein will und noch einmal ganz neu anfängt. Aber dann verstrichen die Tage plötzlich wie im Flug. Obwohl Marilyn Monroe auf einem Wandposter das einzige Gesicht war, dass ich am Anfang kannte, kamen mir meine neue Familie und meine neuen Freunde sehr schnell vertraut vor.

 


Anders als in Deutschland ist das Schuljahr hier in 5 Perioden unterteilt und erst am Ende jeder Periode gibt es eine Prüfungswoche. Meine Schulfächer für die erste Periode waren Englisch, Französisch, Sport, Musik, Kunst und, auf Wunsch der Lehrerin, auch Deutsch. Zugegeben, nach meinem ersten Eindruck kann ich mir nicht so ganz erklären, wie es die Finnen unter die Top 5 der PISA-Bildungssysteme geschafft haben. Der Unterrichtinhalt scheint in den meisten Fächern leichter als in Deutschland. Doch die Schüler lernen gerne und konzentriert, suchen sich ihr „Niveau“ selbst aus, und bekommen reichlich Unterstützung. Noch ein kleiner Funfact am Rande: ich kann es kaum glauben, hier gibt es tatsächlich ein Kahootclub.

 

 

Die Sache mit der Finnischen Sprache

 

Mein Lächeln wurde breiter und breiter, als mein Englischlehrer gleich in der ersten Stunde wollte, dass wir finnische Sätze ins Englische übersetzten. Ich lehnte mich zurück und betrachtete die Buchstabenreihen - ja die Aufgabe hatte schon irgendwie Humor.  Da war er also: Der Moment, in dem man begreift, dass man eigentlich absolut keine Ahnung hat. … und so sitze ich oft im Fremdsprachenunterricht und lerne die finnischen Vokabeln.

 


Mein Versuch in den letzten Monaten vor Abflug in Deutschland bereits ein wenig Finnisch zu lernen, scheint mir jetzt sehr hoffnungslos. Die Sprache ist sehr komplex und die Grundlagen nicht einfach und vor allem komplett anders als Deutsch, Englisch oder Französisch.  Wie gut, dass ich ein Talent dafür habe, die Wortendungen zu verschlucken! Damit erspare ich mir die Auswahl zwischen den 30 möglichen Endungen für jedes Substantiv. Im Moment komme ich jedoch sehr gut mit Englisch durch den Alltag, und bin zuversichtlich, dass sich bald auch mehr und mehr finnisch Wörter dazugesellen werden.

 

 

Mein Alltag

 

Jeder Wochentag beginnt für mich mit einer üppigen Portion Haferbrei und einer 8 km langen Fahrradfahrt zu meiner Schule. Wie im Schaufenster sitze ich mit meiner Gastmutter an dem Tisch, direkt am Fenster, während es draußen noch dunkel und kalt ist. Wir unterhalten uns viel, was vermutlich zum Teil daran liegt, dass sie relativ gut Deutsch spricht – wodurch wir ein sehr gutes Verhältnis haben. Meine drei Gastgeschwister sind bereits ausgezogen, aber ich sehe sie manchmal am Wochenende. Dann ist das Haus belebt und es wird viel gequatscht. Und nachdem mich mein Handy bereits zum 7. Mal in Finnland willkommen geheißen hat, fühle ich mich auch wirklich Zuhause, weil einfach alles so normal erscheint.

 

 

Freunde und Erinnerungen

 

„Willkommen“ hat der Rapper gesagt, „im falschen Film“ denke ich mir das Ende des Satzes. Einer meiner Freunde hat mir eine Karte zum wohl größten Event in Lahti überhaupt besorgt. Wir stehen also mit etwa 30 000 anderen vor der Bühne, um den finnischen Rapper „Cheek“ zu hören. Die Atmosphäre, atemberaubend, wir tanzen und singen zu Liedern deren Texte ich leider noch nicht verstehe. Diesen Abend werde ich nie vergessen.

 

 

Finnland Schüleraustausch Stipendium

 


Ich mache viel mit Freunden hier, treffe mich nach der Schule mit ihnen und unternehme etwas mit ihnen. Minigolf, Kino, Ju-Jutsu, Kletterhalle, Kartoffelernte, gemeinsam Essen gehen, Sleep Over, Fotos machen, Reden, und dann wären da noch diese typisch finnischen Sachen. Ich gehe mit Freunden in die Sauna, wir pflücken in der Pause einen Apfel frisch vom Baum oder gehen wandern in den Finnischen Wäldern. Es braucht mehr als ein paar Wörter, um all die Dinge zu beschreiben, die wir hier bereits erlebt haben. Unvergesslich sind auch die Besuche in Helsinki mit meiner besten Freundin. Besonders gerne erinnere ich mich an das „Amos Rex“ Museum. Ich habe Gänsehaut bekommen, als tausende Lichter, Farben an die Wand zauberten und dazu Musik erklang. Einfach unglaublich.

 


Neben den Reisen mit Freunden besuchen meine Gasteltern auch einige Städte mit mir. Für eine Nacht fuhren wir sogar nach Tallinn, Hauptstadt von Estland. Wir besichtigen die Stadt und bewunderten die bunten Gebäuden der Altstadt und die modernen Graffitis des „Hippster Viertels“.

 

 

Nordlichter Schüleraustausch Finnland

 


Aber eines der schönsten Erlebnisse waren noch immer die grünen Tänzer am Himmel, die meine Gastmutter und ich bestaunt haben. Für mich ist ein Traum war geworden, als ich tatsächlich die magischen Polarlichter sehen konnte. Fesselnd. Ich bin einfach glücklich, hier zu sein und all diese Erinnerungen sammeln zu können.