Donnerstag, 24. August 2017
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Schüleraustausch USA -

Schulmusical, Rodeo und Winter in Illinois

Zweiter Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Mari Ann S. - USA

Stipendium gestiftet durch:
Offaehrte Sprachreisen

 

Schüleraustausch USA

 

Was so seit dem letzten Bericht alles Spannendes in meinem Leben hier im Country von Illinois passiert ist, erzaehle ich allen Interessierten jetzt:


Wie ich das letzte Mal schon erzaehlt habe, ist das Schulmusical dieses Jahr Willy Wonka. Ich bin so gluecklich, dass mich meine Freundin ueberredet hat, vor ein paar Wochen bei den Auditions vorzusingen. Ich war unglaublich aufgeregt, habe aber offensichtlich ueberzeugt, denn nun ich bin Mrs. Gloop. Wer nicht weiss, wer das ist: Diese ueberfuersorgliche, fette, DEUTSCHE Mutter von diesem kleinen, auch fetten Jungen, der in dem Schokoladensee in der Schokoladenfabrik ertrinkt. Weil es nicht nur ein High School Musical ist, sondern auch die juengeren Kinder mitspielen, macht es mir immer unglaublich viel Spass mit so einer Menge Leuten unterschiedlichen Alters zusammen zu arbeiten.


Drama ist gerade meine groesste Freizeitbeschaeftigung. Wir haben fast jeden Tag der Woche Probe. An den uebrigen Tagen, verabrede ich mich mit Freunden oder mache etwas mit meiner Hostmom oder dem Rest von meiner Familie. Vor zwei Wochen war ich mit dem FFA Club von der Schule (Future Farmers of America) in St. Louis im Nachbarstaat Missouri. Ich bin zwar nicht in diesem Club, aber weil meine Freundinnen alle drin sind, durfte ich einfach mitkommen. Wir sind frueh morgens mit dem Bus losgefahren (ungefaehr 2,5 Stunden), und haben dann den Gateway Arch besucht. Das ist ein 192 Meter hohes Monument in Form von einem Bogen (Arch), das das Tor zur westlichen Expansion von Amerika verdeutlichen soll (das weiss ich aus dem Museum, dessen Besuch Part von der ganzen Sache war). Es war so cool mit diesem winzigen Aufzug langsam hochzufahren und dann, oben angekommen, den Ausblick ueber ganz St. Louis geniessen zu koennen. Danach sind wir essen gegangen und in einen Country Shop, natuerlich ein Paradies fuer die ganzen FFA Leute (es gab alles von Pistolen ueber Tarnklamotten ueber Fischfutter bis hin zu Boots).

 

Dann sind wir noch zu einer Outlet-Mall gefahren und abends hat der eigentliche Grund fuer den ganzen Ausflug stattgefunden: Rodeo. Wir sind in die Innenstadt von St. Louis gefahren, zu einer  riesigen ueberdachten Arena, die aussah wie ein kleines Fussballstadion. Meine Freunde waren mega aufgeregt, weil sie das alle schon kannten und wussten, dass sie es lieben, und ich, weil ich es halt noch nie in meinem Leben gesehen hatte.

 

Ich fand das ja alles schoen und gut, aber meine Lieblingsfreizeitbeschaeftigung wird es jetzt nicht, Typen dabei zuzusehen zu vesuchen acht Sekunden auf einem angestachelten Bullen sitzen zu bleiben. Damit es nicht zu langweilig wird, sind dann da noch mehrere Entertainer, die die ganze Zeit herumspringen und “witzig” sind. Vielleicht kann man heraushoeren, dass ich das jetzt im Grossen und Ganzen nicht so unglaublich grossartig fand, aber wer kann den von sich behaupten, dass er an einem Freitag dem 13. die Top 35 Stierreiter der Welt im St. Louis’ Scottrade Center gesehen hat?


Wer meine letzten Bericht gelesen hat, weiss, dass die Familie meiner Freundin, Clara, die andere Austauschschuelerin, und mich nach Tennessee eingeladen hat. In zwei Wochen gehts los und wir sollten uns auch schonmal im Vorhinein informieren, was wir denn machen wollen. Wir freuen uns sehr auf die “Music City” mit dem Cumberland River, auf dem wir eine Bootstour machen werden, Maerkte besuchen, und natuerlich, weil wir in Amerika sind, gehen zu einer riesigen Mall und zur beruehmten Cheesecake Factory.


Seit gut zwei Wochen, haben wir ordentlich Schnee. Es ist zwar nicht so viel, wie diese Gegend hier normalerweise bekommt, aber deutlich mehr, als ich gewohnt bin: knapp 50cm und es soll noch mehr werden! Als einzige Schule in der ganzen Gegend, hatten wir noch keinen einzigen Snowday, also keine Schule wegen Schnee. Auf der einen Seite kann ich das verstehen, dass wir in die Schule gehen, wenn nur ein bisschen Schnee rumliegt, aber wenn man sich fast die Beine bricht, wenn man zum Auto oder zum Bus geht, weil der Boden eigentlich eine grosse Eisschicht ist, dann versteh ich das nicht. Aber ich bin natuerlich jeden Tag zur Schule gegangen um zum Teil alleine im Klassenraum zu sitzen, weil alle anderen einfach zu Hause geblieben sind. Das war echt auch mal ganz lustig!


Aber Schnee hat ja auch ein paar richtig gute Seiten! Ich habe zum Beispiel meinen ersten Schneemann gebaut seit, ich wuerde sagen, fuenf Jahren. Meine Freundin wollte unbedingt einen giant snowman bauen, aber der Schnee war natuerlich nicht klebrig genug, also ist aus unserem giant snowman ein 1 Meter hoher Mini-Schneemann geworden. Aber viel besser als im Schnee rumrutschen und zu versuchen Schneebaelle groesser zu rollen, ist Redneck-Sleeding! Wie geht ihr so Schlitten fahren? Man sucht sich nen Huegel, geht hoch, faehrt den Schlitten runter und geht wieder hoch, richtig? Ja, aber nicht hier! Mit einem Fourwheeler (ich glaub das nennt man Quad in Deutschand) faehrt man durch den Garten und zieht einen Schlitten hinter sich her. Ich nenn das liebevoll Schlittenfahren fuer Faule. Weil es ziemlich schnell ist, legt man sich auf den Bauch auf den Schlitten. Das bedeutet natuerlich, dass man mit dem Gesicht ziemlich nah am Boden ist, weshalb man die ganze Zeit Schnee im Gesicht hat. Sowohl gezogen werden, als auch ziehen, also den Fourwheeler fahren, macht mega viel Spass. Wenn man diese Verschwendung an Benzin dann noch vergisst, kann man das Ganze richtig perfekt geniessen (lach).


Mit Clara, der anderen Austauschschuelerin, hab ich sowas wie einen Deal gemacht. Wenn wir wieder in Deutschland sind, werden wir die groessten Oeko-Spar-nichts-verschwenden-Jugendlichen, die die Welt je gesehen hat! Wir haben uns zwar mittlerweile etwas damit abgefunden, dass wir diese extreme Verschwendung von allem (Strom, Wasser, Lebensmittel, Antriebsstoffe und alle anderen Resourcen) einfach hinnehmen werden solange wir hier sind, aber dafuer werden wir umso mehr sparen und haushalten, wenn wir wieder in Deutschland sind, wo wir unseren Verbrauch viel besser beeinflussen koennen als hier. Schon alleine, dass wir keine Moeglichkeit haben uns anders als mit dem Auto fortzubewegen, weil alles einfach viel zu weit auseinander ist und wir hoechstwahrscheinlich einfach ueberfahren werden wuerden auf dem Fahrrad, verschwenden wir eine unglaubliche Menge an Benzin. In Deutschland wird also wieder fleissig Fahrrad gefahren.


Apropos Deutschland: Ich werde nicht alleine wieder zurueckkommen, sondern meine Freundin Shaylee wird mitkommen. Ich freue mich so sehr darueber, dass es geklappt hat, ihre Eltern davon zu ueberzeugen, dass das eine grossartige Gelegenheit ist. Ich moechte ihr nicht nur zeigen, dass wir andere Laeden zum Shoppen und andere Suessigkeit haben. Ich moechte ihr eine Welt zeigen, ueber die sie nichts weiss. Das hoert sich vielleicht uebertrieben an, ist es aber nichts. Die meisten Menschen hier wissen wirklich nichts uber Deutschland oder Europa oder irgendein anderes Land neben den USA. Sie haben zwar schon mal davon gehoert (vielleicht auch nicht), aber sie wissen nicht wo es ist, was fuer Laender da noch so sind, geschweige denn, wie es da aussieht oder wie die Menschen sind.


Shaylee und ihre Familie sind wie meine zweite Gastfamilie hier. Ich verbringe sehr viel Zeit mit ihnen und ihr Haus ist wie ein Zuhause fuer mich. Deshalb bin ich so aufgeregt und dankbar, dass ich ihr das ein bisschen zurueck geben kann. Zwar nicht fuer 10 Monate, wie sie es getan hat, aber man muss ja mit 7 Wochen irgendwo anfangen.


Ich bin mir ziemlich sicher, Shaylee wird mir, weil sie mit mir mitkommt, den Einstieg in mein Leben in Deutschland sehr viel erleichtern. Nach einem 10-Monate-langen Leben ganz weit weg und ganz anders als das, was du gewohnt bist, ist das Zurueckkommen nicht so einfach, wuerde ich mal sagen. Ich fuehle mich unglaublich wohl hier und kann mir im Moment ueberhaupt nicht vorstellen in guten drei Monaten einfach da weiter machen zu muessen, wo ich vor 10 Monaten aufgehoert habe. Natuerlich bin ich aufgeregt alle wiederzusehen (und gutes deutsches Essen wieder essen zu koennen), aber ich werde mein Leben hier ganz stark vermissen.

 

Aber bis zu meiner Abreise, werde ich jede einzelne Sekunde, die mir bleibt, geniessen! Was noch so geplant ist fuer die kommenden Monate ist erstmal, wie schon gesagt, der Trip nach Nashville, Tennessee, dann steht die Auffuehrung von Willy Wonka an, dann der Abschlussball (Prom), fuer den ich natuerlich schon ein Kleid habe, einen Wochenendtrip mit meiner Familie nach Sued-Illinois, dann das ganze Abschluss-Gedoens der 12. Klaessler (Graduation) und zum Abschluss natuerlich eine grosse Abschiedsparty, die Claras und meine Gastfamilie schon fleissig am Planen sind.
Und damit sage ich Bye!

 
Ganz, ganz liebe Gruesse aus dem winterlichen Illinois
Mari Ann