Mittwoch, 20. Mńrz 2019
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Work and Travel-Abenteuer in Australien -
Jobben und Reisen in Tasmanien


WELTB├ťRGER-Stipendiatin
Charlotte K. - Australien

Reiseoutfit-Stipendium gestiftet durch:
Zalando

 

Sch├╝leraustausch Costa Rica

Im Mai bin ich nach Tasmanien geflogen. Genauer gesagt nach Launceston. Und zwar, weil ich dort f├╝r zwei Wochen eine helpx Familie gefunden habe bei der ich das Prinzip Arbeit gegen Kost und Logie wiederholt habe. Und auch wenn es dort am Anfang technisch gesehen k├Ąlter war als in Melbourne kam es mir w├Ąrmer vor, weil es nicht mehr so windig war.

 

Die letzten Tage in Melbourne haben wir mit Freunden aus unserem Hostel einen DVD-Abend gestartet, waren f├╝r ein Getr├Ąnk kostenlos Lasertag spielen, haben die Ladies Night ausgenutzt und haben ein tolles K├╝nstlergel├Ąnde entdeckt, wo vier K├╝nstler aus altem, ungenutztem Industriegel├Ąnde einen tollen Platz f├╝r Austellungen, ein kleines Cafe, Freilichtkino und eine B├╝hne f├╝r Livemusik aufgebaut haben.

 

Wir sind 6 Kilometer oder so mit der Stra├čenbahn zum St Kilda Beach gefahren und haben abends mit tollem Sonnenuntergang am Pier die Pinguine gesehen, die zu den Felsen geschwommen kamen.

 

Am Tag der Abreise bin ich morgens mit dem Bus zum Flughafen gefahren und wurde beim Einchecken netterweise auf einen Notausgangsplatz mit viel Beinfreiheit gesetzt. Vom Flug habe ich absolut nichts mitbekommen, da ich schon vor dem Abheben eingeschlafen bin und erst beim Landeanflug eineinhalb Stunden sp├Ąter aufgewacht bin. Als ich dann aus dem Fenster geschaut habe, habe ich eine einzelne kleine Landebahn im gr├╝nen Nirgendwo unter uns gesehen und geschmunzelt, was f├╝r ein s├╝├čer kleiner Flughafen das sein mag. Eine Minute sp├Ąter sind wir dann eine gro├če Schleife geflogen und auf besagter Landebahn aufgesetzt.

 

Nachdem ich meinen Rucksack vom Gep├Ąckband geholt habe (eins von zweien in Launceston) habe ich nach einem wei├čen Hyundai in der zweiten Autoreihe Ausschau gehalten und dort Sallyanna zum ersten Mal getroffen. Nach einer Stunde Fahrt aus Launceston raus habe ich auch Noel kennengelernt.

 

Die beiden sind super nett und wohnen noch weiter im Nirgendwo in einem sch├Ânen kleinen Bungalow am Ufer eines Flussarms. Das Haus ist richtig gem├╝tlich und der Garten riesig, wobei ein Gro├čteil davon Wald und Buschland ist und ein gutes St├╝ck Rasen ums Haus herum als Buschfeuer- und Waldbrandschutz dient. Das war auch der Hauptteil meiner Arbeit dort: Gartenarbeit, B├╝sche und Rosen schneiden, Pflanzen und Blumen einpflanzen, ├äste abs├Ągen und ganz viel Laub und ├äste zusammensammeln, harken und verbrennen, da besonders die Eukalyptusbl├Ątter viel ├ľl enthalten und der perfekte N├Ąhrboden f├╝r Feuer sind. Ach ja und Sitzrasenm├Ąher fahren macht noch mehr Spa├č als erwartet.

 

Im Garten habe ich au├čerdem alle Beete mit zehn Kubikmetern angeliefertem Mulch aufgef├╝llt, die Beete neu eingerahmt, den Schuppen leer ger├Ąumt, aufger├Ąumt und zur H├Ąlfte mit Feuerholz vollgestapelt und einen umgekippten Baum zers├Ągt.

 

Sallyanna und Noel sind tolle Menschen und haben viel zu erz├Ąhlen und viel erlebt. Sie ist ├ärztin, in Deutschland geboren (sie kann aber kein Deutsch), in Holland aufgewachsen und hat f├╝r ├ärzte ohne Grenzen in Asien und f├╝r die UN gearbeitet und er kommt aus Australien und ist Elektriker speziell im Bergbaubereich und sie haben sich vor zehn Jahren in Vietnam kennengelernt und sind nach Tasmanien gezogen. Ich werde extrem lecker bekocht und die Einrichtung vom Haus ist super gem├╝tlich! Die Arbeit drau├čen ist zwar anstrengend aber macht Spa├č.

 

An einem Tag war auf einmal das Wasser leer. Ja, leer. Es gibt n├Ąmlich keine Wasserleitungen bis da hin weil das ja komplett im Nirgendwo ist. Deshalb haben die einen 25000 Liter Wassertank mit gefiltertem Regenwasser, welches offensichtlich alle war. Der zweite Tank musste wohl ges├Ąubert werden, daher war der keine gro├če Hilfe und ich habe, w├Ąhrend die beiden bei einem Arzttermin waren, den Wassertanker erwartet, der uns 11000 Liter Wasser in den Tank gef├╝llt hat.

 

An einem freien Tag bin ich durch den Cataract Gorge gewandert mit tollen Felsenlandschaften, wo ├╝berall Eidechsen ihr Sonnenbad genie├čen und es sch├Âne Wasserf├Ąlle und Seen mit schwarzen Schw├Ąnen gibt. Au├čerdem habe ich dort zum ersten Mal ein Pfauenrad von hinten gesehen. Die Pfauenrufe sind vielleicht laut.

 

Ein anderes Mal waren wir im Trowunna Sanctuary, ein Tierpark f├╝r gerettete Tiere, die entweder verletzt oder als Waisen dahingebracht wurden. Das war richtig beeindruckend, die Leute arbeiten alle ehrenamtlich da und die Tiere sind toll. Ich habe nicht nur den ersten lebendigen Wombat gesehen (die Stra├čen sind voll mit toten Tieren), sondern ich durfte auch einen auf den Arm nehmenÔÇŽ24 Kilo schwer, total s├╝├č und gem├Ąchlich und mit einer Knochenplatte im R├╝cken, an die wohl schon einige Autos glauben mussten. Die K├Ąngurus dort laufen frei herum und sind teilweise echt zahm und lassen sich streicheln. Die Population der tasmanischen Teufel ist wohl die gr├Â├čte weiltweit (bzw innerhalb von Tasmanien, ausserhalb gibt es die nur in drei oder vier Zoos) und es wird weiter versucht die Teufel zu zuechten, da 80 Prozent der Tiere an einem ansteckenden Krebs, der haupts├Ąchlich das Gesicht bef├Ąllt, gestorben sind. Gef├╝ttert werden die Teufel mit totgefahrenen Tieren von der Stra├če, als ich da war gab es Opossum. Mit einer Lebenserwartung von 5 Jahren ist die Zucht wohl ziemlich schwierig aber wir konnten zwei Nachwuchsexemplare in Form von Waisen, die dort mit der Flasche gro├čgezogen werden, bestaunen.

 

Die B├╝cher-, Musik- und Filmsammlung des helpx Ehepaars ist riesig und ich bin in den Genu├č von tollen Filmen gekommenÔÇŽzwei waren wahre Begebenheiten, einmal ein Hund der im den Siebzigern durch Western Australia getrampt ist und den Noel tats├Ąchlich einmal mitgenommen hat und erst sp├Ąter rausgefunden hat, dass sein Passagier so ber├╝hmt war (Red Dog) und einen Film ├╝ber den Umgang mit den Aboriginies bzw den Halbaboriginies fr├╝her, der teilweise aber ganz sch├Ân traurig ist (Rabbit-proof Fence).

 

Zum Abschied waren wir im Seahorse World Aquarium, wo es bestimmt mehr als zehntausend Seepferdchen gibt. Dort werden Seepferdchen quasi an einem Ort gez├╝chtet, erforscht und ausgestellt. Ich hatte das Gl├╝ck, eine Tour mit f├╝nf Leuten zu erwischen, die richtig klasse war. Ich konnte Babyseepferdchen mit seamonkeys f├╝ttern, ein Seepferdchen, Seeigel, Seestern und einen Mann in der Mupfel in die Hand nehmen und eine 50 j├Ąhrige halbausgewachsene Krabbe anfassen, die riesig war und mit der rechten Schere die Kraft von ├╝ber einer Tonne hat.


Die m├Ąnnlichen Seepferdchen k├Ânnen hunderte Jungen in ihrem Beutel austragen. Und es wurde erz├Ąhlt, dass Findet Nemo nicht ganz realistisch sei, da es bei Clownfischen wohl immer ein Weibchen als F├╝hrer in der Gruppe gibt und wenn dieses stirbt ein M├Ąnnchen aus der Gruppe das Geschlecht wechselt, das hei├čt Nemos Vater h├Ątte, biologisch korrekt, als Nemos Mutter gestorben ist, die neue Mutter werden m├╝ssen.

 

Nach der helpx Zeit bin ich nach Launceston umgesiedelt und habe zu meinem Gl├╝ck ein super tolles Hostel gefunden, das Arthouse! Es ist zwar ein wenig abgelegen, auf der anderen Seite des Tamar River als die Innenstadt aber super gem├╝tlich und mit netten Leuten. Von dort aus habe ich mich nach einem Job umgesehen und bin daf├╝r durch die gesamte Stadt gelaufen, habe ├╝berall gefragt ob jemand gesucht wird und Lebensl├Ąufe verteilt.

 

Zus├Ątzlich habe ich im Hostel schon f├╝r accommodation gearbeitet, also ich mache die K├╝che sauber daf├╝r, dass ich da wohnen kann. W├Ąhrend den drei, vier Tagen erfolgloser Jobsuche habe ich Blut gespendet und das RSA gemacht, das responsible service of alcohol certificate, das man braucht um Alkohol ausschenken zu d├╝rfen, also f├╝r jede Kellnerstelle.

 

Danach ging es auf einmal ganz schnell. Ich sollte in einem Restaurant und in einem Klamottenladen probearbeiten und war auf einmal doppelt eingestellt und voll ausgelastet. Haupts├Ąchlich arbeite ich im Klamottenladen Routleys MenswearÔÇŽmeistens von 9.30 bis 17 mit einer halben Stunde Mittagspause. Die Leute da sind super spannend und die Arbeit auch. Ein paar von unseren Anz├╝gen werden im Laden fotogeshootet, kommen auf den roten Teppich in Sydney oder werden von einem Tour de France-Gewinner 2013 getragen, dem ich auch die Hand gesch├╝ttelt habe. Es gibt auch peinliche Momente, wie z.B. als ich meinem Chef Kaffeebohnen und nicht Kaffee geholt habe, weil ich in den falschen Laden gegangen bin und der Besitzer meinte, dass mein Chef dort immer Bohnen f├╝r seine Frau kauft. Ups. Da es 20 Minuten bis dahin zu laufen sind, habe ich mir dann online ein gebrauchtes Fahrrad ersteigert. In Tasmanien gibt es sogar Helmpflicht.

 

Und zwei bis drei Abende arbeite ich im Restaurant Sails oder dem dazugeh├Ârigen Veranstaltungshaus. Dort hatten wir schon eine Outlaws Motorradgang Hochzeit, Firmenfeiern und jede Menge anderer Events zu meistern. Im Verlauf des Abends bin ich meistens nur noch f├╝r das Essen zust├Ąndig (3 Teller tragen zu k├Ânnen ist auch praktisch, wenn ich mein Essen im Hostel an den Tisch trage), weil ich einfach nichts mehr verstehe wenn die G├Ąste total betrunken Getr├Ąnke bestellen.


Der Manager dort ist total nett und gibt mir manchmal ├╝briggebliebenes Essem vom tollen Buffet mit, womit ich dann das halbe Hostel ern├Ąhren kann. Sonntags mache ich im Hostel das Housekeeping - also Betten und ├ähnliches f├╝r steuerfreies Bargeld. Da wir von 24 bis 90 G├Ąsten schon alles hatten, ist die K├╝che unterschiedlich dreckig und die Betten zu machen unterschiedlich anstrengend.

Abends wird im Hostel eigentlich immer zusammen gekocht, gegessen, gespielt, was getrunken, Filme geschaut und gequatscht oder am Wochende abends weggegangen. Mit der Zeit kenne ich auch alle die l├Ąnger dort sind, aber etwas unternommen wird auch mit den Leuten, die nur auf der Durchreise da sind.

 

Mit zwei Leuten bin ich an einem freien Tag mit einem geliehenen Auto zur Wineglass Bay gefahren. Nach zwei Stunden und tausend Schafen sind wir zum Nationalpark gekommen und nach einem kleinen Verfahrer am Parkplatz geladet. Wir sind dann eineinhalb Stunden ├╝ber eine H├╝gelkette bis zum Strand gelaufen und genau als wir angekommen sind, ist die Sonne rausgekommen und wir haben sogar gebadet. Die Bucht ist wundersch├Ân, bzw eigentlich sind es zwei die von beiden Seiten in die Halbinsel hineinragen.


Auf dem Parkplatz waren die frechsten Wallabies ├╝berhauptÔÇŽ Leider haben wir auf dem R├╝ckweg auch ein oder zwei ├╝berfahren, und das obwohl wir vorsichtig waren - aber es gibt soo viele, die neben der Stra├če sind und manche h├╝pfen dann in die falsche Richtung weg. Vor einem Wombat konnten wir zum Gl├╝ck bremsenÔÇŽmit dessen Knochenplatten im R├╝cken will ich auch ehrlich keine Bekanntschaft machen.


Den Taiwanesen George haben wir auf dem R├╝ckweg in einem tollen Hostel in Bicheno abgesetzt, wo er in Zukunft Pinguintouren geben wird. Er ist Lehrer in Taiwan gewesen und reist jetzt schon seit einem Jahr und will zu Hause ein Projekt f├╝r umweltfreundliche H├Ąuser auf die Beine stellen.

 

Mit 4 anderen Menschen sind wir in einem uralten Auto, was grade so die Berge gepackt hat, zum Cradle Mountain und dem ihn umgebenden Nationalpark gefahren. Ein Ire, ein Holl├Ąnder und zwei Deutsche. Das war absolut wundersch├Ân! Wir waren zu sp├Ąt um mit dem Auto reinzufahren und sind dann mit dem kostenlosen Shuttlebus bis zum Startpunkt am See gefahren. Es war zwar echt wesentlich k├╝hler als erwartet so hoch oben, aber wir hatten richtig Gl├╝ck weil es genau in der Minute als wir zur├╝ck waren angefangen hat aus Eimern zu regnen. Wir hatten nur noch 2 Stunden bis der letzte Bus zur├╝ckf├Ąhrt und haben uns aber trotzdem f├╝r den 3 Stunden Walk entschieden, der am Wombatsee vorbei hinauf auf den Marion Lookout f├╝hrt und teilweise so steil ist, dass neben dem Weg Stahlketten zum hochziehen befestigt waren. Obwohl die anderen mich zwischendurch ein wenig abgeh├Ąngt haben, hat sich der Weg auf jeden Fall gelohnt, denn die Aussicht ist einsame Spitze! Wir haben den ganzen Weg dann tats├Ąchlich in 2 Stunden geschafft und konnten noch an einer H├╝tte am See picknicken.


Nach 6 Wochen im Arthouse muss man Grant und Pete, die an der Rezeption arbeiten einfach m├Âgen. Anscheinend beruht das auf Gegenseitigkeit, denn Pete hat mir und einem anderen angeboten seinen Ute bzw Pickuptruck auszuleihen. Dazu haben wir nat├╝rlich nicht nein gesagt und sind ├╝ber einen 4 Stunden Umweg zum Lake Saint Claire gefahren. Allerdings musste ich die ganze Zeit fahren, weil der Amerikaner, mit dem ich unterwegs war, nur Automatik fahren kann. Der Overlandtrack ist wohl die ber├╝hmteste Wanderstrecke in Tasmanien, wenn nicht sogar ganz Australien und Cradle Mountain ist der Start- und Lake Saint Claire der Endpunkt davon. Martin, den wir zwei Wochen vorher in Launceston kennengelernt haben und der krasse Comics zeichnet, arbeitet da jetzt in einem Restaurant in der Bar und war ├╝berrascht, dass wir ihn besucht haben. Beim Rundweg um den See hatten wir kein Gl├╝ck ein Schnabeltier zu sehen, aber sonst habe ich alle exklusiven, tasmanischen Tiere mittlerwile sehen k├Ânnen. Am gleichen Tag ist auch Ryan, ein Taiwanese, am See angekommen und wir sind dann alle nach Martins Schicht in einen Pub gefahren. Es war echt komisch mit zwei Leuten auf der Ladefl├Ąche zu fahren, aber ich hab alle sicher nach Hause gebracht.

 

Da ich unbedingt noch mehr von Australien sehen will und das mit dem Geldverdienen nicht so schnell ging wie erwartet, will ich noch ein bis zwei Monate dranh├Ąngen um die ber├╝hmte Ostk├╝ste mit dem Great Barrier Reef, Korallen, Regenwald, Krokodile, Strand und die Oper von Sydney zu sehen.

 

Meine beiden Jobs habe ich gek├╝ndigt und werde noch eine Woche durch Tasmanien reisen, an der Bay of Fire vorbei und von Hobart an die Ostk├╝ste fliegen, wo ich einige Leute endlich wiedersehe, die ich auf der Reise getroffen habe.