Dienstag, 24. Oktober 2017
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Die ersten drei Monate
Schüleraustausch in Uruguay

Erster Erfahrungsbericht
WELTBÜRGER-Stipendiatin
Leonie E. - Uruguay
Stipendium gestiftet durch:
YFU

 

Schüleraustausch Uruguay

 

Am 14. August hieß es für mich Abschied nehmen von meiner Familie. Von meiner besten Freundin hatte ich mich am Tag davor schon verabschiedet. Bis zum Abschied von meiner Familie hatte ich bei keinem einzigen Abschied geweint, denn es war alles unreal. Angefangen zu realisieren, dass ich für elf Monate in einem mir unbekanntem Land leben werde, habe ich im Auto auf dem Weg zum Flughafen Frankfurt am Main. Von dort aus startete meine Erfahrung Auslandsjahr. Mit einer anderen Austauschschülerin hatte ich mich an der Kofferabgabe verabredet. Von da an wollten wir zusammen weitergehen. Vorher hatten wir nur ein paar Mal über Facebook geschrieben, denn wir hatten zwei verschiedene Vorbereitungstagungen besucht. Unsere Reise führte uns noch ein ganzes Stück zusammen weiter bis in die gleiche Stadt in Uruguay in der wir jetzt leben. Bis heute sehen wir uns regelmäßig und sind froh die andere zu kennen.


Am Flughafen trafen langsam die anderen Austauschschüler ein. Es war schön bekannte Gesichter wieder zu sehen und neue kennen zu lernen. Die zwei Flüge verliefen bis auf ein paar Turbulenzen kurz vor Brasilien gut. Jeder hat versucht so gut es eben ging zu schlafen. Bei mir waren es am Ende vielleicht zwei Stunden Schlaf. Der Schlafmangel machte sich nicht weiter bemerkbar, denn meine Aufregung war zu groß. Da ich bei unserem letzten Flug am Fenster saß, konnte ich die Landschaft Uruguays anschauen und beim Landeanflug die Hauptstadt Montevideo genauer von oben betrachten. Aus dem Flugzeug ausgestiegen, ging es direkt weiter zum Zoll. Dort sagte uns unsere Flugbegleiterin von YFU, dass wir jegliche Papiere bereithalren sollen. Es brach allgemeine Hektik aus, die letztenendes unnötig war, denn es wurde nur ein Fingerabdruck genommen und geschaut ob das Foto im Reisepass mit unserem Gesicht übereinstimme. Anschließend ging es zum Kofferband. Glücklicherweise ging kein Koffer verloren. Nachdem jeder seinen Koffer hatte, ging es zur letzten Kofferkontrolle und Richtung Ausgang. Am Ausgang wurden wir von den YFU- Mitarbeitern und ein paar Voluntarios mit einem Plakar empfangen. Außerdem warteten schon die Austauschschüler aus den anderen Ländern auf uns.


Und dann ging es es vor die Tür. Ich habe irgendein besonderes Gefühl erwartet, aber meine ersten Gedanken bestanden aus: "So anders sieht es hier aber jetzt nicht aus" und "für Winter ist es ganz schön warm". Die nächsten Eindruecke folgten auf dem Weg ins Camp. Wir hatten zwei Orientation days mit 41 Austauschschülern und einigen Leuten von YFU. In dem Camp wurden noch einmal Themen der Vorbereitungstagung angesprochen, da die Vorbereitungstagungen in den unterschiedlichen Ländern unterschiedlich lang waren. Es wurde sehr viel geredet und die ein oder andere neue Freundschaft geschlossen. Nach den zwei Tagen hieß es auf nach Montevideo zum Busbahnhof alle Austauschschüler in ihren richtigen Bus setzen. Meine Weiterreise dauerte nur zwei Stunden. Da ich so aufgeregt war meine neue Familie kennen zu lernen,  habe ich die andere Austauschschülerin ganz schön zugelabert. Aus dem Bus ausgestiegen wurde ich typisch uruguayisch mit einem Beso auf die rechte Wange begrüßt. Ich gehörte direkt dazu. Empfangen wurde ich von meiner Gastmama, Gastschwester, ihrem Freund und ihrer besten Freundin. Danach ging es zu Fuß in Richtung neues Zuhause. Nach gut sieben Minuten waren wir schließlich da. Im Wohnzimmer hing ein großes "Willkommen Leonie" - Schild. Anschließend wurden mir alle Räume gezeigt und es gab Abendessen. Vor Aufregung und Erschöpfung der letzten Tage konnte ich kaum etwas essen. Ich bin ziemlich direkt ins Bett gegangen und sofort eingeschlafen. Ein Jetlag hatte ich nicht. Meine Müdigkeit kam von zu wenig Schlaf in den letzten Tagen und den vielen neuen Eindrücken. Den nächsten Tag hatte ich noch so etwas wie Eingewöhnungszeit. Endlich hatte ich Zeit gefunden alles gesehene ein wenig zu verarbeiten.


Am Dienstag hieß es auf in die Schule, welche eine katholische Privatschule ist. Zusammen mit der anderen deutschen Austauschschülerin kam ich in die 5. Klasse, welche unserer 11. Klasse entspricht. Wir waren eine sehr kleine Klasse. Insgesamt waren wir 10 Schüler, was auch für diese Schule nicht gerade groß ist. Da wir beide kaum spanisch konnten, war die Kommunikation ein bisschen schwieriger. Einer aus unserer Klasse konnte Englisch und so haben wir auf Englisch geredet und er durfte es immer übersetzen. In den ersten Tagen waren wir zwei Austauschschüler das Highlight an der Schule. Am ersten Tag hatte unsere neue Klasse die ersten zwei Stunden ausfall, also hat uns eine Schülerin, die englisch konnte, die Schule gezeigt. Sie ist übersichtlich und nicht gerade groß. Wir haben vielen Menschen einen Beso auf die rechte Wange gegeben und viele Namen gesagt bekommen. Von den Namen blieben vielleicht so ein oder zwei hängen. Es lag nicht nur daran, dass es viele Namen waren, sondern auch daran, dass die Namen sich von den uns bekannten Namen unterscheiden. In den ersten Tagen wirkten sie kompliziert. Jetzt nach drei Monaten sind sie normal geworden. Manchmal frage ich nochmal nach wie der Name ist, denn teilweise sind sie immer noch komisch und manchmal wird auch gerne genuschelt. Das ist hier eine Eigenart, die viele beherrschen, und mich als Sprachanfänger teilweise nerven. Am Anfang habe ich eine handvoll Wörter gekonnt. Sprachlich habe ich mich definitiv weiterentwickelt, was ich auch dem Sprachkurs meiner Organisation zu verdanken habe. Verstehen tue ich fast alles. Sprechen fällt mir schwerer, aber auch das wird so langsam. Das wichtigste ist viel zu sprechen. Es ist nicht nur wichtig zum Sprachelernen, sondern es ist auch wichtig um ordentliche Beziehungen zu der Gastfamilie und zu Freunden aufzubauen.


Nach der Schule gab es Mittagessen und danch habe ich in den ersten Wochen Mittagsschlaf gehalten. Es ist anstrengend kaum etwas zu verstehen und in den ersten Wochen habe ich jeden Tag unterbewusst gelernt. Ich habe spanisch gelernt und aufgenommen wie das Leben hier gelebt wird. Da ich in der Schule nichts verstanden habe, habe ich angefangen Spanisch im Unterricht zu lernen. Das hat mir viel gebracht und ich saß nicht nur rum. Unter der Woche bin ich abends mit der anderen Austauschschülerin zum Tanzen gegangen. An den Wochenenden habe ich Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht. Sie haben mir einen Park in der Nähe meiner Stadt gezeigt und an einem Tag sind wir zu zwei berühmten Strandstädten gefahren. Es war schön ein bisschen was von Uruguay gezeigt zu bekommen. Da diese Familie mich nur für die ersten paar Wochen aufgenommen hat, habe ich die Gastfamilie gewechselt. Die ersten Tage waren schwer für mich, denn es ist nicht einfach sich schnell an ein neues Umfeld zu gewöhnen, vorallem wenn die Familie anders ist als davor. Mittlerweile habe ich mich eingelebt. Es gibt zwar ab und zu Differenzen, aber nachdem wir geredet haben, sind diese beseitigt. Mir ist aufgefallen, dass es keine perfekte Familie gibt und kleine Streits zum Familienleben dazugehören und die Beziehung zu einander sogar stärken können, wenn danach geredet wird und wirklich alles geklärt wurde.


Die Schule habe ich nicht sofort gewechselt, auch wenn meine Gastgeschwister auf eine andere Schule gingen. Erst ein paar Wochen später habe ich diese auch gewechselt, aber der Grund war, dass die andere Austauschschülerin und ich dauernd deutsch geredet haben und wir alles zu zweit gemacht haben. Zweideutsche Austauschschüler mit einmal sind auch für sehr nette, herzliche und offenen Uruguayos nicht einfach. Die Hemmschwelle auf uns zu zugehen war wesentlich höher. Der Schulwechsel war eine sehr gute Entscheidung, denn meine neue Klasse hat mich gut aufgenommen, auch wenn anfangs über mich gelacht wurde, weil ich manchmal eine Frage falsch verstanden habe. Ich habe danach immer verstanden, wenn sie das anderen Leuten oder Lehrer erzählt haben und das war für mich lustig, weil sie dachten, dass ich kaum spanisch verstehe. Aber wie gesagt verstehen ist einfacher als reden. Direkt vom ersten Tag an hat mich eine große Gruppe von Mädchen in ihre Obhut genommen. Mit ihnen habe ich die Pausen verbracht. Manchmal habe ich mit ihnen geredet und sie haben meine Pronunziation gelobt. So hat das Reden noch mehr Spaß gemacht. Während der Schulzeit sich mit ihnen zu verabreden war schwierig, denn es standen die großen Klassenarbeiten bevor. Sogar ich musste ein paar mitschreiben in Englisch natürlich, in Biologie, Geschichte, Mathe und Literatur, welches unserem Fach Deutsch entspricht. In den Fächern Geografie, Soziologie, welches Sozialkunde änehlt, Ciudadana, welches wie Wirtschaft und Recht ist und Filosofie musste ich glücklicherweise nicht mitschreiben. Mehr Unterrichtsstunden gibt es nicht.

 

Mir gefällt an dem Schulsystem Uruguays, dass jeder Schüler in einer bestimmten Klasse sein Profil wählen kann. Es gibt Naturwissenschaften, Theater und Humanistico, welches viel mit den Menschen zu tun hat. Ich bin in dem Zweig Humanisitco. Es gab Fächer die einfach waren und dann Fächer wo viele Fachbegriffe benutzt wurden bzw man auch noch verstehen musste was uns beigebracht wurde. Das einzige Fach, was für mich bis zum letzten Schultag unverständlich blieb, war Filosofie. In den anderen Fächern konnte ich teilweise dem Unterricht folgen und in manchen habe ich alles verstanden. Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ist anders. Sie ist herzlicher. Im Unterricht wird auch gerne mal über ein ganz anderes Thema mit dem Lehrer geredet. Bei manchen Lehrern war es sogar erlaubt während des Unterrichts aus dem Raum zu gehen um zu telefonieren. Es ist normal einfach aufzustehen zum Mülleimer zu gehen oder den Platz zu wechseln. Bis heute habe ich nicht verstanden, ob jeder einen festen Sitzplatz hat, denn ich saß zwar immer in einer bestimmten Ecke des Raumes, aber auf unterschiedlichen Plãtzen. Im Unterricht wurde viel von den Lehrern diktiert oder musste selbst Zuhause erarbeitet werden. Der Unterricht war eher frontal und es gab nur in einzelnen Fächern ab und zu so etwas wie Gruppenarbeit. Es gab auch Tage an denen die Lehrer nicht aufgetaucht sind oder wir Ausfall hatten und die Schüler das wussten, aber ich nicht. Ich war dann immer demensprechend verwirrt. Woher sie wussten, dass der Unterricht nicht stattfindet, weiß ich nicht. Schule ist hier anders als in Deutschland und es hat mir viel mehr Spaß gemacht hinzugehen. Es war immer lustig mit meiner Klasse. Die Atmosphäre ist eine ganz andere, die.mir bessser gefällt als die in Deutschland.


Nach der Schule bin ich anfangs weiterhin zum Tanzen gegangen, aber nach zwei Monaten ist mir aufgefallen, dass es ganz schön teuer ist. Also habe ich aufgehört. Desweiteren bestand mein Alltag nach der Schule aus nach Hause kommen und Mittagessen. Danach wurde die Küche aufgeräumt und meine Gasteltern haben Mittagsschlaf gehalten. In der Zeit habe ich auf meinem Bett rumgelegen und mit Freunden aus Deutschland geschrieben bzw einfach abgeschaltet. Zwei mal die Woche geht es zum Spanischkurs, der mir mir Spaß macht. Er ist nicht nur lehrreich. Ich bekomme die Grammatik beigebracht, aber auch das Reden stand im Vordergrund. Aschließend war Kaffeetrinkenszeit, welche so gegen 17:30- 19:00Uhr oder manchmal sogar später sein kann. Dann habe ich mich irgendwie selbstbeschäftigt oder war mit meiner Gastmama einkaufen für das Abendbrot oder habe etwas anderes getan. Gegen 22:00 Uhr gibt es immer Abendessen und gegen 00:00 geht es dann ins Bett manchmal später und manchmal früher.


Mit meinen Gastgeschwistern komme ich gut zurecht. Wir verstehen uns. Gemeinsame Familienaktivitäten wie ich es aus Deutschland gewohnt bin, find nur sehr selten statt. Ich finde das schade und merke auch wie es mir fehlt. Erst langsam habe ich begriffen das in meiner Familie das gemeinsam etwas tun die Religion ist.


Seit drei Wochen habe ich nun schon Sommerferien. Meine Sommerferien werden vier Monate lang gehen. Ich habe nicht viel zu tun. An zwei Tagen in der Woche gehe ich zum spanisch Kurs und ansonsten treffe ich mich ab und zu mit Freunden, was mir gut tut und immer Spaß macht. In kleineren Gruppen von bis zu drei Leuten fällt mir das Reden leichter. Wenn es mehr Menschen sind, bin ich froh, wenn ich die komplette Konversation verstehe und auch ein zwei Mal etwas sagen kann. Wie genau ich meine restlichen Sommerferien überstehen werde, weiß ich noch nicht so genau. Jetzt steht ersteinmal die erste Reise von meiner Organisation an. Ich freue mich richtig darauf die anderen Austauschschüler wieder zu sehen und mich mit ihnen aus zu tauschen.


Mein Fazit nach den ersten drei Monaten ist, dass ich die Menschen hier sehr ins Herz geschlossen habe., denn sie sind sympatisch, herzlich und möchten dir immer helfen, auch wenn sie nicht wissen wie. Sie versuchen es trotzdem. Es herrscht eine Grundfröhlichkeit in Uruguay und das ist schön. Die Atmosphäre ist eine andere als in Deutschland. Die ersten Monate sind nicht leicht, denn man muss sich ersteinmal an alles Neue gewöhnen. Ab und zu kommt das Heimweh nach meiner Familie in Deutschland hoch, aber diese Zeit habe ich bis jetzt immer gut überstanden. Ich finde das Heimweh zeigt wie lieb man seine Familie in Deutschland gewonnen hat und wie wichtig sie einem sind. Jetzt Blicke ich nach Vorne und freue mich auf die Sachen, die mir hier noch passieren werden.

 

Beso y abrazo Leonie